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Benutzerbild von fazerBS

Am Samstag stand der erste Lauf der Winterlaufserie an und ich war ja hochmotiviert ins Tempotraining gegangen. Das war auch alles gut gelaufen, doch mein Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten scheinbar nicht. Wie immer kam dann noch alles zusammen.

Am Freitag 6*100m Beine beim Schwimmen - meine absolute Hassdisziplin. Ich komm gefühlt wieder mal gar nicht vorwärts. Und irgendwie hab ich das Gefühl je mehr ich mich ärgere (über mich selbst, weil ich die Anweisungen nicht umsetzen kann) umso schlechter klappt es. Beim Einsteigen ins Auto - AUA! Ich hau mir irgendwie ganz blöd das rechte Knie an. Die Macke sehe ich später und es tut weh.

Abends dann noch privaten Stress - und ich schlafe die halbe Nacht nicht. Krieg dann noch Bauchschmerzen und mach mir ein Dinkelkissen warm. Wird nicht besser. Toilettengänge helfen auch nicht. Morgens hänge ich schmerzgeplagt am Frühstückstisch - und meine Tochter meint ich würde nur simulieren. Das hätte ich immer vor dem Lauf. Stimmt nicht, mir tut wirklich was weh, ich fühl mich total müde und ausgelaugt. Emotional am Boden sozusagen. Aber sie versteht es natürlich nicht und ich kann ihr die genauen Hintergründe auch schlecht erklären, weil sie ja auch Montag (also heute) Zwischenprüfung hat und sich schon ein paar Wochen total unerträglich nicht an die einfachsten Regeln des Zusammenlebens hält.

Ein Blick aus dem Fenster lässt die Lust ganz schwinden: es regnet, und regnet, und regnet. Immerhin ist es nicht so stark windig wie am Vortag, wo uns alles um die Ohren flog. Also Zeugs anziehen (was zieht man bei dem Wetter an?) und Tasche packen und los. Die Parkplatzsuche klappt auch wider Ansage sehr gut und schon habe ich die Startunterlagen in der Hand. Am liebsten würde ich dort im Warmen stehen bleiben, aber wir werden gnadenlos rausgeworfen und müssen draußen die Startnummer ans Band frickeln - im strömenden Regen. Die Nässe und Kälte zieht von unten durch die Schuhe in die Füße und den ganzen Körper, wir treffen uns mit einigen und quatschen dumm rum, schauen den 5er Wettkampf an und sehen den Zieleinlauf der Ersten, bevor es zum Einlaufen geht. Lange Hose, Jacke drüber, Laufschuhe an - und locker los. Ein paar Übungen, ein paar Steigerungen - und zurück. Fühlt sich alles nur Schrott an heute.

Was will ich eigentlich laufen? Mhm, ja, schneller als in Ratingen (ich war die letzten beiden Jahre immer so 'ne Minute schneller) - also sub 42 ausgegeben und mich mit ein paar anderen zusammen hingestellt, die auch so ungefähr laufen wollten. Einer mit sub 40 stellt sich weiter vorne hin - für 39 hätte ich gar einen Tempomacher gefunden - aber ich trau mich nicht. Erstens hab ich noch keine 1-km-Intervalle gelaufen (nur einmal 800m), zweitens noch nicht viel Tempotraining gemacht (gerade mal 4 Wochen) und drittens Blutwerte und viertens und ... und überhaupt.

Es geht dann auch los und natürlich bin ich im Gedränge und komme nicht recht vorwärts. Muss Haken schlagen und mich gleichzeitig zurückhalten, weil ich ja nicht zu schnell loslaufen will. 4:10 wäre ok, aber bloß nicht schneller! Fühlt sich total lahmarschig an, müsste also 10km reichen. Uhr seh ich nicht so richtig (4:12?) und halt mich weiter im Hintergrund. Bei km 2 laufe ich auf ein Grüppchen auf, was ein konstantes Tempo läuft. Bei km 4 und 5 denke ich die bremsen mich aus. Vorbei komm ich aber auch nicht so recht und Uhr? Egal. Der schmale Weg in den Wald zur Wende ist nicht zum Überholen geeignet. Irgendwie ist es mir egal, aber gleichzeitig hab ich das Gefühl da geht noch mehr. Zum Glück löst die Gruppe sich auf und ich komm vorbei. Ich hab keine Frau in Sicht, wozu also anstrengen? Schön weiter durch den strömenden Regen, die tiefen Pfützen, Haken schlagende Vorläufer nicht in die Hacke treten (immer wieder mal Tempo raus also) und Richtung Ziel. Hey, noch 2km, jetzt könntest Du aber mal ein wenig zulegen? Mhm, Brücke rüber fühlt sich langsamer an und Schlamm im nochmals zu durchlaufenden Waldstück bremst auch. Der letzte km - und ich denk nur daran, dass ich nicht koxxen will. Wie blöd ist das eigentlich? Also lauf ich "gebremst" ins Stadion und spar mir den Endspurt. Bin nicht mal richtig platt, wobei es mit der "K-Bremse" überhaupt nicht knapp wurde.

