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Sonntag, 27.04.2014

08:55 Uhr: Nach nicht ganz einem Jahr stehe ich also wieder dicht hinter der Startlinie vom Hannover Marathon. Vieles geht mir in diesen Momenten durch den Kopf, insbesondere mein bitterer Ausstieg im letzten Jahr bei KM 34 wegen, ja weshalb eigentlich? Seitdem ist viel passiert: Mir ist bewußt geworden, auf was es wirklich ankommt: Der Spaß am Sport, die Freude am Laufen und wenn alles gut klappt, der Stolz auf das Erreichte. Es müsste schon einiges passieren, dass ich dieses Jahr nicht ins Ziel laufe – um diesen Moment möchte ich mich nicht noch einmal bringen.

Ich sehe einige bekannte Gesichter und grüße kurz, während die Ansage erfolgt, dass Startfreigabe für 09:02 erteilt wurde. Ich denke an das Training zurück. Wie gut die Verhältnisse über den Winter waren, dass die Vorbereitung sehr akribisch war und ich trotz der Umfänge ohne Beschwerden oder gar kleinere Verletzungen geblieben bin. Kurz vorher sind die Hand-Biker gestartet und mich überkommt ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit, dass meine Lieben und ich Gesund sind und ich hier heute starten kann.

Die TOP-Läufer werden vorgestellt, unter Ihnen auch Lisa Hahner. Sie wird später nach 12 KM unter Schmerzen mit Tränen aussteigen müssen – Ihr aufgezeichnetes Interview spricht mir später aus der Seele.
Ich suche meine kleine Supporter-Gruppe, die mich heute begleitet und finde in der Menge meine Frau, meine Brüder und meinen Vater. Auch für Sie werde ich laufen, schließlich sollen Sie nicht ohne Grund so früh aufgestanden sein. Zum Glück spielt das Wetter mit. Zu Hause um 07:00 Uhr noch mit unwetterartigen Schauern gestartet, gewinnt in Hannover tatsächlich die Sonne mehr und mehr die Oberhand.

09:02 Uhr : Die letzten Sekunden werden gemeinschaftlich runtergezählt und über 2000 Läufer und -innen machen sich, Ihr persönliches Ziel über die 42,195 KM zu erreichen. Während ich sehr konzentriert versuche, keinem in die Quere zu kommen oder gar zu stürzen, überholen mich auf den ersten 500m etliche Mitstreiter. Immer wieder überraschend für mich, wie stark das Vertrauen in die eigene Stärke sein muss. Ich halte mich zurück, denn wenn ich Eines kann, ist es, ein Rennen langsam anzugehen. Eine vorsichtige Schätzung dürfte zu diesem Zeitpunkt auf einen Platz um die 100 hinauslaufen.

KM2: Das Feld hat sich bereits sortiert, einzelne müssen schon jetzt dem Anfangstempo Tribut zollen. Ich ziehe etwas an, da die beiden ersten KM mit 4:03 dann doch etwas behäbig waren.

KM5 am Ende des Maschsees: Vor dem ersten Erfrischungspunkt löse ich mich aus einer ca. 10 köpfigen Gruppe, um dem Gerangel bei der Getränkeaufnahme aus dem Weg zu gehen. Kurz danach werde ich von einem jüngerem Läufer überholt, der auf den nächsten KM die Pace unter 4:00 min/km hält. Zu dritt hängen wir uns an ihm dran.

KM10 Hildesheimer Str.:Überraschung! Die Durchgangszeit von 40:23 ist dann doch deutlich zu langsam. Zu sehr habe ich mich auf das Rennen konzentriert, zu wenig die Zwischenzeiten über die KM-Schilder kontrolliert. Ich laufe zum Ersten Mal ein Rennen mit GPS. Der Sensor weist zwar in meinen Augen eine sehr geringe Abweichung aus, aber 1% machen halt eben 24 sec. aus. Oder auf die Strecke bezogen, fehlen beim vermeintlichen Zieleinlauf noch 400m. Ohne in Panik zu verfallen, versuche ich das Tempo zumindest leicht zu erhöhen.

