Benutzerbild von Thor3108

Es ist Samstag, 23:00 Uhr und ich sitze im Auto auf dem Weg nach Hause. Gerade habe ich den KoBoLT abgebrochen. Die läuferisch grösste Herausforderung meiner gesamten Läuferkarriere. Abgebrochen ... DNF ... dennoch bin ich nicht unzufrieden.

Doch zunächst der Reihe nach. Was war passiert? Ich hatte ja bereits mehrfach von den Erfahrungen der letzten 18 Monate berichtet. Von diversen Verletzungen die sich abwechselten mit verschiedenen Überlastungen … Ein wahrer Teufelskreis in einer Mischung aus Träumen, Zielen und einem unverbesserlichem Vorwärtsdrang. Erst ein wirkliches Umdenken rund um den Jahreswechsel brachte mich zurück auf den richtigen Weg. Ich begann mich endlich mit den Ursachen auseinanderzusetzen und vor allem auf den Körper zu hören. Die Fehler der Vergangenheit ließen sich aber nun mal nicht in ein paar Tagen reparieren. Also stand ein sachter Wiedereinstieg an. Ich trainierte so wie es passte, machte immer wieder kleinere Pausen, wenn ich merkte, dass mein doch noch labiler und sensibler Laufapparat wieder zicken machen wollte. Dementsprechend sparsam vorbereitet ging ich bei verschiedenen Läufen an den Start. Einige cancelte ich von vornherein, da der derzeitige Trainingsstand einen Start einfach nicht zuließ. Das ist etwas, das ich mir selbst sehr früh auferlegt hatte und auch meiner Familie gegenüber immer betont hatte. Ich gehe nicht an den Start, wenn ich verletzt oder nicht dementsprechend vorbereitet bin.
Leider muss man einige Läufe, gerade wenn es private Einladungsläufe sind sehr früh melden, da der erlesene Kreis der Startnummern oft sehr begehrt ist. So auch beim alljährlich stattfindenden KoBoLT. Ein sehr liebevoll organisierter Einladungslauf, der von nur 50 Startern unter die Schuhe genommen werden kann. Diese teilen sich noch auf in kleiner KoBoLT und KoBoLT…
Allein die technischen Daten dieses Laufs lassen aufhorchen und manchen Kenner ehrfürchtig mit der Zunge schnalzen. Der kleine KoBoLT hat beeindruckende 106 km und 3.361 pos. Höhenmeter der „große“ KoBoLT gar 140,5 km mit erschreckenden 4.446 Hm im Anstieg. Beide Läufe finden gleichzeitig Ende November auf dem Wanderweg „Rheinsteig“ statt. Lediglich unterschiedliche Startorte machen den Unterschied. Erschwerend hinzu kommt dass es bei den 140 km nur 4 VP‘s gibt, Zielschluss ist bei 29 Stunden… Auch die Verteilung der Qualipunkte für den UTMB lässt keinen Zweifel am Schwierigkeitsgrad aufkommen. Immerhin ist der KoBoLT einer der wenigen Läufe in Deutschland, für den es 4 UTMB Qualipunkte gibt. Durch den Start um 11:00 Uhr in Koblenz an der Festung Ehrenbreitstein wird es für die meisten Teilnehmer nach dem VP 1 (km 38) Cut off um 16:30 Uhr schon langsam düster… Der überwiegende Teil dieses Laufs findet im Dunkeln und über die lange kalte Nacht oberhalb des dahinfließenden Rheins statt. Dieser Lauf faszinierte mich schon letztes Jahr, musste aber meinen Startplatz verletzungsbedingt aufgeben. Dieses Jahr sollte also alles anders werden. Mein Startplatz war reserviert und der Respekt vor dieser Nummer wuchs von Tag zu Tag.
Mein Training gestaltete sich sehr wechselhaft, in Summe fühlte ich mich wie immer irgendwie schlecht vorbereitet. Zudem war mir Sonnenklar, dass dieser Lauf alles was ich bisher unter den Sohlen hatte mit Abstand in den Schatten stellen sollte… Der Tag rückte näher, es wurde Zeit eine Entscheidung zu treffen. Ich brauche nicht erwähnen, dass ich die 140,5 km gemeldet hatte? Warum auch, wenn schon scheitern, dann mit Anlauf. Der aktuelle Stress auf der Arbeit tat sein übriges um mir die Zuversicht zu rauben. Daher stellte ich für mich einen Plan B auf… Ich wollte starten!