Na ja, geschafft, aber irgendwie unzufrieden mit mir selber. Muss mir dann noch zu Hause anhören ich wäre eine Lusche, weil ich "nur" 8. Gesamt werde (Korrektur: heute: 7.), wo ich doch letztes Jahr 5. geworden wäre (Hä? Blöd?).

Beim Blick in die Bruttozeiten ist auch klar, warum ich keine Frauen vor mir gesehen hab: die waren alle vorne gestartet - ich hab netto / brutto 21 Sekunden (die anderen so 3-5)!

Differenz zum Ratinger Neujahrslauf:
2012: -1:13min
2013: -1:12min
2014: -1:14min

Differenz zu WLS
2012: +24 Sekunden
2013: -14 Sekunden (da lag aber teilweise Schnee!)
Das hat zumindest geklappt.

Aber irgendwie bin ich mit mir selbst nicht im Reinen. Hätte ich schneller gekonnt? Hinterher ist "hätte, wäre, wenn" ja immer nett zu überlegen.

ABER: ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl an die Grenze zu kommen, war im Ziel nicht KO, aber im Kopf auch nicht "fit" für mehr. Mich ziehen solche mentalen Dinge immer runter. Und irgendwie krieg ich die Defensiv-Einstellung nicht weg, stell mich zu weit hinten hin, bin zu vorsichtig, ... Auch das könnte sich bei den kurzen Distanzen schon übel rächen, aber je länger es wird, desto uninteressanter ist das.

Hier noch die nackten Zahlen:
Nettozeit 41:18min,
Platz 7 gesamt (die ersten 6 kommen in die Siegerehrung),
Platz 1 AK (so gerade - hab Konkurrenz bekommen).

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

Kopfsache

ein spannender Bericht, weil man Dein Schwanken und Vertrauen in Dich selbst gut nachvollziehen kann. Wobei immer gilt, dass man die letzten 2 km immer beißen muss, und so wie Du es geschrieben hast, hättest Du tatsächlich schon bei km 5 die "Handbremse" lösen können / müssen. Schnelle Läufe kann man auch ohne dediziertes Training mal so "zwischendurch" laufen.

Trotzdem eine tolle Leistung und eine Zeit für die Du Dich nicht verstecken oder schämen musst!!

Viele Grüße

Jogger63

Wie meine Omma zu sagen pflegte: Essen und Trinken schmeckt und bei der Arbeit sticht's

Ehrlich gesagt

Für mich ist das rumstöhnen auf zu hohem Niveau. Auch von wegen Lusche wegen 8. äh 7. Platz von der Familie?! Tut mir leid, das sind Dinge, die ich nicht verstehe. Ich wünsche dir vor allem Spaß beim Laufen, liebe Grüße Meli :0)

Hey, ich versteh dich! Klar,

Hey, ich versteh dich!
Klar, für einige ist das jammern auf hohem Niveau, auch für mich, aber das "kopfding" das kenne ich zu Genüge! Ich zweifle auch immer an meinen Fähigkeiten, stelle mich zu weit hinten auf, trau mich nicht, früh genug Gas zu geben...und wenn der Kopf vorher schon nicht frei ist, wie soll er es wärend einem Wettkampf werden? Dieser Lauf stand für dich von Anfang an unter einem schlechten Stern. Keine guten Voraussetzungen für eine Bestzeit...und wärend dem Lauf ausgebremst zu werden ist echt oberätzend!!! Ich hasse das schon im Training, wenn ich im WK nicht vorbei komme könnte ich ausfallend werden. Ein Hoch auf deine gute Erziehung ;-)
Aber wer aus deiner Familie bezeichnet dich als Lusche wg "nur" 8. Platz??? Denjenigen würde ich mit Nahrungsentzug nicht unter drei Wochen bestrafen! Also wirklich....soll der oder die es doch selber machen!
Aufstehen, Mund abwischen, Krone geraderücken, weitermachen! Kommen auch wieder bessere Tage!
Ach, und übrigens, bei meinem letzten WK hatte ich brutto/netto eine Differenz von einer Minute! Weißte bescheid....

