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Hier kommt er nun: der versprochene Bildbericht vom Two Oceans Marathon, der als "the world's most beautiful marathon" angepriesen wird, bei dem aber nichts stimmt. Weder geht er an zwei Ozeanen vorbei (wohl zweimal am Atlantik) noch ist es ein simpler Marathon. Es handelt sich hierbei um den mittlerweise größten Ultralauf Südafrikas, der seit 1970 jährlich durchgeführt wird und ursprünglich als Trainingsultra für den Comrades im Mai stattfand.

***** ACHTUNG: Das wird lang! *****

Für uns (meine Tochter, meinen Freund und mich) ging es los nach Südafrika - zum ersten Mal in meinem Leben sollte ich so weit fliegen. Wir hatten eine Sportreise mit allem Drum und Dran gebucht und haben erst mal "Urlaub" gemacht. Der bestand aus zwischen 6 und 7 Uhr aufstehen, frühstücken und los zu Unternehmungen (Wanderung auf den Tafelberg, zum Kap der Guten Hoffnung, Safaripark, Robben Island, Besichtigung des ältesten Weinguts Südafrikas - natürlich mit Weinprobe - ,...) und irgendwann Richtung 22h nach einem gemeinsamen Abendessen mit der Gruppe wieder im Zimmer ankommen. Dazwischen kam es schon mal vor, dass wir ein bis zwei Stunden Zeit zum duschen und umziehen hatten. Am Tag der Startnummernausgabe hatten wir gar bis 10 Uhr frei - ich meinte abends gegen 22h auf dem Weg zum Zimmer zu meinem Freund "Hurra, ein halber Tag Urlaub".

Dann los zur Messe - zu Fuß, denn wir waren in einem Hotel im Stadtzentrum untergebracht. Es gibt eine Extra-Ausgabe für die internationalen Teilnehmer und einige liefen auch beim Halbmarathon mit. Wir waren mächtig aufgeregt, als wir die Startbeutel bekommen hatten:

Darin war auch die Startnummer für den International Friendship-Run am nächsten Tag (Freitag), wo auch meine Tochter mitmachen wollte. Der Lauf ist ohne Zeitnahme und geht durch das Hafengebiet sehr schön am Meer, dem WM-Stadion und Grünanlagen vorbei und hat ca. 6km Länge - wir wollten ihn als lockeren Lauf nutzen. Beine ausschütteln sozusagen. Als wir mit der ganzen Gruppe dann dort ankamen (natürlich sollten wir möglichst irgendwas von Deutschland tragen) wurden wir gleich fotografiert und gefilmt. Ich hatte mein deutsches Nationalshirt mitgenommen und meinen Freund in das rote Deutschland-Shirt in XS gepfercht :grins:

Dann großer Auflauf - und auf einmal kommt Wilson Kipsang. Der ist mehrfacher Marathonsieger und der aktuelle Weltrekordhalter Marathon. Er wird hier mitlaufen und natürlich gibt es erst mal ein Interview mit ihm. Der Mann hat Waden wie Stelzen - und zeigt sie dann auch auf Aufforderung dem Publikum. Danach ergibt sich die Möglichkeit ein Foto mit ihm an der Startlinie zu machen und mit ihm zu plaudern
.

Ich verziehe mich dann wieder nach hinten zur Gruppe und wir joggen dann gemütlich los. Einige (auch meine Tochter) lassen es sich nicht nehmen schneller als der Weltrekordhalter loszulaufen, denn der joggt ganz gemütlich mit uns (er wird die ganze Zeit gefilmt und der "Manager" neben ihm erzählt was von Fotoshooting auf dem Signal Hill abends; Werbekampagne für seinen Sponsor). Einer unserer Gruppe hat sein kleines Kind im Buggy mit und Wilson schiebt ein Stück mit und meint dann das wäre doch anders als nur laufen.

