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Benutzerbild von dfrobeen

Wer hätte das gedacht, dass ich als bekennender Nichtschwimmer einmal einen Wettkampfbericht über einen reinen Schwimmwettkampf schreibe. Also Schwimmen nicht als notwendiges Übel um dann endlich radfahren und laufen zu dürfen. Nein, Schwimmen im Sinne von um die Wette und hinterher ist alles vorbei.

So kam es aber am vergangenen Samstag, dass ich an den offenen Braunschweiger Bezirksmeisterschaften im Mittelstrecken-Freiwasserschwimmen teilnahm. Dies sollte ein Element meines 2014er Schwimm-Notfallprogramms werden. Dies findet statt in Anlehnung an mein 2013er Schwimm-Notfallprogramm, welches ich im Juni 2013 startete um überhaupt in der Lage zu sein beim Ironman Frankfurt die vollen 3.800m zu schwimmen. Der Plan über den Winter das mit dem Schwimmen dergestalt auf die Reihe zu bekommen, dass ich in 2014 kein vergleichbares Notfallprogramm benötige, scheiterte kläglich. Ich schwimme immer noch genauso langsam wie in 2013 und auch in Sachen Ausdauer bin ich kein wesentliches Stück weiter gekommen. Lediglich die Erkenntnis, dass ich letztes Jahr ebenso schlecht war und dennoch in Frankfurt in dann doch akzeptabler Zeit aus dem Wasser kroch, macht mir Hoffnung, dass mir vergleichbares auch 2014 in Roth gelingen wird.

2013 sah ebendieses Notfallprogramm vor, dass ich ab Juni einfach jede Gelegenheit nutze um möglichst lange Strecken im Freiwasser schwimme. Da Schwimmen über lange Strecke bei mir vor allem ein Kopfproblem ist, brauche ich dafür immer Motivationsanreize. 2013 habe ich einfach an jedem Triathlon mit einer maximal langen Schwimmstrecke teilgenommen - zusätzlich fuhr ich zum Schwimmen auf der Orginalstrecke in Frankfurt um wenigstens einmal die vollen 3,8km geschwommen zu sein. Auch 2014 beginnt nun die Saison der vielen Triathlonteilnahmen. Aber auch die Bezirksmeisterschaft quasi vor der eigenen Haustür stellte eine Gelegenheit dar unter Wettkampfbedingungen mein Schwimmvermögen weiter auszutesten.

Ich meldete für die 2,5km-Strecke, die um 9:30 Uhr startete. Also Anreise zum Tankumsee bei Gifhorn, Vertraut werden mit der Umgebung eines Schwimmwettkampfes. Erkenntnis gewinnen, dass gemeinsam mit dem offenen Jedermannschwimmen auch die "echten" Bezirksmeisterschaften stattfinden, rein in den Neo, Nervosität besiegen, Fehlamplatzefühlen auf Seite legen, Die Was-mache-ich-hier-eigentlich-Frage unbeantwortet lassen und rein ins Wasser.

Ich konnte gar nicht mehr lange nachdenken, da hörte ich auch schon die Startsirene. Lange brauchte ich auch nicht nachzudenken, bis dann auch schon die große Masse der Schwimmer einen satten Vorsprung erarbeitet. Ich beschäftigte mich auf jeden Fall ab dem Moment einfach mit meinem Rennen und wie ich wohl die Distanz und - nebensächlich - in welcher Zeit absolvieren werde. Es wurden zwei Runden zu je 1,25km geschwommen und ich erreichte auch gefühlt recht zügig die erste von 4 zu umschwimmenden Bojen je Runde. Recht schnell musste ich aber erkennen, dass die in Rautenform angeordneten Bojen nicht in gleichem Abstand angeordnet waren, sodass meine Rechnung "1/8 schon geschafft" eine signifikante Fehleinschätzung darstellte. Dennoch verging auch trotz dieser Erkenntnis die erste Runde recht flott.

Ich sollte später feststellen, dass ich hier sogar noch vor meinem Trainingspartner aus der Masters-Schwimmgruppe lag, der mir ansonsten pro 50m-Bahn gerne mal 8-10 Sekunden abnimmt. Er hat aber auf der ersten Runde munter die Umgebung erkundet und alles andere als Ideallinie geschwommen. Gleichzeitig fand ich meine Orientierung bis dahin noch ganz brauchbar. Leider änderte sich das auf der zweiten Runde und wir führten einen Rollentausch durch. Auf dem langen Weg zur zweiten Boje der zweiten Runde geriet ich fast auf die Bahn der mir entgegenschwimmenden Teilnehmer. Es bedurfte einer scharfen Richtungskorrektur um noch den Weg um die Boje zu nehmen. Generell scheine ich mit fortschreitender Ermüdung einen immer intensiveren Linkstrend zu schwimmen. Auch wenn ich im Kopf immer dachte "rechts halten, rechts halten" musste ich doch mehr und mehr korrigieren, nachdem ich immer wieder aus dem Wasser nach vorne schaute.

