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Die Vorbereitung

Nach bestandener Ultramarathon-Premiere über 50 km in Bottrop im November 2013 war schnell eine neue Herausforderung für 2014 gefunden. Meine konkreten Vorstellungen, Ultradistanz und Teilnahme an einer deutschen Meisterschaft, möglichst im Frühjahr 2014 ergaben einen Treffer, die deutschen Meisterschaften über 100 km in Husum. Nach Analyse der Vorjahresergebnisse stand mein Entschluss zur Teilnahme fest. Die Zielsetzung lautete:
1.       ankommen!    
2.       eine Wertung erreichen!

Aufgrund des Zeitfaktors “ Frau, Kind, Haus“ mussten maximal vier Einheiten pro Woche reichen, zwei lange Läufe am Wochenende sowie die gemeinsamen Trainingseinheiten Dienstags und Donnerstags in unserer Laufgruppe.  Hier kam mir das Marathon-Training von Georg und Rita März in Vorbereitung auf den Düsseldorf-Marathon sehr entgegen,  zusätzlich habe ich motivierte Laufkameraden und somit viel Laufbegleitung.  Schon ab Januar steigern sich die Umfänge, an den Wochenenden gibt es zwei Läufe zwischen 30 und 35 km oder einen Lauf über 40 km,  Dienstags und Donnerstags stehen Tempoläufe und Intervalltraining an. Die ein oder andere Einheit lässt mich zwischendurch an die Umsetzung meines Zieles zweifeln! Einmal überlege ich auf dem Weg vom Klinikum in Aachen nach Hause, ob ich in Kohlscheid in die Euregiobahn einsteige und die letzten 5 Kilometer nach Hause fahre, allerdings habe ich kein Geld dabei. Nach mehreren Gehpausen laufe ich dann schließlich doch die Einheit zu Ende. Ein anderes Mal laufe ich abends durch das dunkle Wurmtal, bei Vollmond und Krötenwanderung frage ich mich nach dreieinhalb Stunden, welchen tieferen Sinn das Laufen eigentlich für mich hat, auf den letzten 10 km von insgesamt 48 km komme ich hier auf kein positives Ergebnis. Meinen längsten Trainingslauf beende ich vorzeitig nach 60 km, nach einer längeren Colapause bei km 50 fällt mein Schnitt in Richtung 6:00 min/km und ich beende die Quälerei vorzeitig! Allerdings gibt es auch motivierende Einheiten, besonders die 8 x 1000 Intervalle mit André und Eva im 3:27 er Schnitt bleiben in positiver Erinnerung, auch die zu schnellen Tempoläufe mit Achim unter Missachtung  der Zeitvorgaben des Trainers sind sehr motivierend!

Die Anfahrt

Am 09.05.2014 ist es dann soweit. Morgens um 8.00 Uhr machen Achim Andres und ich uns von Herzogenrath auf den Weg in das 620 km entfernte Husum. Achim hatte mir im Vorfeld seine Begleitung angeboten, wahrscheinlich weil ich bei unseren gemeinsamen Läufen zu oft geklagt hatte, alleine nach Husum fahren zu müssen. Auf unserem Richtfest unter Einfluss von guter Laune und „kurzen“ Getränken kam Achim zu dem Entschluss mich zu begleiten. Am Nachmittag erreichen wir Husum und bauen auf dem Zeltplatz am Husumer Dockkoog direkt neben der Laufstrecke unser Zelt auf. Ein einsamer Pavillon mit DLV-Verantwortlichen deutet auf die morgige Veranstaltung hin, ansonsten ist hier aber noch nichts los. Also machen wir uns auf dem Weg in die Stadt um beim örtlichen Italiener unser Wettkampfessen in Form von Pizza zu uns zu nehmen. Währenddessen regnet es in Strömen bei heftigem Sturm, der Gedanke an den morgigen Wettkampf löst wenig Euphorie aus. Nach kurzer Stadtbesichtigung geht es zurück zum Zeltplatz, mittlerweile sind dort weitere Helfer eingetroffen und die Veranstaltung nimmt Gestalt an. Jetzt treffen auch weitere Läufer ein, u. a. Athleten die für den deutschen Kader laufen. Nach kurzem Small-Talk und Aufklarung des Wetters gehen Achim und ich die Wettkampfstrecke ab. Entlang des Deiches, begleitet von unzähligen Schafen und deren Hinterlassenschaften machen wir uns einen Eindruck von der Strecke, diese steht auf Teilstücken komplett unter Wasser und bietet neben Schafen auch noch die Aussicht auf grüne Wiese. Das Meer ist von keiner Stelle der Laufstrecke aus zu sehen! Der „Rundkurs“ von 5 km ist in Wirklichkeit ein asphaltierter Weg von 2,5 Kilometern entlang des Deiches der 20 mal auf und ab gelaufen werden muss, lediglich im Start-/Zielbereich schert man für ein kurzes Stück von dieser Strecke über einen angrenzenden Parkplatz aus. Einige wenige Läufer treffen wir hier, die Vorfreude auf den morgigen Tag ist insgesamt sehr gedämpft. Der Abend endet gegen 21:00 Uhr, zuvor gönnt sich Achim ein „Motivationsbierchen“ und muss dafür mehrmals des nachts aus dem Zelt :-).

