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Benutzerbild von strider

Hätten wir gewusst, dass NRW Ferien kriegt... hätten wir es auch gemacht. So saßen wir am Freitag richtig im Stau. Nachdem wir frühmorgens schon Auto gepackt hatten um direkt von Schule/Firma gen Marburg starten zu können kamen wir genau bis Mainz, denn da begann der "stockende Verkehr". Der ging auch bis Gießen, aber natürlich nur abschnittweise durchgesagt, so dass wir nie abfahren konnten. Also gaben wir uns die volle Keule. Ergebnis: abgehetzt ins Hotel gestürmt, Zimmer ergattert, ab in die Laufklamotten (Triathleten können ja wechseln...) und sofort wieder raus, dem verblüfften Menschen an der Rezeption ein "bis später" entgegen geflötet und ab nach Marburg. Und nun hatten wir mal Glück, denn das Fußballspiel hatte begonnen und die Straßen waren frei, und als echte Saarfranzosen schnauzten wir dem Navi, der uns an die Geschwindigkeitsbegrenzung erinnerte nur ein "Maul sonst Auge" entgegen. Einen halblegalen Parkplatz erwischt und die Beine in die Hand genommen zur Startnummernausgabe: 5min vor Schluss bekamen wir unsere Nummern. Schnell noch die Toiletten geentert und zum 750m entfernten Start getrabt. Und da waren wir. Nein, wir hatten keine Lust mehr. Es war schwül, alles konzentrierte sich auf Fußball, selbst die Läufer standen mit ihren Smartphones am Start und schauten das blöde Spiel! Und Coach fragte nur: "Läuft außer uns noch jemand Marathon?" Knapp 1100 Halbmarathonis kamen auf 128 verlorene Marathonläufer, hinzu kamen Unmengen von Staffelläufer.

Startschuss um 19:02 und nichts geht. 2min später überqueren wir die Startlinie. Für die historische Altstadt haben wir wenig Blick, denn im Gewühl ist überleben und auf den Füßen bleiben alles. Und natürlich stehen wie immer die Langsamen vorne. Kopfsteinpflaster abwärts, was für eine Kombination. Dass wir mal besser hätten die Sicht genießen sollen war mir erst später klar, denn 99% des Marathons Marburg führen eben nicht durch die Stadt. Schade, denn die ist schön. Aber den historischen Stadtkern sieht man nach dem Start nie wieder. Schnell verlässt man die Innenstadt und gelangt an die Lahn, und dann geht es nach 11km auf die drei Runden, die über Radwege, Schotterpisten, Wiesenpfade, Brücken entlang an Schnell- und Bundesstraßen führen, sehr kurvenlastig, sehr stolperträchtig. Sehr öde.

Wir überholen. Wir haben langsam geplant, denn beim Start haben wir noch schwülfeuchte 29 Grad und die später einsetzenden Nieselschauer erhöhen nur noch die Luftfeuchtigkeit. Aber irgendwie sind alle anderen noch langsamer, und das obwohl wir nur Halbmarathonis und Staffelläufer um uns herum haben. Die ersten 10km haben wir in 56min, aber es wird langsamer, denn der Rundenkurs hat es in sich. Über das Fußballspiel werden wir mehr informiert als uns lieb ist: besoffene Fans und Hupkonzerte. Dank der Coachbegleitung bleibe ich unbehelligt, anderen Läuferinnen ergeht es da offenbar schlechter. Ich habe Magen-Darm trotz des bewährten Happy-Mittels. Ein Dixie kommt bei km 15, es ist meins. 3min gehen weg, es hilft nichts. Falls ich je eine Zeitplanung hatte, sie ist hinüber. Wir nähern uns der Halbmarathonmarke, als der erste Läufer abtransportiert wird. Ein anderer schließt zu uns auf, ob wir unter 2h ankommen wollten, wir liefen so schön gleichmäßig. Nö, meine ich, heute keinen Marathon unter 2h... Er bleibt zurück. Den Halbmarathon haben wir in 2:02 und hätte Coach mir verraten, dass er aussteigen wollte, ich wäre glatt mitgegangen. Keine Lust mehr. Hinzu kommt, dass die Vasilinierung aufgrund des Zeitdrucks nur sehr unzureichend erfolgte: ich bin wund, und zwar an ziemlich unangenehmen Stellen. Und der linke Knöchel schmerzt und ich habe keine Ahnung warum.

