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Benutzerbild von dfrobeen

5 Tage nachdem ich in Syracuse, Bundesstaat New York meinen durchaus erfolgreichen Ironman 70.3 absolviert hatte und dazwischen tatsächlich mal sowas wie Urlaub gemacht hatte, war ich nun wieder am Startpunkt meiner USA-/Kanadareise angekommen - in Chicago. Die Stadt sollte dieses Jahr erstmalig Austragungsort eines ITU-Weltcuprennens sein, bevor im kommenden Jahr im September an gleicher Stelle das "Grand Final" stattfinden wird. Zu den ITU-Events gehört es ja immer dazu, dass es auch ein großes Age Grouper-Rennen an den jeweils hochattraktiven Veranstaltungsorten gibt - also war ich natürlich wieder gemeldet.


Hab schon an schlechteren Orten Triathlon gemacht

Es sollte wieder die Olympische Distanz werden, einerseits um noch eine etwas längere Schwimm-Trainingseinheit zu absolvieren und andererseits um halbwegs Kilometer zu machen, wenn ich schon mal mein Fahrrad mit in die USA nehme.
Freitag abend traf ich wieder in Chicago ein und sattelte mein Fahrrad um locker einmal den Lakefront-Trail, einem sehr schönen 29km-Radweg entlang des Lake MIchigan, einmal rauf und runter abzufahren. Nach der knapp 2stündigen Ausfahrt mit vielen touristischen Highlights, ging es gleich zu meiner Jugendherberge mitten im Zentrum, um mich dort häuslich einzurichten.
Dies gab mir wiederum Gelegenheit um am Samstag morgen schon beim Elite-Paratriathlon dabei zu sein. Was ich eigentlich eher so eingeplant hatte, weil mir nichts besseres eingefallen war, sollte mich total flashen. Ich war begeistert von den sportlichen Leistungen der auf verschiedendster Art und Weise behinderten Teilnehmer. Aber auch der Enthusiasmus der freiwillen Helfer war beeindruckend - ich werde nach meiner Rückkehr in Deutschland mal checken, wie es noch mit Plätzen als Freiwilliger beim Paratriathlon in Hamburg in 2 Wochen aussieht. Am Nachmittag folgte das Eliterennen der Damen, leider komplett ohne deutsche Beteiligung.


Schwimmender Teilnehmer des Paratriathlon


...und das über die vollen 5km der Laufstrecke


Start des Frauen-Eliterennens...


...welches Gwen Jorgensen nahe ihrer Heimat gewann.