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

1. Akt zum Warmwerden

Ich bin sicher, da folgen noch einige großartige Akte hintendran. Viel Erfolg dabei!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Oh ja

der Kopf bremst, wie gut kenne ich das!!! Aber eine 41:xx würde ich auch mit Kopfbremse nehmen *schluck*.

Liebe fazer, super gemacht, schicke Zeit, und das Selbstvertrauen kommt auch wieder. Gibt noch so viele schöne Läufe. Und wenn der Kopf nicht mitmacht, machen die Beine leider meist auch nicht mit. Kopf hoch, kommt wieder. Du schaffst das!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Simulantin... du?

Sie macht wohl Spaß, oder? Kindermund tut Wahrheit kund, o.k., aber ein Pubertistenmund dürfte da wohl außen vor sein! ;-) Normalerweise steht man ja da darüber, aber wenn der Stress oder Ärger überhand nimmt, lässt das einem eben dünnhäutiger werden. Das kenne ich nur zu gut! Je nachdem, was gerade los ist, hat man zwar manchmal sogar Glück und kann seine Wut oder Frust geradewegs in Tempo ummünzen. Frei nach dem Motto "jetzt erst recht!" Doch kürzlich musste ich sogar einen Tempolauf abbrechen und statt dessen das Ding "locker" heimtragen, weil der Kopf einfach anderweitig beschäftigt war.

Doch davon mal abgesehen, finde ich deine Zeit und Platzierung ausgesprochen chic!
Kopf hoch! Du weißt, was du drauf hast und der nächste Lauf, an welchem du wieder ganz die "Alte" sein wirst, kommt bestimmt!

:-)

Danke - schnief

@jogger63: darum ging es mir hauptsächlich. Laufen ist eben (auch) Kopfsache! Und dieses ständige An-Sich-Zweifeln.

@mel72: so richtig zufrieden war ich eben nicht mit mir. Ich hatte mich auf den Lauf und das Treffen mit vielen Bekannten gefreut - was ich nach dem Lauf trotzdem genossen habe. Könnte man als Stöhnen auf hohem Niveau auslegen, war aber weniger als solches gedacht. Und die Familie? Der bin ich halt nie gut genug.

@brihoha: ich hatte gehofft, dass es anderen auch so geht. Die Krone muss ich erst mal suchen und putzen - da erinnerst Du mich an was :grins: Danke für Dein Verständnis und Deine Worte!

@sonnenblume2: Ich hoffe auch. Und ich freu mich drauf. Auf die "wirklich wichtigen" Ziele.

@strider: Danke. Und den Spruch vom Schalk, den schreib ich mir dick hinter die Ohren!

@mc: Hast recht, Pubertistenterror halt. So recht weiß ich nicht, was ich "drauf hab" wie Du so schreibst.

Aber wie am Ende schon geschrieben: Vorbereitung auf die "langen" Läufe - und da sind solche Kleinigkeiten vernachlässigbar. Dazu gehört eine Riesenportion Demut und Respekt vor der Strecke. Vor allem noch jede Menge Training. Und viel Herz, aber auch viel Kopf.

ach fazer

Ich meine ja auch nur, dass du dich nicht zu sehr unter Druck setzen solltest. Das geht meistens schief, zu mindest nach meinen Erfahrungen. Und für deine Familie bust du die Beste, was wären die denn ohne dich?! Wahrscheinlich gar nicht überlebensfähig. Bin auf die zweite Runde gespannt. 15er ist das glaub ich, oder? :0)

"Kinder"mund

MC hat sowas von Recht. "Kinder"mund tut vielleicht Wahrheit kund, Pubertisten"maul" eher weniger, die sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt.... Ok, waren wir auch ;-)))

In ein paar Jahren wird sie dir ganz anderes erzählen, ich weiß, das tröstet jetzt wenig, aber glaub mir Oma ;-))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

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