Nun wird es ruhiger. Nur noch Staffeläufer vor uns, unser Tempo lässt nach. Die Dunkelheit bricht herein. Wieder die Staffelwechselzone, Coach wird nach links gewunken, warum auch immer, dann springt mir der Ordner in den Weg und brüllt mich nach rechts. Folgsam biege ich ab und laufe weiter- und werde von einer Sanitäterin unsanft umgerannt. Herr im Himmel, was ist das hier? Taumelnd kann ich mich gerade noch abfangen, der Coach konnte sich auch von den Staffeln lossagen und es geht weiter. Wir beschließen erstmal, dass das hier nicht noch mal sein muss. Meine A...Kilometer kommen und der Magen rebelliert. Irgendwie weiter. Die dritte Runde geht zu Ende. Wir schließen auf eine Läuferin der LG Steinbach auf, irgendwie kommt sie mir bekannt vor, ich spreche sie an. Nö, ist ihr erster Marathon, aber wenn ich schon so frage, dann kenne ich doch bestimmt ihre Trainingspartnerin, Frau Mainrenner? Liebe Sonja, viele Grüße von MIriam ;-)) Wir laufen die dritte Runde zu Ende, dann lässt sie abreißen. Nur noch ein 10er. Der geht doch. Es ist dunkel. Die Wege sind unbeleuchtet, wir haben zum Glück eine Stirnlampe. Trotz meines Schneckentempos laufen wir weiterhin auf Läufer auf und überholen. Staffelläufer! Was ist das hier??? Urplötzlich setzt der Schwindel ein. Mist, Tablette im Chaos vergessen zu nehmen. Ich laufe mit Rechtsdrall, Coach fängt mich ab und an wieder ein und zieht mich zurück auf den Weg. Und dann muss ich bei km 35 mal ganz flott hinter einen Baum. Aua! Ich bin am Ende. Kopf macht nicht mehr mit, alles brennt wie Feuer, jeder Schritt schmerzt. Coach versucht alles, ich heule nur noch. Nö, das hier macht keinen Spaß, ich will heim und zwar sofort! Wir gehen erstmal. Aber irgendwie geht es immer weiter, also trabe ich wieder an. Die letzte Getränkestation: Cola, Iso, alles muss rein. Noch 3km, das wird wohl zu machen sein. Vorsichtige Frage an Coach; schaffen wir es wenigstens noch unter 4:30h? Aber sowas von, kommt zurück. Weitertraben. Wir überholen noch einen Marathonläufer, das Ziel nähert sich, und plötzlich kann ich wieder laufen. Die Pace geht hoch. Nein, es setzt kein Runner's High ein, nur noch ein: Bitte, lass es zu Ende gehen. 600m vor dem Ziel überholen wir noch eine Läuferin, die geht. Sie hängt sich dran, kann aber nicht mithalten. Es geht ins Stadion und in die letzte Runde. Siegerehrung der Männer läuft. Sch...drauf. Wir nähern uns dem Ziel, ich sehe die Uhr und wähne mich zunächst im falschen Film. So schlecht ist die Zeit gar nicht! Und dann sind wir drin.

