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Benutzerbild von kaiserswerther kenianer


Ab wann beginnt Tradition?
Wenn man zwei Mal die gleiche Runde um den Block gelaufen ist?
Wenn man das dritte Paar Laufschuhe der gleichen Marke gekauft hat?
Oder wenn man zum vierten Mal kurz vor Weihnachten dreieinhalb Stunden Autofahrt auf sich nimmt, um bei ungewissen Wetterbedingungen auf eine friesische Nordseeinsel zu kommen und sich den Herausforderungen eines Halbmarathons stellt?
Ich für meinen Teil beantworte alle drei Fragen deutlich mit „Ja…“, füge aber hinzu „…aber man muss es auch weiter zu tun!“ Dann hat es Chancen, Tradition zu werden.
Meine Hausrunde werde ich auch in Zukunft weiterlaufen, die Sauconys werde ich auch noch einige Male gekauft haben, bevor mir der Mainstream den Spaß an den Leichtgewichten verleidet hat. Und am dringendsten werde ich jedes Jahr den Weg nach Ameland finden.
Alles war gleich. Das gleiche Hotel, das gleiche Zimmer gar. Das Restaurant am Vorabend und auch das Nachlaufprogramm bestehend aus unzähligen Schokoriegeln, gebanntem Verfolgen der Videotextseiten 251 und 273 und dem anschließenden Wanken ins Schwimmbad und in die Sauna. Es soll sich nichts ändern und das ist auch gut so!
Aber der Reihe nach:
Langfristig ist der frühzeitige Dienstschluss geplant, so dass sich vier erwartungsfrohe Erwachsene im Auto am Schultor einfinden um den Sohn beim Verlassen des Bildungsinstituts abzupassen.
Um kurz nach eins beginnt die Fahrt, um kurz nach zwei mit dem Erreichen der geschwindigkeitsregulierten holländischen Autobahnen die Erholung. Um halb fünf stehen wir am Fährhafen. Der Wagen wird geparkt und mit ungezählten Laufschuhträgern in Funktionsjacken und Rucksäcken und Trolleys warten wir auf die Ankunft der großen Fähre, die uns auf die im Dunkel liegende Insel bringen soll. Die erste Laufeinheit des Sohnes sichert meinen Eltern, meiner Frau und mir einen Tisch im Mitteldeck am Fenster. Eine Stunde später setzt sich die Karawane der Fußgänger wieder in Bewegung. Knappe anderthalb Kilometer ins Dorf erscheinen mir mit Gepäck und langsam gehenden Familienangehörigen zwar länger als mancher Trainingslauf über neun Kilometer, aber wie immer steigert der Weg durch den kalten Nordseewind die Vorfreude auf das Kaminzimmer im Hotel und das anschließende Abendessen im urigen Restaurant.
Die Hoteliers kennen uns schon seit zwei Jahren mit Namen, auch ohne ausdrücklich Reservierung werden uns die Räume freigehalten.
Die Ameländer Senfsuppe im Klimop gehört zum Programm wie die unvernünftig große Menge an frisch gezapftem Fassbier am Vorabend eines Halbmarathons. Da aber das Hotelbett schon um elf Uhr unwiderstehlich ruft und der Start noch fast fünfzehn Stunden entfernt ist, lässt sich die übermäßig genossene Gastlichkeit im Familienkreis leistungsphysiologisch verkraften.
Nur zwei Dinge sind wesentlich anders als in den Vorjahren. Einige Ortsbild prägende Bäume sind vor wenigen Wochen Windböen von 15Bft zum Opfer gefallen. Das ist überaus traurig, hat aber den Vorteil, dass jetzt der Blick auf den zweiten wesentlichen Unterschied unverstellt ist.
Blauer Himmel! Dieser seltene Winteranblick, milde Temperaturen und Nordseewindstille (2-3 Bft) begleiten die Starvorbereitungen meines Sohnes für den zwei Kilometerlauf. Und als ob auch er es auf Traditionen abgesehen hätte, beendet er diesen Lauf exakt wie im Vorjahr als Elfter. Hätte er nur die Hälfte meines Trainingsehrgeizes und ich dafür die Hälfte seines Läufertalents, wir wären als Laufsportduo kaum zu schlagen.
Nach den Starts über fünf und zehn Kilometer darf auch ich ran. Mit etwa 1200 Startern stehe ich auf dem Kardinaal de Jongweg und freue mich auf den Start. Ich weiß, was mich erwartet und es kann nicht schlecht werden. Die Beine sind besser als in den Vorjahren, in denen ich verletzungs-, berufs- oder gewichtsbedingt gehandicapt am Start stand. Der Wind steht günstig. Die ersten zehn Kilometer mit den langen Strandabschnitten versprechen Rückenwind. Ab Km 11 wird mein Rennen beginnen. Asphalt und Gegenwind sollen meine Freunde sein, wenn ich all die überhole, die sich am im tiefen Sand ein zu hohes Tempo zugemutet haben.
So sollte es kommen! Nach respektablen 1.46.50 und einem deutlich schnellerem zweiten Split wankte ich in den Zielbereich, der mir deutlich leerer erscheint als in den Vorjahren. So kann ich schnell das Traumschöne Finisher Shirt einsammeln, Iso vom Co Sponsor abgreifen und mich auf den zweihundert Meter langen Schlussabschnitt zur persönlichen Hoteldusche machen.
Der Rest des Tages ist bekannt: Videotext, Schokolade, Sauna, Schwimmbad und noch ein bisschen Vorweihnachtliches Shoppen durch die kleinen Modeboutiqen, die sich vornehmlich dem Vertrieb von stabilem Schuhwerk und Wetterfester Jacken verschrieben haben.
Und während das Bier am Vorabend eher der Vorfreude und den Strapazen der Anfahrt geschuldet war, sind die Folgenden Kaltschalen Begleiter einer tiefsitzenden Zufriedenheit. Mit dem Läuferleben, dem abgelaufenen Familienjahr und dem abermals leckeren Essen (diesmal ein Fondue, welches ich mir Jahr für Jahr mit geringer werdenden Eigenanteilen mit dem Sohn teile). In der Hotellobby nehmen wir noch einen Absacker inmitten der Laufgruppe aus Kleve, die nicht minder zufrieden den Abschluss des Sportjahres begeht.
Der Sonntag begrüßt uns dann mit milden Dezemberwetter und strahlendem Sonnenschein. Wir entscheiden uns schnell für die späteste Fähre, die uns eine geregelt Rückfahrt ermöglicht. Bis halb vier versuchen wir so viel Geruhsamkeit wie möglich zu bekommen ohne dabei in Hektik zu verfallen.
Ein Strandspaziergang, ein verkehrter Kaffee im Pavillion und der obligate Besuch mit dem Nachwuchs in der morbidcharmanten Spielhalle mit den verlockenden Daddelautomaten für Kinder. Und –bevor ich es vergesse- die Portion Kibbeling darf natürlich nicht fehlen. Dann zieht es uns schweren Herzens zurück zur Fähre, zum Festland, zur Autobahn, zum Vorweihnachtlichen Geschenkstress und der etwas weniger schönen Routine des Alltäglichen.
Die Schönheit des Laufes durch Dünen, Sand, Dörfer und Wiesen lässt sich nur schwer in Worte fassen. Man sollte es selbst erleben. Vielleicht helfen Bilder und Videos ein wenig, um es zu glauben. Oder aber meine Zusicherung, es auch im nächsten unbedingt wieder tun zu wollen.
Die Familientradition des Nordseewochenende beim Amelander Adventurerun so lange wie möglich aufrechtzuerhalten!

