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Benutzerbild von Rennmaus-vom-See

Nach insgesamt neun Vorbereitungswochen, davon vier nach striktem und intensivem Plan durfte s'Mäusle endlich auf die Rennstrecke. Was der Plan allerdings nicht vorgesehen hatte, war die Erledigung mehrerer Dinge am Vortag des Wettkampfs mit Fahrrad und Kind im Anhänger. Um nicht aus der Puste zu kommen, habe ich mir dafür zwar reichlich Zeit eingeplant, aber der Hänger hinten am Rad zog doch gewaltig an meiner Muskulatur! Hilfe, am Abend hatte ich leichten Muskelkater! Sooo war das nicht gedacht.

Die Mäusefamilie reist also in den Schwarzwald, die Rennmaus mit gemischten Gefühlen. Das Wetter ist mit um die 18°C perfekt. Beim Schülerlauf regnet es etwas, ansonsten bleibt es trocken. Die siebenjährige Schülermaus finisht als 15. bei den U10 - das ist schon etwas frusrierend für ihn, aber so sind halt die Einteilungen im Leichti. Nächstes Jahr gehört er zu den Großen und hat Chancen aufs Treppchen. Wann und wie die Bambinimaus finisht, kann ich nicht erkennen, weil der Zielbereich von lauter stolzgeschwellten Eltern zugestellt ist. Oh Leut', lasst doch Eure Kids wenigstens die Medallien selber abholen, wenn Ihr sie schon nicht alleine laufen lasst!!

Egal, umschalten, jetzt kommt die Rennmaus dran. Schnell noch die Jungmäuse den Seniormäusen anvertraut - meine Blase drückt, vor dem Klo eine Schlange, mist, was jetzt? 15 Minuten bis zum Start und ich bin noch nicht warmgelaufen! Zum Glück haben die Seniormäuse ein Haus in der Nähe, ich laufe mich dorthin warm, erleichtere mich und jogge zum Start. Hups, da ist was im Schuh! Schnürsenkel auf, Steinchen raus, Schnürsenkel zu. Hups, die Schuhe sind ungleich geschnürt. Nochmal auf - zu. Jetzt ist der Schuh zu eng. Auf - zu. Zwei Schritte, die Ferse schlappt aus dem Schuh. Aaaarrrgh! Auf - zu. So muss es jetzt aber gehen!

Ich sortiere mich in das hintere Drittel rechts - Start! Meine Uhr zeigt bereits zehn Sekunden an, bis ich die Starlinie quere, aber das macht ja nix. Der erste Kilometer ist flach, ich würde gerne schneller laufen, aber vor mir sind so viele Leute. Links ziehen alle vorbei, aha - Rechtsverkehr, ich ziehe also nach links und meinen Laufschritt an.

km 1 - genau 6:00 - ich bin warmgelaufen. Jetzt geht es den Berg hoch. Ich hänge mich an eine Läuferin mit rosa Socken. Es läuft gut, keine Probleme mit dem Muskelkater.

km 2 - 12:20 - wow! und das, obwohl es weiterhin schön hoch geht! Die ersten Leute machen Gehpausen. Rennmäuse machen keine Gehpausen, sonst kommen sie aus dem Laufrhythmus. Ich überhole also ganz langsam alle "Gehpausen". Und dann kommt der Husten. Schon gut, ich werde auf meinen Körper hören und bleibe im leichten Bremsmodus. Ich habe Durst. Am VP nehme ich Wasser, spüle aber nur den Mund aus. Letztes Mal kam ich total aus dem Tritt, als ich im Wettkampf etwas getrunken habe. Ich schaffe das auch so.

km 3 - 18:58 - wir haben vermutlich die Höhe (irgendwas um die 950 m) erreicht, ich kann das Tempo anziehen und lasse die rosa Socken sowie ein Shirt mit der Aufschrift "Go °firmenname° Go" hinter mir. (Den Firmennamen behalte ich aus Datenschutzgründen für mich. :-)) ) Vor mir machen sich zwei Läufer mit froschgrünen Shirts breit. Ich überlege, rechts oder links vorbei zu ziehen. Die Problematik erledigt sich von alleine, ein Frosch zieht von dannen. Es geht um die Ecke und plötzlich wird es abschüssig. Ich lasse es laufen und sammle ein paar Läufer ein.