KM12: 1. Treffpunkt mit meiner Reisegruppe. Wie verabredet, erhalte ich mein 1. Getränk in die Hand gedrückt. Da ich im letzten Jahr als ein Problem eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme mit Salzverlust ausgemacht habe, hatte ich im Training etwas mit Getränken experimentiert. Immer noch befinde ich mich in einer kleiner Gruppe von 5 Leuten.

KM 16 nach dem Aegidientorplatz: Aus den 5 sind 3 geworden – und ich gehöre noch dazu. Ich frage meine beiden Mitstreiter, welche Ziele sie verfolgen. Sie möchten in Richtung 2:52 laufen, bestätigen aber meine Renneinteilung, dass hierfür das Tempo zu hoch wäre. Daher kündigen Sie an, absehbar Tempo herausnehmen zu müssen.

KM 18-20: Wir laufen auf einem weiteren Läufer auf. Durch vorherige Führungsarbeit habe ich hier meine erste Schwächephase zu durchstehen. Ziemlich früh, aber ich weiß, dass in diesem Stadium auch eine rasche Erholung möglich ist. Ich bin froh, mich nach hinten fallen lassen zu können, auch wenn das Tempo der Gruppe dadurch in Richtung 4:03 runter geht.

KM 20: Wieder löse ich mich vor dem Verpflegungspunkt aus der Gruppe heraus. Ich nehme ein erstes Gel ein. Die anderen können mir nicht folgen.

KM 21: 2. Treff mit meiner Gruppe. Ich bekomme meine 2. Getränkeflasche gereicht und werde aufgemuntert. Kurze Zeit später ruft mir ein kleines Mädchen zu: „Hey, dass trinke ich auch immer...“
Ich recke ihr den gehobenen Daumen entgegen und Ihre Mutter muss lachen.

KM 21-25 in der List: Die Durchgangszeit zur Hälfte beträgt fast genau 01:25. Damit habe ich zwar von KM 10 keine weitere Zeit verloren, aber auch keine großen Zeitreserven erlaufen. Für mein Traumziel müsste jetzt schon der berühmte negative Splitt her, aber wenn der so einfach wäre, würden ihn wohl mehr schaffen. Ich entscheide mich weiterhin an meiner ursprünglichen Taktik festzuhalten, den 4er Schnitt so lange es geht durchzulaufen. Unterstützt werde ich in diesem Abschnitt von vielen Zuschauern. Durch das Anfeuern, die Musik und viel Klatschen überziehe ich etwas und laufe diesen 5 Km Abschnitt in 19:45. Allerdings laufe ich jetzt auch alleine.

KM25-30 Vahrenwalder Str. : Hier ist es wieder etwas ruhiger. Ich liege nach wie vor gut in der Zeit. Vereinzelt überhole ich Läufer. Die Hoffnung, dass sich dadurch vielleicht noch mal eine kleine Gruppe mit gegenseitiger Unterstützung bildet, zerschlägt sich meistens sehr schnell. Ein Blick in die Gesichter verrät mir, dass diese noch einen richtig schweren Weg vor sich haben.
Zum Ende dieses Abschnitts lasse ich mich durch die sensationelle Stimmung in der Stadt etwas pushen, was danach zu einem leichten, aber wirksamen Anstieg der Pulsfrequenz führt.

KM 28: Was macht denn meine Reiseguppe da vorne? Wir sind doch erst bei KM 31 verabredet? Schnell, schnell, meine 3. Getränkeflasche her. Einen kurzen Moment muss ich warten, bis mir die Flasche hingehalten wird und nehme das Tempo schnell wieder auf.

KM 30: Die Durchgangszeit liegt bei 2:00 Std. Alles im Plan

KM 31: Da stehen Sie ja doch nochmal! Merkwürdig. Wie sich später herausstellt, ist man mir bei KM 28 aus der U-Bahn heraus zufällig quasi in die Arme gelaufen, bevor man sich orientieren konnte. So nehme ich noch mal etwas Motivation mit.

KM34 Nordstadt: Hier bin ich im letzten Jahr ausgestiegen und mit der S-Bahn zum Ziel gefahren. Mein aufgereckter Mittelfinger in Richtung der Gleise seih mir als Ausdruck meiner Entschlossenheit verziehen.