Irgendwann macht er aber weiter und wir bleiben so bei dem Kinderwagen, doch dann kommt der Anraunzer von der Seite "Los, jetzt mal ein Kilometer im Renntempo - 4er Pace" und ich jage los, weil auch grad der km bimmelt. Und dann fällt mir siedendheiß ein, dass ich ja nur 5er Pace laufen will - und ich bremse mich ab. Normalerweise machen wir sonst immer zwei davon mit einer langen Trabpause, aber ich kriegs gar nicht mit und laufe die 2km halt am Stück schneller. Am Ende kommt eine 4:28, 4:30 dabei raus. Da der Lauf gleich schon zu Ende ist und ich noch einen (deutschen) Vater mit Sohn einhole laufe ich mit den beiden mit und ziehe den Jungen noch über die Ziellinie - der Junge macht noch einen rasanten Endspurt, obwohl er fertig ist. Cool, aber ich hab mich natürlich mitreißen lassen. Das werde ich bestimmt morgen büßen.

Nach dem Frühstück (Banane, Schokoriegel, Wasser), was es für alle Finisher gibt, fahren wir zum Zielbereich. Nicht zuletzt, um den "Pampersbombern" (Kinder bis 4 Jahre) bei ihrem 56-m-Lauf Applaus zu schenken. Auch "unsere" Kleine läuft mit und bekommt eine Medaille. Parallel dazu kommen auch Trailrunner rein, die hier auf eine 10- bzw. 22-km-Route gehen konnten (mit etlichen Höhenmetern, geht es doch über Tafelberg und Signal Hill). Auch einige Ultras laufen heute schon, da sie am Samstag nicht laufen können. Sie müssen ohne Streckenposten im normalen Straßenverkehr und mit Eigenverpflegung durchkommen - Respekt!

Abends wird noch von einer erwähnt, dass es für die ersten 10 der Altersklasse Geldpreise gäbe. Wir schauen dann im Hotel mal in die Ausschreibung rein, aber in meiner AK gibt es für die ersten 5 was - und nicht für 10. Abgehakt. Und nochmal das Zeitenband für 5h (das ist eine Medaillengrenze - die Medaillen haben jede Stunde eine andere Farbe) angeschaut und Durchgangszeiten gemerkt und nochmal die Strecke angeschaut und das Höhenprofil. Hinter M geht es da gut 200 Höhenmeter am Stück rauf, davon sind 2km "steil" und schon vorher wartet der Chapman's Peak Drive auf uns. Da wir diese Strecke vorher mal abgelaufen sind (weil sie einfach so malerisch schön ist - hinter jeder der gut 100 Kurven versteckt sich eine neue Aussicht) und dann bis ins Ziel mit dem Auto gefahren sind (na ja, knapp dran vorbei, weil es auf einer Wiese ist) wissen wir ein wenig was da auf uns zukommt. Am Ende geht es noch zweimal "Ministeigungen" hoch, bevor es dann nur noch geradeaus ins Ziel geht.

Dann ins Bett und versuchen zu schlafen. Was mir bis ca. 2:30h mehr schlecht als recht gelingt. Aufstehen ist um 3:30h angesagt, da wir um 4:50h losfahren müssen und vorher noch frühstücken wollen (das Hotel bietet außer Läuferfrühstück ab 3 Uhr auch einen Shuttle-Service zum Start an - den brauchen wir aber nicht).

Auf dem Weg wird es voll und voller - hier ist die Hölle los! Irgendwie wollen 27000 Menschen in die gleiche Richtung (16000 Halbmarathoni und 11000 Ultras). Wir finden dank der guten Ortskenntnisse unseres Reiseleiters einen Parkplatz auf dem Uni-Gelände und müssen dann zum Start gehen (sozusagen warmgehen). Auf dem Weg kommen wir noch am Zielkanal vorbei, den wir ja von gestern kennen. Dann kommen wir Richtung Start, können die Beutel abgeben (es wird eine Extranummer hinten auf die Startnummer geklebt und am Band um den Beutel gemacht) und uns in unseren Startblock aufmachen.

