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Benutzerbild von dfrobeen

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Gerhard Schröder noch als Vorsitzender der Jusos am Bonner Kanzleramt stand und mit den Worten an den Gitterstäben rüttelte: "Ich will da rein!". Etwas abgeschwächt, aber ähnlich erging es mir sowohl am 4., als auch 7.August 2012 in London. Zu Besuch bei den olympischen Spielen ließ ich mir natürlich nicht die beiden Triathlonrennen entgehen und dachte dort inspiriert: "Hier will ich auch mal einen Triathlon machen". Die Chance sollte sich schnell bieten. Die Organisatoren des olympischen Rennens hatten damals schon bekannt gegeben, dass es auch nach der Olympiade an Ort und Stelle jeweils einen Weltcup-Triathlon geben sollte. Und nach dem Standard-Format der ITU gehört zu einem solchen Weltcup-Wochenende eben auch ein Jedermannrennen, zu dem offen gemeldet werden kann.

2013 sollte die Chance noch sehr gering sein. Da der Triathlon in London gleichzeitig zum Grand Final der 2013er Weltcupserie ausgerufen wurde, reduzierte sich der Jedermann-Triathlon auf rund 1.000 Startplätze, auf die es über 8.000 Bewerber gab. In diesem Jahr aber sollten sich rund 5.000 Jedermänner über die verschiedenen Distanzen in den Serpentine Lake, mitten im Londoner Hyde Park stürzen. Trotz einer vergleichbaren Anzahl Bewerber, erhielt ich in diesem Jahr einen Startplatz. Ein paar Mails im Vorfeld der eigentlichen Verlosung haben schon gereicht, dass man mir einen Startplatz zusicherte.

So ergab sich also für mich ein neuerliches London-Wochenende, zu dem ich Freitag abend per Flug aus Hannover anreiste. Erstmal beruhigend fand ich, dass ich offensichtlich schon eine gewisse Grundroutine beim Reisen mit meinem Fahrradkoffer entwickele. Letztes Jahr hatte ich meine beiden Premierenanläufe mit dieser Art des Reisens und fand es durchaus stressig. Dieses Mal sollte eigentlich noch dazu kommen, dass ich erstmals nicht mein Rennrad, sondern die frisch erworbene Zeitfahrmaschine fast vollständig auseinanderbaute und hoffte beim zusammenpuzzlen keinen Fehler zu machen.

Es gelang aber alles problemlos und so wachte ich Samstag früh voller Tatendrang in London auf. Wenn man schon mal ein Fahrrad vor Ort hat, dann gilt es selbiges doch gleich mal zu nutzen. Also fuhr ich die rund 14km vom Hotel zum Wettkampfareal ab um meine Startunterlagen abzuholen. Gleichzeitig konnte ich diese Ausfahrt als kleine Sightseeing-Tour verbuchen, führte die Strecke mich doch an vielen vielen Highlights vorbei, die ich innerhalb der letzten beiden Jahre in London lieben gelernt habe. Im Hyde Park selber fand ich dann sogar noch ein weitgehend frei befahrbares 1.000m-Stück um auf dem Rad drei Vorbelastungs-Steigerungen zu fahren. Anschließend ging es wieder zurück zum Hotel und dort gleich in die Laufschuhe.

Mit den Laufschuhen bewaffnet widmete ich mich der Erkundung des Olympiaparks, der meinem Hotel quasi vor den Füßen lag. Ich war gespannt, wie sich das Areal in den vergangenen zwei Jahren seit den Olympischen Spielen entwickelt hat und ob man sich etwas überlegt hat, wie man den Park auch nach seiner eigentlichen Nutzung weiter verwenden kann. Ich war eigentlich ganz angetan, der Park als solcher ist bestehen geblieben und auch die Wettkampfstätten werden weiterhin gepflegt und genutzt. Das Olypiastadion selber wird gerade (für 150 Mio. Pfund!) zum Fußballstadion für West Ham United umgebaut und Velodrom, sowie Aquatics Centre werden auch für kleinere Sportevents weitergenutzt. Ins Velodrom konnte ich während einer kurzen Pause meines Laufes auch rein und beobachten, wie eine Handvoll Bahnradfahrer dort irgendeine Art von Rennen austrugen.

Am Samstag nachmittag stand dann erst nochmal Inspiration an, während ich die beiden Elite-Rennen des Events beobachte. Im Gegensatz zu den ITU-Rennen in Hamburg und Stockholm, die ich auch in den vergangenen Jahren schon besucht habe, kam man im Hyde Park leider nur mit einer Tribünenkarte in den eigentlichen Start-/Wechselzonen-/Zielbereich. Da ich aber auch Actionfotos vom Rennen machen wollte, lief ich eher an der Strecke entlang und beobachtete das Geschehen von dort. Ich wurde Zeuge eines hoch spannenden Männerrennens, wo noch auf dem letzten Kilometer 6 Männer in einer Spitzengruppe zusammen unterwegs waren und per Sprint ihren Sieger ermittelten. Letztlich wurde es der Spanier Mario Mola, der damit auch den erhofften Heimsieg eines der beiden Brownlee-Brüder verhinderte. Deutlich weniger spannend verlief das Frauenrennen, wo die Amerikanerin Gwen Jorgensen einsam ihre Kreise an der Spitze zog.

