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Benutzerbild von vandvem

Vom Start weg ging der erste Vorsatz in die Hose: Trainingsfreund David hatte eindringlich geraten, nicht schneller als 5er-Schnitt anzugehen. Vorne ging aber gleich die Post ab. Die liefen alle richtig schnell. Ich drückte auf die Bremse und wurde überholt. Irgendwie mitgezogen pendelte auch ich mich bei 4:20-4:30 ein. Wenn das mal gut geht. Schon auf den ersten 10 km der erste Berg. Und der hatte es durchaus in sich, hatte was von Rennsteigniveau. Zum Glück konnte ich auch als Flachlandtiroler wegen meiner diversen Bergerfahrungen gut mitgehen. Zurück unten im Flachen hatte ich dann eine Gruppe, die aber weiterhin mit unter 4:30 unterwegs war und die ich deshalb ziehen ließ. „Hinten ist die Kuh fett“ war meine Devise, „Einige von Euch werde ich sicher wieder sehen“.
Unterwegs türmte sich in Gedanken die irre Streckenlänge vor mir auf. Nach 15 km hatte ich noch 85 vor der Brust, leichte Panik setzte ein.
Auf der ersten Hälfte warteten noch mindest 3-4 weitere Anstiege, ich versuchte, alle in ruhigem Tempo und stetig hoch zu kommen. Nur keine Übersäuerung der Muskulatur. Viele Strecken im Mittelteil lief ich alleine. Einige der Raser vom Anfang kamen mir wieder entgegen und bestätigten meine Taktik. Zwischendrin erhielt ich die Info, auf Platz 36 zu liegen. Gut: Eigentlich zählt nur die Zeit, aber interessant ist es trotzdem. Das Schild bei km 50 freute mich besonders, die Hälfte ist bezwungen. Ich war mit 4:01 sogar noch auf 8er Niveau, auch wenn mir klar war, das nicht halten zu können. Mittlerweile hatte ich mir angewöhnt, an den Getränkeständen kurz anzuhalten, 3-5 Becher, ggf. Gel und Banane in mich reinzustopfen und dann weiter zu laufen. Hier war ich klar im Nachteil gegenüber den Velo-(Fahrrad-)begleiteten Läufern, die mich regelmäßig an Getränkeständen „zurücküberholten“. So habe ich sicher 8-10 min verloren.
Dann lauerte nach 56 km der berüchtigte „Ho-Chi-Minh-Pfad“. Davor hatten mich einige gewarnt und zu Recht. Ich bin überhaupt kein Typ für unruhige Böden, habe (auch nach dem Umknicken) tierische Angst vor Stürzen. Zum Glück hatte ich auf der gesamten Strecke einen Schweizer Partner, der erst vor und dann hinter mir lief. Tatsächlich wäre ich trotz meiner starken Lampe einmal beinahe gestürzt, in letzter Sekunde fing ich mich wieder. Mein Schweizer war dann auch mein Glück. An einer Gabelung war ausnahmsweise mal keine Ausschilderung. Ich rief nach hinten, ob man abbiegen müsse und lenkte unwillkürlich nach rechts. Mein Schweizer lief aber geradeaus, ohne ein Wort zu sagen, also wendete ich sofort und war wieder hinter ihm. Hinter dem Emmendamm, wie der Pfad richtig heißt, ließ ich ihn und seine nette Fahrradbegleitung aber endgültig hinter mir. Von km 70 bis 77 geht es noch mal stetig bergauf. Das letzte Stück des Anstiegs musste ich erstmalig gehen, ehe es danach steil bergab ging. Unten kam man an einen Fluss und daran entlang flach quasi bis zum Ziel. Bei 73,5 hatte ich den letzten Mitstreiter überholt, danach lief ich fast 15 km alleine. Bei 81 musste ich GPS ausstellen, denn die Batterie der Uhr war erwartungsgemäß fast leer. An einem der letzten Verpflegungsstände bekam ich die Info, dass ca. 20 Leute vor mir lägen. In Wirklichkeit war ich schon 14., offensichtlich waren ein paar schnelle Staffeln mit in die Zählung eingeflossen. Zuletzt konnte ich noch zwei weitere Läufer überholen. Die letzte Gruppe lief ca. 100 m vor mir, aber ich konnte nicht mehr schneller. Aber gleichwohl: Obwohl ich hammer schwere Oberschenkel hatte (und noch habe), konnte ich bis zum Ende durchlaufen. Nur in Biel selbst auf dem vorletzten Kilometer musste ich an eine Mini-Brücke gehen. Die letzten 5 km kamen mir trotzdem so lang vor wie die 15 davor. Im Ziel war ich mit 8:16:01 Gesamtzwölfter. Der Renndirektor persönlich nahm mich gleich in die Arme und unterhielt sich eine paar Minuten mit mir, das kannte ich auch noch nicht.
Im Ziel musste ich dann leider 5 Stunden auf mein Gepäck warten. Ich hatte es in der irrigen Annahme einer „normalen“ Gepäckabgabe versehentlich noch Kirchberg (km 56) geschickt und musste warten, bis es wieder zurück war. So ergaben sich noch nette Gespräche u. a mit einem Italiener aus Milano, der nach 8:30 im Ziel war.
Ein toller Lauf. Nicht unbedingt geeignet, eine ganz schnelle Zeit zu laufen, aber zumindest in den ersten Stunden mit viel Stimmung. Außerdem hatten wir großes Glück mit dem Wetter, eine (fast) Vollmondnacht und morgens ein toller Sonnenaufgang kurz vor Biel. Ich komme sicher noch mal wieder, vielleicht nicht nächstes Jahr, aber bald.