Hier sind wir nach Marathonzeiten einsortiert und ich bin in Block B - also weit vorne - gelandet. Mein Freund ist zu seinem Entsetzen in Block C eingeteilt, aber ich will ihn in B mit reinschmuggeln oder selbst aus C starten, weil wir die ersten ca. 20km gemeinsam loslaufen möchten. Doch wir kommen gar nicht erst rein - schon vor dem Eingang steht eine Riesentraube an Menschen! Panik macht sich breit - wir haben nicht mehr viel Zeit - doch dann geht ein Ruck durch die schon eingereihten Starter und sie strömen nach vorne, so dass wir uns alle reinquetschen können. Hier sind wir von B und C umgeben - passt also. Kontrolliert hat keiner mehr, am Eingang stand B und wir sind nur wenige Meter vom Startbogen entfernt. Mein Freund hat schon Puls 150 und dann fällt ihm ein, dass er noch keinen Doppelknoten im Schuhriemen hat und er bückt sich um das nachzuholen. Währenddessen wird die südafrikanische Nationalhymne gesungen und ein "Fishhorn" geblasen. Hochemotionale Momente, man sieht die Konzentration in allen Gesichtern. Und "PENG" - los geht's. Aber nur mit der Zeitnahme, denn der Rest steht noch rum (hier gilt nur Bruttozeit und nach 7h ist unerbittlicher Zielschluss).

Nach gut 31 Sekunden (ich hab extra Lap gedrückt) erreichen auch wir den knapp 30m entfernten Bogen und es geht langsam weiter. Irgendwo liegt eine blaue Zeitmessmatte - und hinterher sehe ich auf der Urkunde, dass dies die offizielle Startlinie war und ich bis hierhin 2:26 Minuten gebraucht habe. Egal, es geht ja um nix. Die sub 5h hätte ich gern, aber wenn nicht - dann nicht. Mit meinem Freund hatte ich verabredet, dass wir die ersten 3km, die es ganz sanft "bergauf" geht, zum Einlaufen in 5:15-5:30 nutzen wollen, um dann bis km 20 ca. bei 5er Pace zu bleiben. Da es dort aber immer leicht "bergab" geht haben wir uns auf schnellstens 4:50 geeinigt. Doch damit ist nichts - der erste Kilometer geht in gut 6:20 weg, bevor wir dann doch langsam in Tritt kommen. Da hier schon morgens über 80% Luftfeuchtigkeit sind schwitzen wir schnell und der Schweiß läuft in Strömen. Was soll das nur werden, wenn erst die Sonne raus kommt? Angesagt sind gut 28 Grad - im Schatten! Schon an der ersten Verpflegungsstelle schnappe ich mir zwei Beutel Wasser und reiche meinem Freund einen davon. Erst mal das Gesicht abwischen, dann reinbeißen und was trinken. Wir laufen am ersten Ozean vorbei (am Rand Schilder: Two Oceans - two to go).

Die Wasserstellen sind maximal 3km voneinander entfernt - später ist fast jeden Kilometer etwas zu bekommen (Wasser, Powerade und schon ganz früh auch Cola). Da es "richtige" Verpflegung erst ab km 33 etwa geben soll hab ich mir eine Banane ins Radtrikot gesteckt. Auch Salztabletten hab ich - abgezählt - in der Dose anbei, eine Kappe gegen die Sonne für später in einer anderen Tasche und natürlich meine Kamera. Das Shirt zieht hinten ganz schön nach unten. Schon bei km 10 will ich die ersten beiden Salztabletten einwerfen, da meine rechte Wade "zickt". Ich mach die Dose auf - und das Zeugs fliegt auf die Straße. Grrrr. Bestimmt die Hälfte verloren. Dann erwische ich noch zwei und schieb sie in den Mund, verliere aber eine beim Aufbeißen des Wassersäckchens. Nochmal grrrrr.
Doch wir laufen richtig schön in den Sonnenaufgang rein. Das lenkt ab.

Auf einmal sind wir in einem Pulk drin und man kann nicht mehr richtig laufen. Muss ständig aufpassen dem Vordermann nicht in die Hacken zu treten. Weiter vorne sehe ich dann, dass es sich hier um die Pacemaker-Gruppe für 5h handelt - wir liegen voll im Soll. Doch da es mir hier zu hakelig läuft mach ich mich vom Acker und lauf mein Ding weiter. Auch mein Freund war schon vorbei und wir traben wieder einmütig nebeneinander her. Er meinte vorher er wäre am Ende schneller als ich, weil er ja mehr trainiert hätte. Ich mit meinem "Luschenplan" ... War vorher ein Streitpunkt - mein Plan ist besser als Deiner. Kinderkram halt, wenn man sonst nix zu zanken hat :grins:. Er hat zwei 30er pro Woche gemacht, ich einen alle drei Wochen. Er lief die in 5:50 - ich in 5, was er viel zu schnell fand. Und so weiter, und so weiter. Und so war halt meist jeder für sich gelaufen.

