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Benutzerbild von dragao

Nachdem der Marathon im Herbst 2013 in Frankfurt alles andere als nach Plan verlief, stand der Entschluss schnell fest, im Frühjahr 2014 einen erneuten Anlauf zu unternehmen, die eigentlich für Frankfurt geplanten 3 Stunden 45 zu unterbieten. Nachdem ich 2013 bereits in Leipzig gelaufen bin, wollte auch eine neue Stadt ausprobieren. Aufgrund der Urlaubsplanung kamen die Klassiker Hamburg und Mainz nicht in Frage und da ich eigentlich auch nicht so viel reisen wollte, entschied ich mich dann beim Marathon in Mannheim am 31.05.2014 teilzunehmen. Der günstige Preis von nur 35,-, die nur knapp 100km vom Heimatort und die versprochene tolle Stimmung beim Dämmermarathon machten die Entscheidung dann leicht und so meldete ich mich bereits Mitte Januar 2014 für den Marathon an.

Die Vorbereitung lief super, anders als im Vorjahr blieb ich den ganzen Winter von Verletzungen und Erkältungen verschont und der milde Winter tat sein übriges dazu, dass ich den kompletten Winter regelmäßig lief und mit einer super Fitness in die eigentliche Vorbereitung einsteigen konnte. Die prima Form zeigte sich bereits beim Frankfurter Halbmarathon bei dem ich mit 1:42:46 persönliche Bestzeit gelaufen bin. Und so konnte ich auch den gesamten Trainingsplan bis zum Ende und ohne große Mühen absolvieren.

Zehn Tage vor dem Start bekam ich eine "Erinnerungsmail" mit der offiziellen Meldebestätigung und so machte ich mich am Samstag, den 31.05. nach ausgiebigem Vollkornnudel-Mittagessen und gehöriger Aufregung auf den Weg nach Mannheim. In Mannheim angekommen, suchte ich mir einen Parkplatz in der Nähe einer Straßenbahnlinie mit direkter Anbindung zum Rosengarten, dem Kongressgebäude in dem sich die Organisation befindet. Nach kurzer Bahnfahrt schallten mir am Wasserturm bereits die typischen Laufveranstaltungsgeräusche entgegen. Es war noch viel Zeit bis zum Start um 19:00 und so beschloß ich mich ein bisschen auf der Marathonmesse umzuschauen und mir meine Startnummer abzuholen. War das Kongressgebäude selber imposant und innen modern, so war die Marathonmesse selber eher eine Enttäuschung, vielleicht zehn Stände, davon auch noch einer für Skater, ließen den Besuch schnell rumgehen, aber man soll ja vor einem Marathon nicht so viel durch die Gegend laufen ... Auch das Abholen der Startnummer war schnell erledigt, dem Blick in den Beutel folgte die zweite Ernüchterung: Außer der Startnummer waren nur ein paar Werbeflyer, ein Getränk und ein Riegel in dem Beutel. Nachdem ich dann die Nummer auf meinem Trikot befestigt hatte, war immer noch immer viel Zeit bis zum Start und so entschied ich mich noch einen Happen beim Italiener um die Ecke zu essen. Nach der Stärkung machte ich mich dann auf den Weg zurück in den Rosengarten wo ich mich dann langsam umzog, meinen Beutel an der Aufbewahrung abgab und noch ein wenig die Atmosphäre genoss. Dann wurde es aber auch langsam Zeit sich vorzubereiten, ein kurzes Warmlaufen, ein kurzes Gespräch mit anderen Läufern, ein Klogang und dann machte ich mich auf den Weg zum Start.

Überraschung Nummer drei: Totales Chaos um zum Start zu kommen, normales Publikum kam einem mit Kinderwagen entgegen und irgendwie waren keine Seiteneingänge zu den einzelnen Startblocks zu entdecken. Erst ein paar Meter weiter gab es einen Seiteneingang zu den Läufern, der aber auch von allen anderen Passanten genutzt wurde um auf die andere Seite zu kommen. Ich beschloss einfach stehen zu bleiben, was sich als goldrichtig herausstellte, da kurze Zeit später der 3:45 Pace-Läufer in meiner Nähe auftauchte. Die Aufregung legte sich, alles richtig gemacht, ein paar Dehnübungen, Smalltalk mit den Mitläufern und schon ging es los. Herrliches Wetter und ich fühlte mich "fit wie Turnschuh" ...

Überraschenderweise hatte sich das Feld relativ Zielzeit-getreu eingeordnet, so dass es schon am Anfang relativ wenige Überholmanöver gab und ich ziemlich schnell meinen Rhythmus fand. Den Pace-Läufer immer im Blick vergingen die ersten km wie im Flug. Stadtauswärts ging es an zahlreichen Grillparties vorbei. Ebene Strecke, typischer Stadtrand mit Ausfallstraße und Industrie, kurz nach KM5 liefen wir über asphaltierte Feldwege, im Abendlicht eine fast romantische Szenerie, wie sich die lange Läuferschlange durch die Felder schlängelte. Vorbei am Maimarktgelände ging es dann zu dem ersten angekündigten "Highlight", die Durchquerung der SAP-Arena. Naja, ganz nett, die Halle war zwar im Innenraum bunt beleuchtet und die Musik und ein Sprecher haben Lärm gemacht, aber dafür war fast niemand auf den Rängen, nur direkt am "Straßenrand" war Publikum, das die Läufer anfeuerte. Ich war nur froh, dass meine Laufuhr den Satelliten nicht verlor ...

