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Benutzerbild von roki

Mit großer Vorfreude kam ich am Donnerstag in Grainau an. Mein diesjähriges Sommer-Highlight - der Supertrail über 60 km - stand nun unmittelbar bevor. Trotz der vielen Trainings-km und einer erfolgreichen Harzquerung Ende April hatte ich eine gehörige Portion Ungewissheit im Gepäck. Ungewiss war sicherlich nicht, ob ich in das Ziel komme, sondern wie. Erfahrungen mit alpinen Ultratrails hatte ich bis dato jedenfalls keine und als Randberliner auch nicht allzu viele Trainingsmöglichkeiten am Berg. Aus Respekt vor den zu überwindenden Höhenmetern legte ich mich daher im Frühjahr auf die kurze Ultradistanz fest. Vernunft siegt.

Kaum angekommen, wurden die Laufschuhe geschürt und die Umgebung erkundet, Start- und Zielbereich gecheckt sowie das heutige Restaurant auserkoren. Nach zwei zünftigen Hefeweizen, einer leckeren Haxe und den ersten Gesprächen unter Gleichen hatte ich die richtige Bettschwere erreicht und es galt, die Nacht zum Ausschlafen zu nutzen. Die nächste Nacht würde ich bestimmt vor Aufregung nicht richtig schlafen können.

Für Freitag war dann Sightseeing geplant und trotz des miesen Wetters zog ich mein Programm durch. Bei -2°C und viel Wind stand ich gegen 10:00 Uhr auf der Zugspitze und sah: nichts. Auf dem Gletscher das gleiche Bild. Verdammt. Dann eben wieder runter, Startnummer abholen und kurz über die Expo schlendern. Der Tag war erst zur Hälfte rum. Daher entschloss ich mich, trotz des miesen Wetters die Höllentalklamm zu erkunden. Die Schlucht ist in der Tat ein sehr beeindruckendes Naturerlebnis! Nach kurzem Boxenstopp im Hotel zum Wechseln der nassen Klamotten ging es dann zur Pastaparty in den Kurpark. Zu meiner Überraschung waren die Portionen recht groß und wer wollte konnte sich einen Nachschlag holen. Einen Salat gab es oben drauf. Und Einpeitscher in Lederhosen, die uns Läuferinnen und Läufern vermutlich für morgen schnelle Beine machen sollten. Schnelle Beine habe ich dann auch gemacht und bin zurück ins Hotel. Schließlich musste ich noch meine Laufklamotten zu Recht legen und die Ausrüstung nochmal checken.

Tag X. Wie erwartet, war die Nacht nicht unbedingt erholsam. Aber ich hatte ja vorgeschlafen. Also schnell rein in die Laufklamotten und ab zum Frühstück, wo schon emsiges Treiben herrschte. Nach einem noch halbgefrorenen Brötchen, einem Müsli und zwei Tassen Kaffee machte ich mich dann auf den Weg zum 2 km entfernten Kurpark. Der Bustransfer nach Leutasch-Weidach lief reibungslos, so dass ich kurz nach acht im Startbereich des Supertrails eintraf und noch genügend Zeit hatte, mich Überflüssigem zu entledigen. Nach langem Schlangestehen vor dem Herrenklo (verkehrte Welt!), Gepäckabgabe und Kontrolle der vorgeschriebenen Ausrüstung am Einlass stand ich nun bei noch recht frischen 11°C im Startblock.