Bei km 18 etwa bekomme ich noch zwei in Alufolie eingewickelte Salztabletten von meinem Freund, der mich immer bremst, wenn ich nur Richtung 4:45 laufe (erwähnte ich das es bergab ging? Man musste sich ganz schön bremsen dafür!). Das Auswickeln erweist sich als noch frickeliger (irgendwie muss ich daran nochmal feilen), aber letztendlich gelingt es mir dieses Mal beide zu schlucken. Dann noch eine halbe Banane hinterherschieben.

Doch irgendwann beschließt mein Freund es abreißen zu lassen und ich laufe allein weiter. Das hatten wir vorher so vereinbart - jeder sollte seinen Rhythmus laufen und die "Berge" müsste eh jeder sein Ding machen.

Vorbei geht es an der False Bay mit ihrem traumhaft weißen Strand und dem Wasser, das in vielen Blautönen schimmert.

Kurz darauf werden am Rand Kartoffeln verteilt - Verpflegung, nicht eingeplant, trotzdem gern genommen. Gekocht in Pelle - rein damit.

Richtung km 28, wo es die erste Zeitnahme gab. Ich lag mit 2:20:12h genau auf "Plankurs". Ab hier geht dann Chapman's Peak los und ich wollte mich von den Bergen ausbremsen lassen und nach Gefühl hochlaufen und gebremst runterlaufen.

Hier geht es ein paar Kilometer etwas mehr bergauf. Die Straße ist spektakulär. Es gibt auch eine - von Schweizern gebaute und den dortigen Passstraßen nachempfundene - Überbauung, so dass wir "im Tunnel" laufen.

Weiter hoch - kurz vorher heizt uns eine Blaskapelle ordentlich ein:

Es gibt - mal wieder - Wasser, und dann ist schon der höchste Punkt der Straße erreicht. Dieses Mal halte ich an, um das Beweisfoto zu schießen.

Ab hier geht es Richtung Hout Bay, mal durch den Schatten, mal durch die pralle Sonne. Je nachdem wie die nächste Kurve halt so liegt. Dazwischen immer wieder tolle Ausblicke.

Hier ebenfalls ein sehr schöner Strand und schon unterwegs werde ich mehrfach aufgrund meiner internationalen Nummer angesprochen (die haben alle unterschiedliche Farben). Einer witzelt mit mir, ob wir nicht lieber baden gehen sollten - ich vertröste ihn auf "nach dem Lauf", ein anderer kommt vom SSF Bonn, wo wir ein wenig über den Bonner Triathlon quatschen, den dieser Verein ja ausrichtet. So vergehen die Kilometer recht kurzweilig (ich esse hier auch die zweite Hälfte meiner inzwischen gut angematschten Banane) bis wir dann an einem Township - das sind die Armensiedlungen mit Wellblechhütten - vorbeikommen und hier ist Party! Klein und groß stehen am Straßenrand, johlen, klatschen, rufen "looking good", "go, go, go" oder sonstige aufmunternde Rufe. Eisbrocken werden gereicht, Hände müssen abgeklatscht werden. Einfach ein Bad in der Menge. Daneben der Friedhof - und ich weiß: ab hier geht es bergauf! Und hinter der Kurve dann nochmal steiler. Aber vorher tappe ich noch in 3:34:45h über die Marathonlinie. Der Plan sagt 3:39h gut, also bin ich dem Plan voraus. Da ich ja weiß, dass hier noch ein Drittel Marathon zu laufen ist und etwa die Hälfte der Höhenmeter kommen habe ich mich immer gut gebremst.