km 4 - 24:54 - pace unter 6:00, wie ich später ausrechne!! Fast wie fliegen. Ich fühle mich prächtig. Es geht auf wunderschönen Wegen durch den wunderschönen Schwarzwald. Ich liebe meine Heimat! Leider läuft so gar niemand mein Tempo. Ich bin allein. Ich ziehe mein Ding durch. Lauf, lauf, lauf. Ich komme mir wie bei einem Computerspiel vor. In der Ferne tauchen neue Opfer auf, sie kommen näher, ich werde sie kassieren. Nochmal ein knackiger Steilanstieg, ein oder zwei Kassierte kassieren mich. Nunja, alles Männer, die haben mehr Muskulatur.

km 5 - 30:48 - trotz Anstieg kann ich mein Tempo auf der Höhe wieder aufnehmen. Jaaaa, ich bin fit wie die Turnschuhe, die ich trage! Es ist einfach nur herrlich. Bis auf das Seitenstechen, gegen das ich nun schon eine Weile anatmen muss. Ich konzentriere mich. Etwas kleinere, schnellere Schritte, Oberkörper ausrichten, alle Luft raus. Pffffffffff. Schon wird es besser. Aber ich darf nicht schlampern!

km 6 - 36:36 - und nein: fliegen ist NICHT schöner! Der Wald lichtet sich, auf einer Wiese stehen doch tatsächlich Schwarzwälder Kühe. Mit Kälbern. IST DAS SCHÖN! Ich bin plötzlich wieder fünf Jahre alt und stehe am Kuhzaun. Fanny hieß eine Kuh meiner Großeltern. Und ich habe immer "Pfanni" verstanden... Huch, das Seitenstechen ruft mich in die Gegenwart zurück. Ich habe geschlampert, macht nix, ein paar mal pffffff und das wird wieder. Vor mir eine Läuferin mit baumelnden Ohringen und baumelndem Walkmankabel. Mir fällt ein Witz ein, den wir uns in der Schule erzählten: Eine Blondine läuft stets mit Walkman und Kopfhörer herum. Eines Tages nimmt ihr jemand den Kopfhörer ab. Die Blondine fällt tot um. Verwundert setzt der andere sich die Kopfhörer auf und hört: "Einatmen - ausatmen. Einatmen - ausatmen." Die Läuferin vor mir ist brünett, sie wird wohl etwas anderes anhören. Langsam komme ich an sie heran, bleibe kurz in ihrem Windschatten, aber dann überhole ich doch. Vielleicht hat sie DOCH das Band der Blondine, denn auf zwei meiner Atemzüge schnauft sie hörbar bestimmt 5-6 mal. Da ich nach wie vor immer wieder husten muss, bin ich mir selbst der Nächste und ziehe schweigend und kräftesparend, leider also etwas unsportlich an ihr vorbei. Nächstes Mal werde ich sie aber anspornen, das habe ich mir fest vorgenommen! Der nächste VP kommt in Sicht, man hält mir Wasser entgegen und will mir weis machen: "Was driiinke' - no goht's wiedor besser!!" Es ist der Papa einer ehemaligen Klassenkameradin! Hach, ob der mich wohl gerade erkennt? Nö, bestimmt nicht.

km 8 - huch, km 8? Zeit 48:15 - ich höre die Stimme des Trainers, nicht zu früh anzuziehen. Und ich erinnere mich an den Trainingslauf, als ich nur mit Mühe bis km 9 kam. Also schööön gebremst rennen. Aber es läuft doch soooo gut. An einer Wassergrabenpfützenschikane kurbeln meine Beine mit Wahnsinnstempo durch die Senke, ich behalte einfach mal das Wahnsinnstempo bei. Es macht Spaß, obwohl es nochmal leicht hoch geht. Optisch nicht zu sehen, aber der Asthmameter zeigt auf Steigung. Ich muss inzwischen feste husten. Aber laufen geht trotzdem super. Es macht Spaß, Spaß, Spaß!

