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Riesenbecker Sixdays 24.05. - 29.05.2014

Es war im Herbst vergangenen Jahres als mir Tanja von einem 6-tägigen Laufabenteuer ganz in unserer heimatlichen Nähe berichtete. Ach was, berichtete ? - Sie schwärmte mir von den Riesenbecker Sixdays so was von vor, dass fortan dieses Event im benachbarten Tecklenburger Land nicht mehr aus dem Kopf ging. Ich war hin und her gerissen und begann zu überlegen, ob das nicht auch etwas für sein könnte. Halbmarathon, Marathon und meinen ersten Ultra beim Bottroper Herbstwaldlauf 2012 hatte ich bereits gefinisht. 2013 folgten der Hermannslauf und den Röntgenlauf über die volle Distanz hatte ich dank toller Begleitung der Ultra-Bergziege Carsten auch abgehakt. Da ich gerne Abwechslung habe, getreu nach dem Motto „Variety is the spice of life“, musste doch eine neue Herausforderung her. Ich informierte mich über die Sixdays, die vom 24.05. bis 29.05.2014 stattfinden sollten. Laut Ausschreibung sollten 6 Läufe an 6 aufeinanderfolgenden Tagen mit insgesamt 140 KM und 1500 Höhenmetern in familiärer Atmosphäre und einer limitierten Teilnehmerzahl absolviert werden. Cheforganisator Michael Brinkmann vom ausführenden Verein SV Teuto Riesenbeck kannte ich bereits als den Macher des Volksbank-Münster-Marathon, bei dem ich in diesem Jahr auch erstmals als Mentor tätig bin. Das war also schon einmal ein Garant für ein Lauferlebnis bei perfekter Organisation. Also Anmeldung raus und schon kam die Bestätigung – ich bin einer der 660 Teilnehmer. Also Vorbereitung wurde der Bad Salzuflen-Marathon im Februar, Christian Pflüglers 6h-Lauf im März in Münster und der Metro-Group-Marathon im April in Düsseldorf neben dem üblichen Trainingsprogramm gelaufen. Im Verlaufe der Sixdays erwies sich dieses Programm als perfekte Vorbereitung.
Wenige Wochen vor der Veranstaltung wurden die Startunterlagen neben einem Briefing per Post zugestellt. Jetzt sollte es nicht mehr lange dauern und umso mehr reifte in meinem Kopf ein Plan die Vorbereitung am Vor- und Lauftag, Anreise, tägliche Laufwäsche, Schuhwerk, Arbeitszeit etc.
Dann war es endlich soweit, Samstag, 24.05.2014. Ich reiste frühzeitig zum Start an, der um 14.00 Uhr in Riesenbeck erfolgte. Der Veranstalter bot einen Busservice vom Ziel zum Start an, man konnte also mit dem Auto am Zielort parken und wurde zum Startort gefahren. Das erwies sich als sehr praktisch, da man im Bus schon mal die ersten Bekanntschaften machen konnte und direkt nach dem Zieleinlauf sein Fahrzeug zur Verfügung hatte. Zusätzlich war aber auch ein perfekter Klamottenservice eingerichtet worden.
In Riesenbeck traf ich gleich ein paar Bekannte vom LSF Münster, mit denen noch gefachsimpelt wurde. Tanja und Michael, die die Sixdays als Vorbereitung für den ZUT nutzen wollten, standen auch schon mit Britta und Christina im Startbereich und erwarteten mich freudestrahlend. Für Britta, die aufgrund ihrer überschaubaren Körpergröße auch liebevoll Rennzwerg genannt wird, waren es ebenfalls die ersten Sixdays. Das war mir natürlich sehr sympathisch, da es ja auch für mich das erste Mal in der mittlerweile 25-jährigen Geschichte dieser Veranstaltung war. Um uns herum versammelten sich reichlich Läufer/innen mit Ultraerfahrungen und Marathonspitzenzeiten von unter 3 Stunden. Waren wir in diesem Teilnehmerfeld auch wirklich richtig ?