4.8
Gesamtwertung: 4.8 (10 Wertungen)

Boah ey!

Was für ein großer und starker Auftritt beim ersten Hunderter! Von Taktik, Einteilung, offensichtlich Vorbereitung und Form ein ganz großes Stück! Respekt.

granreserva


___________________________
Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten

Klasse!

Herzlichen Glückwunsch zu der superguten Zeit und der Platzierung!
Beeindruckend: Du schreibst, als ob der Lauf gar nicht soo sonderlich anstrengend für Dich gewesen wäre!
Gute Erholung und ruh Dich auf Deinen Lorbeeren aus!

Ich bin sehr beeindruckt!

Respektvolle Glückwünsche und danke fürs Erzählen!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

08:16h!!!!

Wahnsinn!!!
Saustark, gratuliere ganz herzlich! :o)
Da können die letzten Km schon mal recht lang werden, vor allem ohne GPS!
Du hast mir wieder Geschmack gemacht mit Deinem Bericht, auch wenn ich erheblich deutlich langsamer unterwegs sein würde.
Egal, einmal musst Du nach Biel...mindestens! ;o))

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Riesenglückwunsch!

3 Zahlen von mir dazu: nach 8:16 war ich etwa bei km 65 noch auf dem Emmendamm.
Im Ziel ziemlich genau 5 Std.nach Dir, d.h., etwa zu dem Zeitpunkt als Du endlich Dein Gepäck bekamst. War uebrigen mein 9. Bieler.

sprachlos

Was für eine geniale Zeit! Wobei überhaupt Ankommen schon Hammer ist! Herzlichen Glückwunsch!!! und vielen Dank für den "macht mega Lust auf Biel-Blog";-)))

Lieben Gruß
Tame

WoW ... 100Km lang < 5er Pace ...

... (inklusiver der VP-Pausen) das ist der "WAHNSINN" !!!

Das war ganz, ganz grosser Lauf-Sport, Glückwunsch zu dieser, deiner Leistung !
Deine Zielwunschzeit hast du ja sehr deutlich unterboten, irgendwie sehr schade,
das du den 3.-AK Treppchenplatz um (nicht mal ~ 3:30 Minuten verpasst hast.

Du kannst sehr stolz auf deine Leistung und dein Ergebnis sein !!!

Gruss Markus - een neongelbe Löper ut´n Norden

Glückwunsch

Top Leistung und einfach unglaublich, das man 100 km mit dem Tempo durchlaufen kann. Vielleicht mache ich das auch mal , natürlich habe ich dann andere Ziele. Erhole dich gut, Gruß aus der Uckermark Maik

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