km 9 - 53:34 - der Mäuserich kommt mir auslaufend entgegen. Musste ich bisher allein laufen, stelle ich jetzt auf Team um, dafür brauche ich aber einige Meter. Ja, der Mäuserich irritiert mich zunächst! Aber er läuft schön immer einen halben Schritt vor mir, langsam gewöhne ich mich daran, und tatsächlich, es zieht. Und dann geht plötzlich alles ganz schnell. Was vorher langgestreckt hoch ging, breitet sich nun als stark abschüssige Straße vor mir aus. Die Rennmausbeine laufen unter mir davon. Ich brettere an einem weiteren Frosch vorbei. Es wird immer abschüssiger, ich komme den Beinen kaum noch nach. Waaaaaaah! Ein Streckenposten ruft was. Ich verstehe es nicht. Ich rase an ihm vorbei um die Kurve - uah, ein antiker VW-Bus baut sich vor mir auf. Jetzt verstehe ich auch, was der Streckenposten hinter mir ruft: "Achtung! Fahrzeug auf der Strecke!" Es wird wieder flach, ich keuche den Mäuserich an: "10? Wo sind die 10?" Ich will doch wissen, wie viel ich auf 10 laufe. Wir finden beide die 10km-Marke nicht. Egal, weiter. Da vorne sind nochmal grüne Frösche. Die Strecke macht eine scharfe Kurve, das Ziel kommt in Sicht. Eine Fröschin joggt gemütlich vor mir, ich MUSS einfach noch an ihr vorbei.

Und dann ist auch schon das ganze Rennen vorbei. Langsam weitet sich mein Sichtfeld wieder. Es werden 1:01:27 auf der Urkunde stehen. Damit lande bei den W40 auf dem neunten Platz, ich bin aber noch 39 Jahre alt und linse bei den W35. Da sind nur drei gestartet, von denen ich zwei hinter mir gelassen habe. Hach, es geht mir sooo gut!
Rennmaus im Läufers High! Ich freu' mich schon wie bolle auf das nächste Mal.

4.875
Gesamtwertung: 4.9 (8 Wertungen)

Ein schöner Bericht. Mann

Ein schöner Bericht. Mann konnte fast mitlaufen. Den ersten 10er fast in einer Stunde. Nicht schlecht! Da geht noch einiges.

Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu ereichen.
Helden gesucht!

Gratuliere!

Nervositätsschnürsenkeln...Pfanni-Kühe...Ohrstöpselgesteuerte Mental-Blondinen... Großartig!
Gerne mehr davon, es liest sich herrlich!
Gegen das Asthma gibts so Spray vom Doc. Ich hatte diesen Husten anfangs auch, dann gabs eine Weile Spray, inzwischen gehts ohne.

Toll!

Herzlichen Glückwunsch zu einem starken ersten Wettkampf und danke fürs Berichten, das war sehr unterhaltsam zu lesen.
Ich freu mich auch auf dein nächstes Mal.
yazi

Klasse!

Der Lauf, der Bericht, das Kopfkino. Was hab ich vor mich hingelächelt beim Lesen.

Hört sich nach einem zu wiederholenden Erlebnis an. Wünsche Dir weiter so viel Spaß und Erfolg beim Laufen. Die ganze Rennmausfamilie ist schon infiziert - da kann es nur gut weitergehen!

Gut durchgebissen!

Glückwunsch. Das war bestimmt nicht dein Letzter!



manchen bei youtube

Danke...

...Euch allen!

@ Conny: Das Spray kenne ich, ich bekam es vor über 10 Jahren mal verschrieben, aber wie gesagt, im Alltag alles ok. Aktuell habe ich noch eins, das meiner Kleinen als Säugling verschrieben wurde (auch sie kommt inzwischen ohne klar), und das nutze ich hin und wieder.
Deine Worte machen mir Mut, das ist toll, dass Du inzwischen ohne laufen kannst! Sag (falls Du hier zufällig nochmal reinliest): Läufst Du mehr lange Strecken oder machst Du auch mal ordentlich Tempo?

Tempo oder Strecke

Im Prinzip beides - im Rahmen meiner Möglichkeiten. Bei einem 10er-Wettbewerb mit Puls um die 92-95% lande ich knapp unter einer Stunde, für einen Marathon brauche ich eben über 5 Stunden.
Geht aber mittlerweile beides ohne "Doping".
Viele Grüße, Conny

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