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Benutzerbild von Schalk

Wonach klingt das jetzt nun? Nach Trail? Jup! Nach einem total neuen Lauf? Naja, bei der 60.Auflage kann man davon wohl eher nicht sprechen.
Freunde hatten eingeladen. Zwei Freunde, die eher noch nicht gelaufen sind - vor der Einladung. Im Frühjahr kam die Einladung zu einem 75km Trail.
Von Null auf 75 in einem reichlichen halben Jahr? Ist der Irre? Nö! Den gibts zwar auch als Einzellauf. Hätte ich dann bevorzugt. Aber man kann ihn auch als Staffel laufen. Und so standen 6/14/25/20km zur Auswahl. Die Aufteilung war schnell klar. Die ersten 16 lief meine Frau, die 14 unsere Freundin, die 25 ich und als Abschluß sollte unser Freund in Lyon ins Ziel laufen. Bauchschmerzen hatte ich ob der Höhenmeter. Von Saint Etienne geht es die ersten 30km viel hoch. Am liebsten hätte ich die übernommen und die Mädels auf den folgenden 25km gesplittet. Aber wir sind hier nicht beim Wunschkonzert. Also hieß es für die Mädels hoch und für uns Jungs runter. Hmm nur runter? Naja.
Aber vielleicht erst mal ein paar Worte zu dem Lauf. Saintelyon ist ein Traditionslauf von St.Etienne nach Lyon. Die Organisatoren haben schon ne Weile geübt. Es lief einfach alles Perfekt. Ok, das ärztliche Attest selbst für 14km erscheint schon ein bissl witzig. Aber so ist das nun mal in Frankreich. Die Pflichtausrüstung brauchten wir für die Staffel dann doch nicht und für die Besonderheiten der Staffel macht sich ein Auto schon ganz gut. Notwendig wäre es wohl nicht gewesen.
Start ist Samstag um Mitternacht. Die Anreise am Freitag aus Berlin war somit gesetzt und wenn man bei Freunden ankommt, gehts nicht gleich ins Bett. Ohjee. 4Uhr war dann Bett. Aber so konnten wir schon mal lange wachbleiben üben. ;-)
Der Samstag verlief völlig entspannt. Das liebe ich immer, wenn ich da bin. Frühstück, drei Stunden später Mittagessen. Logisch zieht sich das. Startunterlagen abholen und Abendessen. Das hielt sich dann vernünftigerweise (zumindest für die Mädels) in Grenzen - sehr ungewöhnlich!
Gegen 21Uhr fuhren wir nach St. Etienne. Die Einzelläufer haben sich vielfach bereits Nachmittags von der Laufmesse aus mit Bussen auf den Weg gemacht. Dann sollte man in St. Etienne die Pastaparty buchen.
Kurz nach Zehn waren wir da. Parken und noch mal in eine Halle wo es warm war. Silke obließen wir dann gegen 23:30Uhr ihrer selbst und den ganzen Franzosen und machten uns auf Richtung erster Wechselstelle.
Mit dem Wetter sollte man aufpassen. Während es in Lyon kalt, aber über Null war, gab's in St.Etienne Glatteis und später bis zu 30cm Schnee. Die Yaktracks hatte ich in Lyon gelassen. Es hieß, es gibt kein Eis oder Schnee. ;-( Passiert nicht wieder.
Kurz nach 12 waren wir mit dem Auto in St. Cristo und Silke auf der Strecke. Während sie lief, holten wir Decke bzw. Schlafsack raus, stellten den Wecker und pennten. Um 1:30Uhr die erste Nachricht: "Grad km8, ist kein Spaziergang. Eis und Schnee." Ach du sch... 1h30min für 8km! Ok, zu den Schnellsten gehört sie wirklich nicht. Aber das ist heftig. Nein, Schaffen war nicht die Frage. Aber was das für Kraft kosten muß, kann man sich ausmalen. Wir können eh nix tun. Also weiter pennen. 2:15Uhr dann sehr überraschend die zweite Nachricht. "Noch 2km." Jezz wurde es etwas hektisch. Klar parkte das Auto nicht exakt an der Wechselstelle.