10.05.2014          Der Wettkampf

Morges um 5:10 Uhr klingelt erstmals der Wecker, kurze Zeit darauf die Uhr und danach mein Handy! Nur nicht den Wettkampf verschlafen. Im Aufenthaltsraum des Campingplatzes finden wir zum Glück ein warmes und trockenes Plätzchen für unsere Laufvorbereitungen, hier treffen wir auch Paul Kleinmann, einen erfahrenen M65-Ultraläufer mit mehr als 15 absolvierten 100 km-Läufen sowie über 50 gefinishten Marathons. Bis kurz vor 7.00 Uhr gibt es einiges zu tun, u.a. frühstücken, 1,5 Liter-Wettkampfgetränk leeren, pflastern“ und schmieren, anziehen, Startnummern und Chip anbringen, Erfahrungsaustausch mit Paul usw. Pünktlich zum Start sind wir an der Strecke, es kann losgehen! Der Veranstalter erklärt uns noch kurz die Strecke, der Start verläuft entgegen der eingezeichneten Laufpfeile und sorgt für leichte Verwirrung aber auch Belustigung über den friesischen Humor des Moderators! Spontan bitte ich den Läufer neben mir doch vorzulaufen, dann könne ich Ihm folgen und bräuchte die umständlichen Streckenerklärungen nicht zu verstehen. Diese als Scherz gemeinte Aufforderung empfinde ich rückblickend als etwas anmaßend, aber dazu später mehr! 7:00 Uhr und Startschuss!