Wir trafen auf Thomas und Claudia, die wir bisher nur virtuell über Facebook kannten, die hier regelmäßig aus Duisburg anreisen und für eine Woche eine Ferienwohnung in der Nähe angemietet hatten und viele andere Bekannte aus vorherigen Laufveranstaltungen. So fühlten wir uns gleich wohl und bekamen diese familiäre Atmosphäre zu spüren. So langsam fokussierten wir uns auf den Start zur 1. Etappe von Riesenbeck nach Ibbenbüren, mit der Musik wurde rhythmisch geklatscht, gehüpft und gewobbelt. Neben stand der Rennzwerg und so ganz intuitiv verabredeten wir uns zum gemeinsamen Start in diese Etappe. Wir genossen die Atmosphäre mit den vielen Zuschauern und unser Adrenalinschub sollte uns die ganzen 6 Tage begleiten. Ich weiß nicht mehr wie, aber irgendwie kamen wir „Ersttäter“ überein, diesen Lauf gemeinsam zu absolvieren. Unsere erfahrenen Riesenbecker Sixdays Lauffreunde rieten uns, die ersten Etappen verhalten anzugehen und so beschlossen wir auch, dieses zu tun. Britta mit ihren noch jungen Jahren hatte im vergangenen Jahr ihren ersten 50-KM-Lauf absolviert und hatte im Vergleich zu mir mit meinen 53 Jahren etwas weniger Lauferfahrung und war noch ein wenig skeptisch, ob ich denn wirklich mit ihr laufen wollte? Da die Sixdays meine erste Laufveranstaltung war, an denen ich ohne Regenerationszeit an 6 Tagen hintereinander in etwa einen Halbmarathon und mehr mit einigen Höhenmetern laufen sollte, war mein vorrangiges Ziel auch das Durchkommen, egal wie. Die Laufzeit war zweitrangig, denn ich wusste nicht, wie mein Körper auf die tägliche Belastung reagieren würde, zumal ich auch keinen Urlaub hatte und meinen 8-Stunden-Arbeitstag zu absolvieren hatte.
So liefen Britta und ich los, gepuscht durch unsere Euphorie und die fantastischen Zuschauer natürlich viel zu schnell. Britta, die ja wusste, dass ich schnell konnte, wurde unsicher und fragte mich immer wieder, ob ich wirklich mit ihr laufen wolle, Ich könnte ruhig davoneilen, sie käme auch so klar. Ja, das wusste ich, allerdings wollte ich den Lauf genießen und da 1/6 der Teilnehmer in meiner AK 50 liefen, brauchte ich mir bei dem starken Teilnehmerfeld keine Hoffnungen auf vordere Plätze machen. Ich hatte jetzt für mich beschlossen, dieses Abenteuer nicht für mich allein genießen zu wollen, sonder mit Britta als „Team“ zu bestreiten. Wir waren ein ziemlich ungleiches Team, der Rennzwerg so jung wie mein Sohn und ich mit meinen nicht gerade mal 1,74 m Körpergröße sogar noch einen Kopf größer als sie. Wir genossen das wunderschöne Tecklenburger Land, ich quatschte Britta die Ohren voll und alle anderen, die das haben konnten, auch. So verging die Zeit wie im Flug und wir finishten die 1. Etappe Hand in Hand in 1:57:40 Std. und lagen somit zwar nicht unter den ersten 500, waren aber auch noch etwa 100 Läufer/innen hinter uns. Für den nächsten Tag verabredeten wir uns wieder im Startbereich und danach zu einer Fahrgemeinschaft von Montag bis Donnerstag von Münster und zurück. So sparten wir Spritgeld und konnten so nebenbei noch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.
Am Sonntag war die 2. Etappe von Ibbenbüren nach Tecklenburg. Meine Frau begleitete mich samt Hund und Freundin und diese nutzten die Gelegenheit, um in dem malerischen Tecklenburg gemütlich zu bummeln. Für uns Läufer/innen sollt es heute ein warmer und dazu noch anstrengender Tag werden, denn es warteten so einige Höhenmeter auf unserer Etappe. Am Start traf ich die üblichen Verdächtigen und wir verquatschten die Wartezeit zum Start. Der Rennzwerg war auch pünktlich da und wir beschlossen, abermals gemeinsam uns auf den Weg zu machen. Diese wunderschöne Etappe am Rande des Teutoburger Waldes genossen wir in vollen Zügen, die teilweise 25%igen Steigungen nahmen wir im Gehen, um nicht unnötig „Körner“ für die kommenden Etappen zu verspielen. Wir bewältigten Single-Trails, Landwirtschaftswege, kurze Asphaltstrecken und Kopfsteinpflaster im Herzen von Tecklenburg. Mit einer ordentlichen Durchschnittspace von 6:30 war es zwar die langsamste, dafür aber höhenmäßig schwierigste Etappe. Als 504. und 505. erreichten wir nach 2:14:57 Std. wieder gemeinsam das Ziel, in dem meine Frau mit Hund und Freundin schon auf uns warteten. Nach der anschließenden kalten Dusche war ich wieder frisch und genoss noch einen Capuccino mit einem großen Erdbeerkuchenstück in einem der urigen Cafes in Tecklenburg.