Anziehen, Pipi machen und ab zur Wechselstelle. Klar fehlte noch nen Handschuh, dann noch was trinken. Ok, Silke kam uns dann schon nach der Wechselstelle entgegen. Nicht schlimm. 2:30h hatte sie geplant. 2:30h ist sie gelaufen. Perfekt. Bei der ersten Nachricht hatte sie sich mit den km vertan... ;-)
Und wie lief's? Gut. Aber schon sehr schwer. Mit normalen Straßenlaufschuhen auf 30cm Schneemehl oder vereistem Trail rumzueiern, ist kein Kindergeburtstag.
Unsere Freundin war auf dem Weg und wir auch. Das nächste mal suchen wir vorher im Navi die Adresse von St. Chaterin raus. ;-) auf dem Weg dahin sah man immer wieder die langgezogene Kette an Läufern in der Ferne. Es war ein langer Lichterwurm in der dunklen Nacht. Über uns ein herrlicher Sternenhimmel. Gänsehaut!
Auch hier standen wir perfekt. Ich schaute mir noch die Gegebenheiten vor Ort kurz an und dann wurde wieder der Wecker gestellt und gepennt.
30min vor geplanter Ankunft aufstehen. Einlaufen, Dehnen und ab zur Wechselstelle. Es war bereits leerer im Wechselzelt. Völlig entspannt noch mal nen Tee getankt (in Frankreich besser immer einen Becher mitnehmen! Da gab's keine Plastikbecher. Ich hatte keinen und hab doch was bekommen. Geht doch.) noch bissl was gefuttert und gewartet. Ok, dauerte etwas länger, aber um 5:11Uhr war Wechsel und dann ging's los. Geplant waren 25km in 1:50h bis 2h. Der Boden war schwer. Teils war er gefroren und manchmal glatt, dann gab's wieder richtige Schlammsuhlen. Einmal war auch ein längerer Stop drin, weil sich das doch recht dichte Läuferfeld einzeln über einen See auf dem Feldweg finden mußte.
Das Laufen war doddal Geil. Ich flog förmlich an allen vorbei. Ein, zwei Staffelläufer waren auch fix. Drangeblieben ist keiner.
Die Strecke war richtig schön, sehr viele Trailanteile, wenig Feldweg und wenig Straße. Blöd für mich auf den Trails war die naturgemäße geringe Breite. Zwei Leute nebeneinander und dann war Schluß. Das Feld der 75km-Läufer hatte sich sortiert. Aber natürlich wurde weder im Anstieg noch im Abstieg hintereinander gegangen. Da hieß es mit gefühlten 15km/h immer schön die Lücken finden - ein ständiges Stop and Go. Einen Rhythmus konnte man da unmöglich finden. Keine Chance. Trotz allem gab ich für die geplanten 25km Vollgas. Die Kraft ging Stück für Stück flöten. Der schwere Untergrund trug bestens dazu bei. Teilweise ging es sehr trailig bergab im feinsten Matsch. Da war es von Vorteil noch ausreichend Kraft zu haben. Ich bin einfach ohne Rücksicht auf Verluste straight runter. Die Schuhe versanken teils Knöcheltief, waren aber ebenso schnell wieder raus. Auf der kurzen Distanz geht das mal und so kommt man vorwärts.
Sagte ich schon, daß es einen heiden Spaß machte?
Es machte einen heiden Spaß!
Nach ner Stunde schaute ich zwar auf die Uhr und zweifelte etwas an der km-Aufzeichnung. Ich hatte Die Uhr nach 5:11h und 30km übernommen. Es war ne knappe Stunde weg und mein erster 10er noch nich voll. Das kann nich stimmen. Gefühlt fliege ich. Allerdings muß ich auch ständig runterbremsen, teils auf Null. Aber daß das so den Schnitt zerschießen soll? Bei km42 ist ein VP. Da werden wir es ja sehen. Der VP kam. Es war knacke voll vor der Kontrollstelle. Anstellen, einzeln den Transponder am Lesegerät vorbei. (zeitmeßmatten haben schon was - Aber in dem Bereich des Feldes war das wohl mehr egal.) Der VP auch krache voll. Durch das Zelt mußte man sich schieben. Schnell ne leere Colaflasche gegriffen, aus ner vollen Wasserflasche was umgefüllt, auf dem Weg Richtung Ausgang getrunken und dann ging der Flug weiter. Hoch, runter, links antäuschen, rechts vorbei, Schlängellauf in Wettkampfgeschwindigkeit. Es war langsamer als geplant aber schön.
