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Benutzerbild von dfrobeen

Soweit war zumindest der für vergangenen Samstag ausgerufene Plan. Ich wollte noch etwas Abwechslung in meinen Trainingsalltag bringen. Und da ich zuletzt viel Spaß an diversen Querfeldein-MTB-Schlachten hatte, wollte ich auch mal laufend noch mehr in die Natur eintauchen, als man es beim joggen sowieso schon versucht.

Ich war ohnehin schon das Wochenende in Köln, um bei der Geburtstagsfeier meiner Schwester dabei zu sein. Und da ich an Neujahr in der Nähe von Koblenz schon einen Teil des Fernwanderweg "Rheinsteig" abgewandert bin (und es landschaftlich sehr schön fand), war also der Plan gefixed den ersten Teil des Rheinsteig, von Bonn nach Bad Honnef zu laufen. Dies wären 27km quer durch das Siebengebirge geworden und ich hätte dabei eben besagte sieben Gipfel auch überquert.

Ganz anders als sonst vor den langen Kanten, überwog die Vorfreude, was mich wohl erwarten würde, statt den Gedankengängen auf den ersten Kilometern, dass dies wohl eine ganz schön lange Einheit werden würde. Samstag früh ging es auch gleich los - ca. 8:30 Uhr saß ich in Köln im Auto und war unterwegs nach Bonn. In Bonn-Beuel-Mitte hatte ich auch schnell einen Parkplatz gefunden und schon nach wenigen Metern sah ich erstmals das mir ja schon bekannte blaue Symbol, welches den Rheinsteig für Wanderer markiert.

Der erste km war der Weg aus Beuel runter zum Rhein und die dann folgenden 2,5km gingen flach am Fluss entlang.

Bisher also alles noch flach - das kannte ich ja von meinen Läufen in der Wahlheimat Braunschweig. Aber schon auf diesem Teilstück kam die Erkenntnis, dass es ein toller Lauf werden wird. Als meine GPS-Pulsuhr zum zweiten Mal vibrierte um mir zu signalisieren, dass ich jetzt 2km gelaufen bin, war mein spontaner Gedanke "Nein, bitte noch nicht - es ist ja noch nichts passiert und es sind nur noch 25km".

Nach gut 3,5km ging es dann vom Rhein links ab und sofort begannen die Höhenmeter. Es folgte auch gleich die erste und einzige Stelle, wo die Markierung des Weges etwas knapp gehalten war und ich meinen Garmin Edge 800 konsultierte um den Weg zu finden. Diesen eigentlichen Radcomputer hatte ich nämlich mit dem Track ausgestattet und in der Jackentasche dabei um zur Sicherheit immer den Weg zu finden. Da ich nicht sicher war, wie oft ich noch den Weg per GPS plausibilisieren musste, steckte ich das Gerät in die kleine Tasche der Laufhose, da ich dort schneller dran kam. Wie gesagt - um den Weg zu finden brauchte ich den Garmin nicht mehr. Dennoch sollte dieser Moment signifikanten Einfluss auf den weiteren Tagesverlauf nehmen.

Bis km 9 ging es recht stetig bergauf und plötzlich bot sich mir eine erste schöne Aussicht über Bonn-Oberkassel und -Bad Godesberg.

Wenig später sollte dann auch der Moment sein um kurz vom Weg in die Natur zu verschwinden und etwas Ballast für den weiteren Lauf abzugeben.

Der weitere Lauf machte einfach nur Spaß und ich nahm weder die ganzen Kilometer noch die Höhenmeter wahr. Es ging zumeist recht wellig durch verschieden breite und Untergrund-beschaffene Waldwege. Immer wieder boten sich dann aber wieder wunderbare Aussichten über das Rheintal, z.B. auch entlang schöner Weinberge.

Auf einen Punkt der Strecke hatte ich mich besonders gefreut. Der Rheinsteig geht nämlich auch über den Petersberg. Oben auf dem Petersberg steht ein Hotel, das ehemalige "Gästehaus der Bundesregierung" (zu Bonner Hauptstadtzeiten). Dort habe ich im Rahmen eines Beraterprojektes gut 2 Jahre gewohnt und eine wunderbare Zeit gehabt. Ich fand damals immer schon die serpentinenreiche Autofahrt hoch auf den Berg beeindruckend - das ich irgendwann von Bonn aus auf die Idee kommen werde dort hoch zu joggen, lag mir damals noch völlig fern.

Ich hatte aber die Route vorher nicht so genau angesehen um zu wissen wann genau ich in meinem lauf den Petersberg erlaufe. Nach knapp 13km meines Laufes begann dann ein sehr steiler Anstieg, der sich weit über 2km hinzog und meinen Puls in die Höhe trieb. Ich war ganz stolz, dass ich den Anstieg vollständig durchgelaufen war - wenn auch recht langsam. Nachdem ich anfänglich im flachen noch auf etwa 5:20-Pace unterwegs war, gingen bergauf auch einige Teilstücke in deutlich über 6:00er-Pace raus. Als der Anstieg dann zu Ende schien, erinnerte ich mich, dass ich doch 2 Energieriegel dabei hatte und empfand es als einen guten Moment einen davon aus der Tasche zu holen. In diesem Moment überkam mich aber schnell der Adrenalischock - denn beim Abtasten meiner Taschen fiel mir sofort auf, dass mein Edge 800 nicht mehr an Ort und Stelle war. Diesen hatte ich erst vor gut einem Monat nach langem hin- und herüberlegen gekauft und die doch beträchtliche Investition getätigt. Er war definitiv weg und meine Stimmung sank binnen Sekundenbruchteilen von total-Enthusiasmus in tiefe Depression. Was nun?