Montagmorgen, 5:30 Uhr, der Wecker schellt, auf geht`s zur Arbeit. Melde Systeme sind ok. Mir geht es trotz der gestrigen anstrengenden Etappe erstaunlich gut, obwohl ich sehr unruhig geschlafen habe. 15:30 Uhr Britta holt mich mit von der Arbeitsstelle ab und wir fahren im strömenden Regen gemeinsam nach Mettingen, zum Ziel unserer nächsten Etappe, von wo wir mit dem Bus nach Tecklenburg fahren. Hier ist es erstaunerlicherweise trocken und ein paar Grad wärmer als in Münster. Alle sind sie wieder versammelt und warten auf die als relativ einfach eingestufte 3. Etappe von Tecklenburg nach Mettingen. Wir hoffen, dass das Wetter sich hält, denn es waren Gewitter angekündigt worden. Michael Brinkmann hat uns im Bus noch einmal daran erinnert, auf keinen Fall den auf der Strecke querenden Bahnübergang bei Rot zu überqueren. Dieses würde zur Disqualifikation und dem Ausschluss der Veranstaltung führen. Wir bekamen noch den Tipp, uns möglichst weit vorne einzureihen, da kurz nach dem Start ein Singletrail kommen würde und daher alle sich einreihen müsste und es erwartungsgemäß zum Stau kommen würde. Britta und ich reihten uns also ausnahmsweise weiter vorne ein. Wir wussten, dass die ersten KM dann auch für uns sehr zügig gelaufen werden müssten und so lag unsere Pace hier auch bei 5:12, dann sogar bei 4:56 . War das nicht zu schnell, wir hatten ja noch einige KM vor uns. Aber dann kam schon der Übergang zum Single-Trail und wir sahen schon die Läufertraube davor. Wir lagen so im Mittelfeld und ließen es laufen. Trotz unserer Bedenken, dass doch heute wohl ein Einbruch kommen könnte, lief es immer besser. Jetzt übernahm Britta die Initiative und machte Tempo. Boah, was war die heute gut drauf. Dieses mal war ich derjenige, der warnte, dass das so nicht weiter gehen könne und so pendelten wir bei etwa 6:00 ein. Am Bahnübergang hatten wir Glück, ich ahnte den nahenden Zug und forderte Britta auf, dass Tempo zu verschärfen. Gut das wir das gemacht haben, den hinter uns senkte sich die Schranke und die Verfolger mussten den querenden Zug passieren lassen. Unterwegs waren wieder viele kleine Zuschauergruppen, die uns ständig anfeuerten. Das tat gut und da waren dann noch ein paar nette Damen, die mir Schokolade und auch noch einen Sekt reichten. Als Belohnung und zur Erinnerung musste ich von denen natürlich ein Foto machen. Die Kamera hatte ich übrigens ständig dabei und habe auch viele Fotos von den Menschen rund um die Läufe gemacht. Die Fotos können übrigens unter https://plus.google.com/u/0/photos/112136060700340195541/albums/6017283566828945313
eingesehen werden. Unterwegs trafen wir Ute aus Mettingen, die uns bis ins Ziel begleitete. Sie kannte natürlich die Strecke und informierte uns über die vor uns liegenden KM. Hinter uns braute sich eine Gewitterfront auf, es wurde von Minute zu Minute stürmischer und dunkler und so erhöhten wir wieder unser Tempo. Es ging Gott sei Dank nur noch bergab bis ins Zentrum von Mettingen und wir erreichten mit einer Endpace von unter 4:45 das Ziel als 423. und 424. mit unserer bisher besten Tagesplazierung. In der Gesamtwertung kamen wir dadurch sogar unter die ersten 500 auf den Plätzen 479 und 480. Nun schnell wieder die leckeren Plätzchen mit Cola als Zielverpflegung einnehmen und zügig vor dem großen Regen ab ins Auto und nach Hause. Nun regnete es wieder in Strömen und ich war gegen 21:30 Uhr glücklich und müde wieder zu Hause. Jetzt wurde noch geduscht, ein wenig gegessen und schnell die Fotos noch online gestellt, bevor gegen Mitternacht das Bett aufgesucht wurde.