Danach ging es wieder ein paar km über Feldwege in Richtung Seckenheim, bei der 10km Getränkestation verlor ich dann meinen Paceläufer und war auf mich alleine gestellt, hoffentlich setzt die GPS-Uhr nicht aus ... In Seckenheim war wahre Volksfeststimmung, überall Bier- und Würstchenstände, applaudierende Menschen und jubelnde Kinder, ein tolles Gefühl, dass den Adrenalinpegel anhob, was sich in meiner Pace deutlich zeigte, ich war zu dem Zeitpunkt ca. eine Minute vor meiner Soll-Zeit, hoffentlich rächt sich das nicht ... Zurück in Richtung Mannheim am Fernsehturm vorbei sind schon 18km rum. Links abgebogen und plötzlich komme ich am 25km-Schild vorbei, Überraschung Nummer vier ... habe ich mich verlaufen? Naja weiterlaufen, zum Glück kam kurz danach das 19km-Schild, puh, doch alles richtig ... Kurz nach dem Nationaltheater Getränkestation und Abbiegen in die Fressgasse, da kam es dann zur nächsten Überraschung, im quasi letzten Moment realisierte ich, dass ich links abbiegen musste auf eine weitere Schleife durch die Mannheimer Innenstadt, Glück gehabt. Im Nachhinein las ich dann mehrfach davon, dass es an dieser Stelle zu einiger Konfusion geführt hat. Hier war die Beschilderung eindeutig nicht ausreichend und das Personal nicht deutlich genug. Dann ging es zurück Richtung Wasserturm und Zielbereich wo sich die Halbmarathonis von uns verabschiedeten, plötzlich war es dann relativ leer auf der Straße und wir Marathonis waren unter uns...

So ging es wieder stadtauswärts, weiter im Plan, immer mit einer Pace um die 5:15 ... dann laute Schreie hinter mir, ich wurde von einem Kamerawagen mit folgendem Spitzenläufer überholt, das muss der Kollege gewesen sein, der sich in den Quadraten verlaufen hatte und anschließend umgeleitet wurde. Danach ging es dann durch den als "Highlight" angepriesenen Luisenpark, für den ich aber nicht wirklich Augen hatte, zudem langsam die Kräfte nachließen. Im Park war es mir zu dunkel und zu leise, so war ich wieder froh als ich
dann wieder in der Innenstadt war, wo ich bei der Verpflegungstation zum ersten mal eine Gehpause einlegte, auch um das Wasser zu trinken und nicht, wie bei dem mal zuvor, zu verschütten... In der Fressgasse kam wieder die Abzweigung an der ich dieses Mal geradeaus
laufen durfte, weiterhin herrschte hier großes Chaos, einige Läufer sind hier wohl wieder auf die Innenstadtschleife abgebogen, dieses mal waren die Ordner aber zumindestens deutlicher in der Ansage.

So befand ich mich jetzt auf dem Weg Richtung Ludwigshafen, wo vorher die lange Rheinbrücke zu überqueren war, ein zu diesem Zeitpunkt denkbar ungünstiger Streckenabschnitt. Keine Zuschauer, extrem monoton, stetig ansteigend, zum Glück kein Wind. So spielten sich hier einige Läuferdramen ab: Krämpfe und Magenprobleme ließen hier einige eine Zwangspause einlegen. Langsam stellte sich auch bei mir ein Kein-Bock-mehr Gefühl ein. Auf die ewig lange Brückenüberquerung folgte ein viel zu steiler Abschnitt, bei dem die Beine auch nicht mehr so richtig loslassen konnten. So verlor ich nach und nach Zeit und mein Ziel in Sub-3:45 ins Ziel zu kommen war ernsthaft in Gefahr. So ging es durch Ludwigshafen, kein Ort, den man touristisch besuchen möchte. Inzwischen war auch die Sonne untergegangen. Ich kämpfte mich von Getränkestation zu Getränkestation und plötzlich lief der 3:45-Paceläufer an mir vorbei. Oha, hatte ich so viel Zeit verloren? Ich war doch die ganze Zeit über immer eine gute Minute über dem Soll? Ich versuchte mich dranzuhängen und merkte, dass ich dafür ganz schon kämpfen musste. Die Geschwindigkeit war mir eigentlich zu hoch und so sah ich schon mein Ziel dahinschwinden. Über die Brücke zurück nach Mannheim ging es dann aber wieder und so war auch endlich ein Ende absehbar. Komm, gib alles, du packst das!