Mein Start ist relativ entspannt, im Gegensatz zu mir setzen sich einige Läufer direkt nach vorne ab und entfliehen dem Läuferpulk, der mir aufgrund der engen Strecke auf den ersten Metern dann doch etwas zu schaffen macht. Das Läuferfeld entzerrt sich dann aber doch recht schnell und dann ist auch schon der 1. Kilometer geschafft. Schon in der ersten Runde laufe ich auf Pamela Veith auf, die amtierende deutsche Meisterin vom TSV Kusterdingen über die 100 km-Distanz läuft in Begleitung Ihrer Vereinskameraden Ralf Steißlinger und Nikolaos Adam. Hier bin ich richtig, Pamela ist im Vorjahr 08:10:53 h gelaufen, schon vor dem Wettkampf hatte ich geplant in Ihrem Umfeld mitzulaufen. Schnell komme ich mit ihrem Begleiter Ralf ins Gespräch und wir tauschen Zeiten und Ziele aus. Hier stimmt nicht nur das Tempo, hier stimmt auch die Chemie. Die ersten Kilometer verlaufen kurzweilig, die Gespräche innerhalb unserer Gruppe sowie die Eindrücke von der Strecke und den Läufern tragen hierzu bei. Das Frühstück und die 1,5 Liter liegen mir anfangs schwer im Magen, nach dem ersten Pinkelstopp wird es jedoch langsam besser.  Gedanklich arbeite ich auf den ersten Meilenstein hin, der liegt bei KM 25, dort treffe ich mich mit meinem Vereinskameraden Achim um gemeinsam weitere 42 Kilometer zu laufen. Achim startet beim Marathon um 9:00 Uhr, nach unserer Planung treffe ich bei einem Schnitt von 4:48 min/km pünktlich dort ein. Nach 25 Kilometern ist es schließlich soweit und ich freue mich auf die Begleitung durch Achim, meine Vierer-Gruppe ist leider auseinandergebrochen, Pamela und Nikolaos haben das Lauftempo forciert und sich mit einen Abstand von ca. 100 m abgesetzt, nur Ralf ist noch bei mir. Das Timing ist perfekt, die Marathonis starten ca. 10 sec nachdem ich die Gruppe von etwa 15 Läufern passiere. Leider stelle ich kurz darauf fest, die Marathonstrecke macht eine zusätzliche Schleife von 1 km bevor sie dann auf die gemeinsame 5km-Strecke führt, also habe ich ca. 5 min Vorsprung zu Achim. Da kann man soviel planen wie man will, die abweichende Streckenführung für den Marathon war im Vorfeld nicht bekannt. Die nächsten Kilometer werden hart, Ralf hat eine Pinkelpause eingelegt und ich laufe nun ohne Begleitung. Mehrmals kommt mir Achim entgegen, im strammen Tempo versucht er meinen Vorsprung schnell aufzuholen. Hiervon profitiert Jörg Hooß, einer der führenden Läufer hat nun mit Achim einen schnellen Begleiter. Nach der 8. Runde läuft Achim auf mich auf und kann sein Tempo dem meinen anpassen, wir laufen dann ca. 5 km gemeinsam bevor die harte Aufholjagd von Achim Ihren Tribut zollt und er das Tempo rausnimmt und langsamer weiterläuft. Nach ca. 32 Kilometern ist hier für Ihn nach langer Führung im Marathonfeld Schluss, sein Marathon vor zwei Wochen in D`dorf mit persönlicher Bestzeit von 03:06:58 h sowie die 3000 m auf der Bahn vor einigen Tagen verhindern einen greifbaren Sieg hier.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich einen zu erwartenden, jedoch ziemlich früh eintreffenden mentalen Tiefpunkt, zwischen Kilometer  40 und Kilometer 50 hänge ich mich an Ralf, der zwischenzeitlich wieder auf mich aufgelaufen war. Jetzt heißt es dranbleiben und auf keinen Fall den Anschluss verlieren.  Ab Kilometer 50 wird es dann besser. Mittlerweile kenne ich die Strecke aus dem „FF“, hinter der Ziellinie eine schnelle 2 km-Passage mit Rückenwind, dazwischen 1 x Deich hoch und wieder runter, ab in die kurze Schleife mit Getränkestand und zurück in den Gegenwind. Deich hoch und runter mit extremen Gegenwind bis einschließlich Kilometer 4, dann ca. fünfhundert schnelle Meter mit Rückenwind und Publikum, Kehrtwende und mit Gegenwind ohne Temporeduzierung in Richtung Ziellinie, einscheren auf die „Parkplatz-Schleife“ mit Verpflegungsstelle, kurz Getränk fassen und gehend erholen. Dann los, über die Ziellinie unter Moderation des Zielsprechers auf die nächste Runde wie gehabt. Für Abwechslung sorgt zu diesem Zeitpunkt der Kampf um die ersten Plätze zwischen Rekordmeister Michael Sommer, Tobias Hegemann, Adam Zahoran und Jan-Hendrik Hans. Etwas abgeschlagen zu diesem Zeitpunkt ist Florian Reus, für den drittplatzierten bei den Weltmeisterschaften in 2013 im 24h-Lauf ist dies vermutlich ein Trainingslauf! Bei den Frauen führt zu diesem Zeitpunkt Pamela Veith, nach Ausscheiden der in Führung liegenden Vorjahresvizemeisterin Branka Hajek zur Rennhälfte ist Sie auf besten Weg Ihren Titel zu verteidigen. Ab Kilometer 60 verfolge ich eine mentale 5 km-Strategie, ich denke nicht an die 100 km-Gesamtdistanz sondern setze mir immer die nächsten 5 Kilometer als Ziel. 65 km, 70 km, 75 km, im Kopf male ich mir die verbleibende Renndistanz in mir bekannte Laufstrecken um, 80 km, der Gedanke dass ich ab km 85 Cola trinken werde treibt mich voran, km 90, noch zwei Runden!! Mittlerweile weiß ich, mein Ziel werde ich erreichen und die anvisierte Zielzeit ebenfalls. Einige Läufer habe ich auf den letzten Runden überholt, sowohl Ralf als auch Nicolaos sind hinter mir. Ich laufe auf die führende Frau Pamela Veith auf und motiviere mich in der letzten Runde mit dem Gedanken, ggfs. vor Ihr oder zumindest gemeinsam die Ziellinie zu überqueren. Auf Kilometer 96 und 97 lauf ich mit Rückenwind immer näher ran, bis Kilometer 99 ist der Vorsprung auf vielleicht 10 Sekunden geschrumpft. Der letzte Kilometer, im linken Oberschenkel krampft es sehr und ich muss Pamela ziehen lassen, letztendlich trennen uns 13 Sekunden. Trotzdem profitiere ich von der Euphorie des Publikums über den Zieleinlauf der 1. Frau und gemeinsam genießen wir unseren Erfolg. Aufgrund des einsetzenden Regens pünktlich zu unserem Zieleinlauf geht es direkt in das Versorgungszelt, dort gibt es warme Decken, Verpflegung und ggfs. auch medizinische Unterstützung. Getragen von der Freude den ersten 100 er geschafft zu haben, genieße ich die Stimmung und den Smalltalk mit anderen Läufern, Betreuern und Helfern. Das alkoholfreie Weizenbier schmeckt und die heiße Brühe ebenfalls. Nur das Sitzen bekommt mir nicht, nach einer halben Stunde kann ich nicht mehr aufstehen, das geht zwar dann mit Unterstützung, aber alleine stehen oder gar gehen ist mir unmöglich. Zum Glück ist Achim dabei, von Ihm eskortiert mache ich mich auf den Weg zu den Duschen unseres Campingplatzes, begleitet von heftigen Schüttelfrostattacken sind die 150 m im Schneckentempo eine richtige Tortur. Letztendlich wird aber auch diese Hürde geschafft und nach einer ausgiebigen Duschorgie spielt meine Muskulatur auch wieder einigermaßen mit.