Dienstag begann mein Arbeitstag, dank meiner gleitenden Arbeitszeit etwas später und dieses Mal war ich an der Reihe zu fahren und holte Britta um 15.30 Uhr ab. Tief beeindruckt von unserer gestrigen Leistung, erwarteten wir allerdings für heute bei der „Etappe der Wahrheit“ von Mettingn nach Dickenberg einen Einbruch. Obwohl wir uns körperlich gut fühlten, war unsere Stimmung gedämpft, insbesondere weil wir erfahren mussten, dass im ersten Drittel der gestrigen Etappe eine erfahrene und durchtrainierte Läuferin kollabiert ist und anschließend im Krankenhaus verstarb. Infolge dessen war es sehr still im Startbereich und auf Wunsch der Angehörigen wurde die Veranstaltung nicht abgebrochen, sondern mit einem minutenlangen Applaus der verstorbenen gedacht. Viele von uns hatten Tränen in den Augen und dementsprechend ruhig ging es diese Etappe. Wir wollten dieses Mal wieder kontrolliert laufen, weil wir glaubten, dass wir den gestrigen Tag nicht noch toppen konnten. Unterwegs trafen wir Andreas aus Borghorst, der aufgrund seines Körperumfanges nicht gerade als Ultraläufer auszumachen war. Das täuschte aber, der Läufer von Marathon Steinfurt war erstaunlich schnell unterwegs. Wir quatschten unentwegt und nahmen so richtig fahrt auf. Trotz der 200 Höhenmeter pendelten wir zwischen einer Pace von 4:58 und 6:00 bei stetigen Regen. Das Ziel erreichten wir klitschnass und glücklich, dass die Etappe einfacher war als wir das erwartet hatten mit einer Zeit von 1:41:21 Std. Das bedeutet nun sogar eine Platzierung unter den ersten 400. Mit den Plätzen 387 und 388 war nun aber unser bestes Ergebnis für die Sixdays erreicht.In der Gesamtwertung verbesserten wir uns auf Platz 453 und 454. Wow, das war geil. Voll zufrieden machten wir uns auf den Heimweg und Britta dachte schon an den nächsten Tag, der noch einmal sehr anstrengend und die Strecke 5 km länger sein sollte.
Der Mittwoch mit der Etappe von Dickenberg nach Ibbenbüren war schneller da als ich es wollte. Und wieder ging es zur Arbeit und Britta holte mich wieder ab. Es regnete unaufhörlich und wir überlegten, was uns wohl auf den Waldwegen erwarten würde. Tanja teilte mir auf Nachfrage mit, dass meine Ghost 6 für die 5. Etappe gehen sollte, weil viele Asphaltabschnitte kommen würden. Da hatte sich das Pferdchen aber einen „Bären“ aufbinden lassen. Diese Etappe war das härteste was ich bisher erlebt habe. Strömender Regen, matschige Trails und glitschige Bergabläufe. Das war eher ein Crosslauf Marke „Thought Mudder“, aber den hatten wir nicht gebucht. Meine Ghost 6 können jetzt auch Trail, diese Etappe hat es bewiesen. Ja, und heute traf das ein, was Britta gestern bereits erwartet hatte – der Einbruch! Sie war ein paar Mal unkonzentriert und knickte um, fiel auf`s Knie und fluchte dabei ständig vor sich hin. Zum Ende hin verfluchte sie jeden Anstieg. Ihr war kalt, sie haderte ständig mit allem. Mich raunzte sie an, dass ich von ihr wegbleiben solle – ich solle abhauen- ! So kannte ich sie nicht! Bis hierhin waren wir ein Topteam und ich hatte sie in mein Läuferherz geschlossen. Nun stand unser Lauf auf einer Zerreissprobe. Ich ließ sie erst einmal fluchen. So langsam wagte ich mich wieder an sie ran und versuchte sie zu motivieren und aufzubauen. Wer Britta kennt, weiß, dass sie eine Kämpferin ist – das hat sie beim Kung-Fu gelernt. Und sie kämpfte sich durch und erreichte erschöpft aber nicht glücklich das Ziel. Nun musste sie erst einmal alleine sein. Ich holte ihr ein paar Plätzchen und etwas zu trinken und ließ sie noch ein wenig mit sich selber ins Reine kommen. Es war immer noch am Regnen, es war immer noch kalt und so langsam wurde Britta wieder zugänglicher. Und in diesem Moment war mir klar, dass wir die Abschlussetappe gemeinsam bestreiten würden. Ich wollte mit dem Rennzwerg die Riesenbecker Sixdays gemeinsam als Ersttäter bezwingen.
Diese Etappe beendeten wir übrigens als 433. bzw. 434. und in der Gesamtwertung fielen wir auf die Plätze 441 und 442 zurück.