Am Rand wird mit einem großen Streuer Salz angeboten - ich nehme eine Handvoll und schiebe sie in den Mund bevor ich merke, dass ich kein Wasser habe und es auch gerade keins gibt. Egal, das musste sein. Knapp einen Kilometer später dann Wasser drüber und alles ist gut. Und hier geht es mehr oder weniger sonnig bergauf. Das kostet Schweiß und ich laufe langsam und mühsam hoch. Der Kilometerschnitt schleicht über 6:30 hoch - laut meinem Freund ist das dann kein Laufen mehr, sondern nur noch joggen (sagt sein Sporttracks). Knapp einen Kilometer vorher (so ruft man es uns zu) steht eine Trommlergruppe, die uns den Takt vorgibt.

Die Schilder sagen "This is a hill - get over it". So muss es sein. Oben gibt es wieder Wasser und dann geht es bergab. Doch nach 2 Kilometern geht es - nochmal bergauf. Eigentlich wusste ich das, aber irgendwie hatte ich mich oben schon auf "bis zum Ziel nur noch ein 10er" eingeschossen, dass ich daran nicht mehr gedacht hatte. Ich mühe mich hoch - der Kilometer geht nochmal in 5:35 durch. Hier überhole ich auch bewusst eine Frau meiner Altersklasse (wir haben alle vorne und hinten eine Nummer, wo auch die AK draufsteht). Beim km 50 bekomme ich mit, dass meine Nummer aufgeschrieben wird. Hier gibt es auch nochmal eine Zeitnahme - mein erster offizieller 50er dieses Jahr in 4:18:46h.

Ab hier war's wurscht - noch 6km zu laufen, überwiegend bergab. Das würde ich schaffen. Unter 5h wäre ich auch sicher. Kommt ein Mann von hinten an und meint "keep to me" und da laufe ich halt doch neben ihm her und wir freuen uns auf ein "strong finish". Vom Rand werden wir immer wieder angefeuert, die Leute stehen in Trauben, fragen mich teilweise nach meinem Land und alle beteuern wir seien "strong guys", sähen super aus und so weiter. Auch die Schilder am Rand sagen "This is a home run" - hey, mir wird ganz anders zumute. Ich brauche das Ding nur noch nach Hause laufen - ins Stadion rein.

Die zwei Minianstiege tun hier aber nochmal richtig weh. Eigentlich hatte ich nur einen davon auf dem "Schirm", aber das ist jetzt auch wurscht. So habe ich Zeit mich auf dem allerallerletzten Minianstieg zu sammeln. Ich nehme das Tempo raus, um dann gemütlich ins Stadion zu feiern. Und da ist auch schon die Wiese - rauf, und links und dann rechts. Ab hier sollten wir uns bemerkbar machen, denn unsere Truppe hat eine Nationalflagge mit und will natürlich Zieleinlauffotos machen. Sie sollen kurz hinter der Kurve stehen und so laufe ich winkend und rufend und suchend da rum.

Irgendwann sehe ich dann die Flagge in der Hand meiner Tochter, die sie mir entgegenstreckt, laufe zu ihr, schnappe das wertvolle Utensil und weiter. Beim Laufen richte ich die Flagge ordnungsgemäß den Farben nach aus und nehme sie zwischen meine beiden hochgereckten Arme. Auf beiden Seiten des Zielkanals stehen die Zuschauer oder sitzen auf den Tribünen und machen Stimmung. Ich recke die Fahne hoch, lächle zu beiden Seiten und laufe zum Ziel, feiere den Zieleinlauf mit allen Zuschauern gemeinsam, hier tönt es "go, Germany, go" oder "yeah", "go, go, go" und es wird geklatscht und auf die Bande gehauen, dass es nur so trommelt. Wegen der Sonne bin ich mit Brille gelaufen - und so sieht keiner wie es dahinter aussieht. Ich laufe über die Ziellinie (4:47:42h) und bekomme meine Medaille.

Gleich dahinter werde ich von einem Fotografen angehalten, der für Runners World Fotos machen möchte. Gerne - jetzt kann ich im Schatten auch die Brille hochschieben, mich in die Flagge einwickeln und ihn angrinsen.

