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Benutzerbild von dfrobeen

Ich habe letztes Jahr eigentlich aufgegeben nach einem tollen Sportevent sofort mit mir selbst auszumachen „das war super, da nimmst Du nächstes Jahr wieder teil“. Wenn ich so weiter agiert hätte, dann wäre auf kurz oder lang mein Wettkampfjahr ganz schon voll und stressig geworden. Manche Events muss man einfach genießen und diese dann einfach so in Erinnerung behalten.
Beim Berliner Halbmarathon bleibe ich aber dabei. Das ist einfach ein geiles Rennen. Da stimmt aber auch alles. Ich besuche immer einen sehr guten Freund, wir machen ein tolles Wochenende draus, gehen am Vorabend beim tollen Italiener bei ihm um die Ecke in Friedrichshain was essen, laufen dann gemeinsam den Halbmarathon (dieses Jahr setzte er verletzungsbedingt aus) und „frühstücken“ danach in einem der tollen Läden in seiner Nähe. Ich liebe die Stadt Berlin und der Halbmarathon führt mit seiner Strecke exakt dort lang, wo ich die bislang besten 2 ½ Jahre meines Berufsleben verbrachte. Neben den reinen Rahmenbedingungen ist der Lauf alljährlich für mich auch ein sportliches Highlight. Die Strecke ist breit und schnell.
Vor 2 Jahren bin ich erstmals dort gestartet und in 1:29:52 unter der magischen 90-Minuten-Grenze geblieben, was ich damals für mich noch für undenkbar hielt. Letztes Jahr habe ich mich gar nicht explizit drauf vorbereitet, hatte keine Ahnung was ich laufen kann und erstmals einen Wettkampf „nach Gefühl“ gelaufen. Es lief und so kam ich in 1:26:59 ins Ziel – wieder jenseits jeglicher Best-Case-Überlegungen.
Dieses Jahr war es ein wenig anders. Im Rahmen meiner Vorbereitung auf den Rotterdam-Marathon war ich schon einige Testrennen gelaufen und hatte meinen Aha-Effekt bereits über 10km in Mönchengladbach (37:31) und 20km in Celle (1:18:36) gefeiert. Wenn ich die Zeit in Celle auf Halbmarathon hochgerechnet habe, so kam ich auf eine 1:22:59. Da ich gefühlt in Celle wirklich am Limit gelaufen bin, sollte genau dies mein Ziel werden – eine 1:22:xx.
Der Samstag lief wieder exakt wie geplant ab. Vormittags noch in Braunschweig mit Janek spielen, mittags nach Berlin fahren, Startnummer abholen und anschließend mit Khai in einem dieser wahnsinnig geilen Cafés von Berlin einen gemütlichen Kaffee konsumieren. Nach Austausch der gröbsten Neuigkeiten aus dem Leben, gingen wir eine runde Vorbelastung laufen und anschließend analog unserer Tradition zum Italiener. Dann noch früh schlafen gehen und ich sollte doch perfekt vorbereitet ins Rennen gehen können.
Sonntag klingelte pünktlich der Wecker und ich quälte mir 3 Stunden vor dem Start die obligatorischen 3 weißen Brötchen mit Marmelade rein. Ich war die Woche davor im Rad-Trainingslager auf Sizilien und habe mich mal wieder an „schlafen“ gewöhnt, was in Berlin dazu führte, dass ich nach den Brötchen erst nochmal ungeplant für eine Stunde einschlief. Als ich wieder aufwachte war ich erst kurz geschockt, aber die Zeit sollte immer noch reichen um stressfrei zur Startlinie zu kommen. Kaum am Alex angekommen traf ich auch sofort Triathlon-Team-Kamerad Hendrik – na klar, 30.000 Läufer und nahezu das erste Gesicht was ich sehe ist ein Braunschweiger. Im Startblock – ich durfte mit meiner sub1:30-Meldezeit wieder in den ersten Startblock „A“ – traf ich auch noch Milosz aus Gdynia, Polen. Wir zwei hatten beim Ironman in Frankfurt benachbarte Startnummern, weshalb wir beim Bike-Check-In unsere Räder nebeneinander aufgebaut haben und uns dort kennenlernten. Wir blieben in Kontakt und trafen uns in Berlin erneut.
Um 10:05 Uhr ging dann unser Startschuss. Um eine sub1:23 zu laufen, bräuchte ich eine Durchschnittspace von 3:55, also los. Milosz, der mir beim Ironman noch eine knappe Stunde abgenommen hatte, sagte mir sofort, dass er mein Tempo nicht mitgehen könne und wünschte mir Glück. So etwa bei 800m dann mein erster Schock. Im ganzen Gequatsche mit Milosz hatte ich versäumt den Startknopf meiner Uhr zu drücken, sodass ich keine Ahnung hatte, wie schnell mein erster km werden würde. Schnell startete ich die Uhr und die Pace-Angabe der GPS-Uhr verriet mir irgendwas von 3:45 – also wusste ich, dass ich zumindest mal keine Zeit verloren hatte. Die nächsten km pendelte sich dann auch das richtige Tempo ein. Km2 ging in 3:52 raus, dann 3:49 usw..
Ich suchte mir auch Mitläufer in meinem Tempo. War ich bis Ende letzten Jahres der festen Überzeugung, dass ich am besten für mich mein Tempo laufe, hatte ich in Celle die Erfahrung gemacht, dass man in einer gut funktionierenden Gruppe auch gut mal über sich hinaus wachsen kann. Eine konstante Gruppe hatte ich zwar nicht, aber ich fand doch immer wieder Läufer, an deren Fersen ich mich für ein paar km heften konnte. Das Konzept drohte aber etwas in die Hose zu gehen als km 10 in 4:04 deutlich unter der gewünschten km-Zeit rausging. Insgesamt war ich aber in 38:52Minuten noch sehr gut im Zeitplan.
Als die Uhr nach km12 jedoch nochmal 4:03 zeigte, war mir klar, dass ich jetzt etwas tun musste. Just in diesem Moment wurde meine Gruppe von einem Läufer überholt, den ich für mich dann Zlatan Ibrahimovic nannte – von hinten sah er original so aus, wie der schwedische Ausnahmefußballer. Ich weiß nicht, was er die ersten 10km gemacht hat, aber er flog in einem Supertempo an uns vorbei. Ich wollte ja beschleunigen und heftete mich dran. Das Resultat war km 13 in 3:49, 14 in 3:46 – jetzt sollte ich also wieder voll im Plan sein. Ich lief noch eine Weile mit, hatte aber Angst bei 3:45-Pace weiterzumachen, da kamen ja noch ein paar Meter die zu laufen waren. Ich ließ ihn also ziehen, freute mich aber innerlich schon darauf wohl mein Traumziel von sub1:23 erreichen zu können – denn ich fühlte mich immer noch sehr gut. Ein echter Einbruch war nicht zu befürchten.
Jetzt kam aber auch der Vorteil, dass ich das Rennen zum dritten Mal lief und ausnahmslos positive Erinnerungen hatte. Ab dem Moment, wo man von Checkpoint Charlie aus rechts wieder auf die Leipziger Straße abbiegt, kommt für mich nur noch Schaulaufen. Eigentlich sind es noch gut 2km, das sind aber die kürzesten 2km, die ich jedes Jahr laufe. Nach zwischenzeitlichen 3:50 (km17) und 3:53 (km18)-Abschnitten, war ich km19 auch schon wieder in 3:48 gelaufen. Auch km20 mit seinem leichten Anstieg ging in der gleichen Zeit raus. Das nahm ich aber schon nicht mehr war, denn ich schaute nur noch nach vorne und nicht mehr auf meine Uhr.
Es hatte ja auch kein Sinn, denn aufgrund der fehlenden ersten 800m hatte ich keine Ahnung, was für eine Zeit ich wohl laufen würde. Also gab es nur die Flucht nach vorne. Gleich zu Anfang von km21 überholte ich Zlatan Ibrahimovic und rief ihm zu „Komm, geh mit“. Er antwortete kurz angebunden „Alles gut, viel Glück“ und fiel zurück. Als ich dann auf die Zielgerade rechts abbog, schrie ich meinen ersten Jubelschrei aus. Ich hatte keine Ahnung was für eine Zeit ich laufen würde. Ich wusste nur, dass es eine verdammt gute Zeit werden würde. Ich sah auf der Uhr über der Ziellinie die 1:21:xx laufen und wusste, dass ich beim Start ja noch ein paar Sekunden für die Netto-Zeit abziehen konnte. Ich hatte aber gar kein Gefühl, ob ich wohl 5 oder 50 Sekunden nach Startschuss über die Zeiterfassung lief.
Die Ziellinie kam immer näher und ich merkte, dass ich selbst in Bruttozeit-Rechnung unter 1:22 ins Ziel komme. Natürlich nahm ich auch nicht die Vibration meiner Uhr nach km21 wahr. Ich hätte wahrscheinlich nicht schlecht gestaunt, dass der letzte Abschnitt in 3:35 absolviert war. Ich überquerte bei Brutto-1:21:44 die Ziellinie und jubelte laut weiter. Was für ein Rennen – Berlin ist einfach der Wahnsinn!!!