Zurück in Mannheim ging es dann in den Schlossgarten, als Highlight beschrieben ... naja, historisch und nett beleuchtet. Der Paceläufer war mir vorausgeeilt aber war immer noch in Sichtweite. Es tat zwar alles weh, aber das Gefühl machte sich breit, dass die Bestzeit heute zu knacken ist, jetzt bloss kein Krampf! In den Quadraten wurde es lauter, die Zuschauer wurden mehr und so war endlich der Wasserturm in Sichtweite, nur noch eine Schleife, jetzt noch mal Gas geben. Hier herrschte tolle Stimmung, viele jubelnde Zuschauer, die Beine fühlten sich komischerweise wieder frisch an und ich konnte einige auf dem letzten km überholen. Rechts von mir sah ich den Paceläufer und so war ich mit 3:44:32 im Ziel. Punktlandung. Bestzeit. Medaille. Wo gibt's was zu trinken?

In der Seitenstraße neben dem Rosengarten waren die Verpflegungsstände aufgebaut. Naja, die Auswahl war überschaubar. Mit Wasser und Iso-Getränken bewaffnet zum Bananenstand. Ich musste mich unbedingt setzen. Schnell nach Hause telefonieren, um das Ergebnis zu verkünden, zum ersten mal, dass keiner meiner Angehörigen mich im Ziel empfangen hat, komisches Gefühl. Da sah ich den Paceläufer, unterbrach kurz mein Telefonat und bedankte mich für den tollen Lauf, Hochachtung er lief wie eine Nähmaschine.

Plötzlich bemerkte ich die Erschöpfung, ich zitterte plötzlich vor Kälte, so dass ich mich auf den Weg zur Kleiderbeutelaufbewahrung machte. Ungeduscht zog ich mir was trockenes an und begab mich zur Massage. Nach der Massage und noch ein paar Getränken und Bananen
machte ich mich auf den Heimweg.

Mein Fazit: Die Organisation war größtenteils gut, Check-In, Verpflegung, Massage war ok, der Zugang zum Startbereich sollte besser geregelt werden. Die Streckenführung ist verbesserungswürdig da manchmal verwirrend. Ludwigshafen sollte man sich schenken, die Rheinbrücke ist monoton, die Stadt Ludwigshafen ist auch keine Augenweide. Unvergesslich war die Stimmung im Zielbereich, da wurde nicht zu viel versprochen.

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (2 Wertungen)

Schöner Bericht!

Glückwunsch zum Finish und der PB! Ich bin zwar nur den HM gelaufen, aber vieles in Deinem Bericht habe ich wiedererkannt : der spartanische Starterbeutel, das Zugangsproblem zu den Startblöcken, (das offensichtlich zu diesem Lauf dazugehört, weil es zumindest letztes Jahr genauso war), das tolle Publikum vor allem in Seckenheim ...

Für nächstes Jahr spricht man von einer neuen Strecke und dem Start-/Ziel in der SAP-Arena. Fände ich aber schade, da gerade am Rosengarten und um den Wasserturm herum recht viel Atmosphäre herrscht. Da nimmt man auch den schwierigen Zugang - manche sind über die ca. 2 Meter hohen Zäune geklettert - zum Startblock in Kauf.

- Christof.

Danke für das Kompliment

Derjenige, der mit dem 3:45er-Ballon lief, tummelt sich auch auf Jogmap, wenn auch in den letzten Monaten etwas zurückhaltend.
Es hat mich sehr gefreut, dass Du im Zielbereich Dein Telefonat unterbrochen hast, um Dich noch bei mir zu bedanken.

Übrigens war es mein erster Einsatz als Pacemaker. Offenbar waren einige Pacer nicht erschienen. Für 3:30 waren zwei Läufer da, für die 4.00 Stunden sogar vier. Und ich durfte alleine die 3:45er-Gruppe pacen.

Meine GPS-Uhr zeigte ständig an, dass ich ein klein wenig zu schnell gewesen sei. Bei der 5km- und 10km-Streckenmarkierung stimmte es jedoch auf die Sekunde.
Bei den Abzweigen in der Innenstadt war ich mir auch nicht auf Anhieb sicher, wo es lang geht, obwohl ich mir zuvor den Streckenplan angesehen habe. Die Hinweistafeln standen zu niedrig, dass sie zunächst noch von anderen Läufern verdeckt waren und es war zu viel Information drauf mit Marathon 1. Runde, Marathon 2. Runde, Halbmarathon MA, Halbmarathon LU, Skatermarathon usw.

Auf der Rheinbrücke und Hochstraße musste ich auch etwas kämpfen, wollte meinen Job aber erfüllen.
Trainiert war ich übrigens niht so wirklich für einen Marathon. In meine Vorbereitung auf die 100 km beim Zugspitz Ultratrail, der am letzten Wochenende war, habe ich nur in den beiden Wochen vor dem SAP arena Marathon jeweils ein Intervalltraining eingeschoben.

Ich wollte auch selbst schon einen Bericht zu der Pacemaker-Aktion einstellen, kam aber einfach nicht dazu, einen zu verfassen.

"Die Nähmaschine" ;-)
cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Gerne wieder!

Hey, das finde ich ja prima, dass Du hier auch unterwegs bist. Danke für den Kommentar und für die Spitzen-Pacer-Leistung! Ich werde dich im Auge behalten ... ;-)

dragao

Lauf-km seit 21.03.2010

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