Pünktlich um neun fiel dann der Startschuss und die Meute setzte sich in Gang. Die ersten zwei km lief ich recht zügig, um beim bevorstehenden Aufstieg zum Scharnitzjoch nicht durch die Masse gebremst zu werden und mein eigenes Tempo laufen bzw. gehen zu können. Auf- und Abstieg waren landschaftlich ein Traum, machten mir aber nochmal deutlich, dass ich bei einem solchen Lauf mit ganz anderen Maßstäben kalkulieren muss. Nach zwei Stunden und 15 km kam der erste Verpflegungspunkt. Nachgetankt und Stöcke eingepackt konnte ich auf breiten Wegen wieder gutes Tempo machen. Bis bei km 32 hinter dem Verpflegungspunkt Ferchensee mein erster Tiefpunkt lauerte. Mit dem folgenden Anstieg und dem Wechsel in den Gehschritt meldeten sich zum ersten Mal meine Beinstrecker mit leichten Krampfattacken. Das kenne ich und weiß, dass ich das einfach wieder rauslaufen kann. Blöd nur, dass dies bei dem langgezogenen Anstieg nicht ging und ich mehrere km leiden musste. Die Erlösung kam dann mit dem Abstieg zum tiefsten Punkt der Strecke. Überraschenderweise war der Verpflegungspunkt Reintal nicht im Tal sondern erst nach einem erneuten Anstieg durch den Wald bei km 41. Hier traf ich wieder auf einige bekannte Gesichter von den vorherigen Verpflegungsstellen und alle hatten mehr oder weniger gerade einen Tiefpunkt. Ich lief mit Dennis aus Berlin und gutem Tempo dem letzten Aufstieg zur Bergstation der Alpspitzbahn entgegen, musste ihn dann aber ziehen lassen, weil sich meine guten Bekannten, die Beinstrecker, wieder einmal meldeten. Also einen Gang zurückgeschaltet und auf Gelegenheiten zum Auslaufen gewartet. Nun schraubte ich mich in einer scheinbar endlosen Anzahl von Kehren zum Verpflegungspunkt Talstation Längenfelder hinauf. Ein ätzender Anstieg im Wald ohne grandiose Aussichten wie beim Scharnitzjoch. Oben traf ich auf eine Vielzahl von Basetrailern, die bereits zum Downhill starteten. Nach der Einsamkeit beim Aufstieg war Trouble eine willkommene Abwechslung. An den Downhill aber durfte ich noch nicht denken, schließlich mussten noch weitere 400 Hm zur Bergstation überwunden werden. Auf den breiten geschotterten Wegen der Osterfelder Abfahrt ging es nun in herrlich hochalpines Gelände. Allerdings war es hier oben echt frisch gewesen und ich wollte daher ganz schnell wieder runter. Ab der Bergstation ging es dann auch für mich auf den finalen Downhill mit ca. 1.300 Hm im Abstieg. Jetzt war noch einmal höchste Konzentration gefordert, denn auf Schotter und matschigen Passagen musste jeder Schritt sitzen. Zweimal bin ich hier ins Rutschen gekommen. Hochachtung vor den Ultratrailern, die hier im Dunkeln runter müssen. Die Beinstrecker hatten Sendepause, dafür funkte nun mein rechtes Knie leichte Schmerzsignale. Was soll's, umkehren war keine Option. Endlich unten in Hammersbach angekommen und nur noch 2 km bis Grainau überkam mich das Runner's High und ich flog dem Ziel, angefeuert von zahlreichen Zuschauern an der Strecke, entgegen. In knapp unter neun Stunden finishte ich überglücklich meinen ersten alpinen Ultra. Ich genoss noch eine ganze Weile die Stimmung im Festzelt bei einigen Flaschen alkoholfreiem Weizen und leckerem Kuchen. Dann machte ich mich auf den Heimweg, identisch mit den letzten zwei km der Laufstrecke, und feuerte die mir entgegenkommenden Läufer an. Einige waren dafür empfänglich, andere nicht (mehr). Auch diese Läufer werden spätestens am nächsten Tag ihr Lächeln wiedergefunden haben und stolz sein über die vollbrachte Leistung!

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Berliner und Randberliner, allgemein die Flachlandtiroler ...

... haben es manchmal schwer da in den Bergen. Aber den Jungs und Mädels mit besserem Trainingsgebiet haben wir es gezeigt! Das klingt doch nach nem richtig schönen Einstieg in die wunderbare Welt der Bergläufe. Und eine super Sicht war ja auch oben auf der Runde hoch zur Bergstation der Alpspitzbahn.
In den Bergen zu Laufen ist schön. Genieß den Erfolg!
... und plane schon mal den nächsten Lauf, da unten in den Bergen?
;-)

Herzlichste Glückwünsche!

Faszinierend finde ich, dass auch ein Flachlandläufer solch alpine Läufe in Angriff nehmen und erfolgreich finishen kann. Erhol dich gut!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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