Als ich dann aber auch um die dritte Boje der vierten Runde schwamm, war ich guter Dinge, dass diese Trainingseinheit ja recht mühelos über die Bühne gehen wird. Gleichzeitig erkannte ich auch, dass es tatsächlich noch zwei Schwimmer (der 51 Teilnehmer insgesamt) gab, die hinter mir im Rennen lagen. Doch beide Gedankengänge sollte soch auf den letzten 300m noch überholen. Denn plötzlich trat mein Alptraum ein und es bildete sich ein handfester Krampf in meiner rechten Wade. Am Vorabend war ich noch eine 103km-Radrunde ich höchst anspruchsvollen Tempo gefahren und anschließend noch 6km Koppellauf scharf angelaufen. Resultat war, dass ich die halbe Nacht mit üblen Wadenkrämpfen im Bett lag. Ich hatte aber die Hoffnung, dass dies meinen Schwimmwettkampf nicht beeinflusst, wurde dann aber recht plötzlich eines Besseren belehrt.

In dem Moment brach kurz Panik in mir aus. Wadenkrampf im Wasser...nicht gut. Ein Blick nach links und ich sah das DLRG-Boot. Aber wie peinlich wäre das denn bitte, wenn ich als einziger der 51 Schwimmer per Rettungsboot aus dem Wasser geholt werden sollte. Also erstmal abtesten, was jetzt so passiert. Laut schreien ging ja immer noch und die würden mich schon nicht ertrinken lassen. Ich versuchte es mit lockern, schütteln und schließlich mit einigen Brust-Schwimmzügen um eine andere Bewegung zu machen. Es half tatsächlich - keine Ahnung wie das passieren konnte, aber der Krampf löste sich wieder auf. Durch das wilde Rumgeplansche (was hoffentlich keiner der doch in größerer Anzahl als gehofft anwesenden Zuschauer wahrnahm) hatte ich aber meinen Vorsprung auf den letzten Platz verspielt und bildete nun die wohl verdiente rote Laterne des Feldes.

Aber immerhin ich sah das Ziel mittlerweile dicht vor mir, hatte aber dennoch immer wieder Probleme den schmalen Zielkanal vernünftig anzuschwimmen. Mittlerweile hatte das, was ich da machte mit Orientierung gar nichts mehr zu tun und es war nur noch ein einziges Retten ins Ziel. Am Ende sollte die Ergebnisliste mir eine 54:03 Minuten testieren. Wieder mal weit von dem 2:00-Minuten-pro-100m-Schnitt entfernt, den ich mir doch für dieses Jahr aneigenen wollte. Aber auch keine Zeit, die mich in meiner Langdistanzplanung weit zurück wirft. Vorjahresniveau halt...aber das ich schon ärgerlich genug. Ich hoffe das Schwimm-Notfallprogramm 2014 bringt mir noch etwas für Roth...ich möchte doch zumindest nicht langsamer sein als 2013.

Eine kleine Belustigung erfuhr ich dann noch bei der Siegerehrung, bei der ich tatsächlich eine silberne Medaille erhalten sollte, da ich in meiner Altersklasse den zweiten Rang erschwommen hatte. Müßig zu erwähnen, dass es nur zwei Teilnehmer gab. Aber immerhin...erster reiner Schwimmwettkampf, erste Treppchenplatzierung - so kann es weitergehen.

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Cool

Sehr gute Leistung und unterhaltsamer Bericht. Für mich als reinen Läufer in jedem Fall beeindruckend!
Gutes gelingen für Roth!!
Viele Grüße

Jogger63

Wie meine Omma zu sagen pflegte: Essen und Trinken schmeckt und bei der Arbeit sticht's

Gratulation zur Silbermedaille!"

Meine Tochter hat mal Judo gemacht und war auf ihrem ersten Wettkampf (und einzigen) dann auch Zweite (von zweien in der Gewichtsklasse) geworden.

Ist doch alles gut gelaufen. Ich find 54 min für 2,5km nun nicht schlecht. Ist schneller als ich bei meiner LD geschwommen bin. Musst nur wieder gut Wasserschatten schwimmen, dann wird das schon wieder wie Frankfurt.

In Roth ist eh Kanal, da entfällt die Orientierung quasi, oder?

2,5km in unter 1 h?

Und du jammerst??? Meine Güte, du schwimmst wirklich in einer ganz anderen Liga als ich ;-))))

Den Tankumsee kenne ich noch aus Kindertagen gut, das Gefühl abzudriften (bei mir war es in Bonn eher ein Rechtsdrall, der mich permanent am Ufer stranden ließ) noch besser und Letzte zu sein gehört bei mir zu den Normaleindrücken ;-)

Hut ab vor deiner mehr als respektablen Schwimmleistung und als Mutter mehrerer Wettkampfschwimmer und Kampfrichterin im Schwimmen kann ich das zumindest vom Ufer aus sehr wohl beurteilen!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Jeder, der schneller schwimmt als ich,...

...jammert auf hohem Niveau ;-)
Tolle Trainingseinheit, finde ich!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Schöner Bericht und gute

Schöner Bericht und gute Zeit. Träum ich von :-)

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