Kauf doch deine Geschenke über diesen Link und unterstütze damit jogmap.

Topangebot der Woche

Benutzerbild von krazykat

sämtliche Vornamen des verdienten Sportlehrers Gutsmuths habe ich auswendig gelernt, zusätzlich noch alle 72,7 Strophen des Rennsteigliedes. Leider wurde das weder bei der Startnummernausgabe noch am Grenzadler abgefragt. Nach Wanderliedern stand mir der Sinn auch weniger am Samstag in der Morgendämmerung kurz vor sechs auf dem Eisenacher Markt. Kein Wanderhut nirgends, nur bunte Kopftücher, und Stöcke waren gleich ganz verboten. Zur Vorbereitung war ich in diesem Jahr immerhin schon bis kurz vor Moskau gelaufen (virtuell), hatte Westberlin umrundet (real, in drei Etappen), den sagenumwobenen Kienberg, die Ahrensfelder Höhe und einige brandenburgische Dörfer besucht und im Volkspark Friedrichshain zwischen den Trümmerhügelchen das von mir zum Patent angemeldete Kreiseln erfunden ;-) und nun geht es endlich los. Nach einer mäßigen Nacht in einem viel zu kleinen Jugendherbergsbett geht es noch im Halbschlaf die ersten Anstiege hoch, als Nichtalpenbewohner nenne ich es mal Berge, die Alten Hasen gehen bereits, aber dafür fühle ich mich zu jung, lasst mich durch, ich muss heute noch nach Schmiedefeld. Es ist voll auf den schmalen Waldwegen und außerdem recht frisch: hätte ich vielleicht doch die Handschuhe … ach was, es sollen schließlich 15 Grad werden, will mich ja nicht totschwitzen (als es mir dann tatsächlich warm wird und ich meine Ärmel ausziehe, schreiben wir km 70). Dann meine Begegnung mit dem legendären Schleim, was soll ich sagen: es ist Liebe auf den ersten Schluck, sowas will ich im Abo! Überhaupt: soviel leckeres Essen mitten im Wald, aber weiter. Auf dem Inselsberg ist dann nach 25 km endlich Arbeitshöhe erreicht, romantisch im Nebel, leider kein Ausblick, aber weitere Leckereien. Dem rasanten Abstieg folgen weitere Wege: Schotter-, Kiesel-, Wurzelpfade, selten geht es gerade, gefühlt fast immer rauf. Irgendwann hat sichs mit dem Jungsein und ich gehe die meisten Anstiege, hat auch was Gruppendynamisches: man übernimmt den allgemeinen Groove, Gehen, Steigen, Antraben, Weiterlaufen. Noch vor dem Wachwerden habe ich mich dran gewöhnt, Laufen als Lebenszustand, ist das schon die versprochene Trance? An der Ebertswiese (Halbzeit) kommt sogar die Sonne raus und der Moderator muntert uns mit der Info auf, dass die ersten schon vor drei Stunden durch sind (meine Fresse: sind die fix, nä Schalk?, … und, ganz klar, vollkommen schmerzbefreit). Ich tröste mich mit der neugewonnenen Erfahrung, dass ab km 50 die Schmerzen zumindest nicht mehr schlimmer werden, manchmal vergisst man sogar, dass man läuft und ertappt sich bei dem Gedanken: ach, laufen gehen … könnte man auch mal wieder. So fliegt der Weg dahin und irgendwann passt kein Schleim mehr in mich rein, obwohl ich gern noch ein Becherchen schlürfen würde. Am höchsten Punkt (Plänckners Aussicht) haben die Scherzkekse zwei Schneehaufen hingeschüttet, was zu spontanen Schneeballschlachten führt (sind alle ganz schön mall bei km 61). Na, und ein Zehner … ihr wisst schon. Und dann ist man auch schon im „schönsten Ziel der Welt“ (wer hätte an dieser Stelle das Herz, das zu bestreiten) und ich habe nach 8:55 h meinen ersten Steich (und ersten Ultra) erledigt. Fühlt sich irgenwie gut an. Von der Klopßparty bis ins Festzelt ein Gesamtkunstwerk: perfekte Organisation, mit Liebe geschmierte Schnittchen und eine tatsächlich wunderschöne Strecke. Und nun wird auch endlich endlich das berühmte Lied gesungen. Ob man dazu zu Hunderten auf Bierbänken stehen, Fahnen schwenken und vollkommen ausrasten muss, hat Herbert Roth zwar nicht überliefert, es erhöht aber auf jeden Fall den Erlebniswert (erst die Leute mit Adrenalin abfüllen, dann jedem ein Schwarzbier spendieren und alle dann mit einem Spielmannszug in ein Zelt stecken … ). Schon unterwegs war mir das vermaledeite Lied als Ohrwurm ein treuer Begleiter: und ja, die Vöglein haben gesungen, und nein, ich denke nicht überall auf der Welt ausschließlich an den Thüringer Wald. Aber hin und wieder schon.
Das nächste Mal in Fröttstädt.
kk

5
Gesamtwertung: 5 (10 Wertungen)

wenn man Dein Blog liest...