KM35-37 Nienburger Str. : Jetzt wird es schwer. Die Pace geht nach unten. Verzweifelt versuche ich so wenig wie möglich nachzulassen und die vorher mühsam eingesammelten Sekunden nicht zu verlieren. Innerlich teile ich die restlichen KM bereits auf und sage mir, dass der letzte wegen des Zieleinlaufs ja gar nicht zählt.

KM38-41 rund um den Georgengarten:Komme ich überhaupt noch vorwärts? Zwar habe ich keine Schmerzen oder Anzeichen von Krämpfen oder Zerrungen - aber der Körper möchte nicht mehr laufen. Zumindest nicht dieses Tempo.
Und so quäle ich mich durch diese Passage mit einer Pace von 04:30. Bei meinem ersten Marathon betrug die Durchschnittspace 04:37. Hier bin ich auch meinen bislang langsamsten Wettkampfkilometer in 05:02 gelaufen – von daher ist relativ gesehen alles noch gut.

KM 42: Nur noch Geradeaus ins Ziel. Irgendwie und bitte: Lass es irgendwie nach Laufen aussehen.Der Zieleinlauf ist gigantisch. Ich habe die letzten Meter für mich alleine. Fast! Plötzlich überholt mich ein grünes Shirt! So nicht. Ich deute nochmal so etwas wie einen Schlusssprint an und lande doch noch vor dem anderen im Ziel.

Ein Blick auf die Uhr. 02:52 irgendwas. PB um 5 min. gedrückt. Die Sub 02:50 nicht in weiter Ferne, alles ist gut in diesem Moment.
Vorsichtig gehe ich weiter und suche zum letzten Mal meine heutigen Begleiter, die sich lautstark bemerkbar machen. Wir stimmen uns kurz ab, wo wir uns treffen und ich gehe in den Zielverpflegungsbereich. Wobei gehen meine Art der Fortbewegung nicht so ganz richtig beschreibt. Aber nach einer Massage und einem kurzen Auslaufen später am Tage zu Hause ist schon wieder alles in Ordnung.

Das offizielle Ergebnis liegt bei 02:52:33. Platz 25 und Platz 6 in meiner neuen AK M 40 sind nicht so schlecht. Vor mir zwei Handvoll Profis und ein paar Verrückte. Ob ich noch einmal in Hannover laufe, weiß ich mit ein paar Tagen Abstand nicht genau. In den Bereichen, wo ich hinkommen möchte, ist man hier zu sehr auf sich alleine gestellt. Dafür ist die Strecke sehr schnell, die Zuschauer richtig klasse und die Anreise für mich ideal.

Fazit: Die Rechnung wurde beglichen – Trinkgeld gibt es beim nächsten Start.

4.8
Gesamtwertung: 4.8 (5 Wertungen)

Geil gelaufen!

4er Pace geht immer - oder so? Klasse, klasse, klasse!

Fette Gratulation - und das Trinkgeld verdienst Du Dir dann halt ein anderes Mal.

Die Zeit ist sensationell, die Verbesserung in dem Bereich wirklich riesig und der Rest - viel Kopfsache.

Erhol Dich gut - und danke Deinen Supportern.

platz 25...

...und ak-patz 6 - gar nicht schlecht? ich brech zusammen! das is soooo klasse!
toller bericht. bin ganz atmlos vom lesen...
____________________
laufend gratuliert dem berti: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Klasse Bericht, geniale Zeil

Ich hoffe nur, dass bei Kilometer 34 zwischen den Gleisen und Deinem Mittelfinger niemand stand, der das hätte missverstehen können :-)

02:52h....-5Minuten...Top!

Gratuliere!
Hihiii..."Vor mir zwei Handvoll Profis und ein paar Verrückte."
Wozu zählst Du Dich? :o)))
Passt schon!
Steck schoma Trinkgeld ein.

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Der Körper möchte nicht mehr dieses Tempo laufen

den Satz empfinde ich jetzt irgendwie sehr beruhigend....

Danke für deinen Bericht und Glückwunsch zu der genialen Zeit!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Stark!

Sowohl der Lauf als auch dein Bericht. Herzlichen Glückwunsch!

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