Am Sonntag klingelte dann um 5 Uhr mein Wecker. Ich hatte in dem Wellenstart eine Startzeit von 8 Uhr zugeteilt bekommen. Gemäß dem Prinzip letzte Nahrungsaufnahme 3 Stunden vor dem Rennen sollte dies also mal wieder eine kurze Nacht werden. Um Viertel nach 6 ging es dann auch schon los in Richtung Wettkampfstätte - schließlich galt es erneut die ca. 30 Minuten Anreise per Rad zu bewältigen und meine Wechselzone einzurichten.

Es klappte alles nach Plan und so stand ich pünktlich um kurz vor 8:00 Uhr am Ponton, von welchem aus mein Start erfolgen sollte. Etwa 2 Minuten vor meiner Startsirene wurde unsere Startwelle dann auch ins mit 15 Grad erfrischend kalte Wasser gelassen. Ich hatte gehörigen Respekt vor der Schwimmstrecke. Mein ursprünglicher Plan über den Winter meine Schwimmleistung zu verbessern, hatte sich nicht wirklich umgesetzt. Weder technisch und damit auch in Geschwindigkeit machte ich Fortschritte. Zusätzlich habe ich vor lauter verzweifeltem Techniktraining dann auch versäumt wenigstens Strecke zu machen um auf so etwas wie 1.500m Freiwasserschwimmen vorbereitet zu sein. Bei den ersten Freiwasserversuchen im heimischen Heidbergsee in den zwei Wochen vor London scheiterte ich dann auch einigermaßen kläglich am Versuch mal etwas längere Distanzen zu schwimmen.

Aber immerhin eine Hoffnung bewahrheitete sich, im Wettkampf ist alles anders. Das Schwimmen lief insgesamt solide ab und vor allem mit der Distanz hatte ich keinerlei Probleme. Die Probleme entstanden eher beim Thema Orientierung. Das hatte ich zum Ende des letzten Jahres eigentlich ganz gut in den Griff bekommen, aber hier schwamm ich ordentlich Extrameter. Besonders ärgerlich war, dass ich auf der langen "Gegengerade", wo ca. 650m lang keine Boje den Weg wies gegen das abgesteckte Becken des Serpentine Lido schwamm und erstmal 90 Grad zur eigentlichen Wettkampfstrecke wieder auf selbige zurück finden musste. Beruhigend war dann aber, dass gefühlt sehr schnell dann doch der Schwimm-Ausstieg kam und ich zu dem Zeitpunkt auch noch lang nicht den Eindruck hatte, dass ich jetzt nicht mehr weiter schwimmen könnte. Das hilft mir sehr beim Gedanken daran, dass ich doch am 20.Juli in Roth 3.800m schwimmen muss.

Da es sich soweit ganz gut anfühlte, war ich dann doch etwas enttäuscht, als ich nach dem Schwimmausstieg auf die Uhr sah und es eben doch eine Zeit weit über den eigentlich geplanten 2 Minuten pro 100m wurde. Bei 32:34 Minuten stoppte die offizielle Zeitmessung der 1.500m. Mit dieser Zeit lag ich nach Schwimmausstieg auf Rang 1.173 des Rennens über die Olympische Distanz.

Schon beim ersten Wechsel sollte ich dann die ersten Ränge wieder gut machen. Vom Schwimmausstieg aus musste man erstmal gute 300m zur eigentlichen Wechselzone laufen. Diese war wegen der vielen Teilnahmer sehr groß, sodass man auch dort nochmal ordentlich Meter laufen musste. In insgesamt 3:42 Minuten lief ich zu meinem Rad, entledigte mich meines Neo, streifte Startnummernband, Helm und Sonnenbrille auf und sprang am Ende der Wechselzone auf mein Fahrrad auf. Das war der insgesamt 94schnellste Wechsel im gesamten Feld und spülte mich mit Rang 999 bereits hier unter die ersten 1.000 des Rennens.