Aber, ich war mir der Herausforderung bewusst. Einige Aspekte ließen meine Zweifel etwas ruhiger werden und meine Familie etwas versöhnlicher. In der direkten Vorbereitung hatte ich noch den Remscheider Röntgenlauf mit 63 km sehr entspannt ins Ziel gelaufen, ebenso den Bottroper Herbstlauf als 50er mit angezogener Handbremse gefinisht, es sollte ja nur noch ein kleines Kilometersammeln sein, kein richtiger Wettkampf mehr. In der Theorie stellte ich mir vor den VP3 (km 90) als PFLICHT zu sehen, den VP4 (km 115) als KÜR und ein Finish irgendwo Tagesformabhängig zwischen Wahnsinn und völlig Irre einzustufen. Somit war ich frohen Mutes und dank einer Heimatentfernung von etwa 50 – 80 km war in Absprache mit meiner Frau ein evtl. schneller Rücktransport auch gewährleistet.
So grübelte ich die ganze Woche über der Taschenfrage und der Klamottenfrage… mein Sportankleide/Arbeits/Gästezimmer glich einem gut Sortierten Sportladen. Überall lagen Unmengen von Zeugs rum. 3 Mützen, 4 Paar Handschuhe, 4 Buffs, Lange Unterhosen, kuze, Thermolaufsachen, leichtere Laufsachen, Fleece, Regenjacke, warme Jacke… mehrere Paar Schuhe… normale Socken, wasserdichte Socken .. war das ernsthaft alles mein Krempel? In wie viele Taschen wollte ich das packen? War das noch ein Lauf oder schon ein Umzug?
Rucksack, trinken, Gels, Futter, Riegel etc. rundeten das Bild harmonisch ab… alles wurde hochgeschleppt, um es später wieder runterzubringen als das Auto beladen wurde… meine Familie bedachte mich an irgendeinem Punkt nur noch mit mitleidigen Blicken… Verdammt es war schon Donnerstag, ich wollte doch noch wasserdichte Beutel besorgen und son kleines wasserdichtes Geld-/Perso aufbewahrungsdingens… ich war völlig überfordert. Im Ergebnis hatte ich meinen Rucksack vollgepackt, als würde ich den Mount Everest besteigen wollen. Lediglich das Fehlen der Sauerstoffflasche hat mich davon abgehalten die Flugtickets nach Nepal zu suchen….
Nach kurzer und unruhiger Nacht stand ich früh auf, wir mussten um 8:00 Uhr in Bonn sein zur Startnummernausgabe. Überall war Gewusel, einige der üblichen Verdächtigen waren da, sehr zu meiner Freude hatte auch Fraggle quasi in der Nacht noch einen Startplatz ergattert, da einige Teilnehmer kurzfristig abgesagt hatten. Briefing, und alle wussten Bescheid, das wird kein Zuckerschlecken. Da es auf der gesamten Strecke ausser der Wandermarkierung des jeweiligen Wandervereins keinerlei Markierungen seitens des Veranstalters gab, war auch nicht mit Streckenposten oder anderem all inclusive Service zu rechnen. Der Bus wartete an der Ecke und als alle drin waren fuhr dieser uns nach Koblenz. Türen auf, Meute raus und eine weitere Überraschung wartete auf uns. Kawidopulus war zum Start gekommen und die Freude und das Hallo waren entsprechend groß. Nun hieß es aber losmachen! Wir sehen uns in Bonn. Viel Spaß und viel Erfolg… eine Liste mit markanten Gebäuden, die unterwegs fotografiert werden sollten gab es noch in die Hand und dann waren wir mit der Strecke und der Wegmarkierung allein… Der Troß setzte sich in Bewegung und zog sich recht schnell auseinander. Das übliche Ultragequatschej setzte ein. Alle ließen es gemütlich angehen, der Weg war noch lang, kein Grund zur Eile. Das mit den Markierungen fand ich recht angenehm. Das funktionierte eigentlich sehr gut. Der Rheinsteig ist so phantastisch ausgeschildert, den kannste rückwärts wandern ohne dich zu verlaufen… zumindest solange man nicht pausenlos rumquatscht… wir waren noch keine 10 km unterwegs, da war es passiert. Die