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Benutzerbild von Sirius

Hamburg – mein erster richtig großer Marathon. Und es wurde ein richtig schöner – auch wenn vielleicht nicht alles klappte. Aber vieles wird überbewertet.

Anreise Freitag. Die samstägliche Shopping-Einheit fiel nicht allzu lang aus. Sie war außerdem erfolgreich, weil die beste Supporterin von allen eine tolle grellgrüne Laufjacke erstehen konnte. Damit würde ich sie beim Lauf schon von weitem erblicken um bei Km 12 und 31 ein paar aufmunternde Worte und vor allem ein Gel in Empfang zu nehmen.

Sonntag:
Wir begeben uns von der U-Bahn zu den Messehallen an. Der erste und wichtigste Programmpunkt lautet: Ein freies Dixie finden. Das soll in HH nicht so einfach sein. Vor den Messehallen ist eine Baustelle. Der Bauzaun steht leicht offen. Auf dem Grundstück steht ein Dixie. Und: Es wackelt. Eigentlich wackelt es nicht, es schwankt. Es steht auf etwas unebenem Boden und schwankt so stark, dass man denkt, es fiele gleich um. Natürlich nicht einfach so. Es jemand drin. Ein Läufer kommt raus und grinst. Aha! Geheimtipp. Der Vorteil: Keine Schlange. Ich bin also der Nächste und versuche die Schwankungen durch geschickte Gewichtsverlagerungen irgendwie zu unterbinden. Klappt aber nicht. Ich höre die beste Supporterin von allen lauthals lachen. Immerhin bleibe ich trocken. Die erste Hürde ist genommen.

Aus dem Startblock heraus werfe ich noch einen letzten Blick auf die Supporterin mit der grünen Jacke. Nicht zu übersehen.

Mein Ziel liegt bei sub 3:45 h, gerne auch in der Nähe meiner PB (3:42), aber nicht mit Gewalt. Gewalt ist keine Lösung. Bestzeiten sollte ich besser im Herbst versuchen, nicht aus der Winterpause heraus. Meinen virtuellen Uhrenpartner hatte ich erst auf eine Pace von 5:25 eingetaktet, erhöhe sie aber noch auf 5:28. Ich bin die letzten Marathons immer deutlich langsamer angegangen als ich vielleicht könnte und habe damit nur gute Erfahrungen gemacht.

Start. Es herrscht eine lobenswerte Startblockdisziplin. In meinem Block F gibt es keine hektischen Überholmanöver. Ich komme gut weg und lasse die Uhr erstmal aus den Augen, schwimme im Läuferfeld mit. Nach 5 km mit einer Pace über 5:30 wird es automatisch schneller. Unterwegs wundere ich mich, was der Läufer während eines Laufs so verliert bzw. wegwirft. Erst findet man den ein oder anderen als Windschutz verwendeten Müllsack. Dann liegen da Handschuhe auf der Straße, eine alte Jacke, ein altes Sweatshirt. Irgendwann auch ein recht neu aussehendes T-Shirt. Ich bin gespannt, wann ich die erste Hose finde.

An der Strecke ist viel los. Jede Menge Bands, Trommelgruppen etc. Allerdings habe ich das Gefühl, immer zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Überall, wo ich vorbeikomme, machen die Musiker gerade Pause. Aber auf Hans Albers ist Verlass. Bei Km 11 intonieren drei Senioren gerade sein La Paloma:

„Auf, Matrosen, ohé…“,
„…gleich wird es vorbei sein!!!“ brüllt eine Zuschauerin. Gleich? Na ja, sind ja nur noch 31 km.

Es wird Zeit, die Augen aufzuhalten. Die beste Supporterin von allen muss demnächst in Sichtweite kommen. An den Landungsbrücken schau ich abwechselnd von links nach rechts und wieder zurück. Hier ist viel los. Vielleicht steht sie irgendwo, wo es etwas ruhiger ist. Aber ich sehe nichts Grünes. Sie hätte doch besser eine andere Jacke gekauft. Grün ist eine Tarnfarbe, vor allem in der grünen Hafenkulisse Hamburgs. Bei Km 13,5 gebe ich auf (zu gucken, nicht zu laufen). Dann muss ich wohl auf die angebotene Gelverpflegung zurückgreifen. Im Übrigen sollte der Schwerpunkt in der Marathonvorbereitung nicht auf chemisch produzierten Nahrungsergänzungsmitteln, sondern auf Training liegen.

Ich laufe weiter. Was auch sonst? Bei Km 25 fällt mich auf einmal eine Zuschauerin an. Die beste Supporterin überhaupt. Ich hatte sie nicht gesehen. Grün eben. Sie steckt mir 2 Gels aus dem mir bekanntem Chemielabor zu und meint, sie würde bei Km 31 erneut stehen. Dann ist ja alles geritzt. Seit Km 10 bin ich in ca. 5:18 unterwegs und ich fühle mich super.

Bei Km 28 kniet ein Läufer für ein Foto in Usain-Bolt-Bogenschützen-Pose. Bewundernswert. Ich käme jetzt nicht mehr runter. Und wenn doch, dann käme ich niemals wieder hoch.