4:15:40, au weiha. Aber für die Geh- und Klopausen absolut ok, soweit bin ich zufrieden. Aber schön ist was anderes. Cola müssen wir uns erbetteln und bekommen einen halben Becher, das verwässerte Isozeugs ist nicht trinkbar. Unser Hausstand samt trockenen Klamotten sind im Auto, 750m entfernt. Wir sind total verschwitzt, es regnet leicht. Aber erstmal lasse ich mich auf den Rasen fallen. Liege auf dem Rücken, lasse mich nassregnen, schaue in den dunklen Himmel und dann wird "Happy" gespielt und die Füße fangen von alleine an zu tanzen. Es geht auf Mitternacht zu. Der Schwindel beruhigt sich, es werden immer noch Läufer begrüßt, da waren offenbar noch einige hinter uns. Mainrenners Trainingspartnerin kommt ins Ziel, dahinter eine weitere Neu-Marathoni. Wir stellen fest, dass das Damenfeld übersichtlich zu sein scheint.

Und dann kommt der Aufruf zur Siegerehrung und wir sind alle drei dabei. Ich gewinne sogar meine Altersklasse und bekomme einen Pokal! Die erste Frau war nur eine halbe Stunde vor mir im Ziel, ich selbst bin 8. von 22 oder so. Die 1. in der W 40 kommt knapp unter 5h rein! ich erteile dem Lauf das Prädikat "langsamster Marathon". Ich würde ja gerne von einem Spaßlauf sprechen, aber den Spaß kann ich da nicht wirklich entdecken. Stimmung null, aber Landschaft auch nicht. Ich mag Abendläufe, aber bis auf einen kurzen Kilometer, bei dem man aus der Ferne das erleuchtete Schloß sieht haben sich die Veranstalter wirklich alle Mühe gegeben, die Stadt zu umgehen. Als wir gehen laufen immer noch Staffelläufer ein....

Wir fahren ins Hotel und inspizieren erstmal die Wunden. Ich sehe eher wie Pavian denn wie eine Siegerin aus, das Duschen erweist sich als extrem schmerzhaft. Und der Knöchelschmerz klärt sich auch auf: Beim morgendlichen Schwimmen hat mich eine Mücke gestochen, und wie das öfters bei mir passiert ist der Knöchel nun dick geschwollen und alles entzündet. Der Rest des Wochenendes verläuft sportlich gesehen friedlich: sonntags schauen wir uns die Ironmanhelden in Frankfurt an....

Und zum Beweis:

4.333335
Gesamtwertung: 4.3 (6 Wertungen)

so ein

Pokal der hat schon was.
In Thüringen wärst du wahrscheinlich besser aufgehoben gewesen. Aber so kennst du jetzt wenigstens Miriam, die mir immer erzählt wie langsam ich bin...
GLÜCKWUNSCH!!!
...going beyond the mind -it's where the magic happens...

ihr seid helden....

...der coach und du! und herzlichen glückwunsch zum pokal. und ob langsam oder schnell, ist doch wurscht.
achja, und das "happy-mittel" hat bei mir auch schon hin und wieder versagt. und zwar wenn dann bei hohen temperaturen. ob´s damit zusammenhängt?
____________________
laufend findet das foto klasse: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Ist doch klasse!

Einen Siegerpokal für den "langsamsten" Marathon (der ja sooo langsam gar nicht war) - oder war's Schmerzensgeld? Stell ihn schön sichtbar auf als Motivation. Gratulation zum AK-SIIIIEEEEEGGGG! Klasse.

Frau, Du siehst fertig aus. Mach mal Pause.

Herzlichen Glückwunsch . . .

. . . zu der Zeit unter diesen Umständen und zur Platzierung.

Den Pokal hast Du Dir wirklich verdient!

Findet die dusselliese

Was denn,

und da wolltest du mich mit ernsthaft mit hinnehmen? Tststs...;-))) Marburg ist wirklich eine wunderschöne Stadt, da hätte es doch sicherlich ne hübschere Strecke geben können, Schade! So wird der Veranstalter nicht punkten. Aber du hast gepunktet, neben dem AK-Sieg auch noch fürs Durchshalten! Klasse gekämpft!!!

Lieben Gruß
Tame

Gratuliere!