Ab und an fing man mal ein Raunen auf. Das gab noch mal Schub. Andererseits hatte ich ja nur die Sprintstrecke und man konnte es an der Startnummer auf Brust und Rücken gut lesen. Noch mehr Auftrieb gab aber das Überholen der anderen Staffelläufer. Einmal im Anstieg hörte ich ein "Putain! (...de merde - ich vervollständige mal. Sonst wäre es doch etwas ein Schimpfwort. Putain de merde heißt so viel wie "verdammte Sch..."). Mit einem fetten Grinsen ging es noch einen Zahn schneller hoch.
Am VP war die Korrelation von Zeit und km dann Gewissheit. Ein 6er Schnitt blieb übrig bei der Hetzerei. Ok, dann ist es so. Die nächsten km flogen einfach so vorbei. Der Blick war ständig nach unten und vorn, immer im Wechsel gerichtet. Es war ständige Konzentration gefordert. Nach dem letzten Hügel, als plötzlich die Ebene des Rhonetals mit Lyon vor uns lag und man im Hintergrund den Sonnenaufgang mit der Silhouette der Alpen und als kleinen Pik den Mont Blanc sah, da hielt ich kurz inne. Das Rot am Horizont mit dieser kleinen Spitze weckte Erinnerungen an diesen August. Schluck.
Jetzt ging es in die Ausläufer des Beaujolais. Weinberge kamen. Jezz nur noch runter und geschafft. Die Uhr sagte km52. Nun merkte ich die Strecke doch in den Beinen. Ich hatte überlegt mit meinem Freund noch die letzten 20km zu laufen. Spätestens hier verwarf ich diesen Plan endgültig. Die letzten km wurden runter gezählt. Die Strecke war jetzt breiter. Ich konnte wieder Gas geben. Das zog aber auch noch mal an den Kräften. Egal. Gleich geschafft.
Dann kam der Ort, irgendwann der Wechsel - und stehen. Uhr und Chip weitergereicht und fertig. Richtig fertig.
Unser Freund biß sich dann noch mal am letzten Anstieg die Zähne aus und lädierte sich bergab fast das Knie. Aber eine halbe Stunde nach Zieleinlauf war auch das wieder vergessen.
Was bleibt? Ein supertolles Wochenende bei Freunden. Wenig Schlaf, aber mehr als gedacht. Ein herrlicher und doch recht anstrengender Trail. Ein klasse Lauf der anderen Drei und ein akzeptables Ergebnis auf meinen 25km. Das wunderschöne WE überdeckt Letzteres ausreichend.
Und was bleibt noch? Ich hab mir schon mal die Siegerzeiten der 75km angesehen. Die sind sehr ähnlich derer am Rennsteich. Das klingt. Da muß was gehen. Ich glaub nächstes Jahr wird meine Saison deutlich länger als dieses Jahr. Ich glaube nächstes Jahr ist der letzte Wettkampf am zweiten Advent. Start dürfte für diesen Wettkampf in St. Etienne sein und Ziel in Lyon. Eine Herausforderung wird die Verpflegung sein. Da gibts nur alle 10-15km was. Na und die Krafteinteilung wird wesentlich sein. Aber beides ist ja immer entscheidend. Ich bin schwer gespannt auf die anderen drei Teilabschnitte.
Jezz meint man vielleicht Lyon ist zu weit? Ok, mit dem Auto sind es von Berlin 1200km, also reichlich 12h. Aber da gibt es ja auch noch andere Möglichkeiten für nen schmalen Taler schneller von Berlin aus in Lyon zu sein, als z.B. in Würzburg.
Ach ja, Französisch muß man nicht zwingend sprechen, um da laufen zu können. Aber es hilft.
;-)