Zwischenzeitlich hatte ich meine Startunterlagen abgeholt und musste auch schon am Samstag mein Rad einchecken. Dabei wurden mir erstmals die Dimensionen bewusst, über die wir hier bei der Wechselzone und vor allem dem Laufweg vom Schwimmausstieg zur Wechselzone redeten. Das galt aber für alle Teilnehmer und als ganz passabler Läufer sind lange Wege zur und in der Wechselzone für mich eigentlich eher ein Wettbewerbs-Vorteil. Einen Schock erlebte ich aber dennoch beim Rad-Check-In. Dort wurde nochmal danz deutlich klargemacht, dass analog einer Regel des US-Triathlon-Verbandes, die Wechselzone am Rennmorgen um 5:45 Uhr schließen sollte - damit wenn um 6:00 Uhr die erste Startwelle startet, niemand mehr in der Wechselzone ist. Gleichzeitig war es aber auch verboten am Samstag außer dem Rad noch etwas anderes an seinem Wechselbereich zu belassen. Beides wurde übrigens streng kontrolliert.
Da ich aber in Startwelle 19 um 8:55 Uhr war, bedeutete dies für mich folgenden Ablauf des Sonntag morgen:
- 4:50 Uhr aufstehen und mit den bereits am Vorabend präparierten Utensilien für die Wechselzone den 15-Minuten-Spaziergang in Richtung Wechselzone in Angriff nehmen.
- 5:15 bis 5:40 Uhr Wechselbereich einrichten und die Laufwege in der Wechselzone ablaufen und genau visualisieren
- 5:40 - 6:00 Uhr Fußweg zurück zum Hosten und nochmal eine Stunde schlafen legen
- 7:00 Uhr Frühstück im Hostel
- 7:45 Uhr mit den Sachen für den Schwimmstart und dem Beutel mit Klamotten für nach dem Rennen den 10-Minuten-Spaziergang zum Schwimmstart machen
- 8:16 Uhr begutachten, wie mein irischer Hostel-Zimmergenosse in sehr guten 2:10 Std. die Ziellinie überquert - er wird am Ende 94ster der Gesamtwertung
- 8:55 Uhr mein Schwimmstart
Damit war ich also im Rennen. Wieder in der Hoffnung, dass ich mal raus aus diesen katastrophalen Schwimmzeiten der letzten Rennen komme und zumindest wieder in Bereichen aus dem Vorjahr unterwegs bin. Der Schwimmkurs war im Lake MIchigan und in seiner Streckenführung maximal einfach. Es ging im 19,2 Grad frischen Wasser erst 375 Meter entlang der Hafenmauer nach Süden, dort um eine Wendeboje und dann 1125 Meter in Gegenrichtung nach Norden zum Schwimmausstieg.
Erst hatte ich Sorge, dass ich analog zur Halbdistanz im Kraichgau Panik bekomme ein derart langes Stück Schwimmstrecke einfach geradeaus zu schwimmen. Aber das verging eigentlich recht unkompliziert. Es war halt von der Orientierung auch maximal einfach. Solang man bei Rechtsatmung einen Blick auf den Willis-Tower, das derzeit noch höchste Gebäude der westlichen Hemisphäre erhaschte oder alternativ der Abstand zur Ufermauer einigermaßen konstant blieb, war man in der richtigen Richtung unterwegs.
Dennoch hat auch dieser Umstand nicht dazu geführt, dass ich meine Schwimmleistung verbessern konnte. In über 35 MInuten blieb ich wieder einmal völlig unter meinen eigenen Erwartungen und z.B. auch 3 Minuten langsamer als noch vor wenigen Wochen über die gleiche Distanz beim ITU-Triathlon in London.
Ich merkte hier schon, dass sich in mir eine gewisse Leere breit machte. Ich glaube ich übertreibe es derzeit doch mit meinen Wettkämpfen. Gleichzeitig läuft es privat nicht so rund, wie noch die letzten Monate - so noch bis Mitte/Ende Mai. Aber nachdem ich wirklich eine ganze Weile auf der Sonnenseite des Lebens verbracht habe, gehört eine Phase wie diese wohl dazu. Den weiteren Wettkampf ebenfalls erschwert hat die Tatsache, dass ich völlig von meinen sonstigen Wettkampfritualen abgewichen habe. Samstag gab es zwar im Prinzip noch wie gewohnt Pizza, aber als Tourist in Chicago habe ich es mir nicht nehmen lassen eine ordentliche Chicago-deep-dish-Pizza zu essen, die mit viel fettiger Wurst und massig Käse mit dem runden, flachen Ding aus Italien wirklich gar nichts mehr zu tun hat. Außerdem - und ich glaube das hat noch mehr ausgemacht - verzichtete ich auf mein 3-Stunden-vor-dem-Rennen-Frühstück und nahm es halt erst rund 1:45 Stunden vor meinem Start im Hostel ein. Das sollte mir noch schwer im Magen liegen.
Mit enttäuschender Schwimmzeit aus dem Wasser geklettert, ging es nun also erstmal rund 600 Meter (!) leicht bergauf zur riesigen Wechselzone. Dort nochmal ca. 150 Meter weiter zu meinem Fahrrad, welches ich dank der morgendlichen Visualisierung sofort fand. Jetzt endlich die üblichen Wechselaktivitäten, wobei auch hier wie schon in Syracuse eigentlich kein Startnummernband erforderlich gewesen wäre, ich zog es in alter Routine aber auch wieder an. Nun nochmal 50 Meter mit Rad zum Wechselzonen-Ausgang und auf den Drahtesel gesprungen.
Meine Motivation war im Keller, ich hatte Bauchkrämpfe, keine Lust und es sollten sich auch noch Seitenstechen dazu gesellen. Meine Entscheidung stand fest - dies wird ein touristischer Ausflug durch Chicago und kein Wettkampf auf Bestzeit. Auf der ersten von vier Radrunden nahm ich nur an einer Stelle die Aeroposition ein - nämlich dort, wo ich schon auf dem Weg zum Start den Fotografen ausgemacht hatte. Ansonsten gab ich zwar Druck auf die Pedale, quälte mich aber kein Stück.
Umso mehr überrascht war ich, als die erste von vier 10km-Runden dann in 15:52 Minuten schon erledigt war. Hochgerechnet wäre das ja eine 1:04 Std. für 40km - und das ohne echte Anstrengung. Das sollte dann doch Motivation sein, doch nochmal in den Wettkampfmodus zu schalten. Die zweite Runde ging dann in 15:02 MInuten raus und damit verfehlte ich nur um 2 Sekunden den glatten 40er-Schnitt. Der Radkurs war sensationell schnell, die höchste Erhebung war der Bürgersteig zurück in die Wechselzone, es gab immer mindestens zwei Fahrbahnen in jede Richtung und über 2/3 der Strecke auch sehr feinen Asphalt. Runde drei dauerte 15:18 Minuten - leider kamen die Bauchkrämpfe und Seitenstechen wieder zurück. So musste ich akzeptieren, dass ich in Runde 4 in 15:38 Minuten wieder annähernd an der Zeit von Runde 1 unterwegs war. Insgesamt dauerte die 40km-Spazierfahrt durch Chicago also 1:01:50 Stunden - ein geschmeidiger 38,1km/h-Schnitt. Ich hatte doch Spaß an dem Event gewonnen.