Donnerstag, Vatertag und Schlussetappe mit einem Start um 14.00 Uhr in Ibbenbüren am Aasee.
Britta hatte für sich als Ziel ausgemacht, nicht letzte in ihrer Altersklasse zu werden. Und vor dieser längsten Strecke zurück nach dem ursprünglichen Start in Riesenbeck lag sie auf Platz 5 der WHK. Wenn alles normal lief, dann sollte der Platz gehalten werden können, da die Nachfolgende 11 Minuten hinter ihr lag. Der Vorsprung der vor ihr Liegenden war 4 1/2 Minuten, was wohl nicht aufzuholen war. Die Top 3 waren nicht annähernd mehr in Reichweite. Wider Erwarten fühlten wir beide uns gut, die Muskulatur war angesichts der vergangenen Strapazen überraschend locker. Also machten wir uns frohen Mutes auf den Weg, mit dem Vorhaben es locker angehen zu lassen um entspannt das Ziel zu erreichen. Britta war wieder gut drauf und unser „Team“ war durch das gestrige Tief nur noch gestärkt worden. Bei einer der vorherigen Etappen ist Britta gefragt worden, ob ich ihr Vater sei, worauf ich ihr lautes Lachen hinter mir wahrnehmen konnte. Nee, Nee, wiegelte sie ab – auf gar keinen Fall -. Sie erklärte, dass wir uns Online über Jogmap kennengelernt hätten und nur mal so ab und zu gemeinsam laufen würden. Mit dieser Erkenntnis ließen wir die ungläubigen Läufer hinter uns und waren beide froh, dass wir uns über den Weg gelaufen sind. Ja, das ist schon eine Toptruppe unsere Jogmap-Ruhr-Gruppe und wir waren gerade dabei das Best-of-ever-Team der Sixdays zu werden, denn wenn wir heute auch noch gemeinsam ins Ziel kommen, hätten wir den Lauf vom Anfang bis zum Ende gemeinsam absolviert. Am Start trafen wir FazerBS mit Dieter, JuHoMS, Hamerse und viele andere liebgewonnene Läufer und Läuferinnen und alle sahen irgendwie glücklich aus. Endlich war wieder trockenes Wetter und es sollte doch ein schöner Abschlusstag werden. Wir genossen zum letzten Mal die herrliche Landschaft und ließen es einfach rollen. Britta teilte mir nochmal nett mit, dass sie es nicht so gerne hat, wenn ich so weit vor ihr laufe, lieber wäre es direkt vor oder halt neben ihr, wenn die Strecke es zu ließe. Ok, habe verstanden und konnte natürlich auch nachvollziehen, dass es nicht so prickelnd ist ständig hinter einem heranlaufen zu müssen. Das kostet natürlich auch Kraft. Die letzten 10 KM sollten laut Ansage von Michael Brinkmann ausgeschildert sein und umso überraschter waren wir, als wir früher als erwartet das erste Schild passierten. Ab hier waren es nur noch 10 KM und es sollte kein Anstieg mehr kommen. Also war ruhiges Auslaufen angesagt und das machten wir mit einer Pace von 5:30 – 5:50 recht zügig. Wahnsinn, dass wir noch soviel Energie hatten. Im kleinen Örtchen Bevergern, das wir auf den letzten Kilometern passierten, waren wieder einige Zuschauer am Streckenrand. Ein Moderator war mit Mikro auf der Strecke und befragte einzelne Teilnehmer. Mein breites Grinsen veranlasste ihn natürlich, mich zu interviewen, was ich gerne Tat. Britta lief weiter und ich hörte nur wie sie sagte: Quatsch nicht wieder so viel! Ok, nach 6 Tagen sollte sie mich ja jetzt wohl kennen, das könnte hier dauern! Ich ließ sie aber nicht zu lange davoneilen, denn sie war heute wieder zügig unterwegs. Verwundert schauten die Läufer/innen, die mich zwischenzeitlich passiert hatten, wie ich im Zwischenspurt wieder an ihnen vorbeizog, um dann wieder zu Britta aufzuschließen und im Gleichschritt gen Ziel zu laufen. Die letzten KM flogen so an uns vorbei und schon hörten wir Michael, der im Ziel die Läufer/innen ankündigte. Spätestens jetzt überkam mir Gänsehaut pur, denn unglaublich viele Zuschauer säumten die letzten 500 Meter zum Ziel. Wir jubelten mit den Zuschauern liefen in einem Runnershigh. Ich nahm Britta`s Hand uns so liefen wir Hand in Hand ins Ziel unserer ersten Riesenbecker Sixdays.