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Hahahaa.....:o)))

Schalk war wieder im Matsch spielen und die Familie und Freunde durften mitspielen...wie cool!!! Und Silke sprech ich große Bewunderung aus für Ihren tollen Einsatz...für Dich wars ja ein "Kinderspiel"! ;o)))
Da ich schon einmal in Luxemburg und Belgien starten durfte, ahne ich, wie toll dieser französische Lauf sein muss...klingt ultrainteressant! :o)
Da habt Ihr alle ein tolles Urlaubswochenende gehabt!!
....und jaja, Winter kommt immer so unvorbereitet, fast wie Weihnachten, gell?! ;o))

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Klingt toll!

Wow, ein Bericht vom Schalk, bei dem die kleine Läuferin nicht nur ganz ehrfürchtig wird, sondern richtig Lust auf genau diesen Lauf bekommt. Nicht, dass Du es falsch verstehst: ich liebe auch die anderen Berichte, aber der war jetzt auch was Besonderes.

Vielen Dank und herzliche Grüße
yazi

Ultrainteressant? ...

... fand ich auch. Und es ist ja nicht so, dass ich das erreichen wollte, Yazi und Carla. ;-))
;-)

Schalkowski!

Du bringst mich wieder total durcheinander!
Erst lässt Du mich rätseln was ne "Diede" ist, dann vergisst Du eine 1 bei Silkes km ... ;-)
Na ja, egal. Hab´s auch so gelöst.
Hört sich nach einem extrem schönen Wochenende an.
Klasse so eine Aktion.
LG nach Westsibirien, KS

bei deinen Tiefflüge

lese ich immer mit eingezogenem Kopf weiter- es ist so spannend und schick-schnell und diesesmal auch noch matschig! Was will man mehr? Glückwünsche an die Frau Gemahlin, das war sicher nicht einfach, was sie da geleistet hat! Hut ab! Dir natürlich auch:)
PS klingt nach einem ' will auch Lauf'...mhhh Lyon- Frankfurt...
...to infinity and beyond...

War schon neugierig, was du zu berichten hast

Sehr beeindruckend! Und richtig toll finde ich, dass es gleich eine so tolle GöGa- und Freundesaktion war. Der Lauf hingegen reizt mich so gar nicht - kalt, dunkel, bergig, vereist - och nö, das muss nicht sein.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

jetzt kapiere ich auch warum Frankreich

Sag Silke bitte meinen vollsten Respekt!!!! Sie ist doch schnell, aber Laufen im Schnee ist sowas von kräftezehrend und pacesenkend, da hattest mit Matschbergab deutlich den einfacheren Part ;-)

Klingt nach einem Lauf, den man sich merken sollte. Aber als Staffel. 75km in Schnee und Matsch, neeeeeeee....

Glückwunsch und ganz liebe Grüße von der Westgrenze Frankreichs ;-))

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Danke...

...für den Bericht!

Der weckt „des Läufers Lust“ ;-)

Lyon ja, aber nicht im Winter,oder doch!?

Werde kurz vor Ostern schon mal Lyon laufend erkunden:
http://www.lyonurbantrail.com

Sicherlich lohnt sich die Reise auch ein zweites Mal im Jahr ^_^

Gruß..

..an deine bessere Hälfte, die wird langsam ein beklopptes Huhn, ich wäre nie und nimmer bei Schnee, Eis, Dunkel und Berg gestartet. Respekt.

Hab doch gleich mal reingeschaut, ...

... was das so ist, der Urbantrail. nächstes Jahr wohl eher nicht. Aber ...
Mal schauen.
;-)

;-))

... genau, Strider! da kamen janz liebe Grüße direkt aus Frankreich.
;-))

Find ich auch, Fairy! ...

... Haben die richtig gut gemacht!
;-)

Trotz Anstrenung,

Trotz Anstrenung, Rießenspaß gehabt, das erklär mal einem der nicht läuft *HiHi* Für mich einbischen zu viel Eis und Schnee. Hut ab vor Silke, hat sie fein gemacht. Grüß sie ganz lieb von mir.

Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu ereichen.
Helden gesucht!

Respekt!

Im Sommer hat mit ein Sportsfreund den Link zu diesem Lauf geschickt und angefragt, ob das nix für mich/uns sei.
Nun kommst Du Verführer mit diesem verlockenden Bericht um die Ecke. Ich vermute, dass ich auch mal am 2. Advent einen Termin haben werde.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

wow...

...ich bin ganz atemlos vom lesen!
habt ihr ganz klasse hinbekommen, ihr vier! und nen wochenende mit guten freunden is eh unbezahlbar...
____________________
laufend hätte sich das nicht getraut, was renbueh da gelaufen ist: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

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