Ich war mit der Radzeit ja schon ganz happy, doch das hatte nichts mit dem zu tun, was ich ansonsten auf der Strecke erleben durfte. Mein irischer Zimmergenosse, der seit Jahren in Washington D.C. lebt, hatte mir im Vorfeld schon angekündigt, dass hier ein paar College-Jungs am Start sind, die mit den drei Triathlon-Disziplinen durchaus etwas anzufangen wissen. Meine Radzeit reichte in der Teildisziplin zu Rang 450 von 1632 Teilnehmern - das entspricht auch meinem Eindruck, was da links von mir auf Carbon-Monstern an mir vorbei geflogen kam. Um auf dem Rad ganz vorne mit dabei zu sein, hätte man einen 52 MInuten Radsplit absolvieren müssen.
Als nächstes folgte wieder eine Wechselorgie. Wir durften erst unsere Räder rund 400m einmal im Halbkreis um die Wechselzone schieben, bevor ich drin dann wieder den gleichen Weg zu meinem Wechselbereich absolvieren musste. Insgesamt schlagen sich in der Gesamtzeit die Wechsel mit über 7 MInuten nieder. Und damit war ich noch gut - lag ich mit T1 unter den besten 11% und bei T2 unter den besten 7% des gesamten Teilnehmerfeldes.
Was aber jetzt folgte, sollte die Qual schlechthin werden. In Chicago war schon seit Tagen tolles Wetter, toll bedeutete aber auch, dass wir bei drückenden Temperaturen von weit über 30 Grad waren. Vor allem aber die enorm hohe Luftfeuchtigkeit machte allen Teilnehmern zu schaffen. Mein irischer Zimmergenosse machte mir vor dem Rennen glaubhaft klar, dass er sonst auf olympischer Distanz hinten raus eine 34er-Zeit läuft, es wurde am Sonntag bei ihm eine 39. Auch die Profis um Javier Gomez und Mario Mola verloren etwa 2 Minuten auf ihre sonstigen 10km-Zeiten. Es sollte einige Profis geben, die für ihren Lauf über 40 MInuten benötigten.
Ich ging meinen Lauf mal flott an, konnte aber von Beginn an schon meine anvisierte 4-Minuten-Pace nicht halten. Die erste von 3 1/2 Laufrunden war aber noch im Rahmen. Dann quälte mich die Hitze, Bauchkrämpfe und immer stärker werdende Seitenstechen doch mehr und mehr. Ich bin sogar ein Stück gegangen, das ist mir in einem Wettkampf glaube ich seit dem Düsseldorf-Marathon 2011 nicht mehr passiert. Ich pendelte mich dann so in 4:20/4:30-Pace ein, in der ich der Schinderei dann auch ein Ende bereitete. 44:06 MInuten wäre unter anderen Umständen eine völlig indiskutable 10km-Zeit, aber so habe ich sie einfach akzeptiert und mich an dem insgesamt doch tollen Event erfreut.
Besonders beeindruckend, wie bei jedem der ITU-Events war natürlich wieder der Zieldurchlauf - dem gleichen, den auch die Profis nehmen durften. Diesmal ging es um den riesigen Springbrunnen "Buckingham Fountain", mitten in der City von Chicago. Ich hörte sogar, wie der Ziellinien-Moderator meinen Namen durchgab. "Däniel Fraobiehn" war die freie, amerikanische Interpretation meines Namens - ich freute mich trotzdem.
Mit 2:28:47 Stunden werde ich in der Ergebnisliste geführt. Platz 416 bei 1.632 Finishern. Im Vorfeld wäre ich mit der Zeit nicht zufrieden gewesen. Wahrscheinlich wäre "unter 2:30 Std." meine Minimal-Zielsetzung gewesen. Die sub2:30 hat immerhin dazu geführt, dass ich das ohnehin schon langsame Lauftempo gehalten habe - die Gesamtzeit verdanke ich aber einzig und allein der guten Zeit auf dem Rad.
Direkt hinter der Ziellinie gab ein Freiwilliger den weiteren Ablauf bekannt. "Links ins medizinische Zelt, rechts zur Zielverpflegung" sagte er und ich musste keine 2 Sekunden überlegen und bog links ab. Aber auch damit war ich in der großen Breite der Finisher unterwegs. Im Zelt hielt der nächste Helfer schon 3 Plastikbeutel mit Eiswürfeln in der Hand. "Wie geht es Ihnen?" "Geht so!" "Überhitzung? - hier, zwei Eisbeutel unter die Achseln und der dritte in den Nacken. Der nächste bitte!" So saßen wir da alle auf den Stühlen und berichteten von den Leiden auf der Laufstrecke. Parallel haben wir beobachtet, wir andere Teilnehmer wirklich medizinisch versorgt werden mussten. Da wurden Infusionen gelegt und andere mit ganzem Körper in Badewannen mit Eiswasser gelegt.
Wir haben drauf geachtet, dass immer ein, zwei Stühle für die nächsten Finisher frei wurden. Der Sitzplatz mit den Eisbeuteln im Schatten war zwar verlockend, aber irgendwann war es dann auch für mich an der Zeit zu gehen. Die Zielverpflegung war entgegen der sonstigen ITU-Events ganz gut, aber auch hier gefiel mir ab besten mein Cappy immer wieder in den aufgestellten Fässern mit Eiswasser zu tränken und wieder auf den Kopf zu setzen. Wenn dann wieder ein gekühltes Getränk geleert war, holte ich das nächste und wiederholte mein Cappy-Ritual. Auch hier war das Hauptthema die Quälerei auf der Laufstrecke.
Als ich dann beschloss genug gelitten zu haben, machte ich mich auf mein Rad zu holen und mich ein Stündchen im Hostel auszuruhen. Danach hatte ich nur noch 2 Stunden Zeit, bis das nächste Highlight, das Männer-Profirennen folgte. Vorher gönnte ich mir - wie schon nach dem Boston-Marathon - bei "Five Guys" (meiner neuen LIeblings-US-Fastfoodkette) den Doppel-Bacon-Cheeseburger in Maximalausprägung und einem Berg Pommes. Derart gestärkt freute ich mich schon riesig jetzt passiv die Profis leiden zu sehen und erlebte ein tolles Rennen, in dem Javier Gomez seine Niederlage von London wieder richtig stellte und dem Rest der Triathlonwelt zeigte, wer gerade der weltweit schnellste Mann im Ausdauerdreikampf ist.


