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Benutzerbild von dfrobeen

Als ich vor ein paar Wochen die Ankündigung las, dass es ein Bewerbungsverfahren für Leute geben soll, die einen besonderen "impact" zu den Bombenanschlägen vom 15. April 2013 haben und den 2014-Marathon mitlaufen wollen, bin ich davon ausgegangen, dass es nur eine handvoll Startplätze sein können. Untermauert wurde die Vermutung, dass es eine "streng limitierte Anzahl Plätze" angekündigt wurde.

Als ich letzten Mittwoch die Zusage auf einen der Plätze bekam, bin ich davon ausgegangen, dass es doch tausende gewesen sein müssen. Wenn mein "impact" reicht, seit 2 Jahren mehr oder weniger intensiv über den Boston Marathon zu bloggen und unglücklicherweise dieses Jahr um 19 Sekunden an der Qualifikation gescheitert zu sein - da muss es doch viele, viele bessere Stories geben.

Die US-Ausgabe der RunnersWorld hat meiner Rätselei nun ein Ende gemacht. Nach Angaben der ausrichtenden Boston Athletic Association wurden 467 dieser "invitational entries" vergeben - und ich bin einer davon. Irgendwie fühle ich mich seither noch mehr geehrt. Erst recht, wenn ich den Artikel zu Ende lese und dabei erfahre, wer sonst noch so einer der 467 ist.

Konkret benannt wird z.B. Robert Wheeler, ein 23jähriger College-Student, der bei Explosion der Bomben gerade die Ziellinie überquert hatte und sofort zurück lief um den Opfern zu helfen. Er ist in der folgenden Medienberichterstattung durch Fotos bekannt geworden, wo er sein T-Shirt auszog und einem Opfer damit das Bein verband. Wie sich später herausstellte, hatte er sich gar nicht für den Lauf qualifiziert, sondern lief mit der Startnummer eines Freundes. Nach den Anschlägen hatte er sich fest vorgenommen 2014 unter eigenem Namen zu laufen, verpasste allerdings die geforderten Qualifikationszeiten. Mittlerweile hat er zwar eine gültige Qualifikationszeit für 2015, aber die Plätze für 2014 waren eigentlich vergeben. Er wurde auch einer der 467.

Ich habe auf Basis von Facebook-Kommentaren im Netz noch ein paar weitere glückliche identifiziert, die auch "einer der 467" sind und diese auch gleich angeschrieben um mehr über ihre Story zu erfahren.

Die Antworten stehen noch aus, aber allein aufgrund der Kommentare und etwas Google-Recherche habe ich auch Roger Wright gefunden. Sein Vater lief 1968 den Boston Marathon, als Roger selber noch 7 Jahre alt war. Seither war es sein Traum selber in Boston am Start zu sein. Ein Video mit mittlerweile 5,8 Millionen Views (!) zeigt, wie weit er im Juni 2008 von dem Ziel entfernt war. Er wog über 125kg, änderte aber seinen Lebensstil und begann, inspiriert von der Idee in seiner Heimatstadt Boston den Marathon zu laufen und für seine Nichte, die unter Mukoviszidose litt, zu trainieren. Mittlerweile ist er in 4 1/2 Jahren 32 Marathon gelaufen - und wird auch 2014 in Boston laufen.

Ich habe aber auch Stimmen von Bewerbern gefunden, deren Bewerbung abgelehnt wurden. Nach Angaben von RunnersWorld wurden 712 Bewerbungen abgelehnt. Zwei Facebook-Kommentare stammen von Frauen, die nach eigenen Angaben 50, bzw. 100m von der ersten Explosion entfernt waren und die Druckwelle am eigenen Leib gespürt haben. Für mich klingt das nach weit mehr "impact", als ich zu bieten habe - und man müsste sie laufen lassen. Aber erstens geht es technisch gar nicht und zweitens - ganz ehrlich - bedeutet mir der Startplatz so viel, dass ich ihn um nichts in der Welt abgeben würde.

Seit ich Gewissheit habe, dass ich am 21. April 2014 in Boston "offiziell" laufen werde, mache ich mir viele Gedanken, wie ich es ausgestalten soll. Ich glaube den Lauf selber werde ich schon ehrgeizig angehen, dafür habe ich mir den Platz in der Ergebnisliste zu hart erkämpft, als dass ich da eine unterirdische Zeit verewigen sollte. Meine Gedanken gehen eher um das Drumherum. Gestern habe ich mich auf jeden Fall um eine Stelle als Volunteer beworben und möchte am Vortag des Rennens entweder Startnummern oder Teilnehmershirts ausgeben.

Ich habe auch einen T-Shirt-Hersteller kontaktiert, der Kult-Shirts herstellt. Der Bostoner John Stoller wollte selbst den Marathon seiner Heimatstadt laufen und konnte dieses Ziel nur über einen Charity-Startplatz erreichen. Also druckte er T-Shirts mit dem Slogan "Right on Hereford, Left on Boylston" - den letzten beiden Abbiegungen der Marathonstrecke. Der Erlös jedes verkauften Shirts wurde gespendet und so bekam er seinen Charity-Startplatz zusammen. Mittlerweile verkauft er die Shirts in Sportshops im Großraum Boston, spendet aber immer noch 5 USD pro verkauftem T-Shirt an einen guten Zweck. Ich hoffe, dass wir einen gemeinsamen Deal finden, dass ich seine T-Shirts hier in Deutschland zu Selbstkosten verkaufen kann und die 5 USD einer am liebsten von mir definierten wohltätigen Organisation zukommen. Dann stellt sich natürlich die Frage, welche Organisation ich - auch für andere Charity-Ideen, die ich noch habe - auswähle, aber da bin ich noch in der Findungsphase. Es gibt aber mindestens zwei Ideen, wo ich sogar einen ganz konkreten Bezug zu habe - es mir also leicht fallen würde, Geld zu spenden.

Ach ja, und angefangen zu trainieren habe ich natürlich auch. Bzw. um ehrlich zu sein, ist es ja "nur" ein Fortsetzen meiner ohnehin schon ambitionierten Pläne. Aber hinsichtlich des sportlichen Fortschritts werde ich dann wieder in meinem nächsten Blog berichten.

4.4
Gesamtwertung: 4.4 (5 Wertungen)

Wenn du deine Bewerbung

Wenn du deine Bewerbung genau so enthusiastisch, fundiert und gut recherchiert wie deinen Blog hier geschrieben hast, dann weiß ich schon, warum du und andere nicht einen Startplatz bekommen hast :)) Da hast ihn dir verdient und wirst auf jeden Fall ein "Würdiger" der 467 sein.

LG Britta

Toller Blog -

ich freue mich auf viele weitere tolle, bewegende Berichte von Dir - Du hast den Startplatz verdient.

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