Tolle Leistung, super durchgekämpft

Super durchgebissen,

bei den Temperaturen und dann noch auf einer öden Strecke laufen - Respekt.
Aber die Kreislaufkapriolen machst Du bitte nicht so oft - pass auf Dich auf.

LG,
Anja

Chaos pur bei der Anreise

Aber stell dir das Handy oder sonstwas, Hauptsache du denkst regelmäßig an deine Tabletten! Laufen mit Schwindel und Rechtsdrall braucht kein Mensch, Mensch.
Zum Pokal beglückwünsche ich dich allerherzlichst! Eine gerechte Belohnung, finde ich.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

AUTSCH

also so "langsam" bin ich noch nie gelaufen
(dachte erst an einen bericht vom medoc, aber der kommt ja noch im september ;-)
fettes lob zum AK-pokal und erholung der roten stellen!

The goal of science is to build better mousetraps, the goal of nature is to build better mice!

liebe fazerBS

Ich sehe fertig aus? Das war nachts um 2 Uhr! Da darf frau fertig sein, bin Oma und nicht mehr 18 ;-))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Eben!

Drum sollste ja um die Zeit auch besser in der Koje liegen :duckundwech:

Trotzdem herzlichen

Trotzdem herzlichen Glückwunsch. Den Pokal hast du dir richtig erarbeitet. Und die langsamsten Marathons sind auch wichtig. Danach kann man die Läufe die gut laufen wieder richtig geniesen.

Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu ereichen.
Helden gesucht!

Hui, das klingt anstrengend

Der Lauf klingt ja nicht nur langsam, sondern auch recht öd. Unter diesen Umständen ist der Pokal ja mehrfach schwer verdient. Das Gute: niemand sieht ihm an, dass er von einem langsamen Lauf stammt, er sieht doch recht schick aus. Herzlichen Glückwunsch!

yazi

Respekt!

ich finde, du siehtst sehr gut aus. :))

Für lange Läufe ...

... trainiert man ldl (langsamen Dauerlauf). Hab ich jedenfalls mal gehört. Was hast du denn vor, dass du diese Distanz im Training läufst? Und dann auch noch fürs Schlurfen Pokale abgreifen. Unglaublich.
4:15h - langsamster Marathon! Hallo? Bei den Temperaturen und den Notpausen und überhaupt? Dat war ja wohl alles andere als langsam! An der Zugspitze laufe ich auch keine sub2h auf der Distanz. ;-) Pokal haste dir verdient. Ich glaub das Striderlabel auch.
;-)

Von wegen langsam.Langsam

Von wegen langsam.
Langsam waren die anderen, die haben es nicht geschafft an deiner Ferse zu bleiben.
Auf den letzten 600 m wurden noch 4 Männer und eine Frau überholt. Von Anfang an warst du nur mit Überholen beschäftigt. Es waren nur wenige Staffeln die es geschafft haben überhaupt uns zu überholen.
Dein Lauf war nicht langsam. Der war genial und den Pokal hast du dir mehr als verdient.
Deine Erfahrung auf der Langstrecke hast du optimal eingesetzt, der Schweinehund konnte dich mal und gegen Schluß war bei dir immer noch die Kraft da das Tempo hoch zu halten. Was bei solchen Temperaturen viele nicht geschafft haben. Du hast es perfekt gemacht.
Ps.: Nach einem Arbeitstag mit pubertierenden Schülern, 4 h auf der Autobahn, einem flotten Marathon, also insgesamt 20 h auf den Beinen darf Frau ruhig mal um 2 Uhr Nachts etwas müde aussehen. Zum Glück stand ich hinter der Kamera ;-))

.....Der Schmerz geht, Aufgeben bleibt für immer!.....

Klasse gemacht, Du Untertreiberin!!

Für Dich vielleicht nicht der beste Lauf, aber doch eine mehr als anständige Zeit - herzlichen Glückwunsch schon fürs Durchhalten! Und dann noch ein Pokal!! Super! (Ich möchte einmal nen Mara so langsam laufen wie du!)

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