Start des Männer-Eliterennens...


...bei dem ein Spanier stürzt...


...und ein anderer souverän den vierten von fünf WM-Rennen dieses Jahres gewinnt.

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Aeroposition

für den Fotografen, das macht dich sehr menschlich ;-))

Und dass es gut läuft, wenn man entschieden hat, den Wettkampf abzuhaken, kann ich voll und ganz bestätigen. Die Laufzeit ist wohl der Hitze geschuldet, das hast du ja ganz richtig eingeschätzt. Und dass man wohl Abstriche machen muss, wenn man seine gewohnten Abläufe im Ausland nicht durchziehen kann, höre ich auch von Profis! (habe Trainer vom Bundesstützpunkt Triathlon im Kollegium).

Alles in allem: volle Hochachtung von mir und danke für deinen Bericht!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Schon wieder ein Wettkampf?

Und wieder international! Bin wieder beeindruckt vom Ausflug in die weite Welt.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Ähem, irgendwie

hab ich das KO nicht gefunden. War doch ein genialer Wettkampf. Tolle Radzeit und immer noch super Laufzeit bei der Hitze! Auch das Gesamtergebnis ist besser als alles, was ich auf der Distanz bisher abgeliefert habe.

ITU - da kommt die Creme de la creme. Ich würde mich da nicht mal an den Start trauen - von den Preisen mal ganz zu schweigen.

Und dann nur 6 Tage nach dem einen Ding das andere raushauen? Irgendwann kommt so ein komische "R"-Wort glaube ich ganz gut. Denk dran: bald ist Roth!

Erhol Dich gut.

Vielen Dank...

... für den Bericht und vor allem auch für die tollen Fotos, die sind sagenhaft. Du erlebst echt was, und wir dürfen ein bisschen zugucken, dafür herzlichen Dank!

yazi

Danke für das mitnehmen in

Danke für das mitnehmen in deinem Bericht.
Tolle Schnappschüsse gemacht bei einer traumhaften Kulisse.
Nimm es als Genussveranstaltung, viel zu schade bei solch einer Lokation nur den Blick für Zeiten zu haben.

LG

.....Der Schmerz geht, Aufgeben bleibt für immer!.....

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