Dann weiter zur Verpflegungsausgabe - eine Dose Cola (unterwegs hab ich nur Wasser und Powerade getrunken - Powerade nur dann, wenn es kein Wasser gab). Meiner Tochter die Flagge für den nächsten unserer Gruppe mitgeben, dann meinen Beutel abholen. Auf ins internationale Zelt, wo schon unser Reiseleiter sitze (der läuft Marathon in ca. 2:40h und wollte hier unter 4h laufen, was ihm aber aufgrund von Krämpfen beim Bergablaufen nicht ganz gelungen ist). Er konnte mit seiner kleinen Tochter, die eine kleine Fahne und die große Flagge trug, gemeinsam ins Ziel joggen und kam als erster Deutscher rein.

Duschen gibt es nicht, also nehme ich mein Handtuch und zieh mich vor Ort ein wenig umständlich trocken an, bevor dann auch mein Freund ankommt (dessen Zieleinlauf ich verpasste habe). Er ist mit 4:57:31h auch unter den 5h geblieben und auf dem Plan von 4:58h voll rausgekommen! Eine Superleistung, wenn man bedenkt, dass es sein erster Lauf über diese Distanz und sein zweiter Ultra überhaupt war. Er ärgert sich ein wenig, weil ich schneller war - und will jetzt noch mehr trainieren, damit er mich dann beim nächsten Mal schlägt.

Die Frau des Reiseleiters hat den PC mit und so sehen wir die Durchgangszeiten der anderen und stellen uns rechtzeitig zum Empfang hin. Zwischendrin steckt sie mir, dass ich 4. meiner Altersklasse geworden bin. Damit bekomme ich ein Preisgeld! Der helle Wahnsinn. Ich brauch aber nicht zur Dopingkontrolle, sondern brauch nur meine Kontonummer angeben.

Kurz vor den 7h (6:49:xxh) kommt die Letzte aus unserer Gruppe rein, die der Reiseleiter vorne bei uns in den Startblock geschmuggelt hatte, weil es sonst eventuell mit der Bruttozeit eng geworden wäre. Wir sind so froh, dass es alle Starterinnen und Starter ins Ziel geschafft haben, vor allem als dann runtergezählt und das Ziel geschlossen wird, wo noch reichlich Läufer im Zielkanal sind! Auch dies sind wieder sehr emotionale Momente - nur genau anders rum. Die Enttäuschung ist mit Händen zu greifen.

Am Tag darauf lese ich im Flugzeug die Zeitung - mit einer riesigen Rennbeilage. Aufgrund des Wetters sind hier auch Afrikaner umgekippt und es gab im Ziel nicht genug Medaillen für über 6h (die werden dann wohl noch nachgeliefert). Hier wird mein Name unter den Top 100 Frauen (Platz 63 Frauen, 812 gesamt) gelistet - und erste Deutsche bin ich auch geworden.

Hier noch das von meiner Uhr (910XT mit barometrischer Höhenmessung) aufgezeichnete Höhenprofil mit ca. 560 Höhenmetern (lt. G.armin C.onnect) gesamt Aufstieg und etwas weniger Abstieg (Start und Ziel waren etwa 2km auseinander).

5
Gesamtwertung: 5 (10 Wertungen)

So stark,

dass soeben mein Rechner abgestürzt ist!
;-)

Nachtrag: Welch eine Ähre, das ich euch als allererste höggschd offiziös gratulieren darf!

Bis morgen!
:-)

Genial... der Bericht wie die Leistung!

Hey... herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Lauferlebnis und danke, dass Du uns mit diesem reich bebilderten Bericht mitgenommen hast.

Gute Erholung!

Fantastisch !!!

Du hast das wieder so toll geschrieben, liebe Fazer, dass ich wieder das unglaubliche Gefühl hatte, neben Dir zu laufen (schön, dass Du zwischendurch auch 'mal etwas Tempo 'rausgenommen hast)...

Ich freue mich ganz besonders, dass ihr alle das zu dritt erlebt habt!

Ganz herzliche Grüße
vom Holgi


Mensch Fazer

was für ein toller Bericht! Schöne Fotos und super erfolgreich.
Gratuliere dir ganz herzlich und dem Freund unbekannter Weise auch ;-)-
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LG Inumi
Wenn ein Lauf nicht dein Freund ist, dann ist er dein Lehrer.

Wie geil ist das denn?

Schnellste Deutsche, bärenstarker AK-Platz, Kinderwagenrun mit dem Weltrekordler, was ein gelungener Ostertrip! Glückwunsch!

granreserva


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Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten

Sagenhaft!