Km 31. Irgendwo muss sie doch sein. Ich sehe sie wieder nicht vor lauter Köpfen an der Strecke. Jetzt ist es egal. Bei Km 37 werde ich mir noch eine Cola gönnen und sehen, ob ich noch den Turbo zünden kann. So die Planung. Nur: Wer hat denn gesagt, dass es bei Km 37 Cola gibt? Cola gibt es alle 5 km. Ist 37 durch 5 teilbar? Schwer. Also erst bei Km 40. Macht nichts. Ich bin eigentlich schnell genug. Meine Pace pendelt sich bei 5:05 ein und ich bin mir sicher, dass ich keinen Einbruch mehr haben werde.

Da steht sie vor mir. Bei Km 38. Nein, nicht die grüne Supporterin. Eine mir vollkommen fremde Frau an einem privat organisierten Verpflegungsstand. Und sie bietet mir einen Becher Cola an. Ich greife zu und lasse dieses übersüße und äußerst ungesunde Limonadengetränk durch meine Kehle rinnen.

Danach ging alles schnell. Ich bin ja auch schnell gelaufen. Die letzten Km unter 5:00. Zieleinlauf in 3:42:31 h. Fünf Sekunden über meiner Bestzeit. Stört mich aber nicht. Beim Marathon sind Sekunden keine Einheit.

Die beste Supporterin von allen treffe ich am Meetingpoint wieder. Sie hat an beiden Punkten nach mir Ausschau gehalten und mich nicht gesehen. Mein nächster Marathon wird vielleicht der Kalahari-Marathon sein. Da sieht man sich von weitem. Es sind nicht so viele Leute auf der Strecke und auch nicht an der Strecke. Das sollte klappen. Sie sollte sich aber vorher keine gelbbraune Jacke kaufen.

Gruß

Sirius
...der blind durch Hamburg rennt.

4.7
Gesamtwertung: 4.7 (10 Wertungen)

Ach, wie herrlich geschrieben!

Habe gerade überlegt, welchen der vielen Hamburg-Blogs ich als nächstes lese und dachte, bei Sirius wird es bestimmt amüsant. Und genauso war es auch. Danke für den schönen Bericht zum Schmunzeln!
Und Glückwunsch zu deiner tollen Zeit. "Beim Marathon sind Sekunden keine Einheit" - der Satz gefällt mir außerordentlich gut!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Auf dem Dixi-Klo nicht seekrank geworden

und dem Hans Albers getrotzt. Da muss ja der Marathon gelingen!
Herzlichen Glückwunsch zu diesem super Ergebnis!

Glückwunsch zum gelungenen

Glückwunsch zum gelungenen Lauf! Im Startblock und auf den ersten km hätten wir uns sehen können. Interessant wie jeder die Strecke anders wahrnimmt und verarbeitet. Bzgl. Supportersichtbarkeit hat meiner besten Supporterin, die auch nicht die allerlängste ist, und mir eine kleine Flagge geholfen, im Meer der Köpfe sichtbar zu bleiben.

Ach, wie schön!

Und wie gut, daß Du nicht umgekippt bist!! Zu schön, Deine Beschreibung!
Bis zum nächsten Jahr!

Punktlandung

5 Sekunden sind Pipifax, und ich stimme der Sonnenblume zu: herrlich zu lesen! Beste Mittagspausenlektüre seit langem!
Danke!

Welch ein cooler Bericht,

Welch ein cooler Bericht, dich hätte ich ja gerne bei der gelegenheit mal persönlich kennengelernt! Ich erinnere mich so gut an deine Hilfen und kommentare hier bei meinem Mara-Debüt vor 2 Jahren!
Herzliche Glückwünsche zum Einstellen deiner PB mit einem total souveränen Lauf!
LG Britta

was´n voll krass...

...cooler block! *grins*
dschou, hambuach, näch, das rrrrrockt da! und der sssspruch mit den sekunden, den muss ich mir mährkn! ;-)
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laufend gratuliert sirius, der blind durch hamburg rennt: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Danke und Glückwunsch meinerseits!

Vielen Dank für eure Glückwünsche. Mein Glückwunsch geht ebenfalls an alle Finisher vom Wochenende. Hamburg 2015 nehme ich mal grob ins Visier. Es war einfach klasse. Vielleicht schaffe ich es dann auch, an der Pasta-Party teilzunehmen. Diesmal hat es nicht gepasst.

@ cocobolo: Vielleicht sollte ich mal nach meinen eigenen Tipps laufen. Dann wäre ich wesentlich schneller. Wie waren die noch gleich?

Gruß

Sirius
...der zeitweise mit Erinnerungslücken rennt.

Mal noch so einen

Supporter-Tipp aus der Trickkiste :-)
Es macht sich immer gut, wenn Läufer und Supporter wissen bei welchem km und auf welcher Seite der Laufstrecke sie sich treffen wollen.
Sehr lesenswerter Marathonbericht! Glückwunsch!
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LG Inumi
Wenn ein Lauf nicht dein Freund ist, dann ist er dein Lehrer.

Sehr unterhaltsam!

Das Primärziel erreicht - ohne Gewalt sowas von in die Nähe der PB, das ist super. Mal ganz abgesehen davon, dass das soooo locker klingt - toll. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für die unterhaltsame Lektüre.

yazi

Genauso macht Mann das!

Erst die beste Supporterin von allen beschenken und bespaßen, selber Spaß und Freude neben der Anstrengung beim Mara haben und dann auch noch den Leser dermaßen erheitern, dass er stellenweise losprusten muss;-)))
Mönsch Sirius, den haste aber super schnell und fein nach Hause gebracht, den Mara! Ganz fetten Glückwunsch!!!

Heitere Grüße von
Tame

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