...könnte man meinen, 73 km wären Kindergeburtstag.
Wo bleibt das Jammern über Waden zu, Kopf leer, Magenkrämpfe? Oder wenigstens ein klitzekleines bisschen Kreislauf. Also nee! So geht das aber nicht!

Scherz beiseite: Lauffreude in Worten liest sich genau so.
Hast scheinbar alles richtig gemacht - inkl. Anfangs-Übermut.

Danke fürs Aufschreiben - das Lesen war ein Vergnügen!

Gratulation aus dem Westerwald, WWConny

Hihi,

sozusagen unterwegs gealtert. Klasse geschrieben, sehr amüsanter Blick auf das "Getue" und ein Schleimliebhaber mehr auf der Welt.

Ja, der Rennsteig hat sein eigenes Flair.

Die Ultrawelt steht Dir nun offen - Gratulation zum "schleimigen" Debüt.

Glückwunsch!

Klasse zu lesen, ich glaube, das ist bisher der lustigste Steichbericht (dafür klingt er nicht ganz so beeindruckend nach unendlichen Strapazen und dem Ausloten der eigenen Grenzen), vielen Dank dafür!

Auch Dir herzlichsten Glückwunsch zum tollen Ergebnis
yazi

Ja dieser Ohrwurm bekommt

Ja dieser Ohrwurm bekommt mann nicht mehr aus dem Kopf. Den Rennsteig auch nicht mehr. Er hat seinen eigenen Charm und seine eigene Einmaligkeit.

Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu ereichen.
Helden gesucht!

Plänkers Aussicht ...

... kam 300 oder 500m nach der Schneeballschlacht und an der Ebertswiese waren die ersten nicht vor 3h durch sondern haben bis dort hin lediglich um 3h gebraucht. Naja, der erste auch nur 2:28h. ;-)
Aber ansonsten war das doch ein herzerfrischendes Meisterwerk. Der Lauf klingt danach. Der Bericht ist es in jedem Fall! Vielen Dank dafür!
Glückwunsch von der Spree an die Spree.
;-)
PS: Und janz viel Spaß von Fröttstädt um den Inselsberg. Erschrick dich nicht, wenn du dann an der Ebertswiese vorbei kommst. Da bist du völlig allein mit dir und der Ebertswiese. Nicht wieder zu erkennen, im Vergleich zum Rennsteiglauf. Und lauf dann nicht am Rennsteig weiter, sondern biege nach der Wiese, also nach dem dann nicht vorhandenen VP links den kleinen Pfad ab in den Spittergrund!

Für ein Ultra-Debüt war

Für ein Ultra-Debüt war das ja eine echte Hausnummer. Und dann so locker durchgekommen. Glückwunsch und Respekt. Schöner Bericht!

... und ich dachte zunächst bei dieser Überschrift

.. da schreibt jemand mit so 'nem Aufkleber "Sidney Lulu on Board!" ;-)

Aber weit gefehlt! Statt dessen kommt eine höggschd zutreffende Beschreibung der Atmosphäre am Steich zum Vorschein!

Herzlichen Glückwunsch zu deinem Super Steich-Debut!

:-)

sehr witzig geschrieben

Und Du hast recht: "Laufen gehen könnte man auch mal wieder" :-))

Gratulation!!

@Schalk

ich hätte an der ebertswiese schon alles geglaubt, auch die drei Stunden ... Der Tipp mit dem Abbiegen scheint mir sehr nützlich, hoffentlich erinnere ich mich.
@alle. Danke für die guten Wünsche.
@Schalk nochma: Wann gehts denn endlich weiter ... *räusper* *mitdenfingerntrommel*?
kk

Was für ein erfrischend lustiger Blog :-)

Liest sich so, als könnte Ultra eigentlich jeder, besonders Kevin-Maria ;-)
Riesenglückwunsch zu deinem gelungenen Ultra-und Rennsteigdebüt!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

von allem was dabei

1) alle Vornamen gelernt
2) mit Würde gealtert auf der Strecke
3) locker angekommen

Ich will genau das!!!

Super gemacht, Ultra scheint genau dein Metier zu sein.

P.S: Kevin-Maria, aua, das ist echt eine Kombi....

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

... wirst es dann sehen. ...

... sofern du dich nicht völlig von diesem krassen Unterschied der Atmosphäre einfangen läßt. Ich hab den Kreidestrich auf dem Weg echt erst im letzten Moment gesehen. War schon fast unterwegs Richtung Schmiedefeld.
;-)
PS: Job erledigt. Jezz kann ich auch Lesen...

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links