Was für ein wunderbarer Bericht von einem der ganz berühmten Läufe. Bisher kannte ich nur den Namen, toll, dass Du ihn mit Leben gefüllt hast. Die Medaille ist wunderschön. Vielen Dank fürs Erzählen und Bilder zeigen und ganz herzlichen Glückwunsch zum Spitzenergebnis. Boah, kannst Du laufen!

yazi

Gratuliere

Ich weiß gar nicht wozu ich dir mehr gratulieren soll, zu der tollen Reise mit den vielen neuen Eindrücken oder zu deinem Rennergebnis.

Wie auch immer.....SUPER!

Grandios!

Saustark gelaufen! Danke, dass du uns alles so schön aufgeschrieben hast und danke für die Fotos. Eine perfekte Laufreise!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Also bei dem, was du so wegläufst, ...

... muß Mann sich gut überlegen, ob der Ehrgeiz schneller sein zu wollen immer so sinnvoll ist. ;-)
Klingt nach nem klasse Lauf, den du ganz gut durchgezogen hast.
Und 4. in der AK is ja nun nich soo schlecht. Janz großen Glückwunsch dazu!
;-)
PS: Die Salztablettchen sind in einer kleinen Plastiktüte eigentlich am Besten aufgehoben. In einer Büchse schüttelst du die zu Pulver und die Dosierung haste ja selbst erlebt. Aus der Diede kannste sie ganz gut auch im Lauf dosieren. Die Tüten mit Klippverschluß finde ich eher doof, weils ne Fummelei ist die bei Tempo 4:30 nach 30km und mehr zu öffnen. Schmal und lang und dann von unten nach oben zu wickeln und in die Hosentasche. Das geht am Besten.
Ein paar mehr lange Läufe helfen das Dembo hintenraus halten zu können. Der eine oder andere lange Doppelpack bringt dich bei deinem schon hohen Niveau sicher noch mal ein Stück weiter. Obwohl, über das Triatraining haste die langen Radeinheiten. Die kompensieren auch ganz gut. ;-)

Salztabletten in die Diede...

Dann darfste aber nich aus Versehen die falsche Diede schnappen ;-).

granreserva


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Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten

Reiseleiter ....

Mensch Fazer,

da hast Du aber einen raus gehauen! Herzlichen Glückwunsch, super gemacht!

Und sag Deinem Reiseleiter und meinem (Uralt-) Coach ganz liebe Grüße. Das Zielforo von ihm war einfach großartig!

Liebe Grüße

Oli alias ZüperOli

Boah, was Du da alles so erlebst....Hammer!!! :)

Ganz fetten Glückwunsch zu dieser grandiosen Zeit, dem Erlebnis und sowieso allem, was Du bisher so erreicht hast!
Vielleicht gehört ja so eine nette pubertierende Tochter, der manchmal nie genug ist, dazu?! ;o))
Du bist saustark! Echt!

Lieben Gruß Carla

"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

endlich

komme ich wieder ins Netz, und das erste was ich gelesen habe ist dein Bericht. Sieh es mir bitte nach, wenn ich als Letzte meinen allerrespektvollsten Glückwunsch ausrichte! Ich weiß ja, was du kannst, aber es ist immer wieder schön zu lesen. Wahnsinn. Ich drück dich einfach mal ganz fest.

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Herzlichen Glückwunsch!

Und vielen, vielen Dank fürs mitnehmen.
Das ist ja eine wahnsinns Zeit, die du da gelaufen bist.
Hut ab.
Ärgerlich für jene, die die Strecke gelaufen sind, aber vor Zielschluß nicht mehr reingekommen sind. Da werden so Erinnerungen wach...
Jetzt erhole dich schön und zehre recht lange von deinen Erlebnissen.

LG LS :))

"Wenn du eine Düne erklimmst, verschwende deine Energie nicht damit zu beschreiben, was auf der anderen Seite sein könnte, warte, bis du oben bist, um es zu entdecken." Maxime Chattam

mein neid...

...ist mit dir. und ein herzlicher gückwunsch zu DEM lauf auch.
____________________
laufend gratuliert fazer zum traumlauf: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

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