Die Radstrecke war weitgehend flach und gut asphaltiert - eigentlich perfekte Bedingungen für eine schnelle Radzeit. Im Gegensatz dazu bestand sie aber aus 10 ausgesprochen engen Wendepunkten und ich hatte im Kopf noch mein Trauma aus Stockholm vom vergangenen Jahr. Auch dort war die Radstrecke durch die Vielzahl der Teilnehmer viel zu voll. Besonders gefährlich wurde zudem, dass die Teilnehmer extrem heterogen unterwegs waren. So gab es eine ganze Reihe Radfahrer auf Mountain Biks, die sich auch gerne mal total plötzlich vom linksfahrgebot (England!) lösten und unerwartet mitten auf die mitte der Fahrbahn lenkten...wo ich eigentlich gerade überholen wollte. In Summe führte die Kombination aus diesen Rahmenbedingungen zu einem eher enttäuschenden 35,1km/h-Schnitt auf dem Rad. Ich lag zwar mittlerweile auf Rang 541 - hatte also seit dem Schwimmexit bereits 632 Plätze gut gemacht.

Was folgte war ein weiterer schneller Wechsel. 1:55 Minuten für einmal quer durch die große Wechselzone, Rad abstellen, Helm und Brille loswerden, Laufschuhe überstreifen und los. Ich hatte mich diesmal sogar für die Variante Laufen in Socken entschieden. Dafür würde ich in meinem Triathlon Team üble Sprüche ernten - das kostet doch Zeit beim Wechsel. Aber bei meiner letzten olympischen Distanz ohne Socken habe ich mir doch ein paar Blasen am Fuß gelaufen. Und da London keinerlei Hauptwettkampf war, ich aber in den nächsten Tagen unbedingt vernünftig weitertrainieren muss, nahm ich den Verlust der Sekundenanziehsocken in Kauf. Die 1:55 reichten für Rang 87 im Ranking der besten T2-Wechselzeiten und von nun an war ich in meinem Element - dem Laufen.

Es waren vier Runden a 2,5km rund um Serpentine Lake zu laufen. Ich ging erstmal in Wohlfühltempo an und wollte mich überraschen lassen, was für eine erste Kilometerzeit dabei rauskam. Als meine Garmin mir dazu eine 3:59 meldete, gewann ich Lust wenigstens auf der Laufstrecke meine eigenen Erwartungen mal zu übertreffen. Eine Woche zuvor war ich bei einem reinen 10km-Lauf, allerdings bei ziemlich widrigen Rahmenbedingungen eine 39:30 gelaufen. Ergo erwartete ich zum Abschluss eines Triathlon nicht viel mehr als eine 41 oder 42er-Zeit. Doch auch auf den folgenden Kilometern stoppte meine Uhr jeweils ziemlich genau rund um die 4-Minuten-Marke. Das ganze zog sich drei der vier Runden so hin und ich lag ziemlich genau auf 4:00 Min/km-Kurs. Da ich die Runde ja jetzt aber kannte und es gefühlt "nicht mehr weit" war, traute ich mich das Tempo nochmal anzuziehen. Jetzt konnte ich ja die letzten Reserven mal raushauen.

Zeitgleich wurde ich auch das einzige Mal auf der Laufstrecke überholt. Ein Spanier zog mit ordentlichem Tempo an mir vorbei. Ich konnte ihm nicht folgen, aber er bewirkte bei mir nochmal eine Pace-Steigerung. Am Ende absolvierte ich die letzte der 2,5km-Runden in 9:01 Minuten, was einer Durchschnitts-Pace von 3:36 Minuten/km entspricht. Damit absolvierte ich den 10km-Lauf in 38:58 Minuten und erreichte das Ziel dieser olympischen Distanz in 2:19:18 Stunden. Die Zeit reichte für Platz 231 in der Gesamtwertung.

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Faszinierend

Ich bin immer total fasziniert....von deinen "Abenteuern", deinen wahnsinnigen Zeiten und den tollen Berichten, die du darüber schreibst!!! Grandios, unglaublich, einfach toll....
Gerne mehr davon
hkp_c

Schon wieder so international!

Danke fürs Erzählen! Eine klasse Platzierung hast du hingezaubert!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Sehr spannend!

Besten Dank fürs Mitnehmen. Und natürlich herzlichen Glückwunsch zu so einem eindrucksvollen Finish!

Das sind Zeiten

da wage ich nicht mal von zu träumen. Und mein Rädchen baue ich lieber nicht auseinander, das kriege ich nämlich nie wieder zusammen ;-))

Glückwunsch!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

WOW :-)

Herzlichen Glückwunsch :-)

Klasse gewechselt, klasse

Klasse gewechselt, klasse geschrieben. Glückwunsch! :-)

2Worte:

1. Geil
2. Neid
;-)
Gruß Fritze


"To finish, you have to start!!"

Boah, der Hammer!

Toll geschwommen, geradelt, gelaufen - und supertoll gewechselt. Manchmal geht eben mehr als man selber meint. Geniales Finish mit supertoller Zeit - da kannst Du das Schwimmen gerade vergessen. Hak's ab unter: kann ich. So schaffst Du auch 3,8km. Nur nicht wieder verschwimmen.

Viel Spaß in Roth.

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