Toll ist vor allem, dass man nach der Zielverpflegung gleich zu einem Zelt gehen kann, wo einem die Urkunde ausgedruckt wird. Mir blieb fast der Atem stehen, als ich das Stück Papier in die Hand bekam: 1:21:23 war ich über den Halbmarathon gelaufen. Eine 3:51 im Schnitt – unglaublich. Insgesamt bedeutete dies Platz 209 bei den Männern und Rang 221 gesamt – bei 30.000 gemeldeten Teilnehmern und über 21.000 Finishern.
Als ich im Ziel dann mit meinem Kleiderbeutel auch mein Handy bekam, warteten auch schon die ersten Glückwünsche auf mich. Khai textete „Fuck, geile Zeit“ und ein guter Lauf- und Trainingspartner teilte mir mit, dass er mich im Live-Stream gesehen hat und über meine Zeit staunt.
Eins steht fest – den Berliner Halbmarathon werde ich auch nächstes Jahr wieder absolvieren. Und ich bin gespannt, wann die Serie dieser unglaublichen Zeitverbesserungen mal einreißt. Mal sehen – bis dahin freue ich mich einfach weiter wie Bolle!

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Wow!

Mitreißend beschrieben, grandios gelaufen! Ich habe deine Romane echt vermisst.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Wow!

Mitreißend beschrieben, grandios gelaufen! Ich habe deine Romane echt vermisst.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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