Meine Wahrscheinlichkeitseinschätzung auf einem 15km-Wanderweg, der durchaus gut frequentiert ist, einen verlorenen Radcomputer wiederzufinden, war sehr sehr niedrig. Einzig der Moment meines Natur-Dixi-Stops fiel mir sofort ein - aber das war gute 7km her. "Was nun?" habe ich mich nochmal gefragt. Den Garmin aufgeben? Zurück laufen? Weiterlaufen und zurück am Auto mit diesem so nah wie möglich an meine vermutete Fundstelle fahren und nochmal nachsehen? Mir kam die Wahrscheinlichkeit auf den 15km den Garmin wiederzufinden so gering vor. Also entschied ich mich frustriert erstmal weiterzulaufen. Dies dauerte aber nur wenige hundert Meter, denn ich stellte fest, dass ich gerade den Petersberg raufgelaufen war und stand plötzlich vor meiner temporären zweiten Heimat.

Dort änderte ich sofort meine Meinung. Ich hatte diesen großen Punkt abgehakt und damit war es mir egal geworden, ob ich jetzt die verbleibenden 11km nach Bad Honnef oder die bereits absolvierten 16km wieder zurück nach Bonn laufe. Also drehte ich um.

Ich wusste also, dass ich meinen ersten Lauf über 30km in 2014 absolvieren werde. Und das zugleich mit fast 800 Höhenmetern. Aber die Grundstimmung blieb. Es machte so viel Spaß, dass ich von den ganzen Kilometern gar nichts mitbekam. Um es kurz zu machen, der Garmin "wartete" an der von mir vermuteten Stelle und große Erleichterung machte sich in mir breit. Eine gute Grundlage, dass die verbleibenden 9km noch leichter zu absolvieren sein werden.

Zurück am Rhein steigerte sich mein Tempo nochmal auf etwa 5:30-Pace, allerdings war mir das Tempo des Laufes völlig egal. Es ging um die Ausdauer und die Eindrücke und davon hatte ich einiges gesammelt.

Wieder am Auto angekommen machte ich noch einen 100m-Umweg um auf volle 31km zu kommen. Das Höhenprofil sah wie folgt aus:

Es war ein toller Lauf und ich belohnte mich gleich im Anschluss beim nahegelegenen Werksverkauf von Haribo.

Der Lauf war ein wichtiger Bestandteil meiner ersten 100+km-Woche in 2014. Am nächsten Tag wollte ich eigentlich eine längere MTB-Tour machen. Da ich nach der Party meiner Schwester aber erst spät aus dem Bett gekrochen kam, lief ich nochmal 18km am Kölner Rhein entlang. Damit kam ich in Summe auf 105,1km für die Woche. Es war gut den Lauf noch zu machen, denn später dann am Abend machten die Oberschenkel zu und rächten sich für den Trailrun vom Vortag. Von Sonntag abend bis Dienstag früh war Treppen runter gehen nur mit Festhalten am Geländer möglich. Aber der Lauf war es wert. Ich habe mir fest vorgenommen so etwas kurzfristig nochmal einzuplanen. Vielleicht sogar nochmal die gleiche Strecke und dann nach Bad Honnef. Es wären ja noch tolle Stücke gekommen, z.B. zum Drachenfels. Mal sehen...

5
Gesamtwertung: 5 (5 Wertungen)

Coole Aktion

Und wie wärst Du vom Ziel wieder zum Auto zurück gekommen Zug?

Wie gut, dass Du den Edge wieder hast. Ist ja doch ein echter Happen.

Schöne Fotos von der Strecke! Da muss ich auch mal hin. Aber momentan versuche ich Anfahrten zu vermeiden und die (Trainings)zeiten so netto wie möglich zu halten.

War an dem WE bei meiner Schwester in der Ecke Pfrungen durch das Pfrunger Ried - hatte nur keinen Fotoapparat mit. War aber sehr schön - allerdings "nur" gut 21km, weil wir auch noch rechtzeitig zur Taufe wollten und vorher noch den Bäcker aufsuchen mussten (Achtung: die machen um 13h zu) zwecks Frühstück am nächsten Tag.

Sehr schön,

gelaufen und geschrieben.
Ich finde es immer wieder interessant, wie andere Leute einen Teil meiner Heimat beschreiben. Obwohl ich zugegebenermaßen mehr auf das Siebengebirge geschaut habe, als dort gelaufen zu sein, aber man kennt es halt trotzdem ganz gut.
Und super, dass Du Deinen Garmin wiedergefunden hast, sonst hätte der tolle Lauf doch noch einen schalen Beigeschmack gehabt.

LG,
Anja

Was für ein schöner Lauf!

Danke für die tollen Fotos! Und danke dafür, dass du mich erneut auf den Edge aufmerksam gemacht hast ;-)

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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