Unser erstes Mal war ein geniales Lauferlebnis, welches in der abschließenden berauschenden Siegerehrung im Festzelt einen krönenden Abschluss fand. Britta hatte erfahren, dass die ersten 5 der einzelnen Altersklassen auf der Bühne geehrt werden sollten. Sollte sie also ihren Gesamtplatz vom Vortage halten, so würde auch sie dabei sein. Spannung war also schon vorhanden. Ich schaute dann mal zwischendurch mit meinem Smartphone auf die Homepage des Veranstalters und der hatte schon gegen 20.00 Uhr die Ergebnisse online stellen können. Wir hatten die 6. Etappe mit Platz 405 und 406 abgeschlossen und Britta belegte hierbei sogar den 4. Platz ihrer AK – ok, ich nur 76., dafür waren aber auch 1/6 aller Teilnehmer in meiner AK -! Im Gesamtergebnis erreichten wir die Plätze 432 und 433 von 558 Finishern und sind damit mehr als zufrieden in diesem saustarken Teilnehmerfeld.
Das Highlight war aber, das Britta mit mir als „Schleifer“ gegenüber der vor ihr liegenden bei der letzten Etappe satte 6 ½ Minuten gut machen konnte und somit noch in der Gesamtwertung an ihr vorbeiziehen konnte.
Dieses breite Grinsen, was Britta nach dieser Mitteilung bekam, blieb ihr den ganzen Abend erhalten und als Höhepunkt wurde sie von Michael Brinkmann als 4. der WHK auf der Bühne vor 600 Sportlern geehrt. Der Rennzwerg war in 6 Tagen zum Rennpferd geworden. Herzlichen Glückwunsch an meine Gefährtin. Dein Erfolg macht auch mich ein wenig stolz, da ich dich lange 140 KM begleiten und manchmal auch antreiben durfte. Diese Tage haben mir gezeigt, dass alt und jung sich auch wunderbar ergänzen können.