Den Rest des Rennens verfolgen wir vom Verpflegungszelt. Für die letzten Läufer ist der Wettkampf besonders hart, bei starkem Dauerregen und weiterhin starkem Wind drehen Sie alleine Ihre Runden, Zuschauer sind unter diesen Wetterbedingungen nicht mehr an der Strecke. Nach insgesamt 12,5 Stunden ist dann das Rennen für alle Läufer beendet und es geht direkt zur Siegerehrung. Bei den Männern hat Adam Zahoran in einer Zeit von 7:09:03 h das Rennen für sich entschieden, der mir unbekannte Läufer, den ich beim Start gebeten hatte vorzulaufen.

Fazit:

Dieser Lauf war klasse und wird mir positiv in Erinnerung bleiben! Meine Ziele habe ich erreicht, zudem habe ich einige nette Läufer kennengelernt und viele interessante Gespräche gehabt. Meine Erkenntnis daraus, ich bin zwar schon ein wenig „ laufverrückt“, aber es gibt noch viel extremere Fälle :-). Ein kleiner Wermutstropfen muss auch erwähnt werden, bei der Siegerehrung durch den DLV hätte ich nebst Urkunde die Überreichung einer Medaille erwartet, Medaillen gab es jedoch keine. Selbst die Gesamtsieger wurden lediglich mit einen „DLV-Wimpel“ geehrt!
An dieser Stelle nochmals vielen Dank an meinen persönlichen Betreuer Achim. Dank seiner Unterstützung konnte ich diesen Wettkampf optimal bestreiten, außerdem war er mir vor allem eine mentale Unterstützung und hat somit einen wichtigen Anteil an meinem Erfolg. Ohne Ihn wäre ich zudem nicht nach hause gekommen. Danke auch an Georg & Rita für die regelmäßigen Trainingseinheiten sowie die vielen Tipps incl. der Vitamin C-Rosskur. Danke an Tanja, Monika und Willi für Ihre Energieberatung! Zuletzt der Dank wie immer an meine Familie für das Verständnis über meine stundenlange Abwesenheit während der Vorbereitung. Was bleibt ist der Blick nach vorne, hier gibt es schon neue Ideen für 2015, aber für dieses Jahr ist meine Saison beendet.

5
Gesamtwertung: 5 (8 Wertungen)

Glückwunsch

zu dieser Leistung und sehr schön geschriebenen Bericht, der einiges auch über deine mentale Stärke ausdrückt.

Herzlichen Glückwunsch...

zu dieser Leistung! Als maximal-12-km-Genussläuferin finde ich das Ultra-Völkchen ja phänomenal.

Trotzdem war ich bei den 100 km von Husum dabei - als Teil einer 10x10 km-Staffel. Das Tolle an dieser Veranstaltung war für mich, dass ich anders als bei sonstigen Laufevents tatsächlich mal jemanden überholen konnte :-)

Ich hoffe, Ihr habt das Meer dann doch noch irgendwann gesehen - das war nämlich echt ganz nah dran!

Gruß aus Husum vom
Nandu

Laufverrückt?

Du doch nicht! Zum Glück gibt es noch extremere Fälle.

Glückwunsch zu diesem Super-Rennen. Und Danke für den tollen Bericht.

Gruß

Sirius
...der wie ein Verrückter rennt
(aber längst keine 100 km).

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