4.75
Gesamtwertung: 4.8 (4 Wertungen)

oh wie schön!!!!!

Auch wenn ich in Kindertagen eher im Sommer als im Advent auf Ameland war ;-)

Und irgendwie musste ich die ganze Zeit beim Lesen kichern, könnte daran liegen, dass ich mich gerade durch mein Nikolausgeschenk - so ein "bisschen tri" - schlage ;-)))

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Coole Aktion

und alle hatten Spaß. Sogar das Wetter hat mitgespielt - ein perfektes Wochenende also.

ab wann ist es "Tradition"?

Erst gestern sagte eine Freundin zu mir "alles was ein Rheinländer 2x getan hat, wird zur Tradition". Soviel dazu.
Kenianer, danke für den ach so schönen Blog.
Ein wunderbarer Familienausflug ohne Hektik, und das eine Woche vor Weihnachten, ist eine Leistung.
So wie auch der HM. KM 3-8,5 müssten eigentlich doppelt zählen!
Schöne Weihnachtstage und liebe Grüße aus Bonn, KS

Danke

... für die Strecke
... für die (ungewollt) lange Nase.
... für die Diskussion, ab wann etwas Tradition ist.

Ich fahre am Fr zum ca. 11x über Weihnachten nach Ameland.
Wäre mein Körper auch nur ansatzweise in der Lage auch nur 1km zu laufen, würde ich mir die Runde vornehmen ("lange nase").
Ameland ist toll und ich beneide dich um deine Tradition.

Eine superschöne Familientradition!

Danke fürs Erzählen und Glückwunsch zu klasse Zeit!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Ich glaube

da muss ich auch mal wieder hin Als Kind habe ich dort unzählige Sommer mit meinem Verein dort verbracht.

Danke für den Blog und die Auffrischung meiner Erinnerungen,
Karen

....Nur wer sich auf den Weg macht, wird etwas Neues entdecken.....

Traditionen...

..sind schön und Ameland ist in jeder Hinsicht eine von dir gepflegte Tradition.

Egal ob Sommer-/Trainingsurlaub oder Cross ist Krass oder dein Halbmarathon und auch als Ort des ersten Triathlons deines Sohnemanns.

Für mich ist es zur Tradition geworden, mich auf die schönen Geschichten von und auf deiner Insel, die ich gar nicht kenne, zu freuen.

Da ist er ja..

...der kleine Traum von meinem großen Traum (Albtraum?).

Seit ich vor drei Jahren in meinem Lieblingsurlaubslaufgebiet Westkapelle/Zoutelande vom Zeeland-Marathon gehört habe, brennt der Wunsch.
Soll der härteste Marathon in den Niederlanden sein.
2014 und 2015 liegt der Termin zusammen mit den Herbstferien in NRW (Frau krowil kann leider nur in den Ferien in Urlaub). Aber ein ganzer Marathon (mit Sand in den Schuhen) ist nochmal anders als ein HM. Da muss nächstes Jahr ein anderes Training her und eine erfolgreiche Probe beim Düsseldorfer Marathon im April bestanden werden.

So ein Lauf durch ein Gebiet in dem man schon Jahrzehnte seinen Urlaub verbringt ist schon was Tolles.

29.12. Eulenkopflauf HM ???
5.1. Ratinger Neujahrslauf 10km
Hildener Winterlaufserie 10km - 15km - HM

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