Dieser Wettkampfbericht ist nun ein wenig länger ausgefallen als erwartet. Allerdings habe ich auch viele Dinge noch gar nicht erwähnt und er hätte weitaus länger werden können. Aber es schreiben ja auch noch andere davon. Den Bericht von Thomas Kühnen auf www.laufen-in-dortmund.de solltet ihr auf jeden Fall auch mal lesen und das Pferdchen hat ja auch schon berichtet.

LG
Euer Many

4.875
Gesamtwertung: 4.9 (8 Wertungen)

Genial gelaufen, ihr zwei!

und glücklich in noch besser als erwarteter Zeit ins Ziel gekommen. Hach, gleich noch Platz 4 abräumen - hab ich mich gefreut den Zwerg auf der Bühne zu sehen!

Danke für die vielen Fotos, die ich mir in einer ruhigen Minute (bzw. gleich mehreren!) ansehen werde.

Ihr wart ein tolles Team.

Tolles Team,

toller Lauf, toller Bericht. Zwei ganz tolle Laufbuddies. Ich bin stolz auf euch und eure Leistung.



manchen bei youtube

Glückwunsch zu diesem grandiosen Gemeinschaftserlebnis!

Das habt ihr toll hinbekommen: gekämpft, gelitten, zusammengerauft und gesiegt! Danke für deinen ausführlichen Bericht von diesem tollen Mehrtagerennen! Und jetzt wünsch ich dir gutes Regenieren.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Ja, man merkte deutlich,...

Du fühlst Dich dort bei dem Lauf pudelwohl, hüpfst von einem Bekannten zum nächsten und hast Dich rührend um Yggdrasil gekümmert und als "rasender" Reporter alles geknipst, was nicht niet und nagelfest war!

Unser Rennzwerg ist aber kein Zwerg!! :o))
Sie ist eine ganz große, die verdammt viel auf dem Kasten hat und richtig gut und schnell laufen kann und ich denke, Ihr habt Euch das genau richtig eingeteilt, was der Treppchenplatz und Euer breites Lächeln im Ziel ja auch bewiesen haben!

Gratuliere zu diesem tollen Erlebnis- und Betreuungslauf!

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Sauber

sehr schön geschrieben und ne klasse Leistung noch dazu!

Aber gibts auch ne Kurzversion??

"laufend laufen, laufen wir laufend!"

Großartig!

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erstling.
Das ist mal wieder einer dieser Laufromane, die so ein "das will ich auch, wenn ich groß bin" auslösen. Und dank Jogmap und Eurer tollen Berichte wird nächstes Jahr zumindest "von hier" niemand ohne Trailschuhe durch die Matschepampe laufen müssen.

Herzliche Grüße
yazi

Sehr beeindruckend,

was ihr da gerissen habt! Nicht kleinzukriegen trotz schwindender Kräfte und Matschwege. Ganz im Gegenteil, zum Schluss nochmal einen draufgepackt, toll!
Liebe Britta, dir noch einen extra fetten Glückwunsch zum Treppchenplatz!!! Ich finde gerade in deinem Alter gibt es nicht viele, die so taff sind und sich "schon quälen" können, aber du kannst jetzt schon beißen. Da werden wir noch einiges von dir hören, Hammer!
"Papa Many"(*kicher*), du hast dich ja echt rührend um den Rennzwerg, die unterwegs zum Rennriesen mutierte, gekümmert. Aber merke dir, wenn Kinder sagen "hau ab", meinen sie das auch so und Papa oder Mama müssen zurückstecken;-)
Ich bin ob eurer Leistung wirklich sehr beeindruckt!!! Sehr schade, dass hier in der Nähe nichts ähnliches (am liebsten in abgeschwächter Form, *hüstel!*) geboten wird.

Lieben Gruß
Tame

Ein Tag Urlaub

braucht man, um den Bericht lesen zu können, nein, bekommt man geschenkt, wenn man es tut. Riesengroßbeckeriges Kino! Und eine sehr rührende Geschichte über eine "Laufvaterschaft" (darf man das so nennen?)

Herzlichsten Glückwunsch euch Beiden!

granreserva


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Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten

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