ersten Bonuskilometer warteten auf Thom und mich. Es waren nur etwa 1,5 km wir haben es schnell gemerkt und uns versprochen ab jetzt besser aufzupassen. Das funktionierte auch gut. Ich lief ziemlich weit hinten im Feld mit und ließ mich treiben. Es begann mir Spaß zu machen. Langsam kam ich rein in den Lauf. Die Kilometer gingen weg, das Gelände wurde etwas rauher, der Wald mal dichter, mal lichter … wir waren auf einer großen Schleife im Hinterland unterwegs und näherten uns nur allmählich dem Rhein. Es war ein stetiges auf und ab. Die Anstiege hatte ich mir vorgenommen sehr konsequent von Anfang an zu gehen. Bei den flachen Stücken und Bergab konnte ich ein wenig kontrolliert aufmachen. Ich war nicht allein mit dieser Taktik, auch Thom, ein wirklich erfahrener Langstreckenultra lief mit derselben Taktik und mit derselben Pace… wir quatschen viel miteinander, er erzählte von seinen 400 km Lauferfahrungen in England, in Nepal und wo auch immer er auf der Welt schon phantastische Läufe gefinisht hatte. Nicht angeberisch oder gar überheblich… im Gegenteil! Sehr lehrreich, informativ, oft lustig… ich habe viel Informatives mitnehmen können. Irgendwie kamen wir vor lauter gequatsche aber auch nicht sonderlich schnell vorwärts… mich beunruhigte das schon etwas mit Blick auf den ersten Cut Off aber Thomas war die Ruhe selbst. Um 16:27 kamen wir an den VP an mit einem Zeitpuffer von 3 Minuten… Ab hier meinte Thom kannste das Ding auch wandern, die Cut offs werden immer großzügiger je weiter du kommst. Ich merkte allerdings schon so um km 30 herum, dass etwas mit meinen Laufwerkzeugen nicht stimmte. So euphorisch und gut gelaunt ich voller Tatendrang an den Start ging, so müde und schwer fühlte ich mich jetzt schon. Ich konnte spüren, wie mein Körper bereits damit beschäftigt war alle zur Verfügung stehenden KH zu verbrennen… Jetzt merkte ich das erste Mal an diesem Tag, dass sich einige Trainingsmängel der letzten Monate übel rächen werden. Ich hatte eindeutig zuwenig Rucksacklaufen trainiert… dann war das Ding auch noch schwer wie Blei … wer hat das alles eingepackt? War die Sauerstoffflasche evtl. doch mit drin? Mein Gott was soll das werden?! Es sind doch nur noch 110 … ?! Unter dem Laub waren auf unebenem Grund einige grobe Steine versteckt und einer dieser kleinen Scheisserchen hatte es auf meinen Knöchel abgesehen. Eine ungewollte Ausfallschritteinlage später, die ich eindeutig der nun fortschreitenden Ermüdung zuschreibe, musste ich meine Knochen auf der linken Seite mal kurz sortieren und stellte fest, alles ok… auf den nun einsetzenden steileren Bergaufpassagen piekste es ein wenig im Knie, was ich aber noch herrlich ignorieren konnte… was ich aber nicht ignorieren konnte waren zwei Blasen, die sich mit absolutem Selbstbewusstsein bilden wollten und diesem Sinnen auch Taten folgen ließen. Ich hatte bis hierhin auf meine zugspitzerprobten S-Labs gesetzt, mit denen ich eigentlich gut zurechtkomme… was sollte das also jetzt?? Nun gut. Mein Supporterteam wartete an VP 1 und neben dem Dropbag an VP 3 warteten zwei weitere Drop- und Fressbags im Auto auf mich. Gesagt getan, am VP Boxenstop im Auto. Füße eincremen, Socken wechseln, und andere Schuhe… hier wechselte ich auf ein paar Trail Hokas, die ich vor zwei Wochen noch schnell beim Dealer erstanden hatte, nachdem ich von der Straßenvariante recht beeindruckt war… Umziehen… wofür hat man ein Dropbag? Rucksack ausmüllen… die Hälfte von dem ganzen Krempel blieb im Auto… Selbst das Atomkraftwerk ließ ich zurück… Das dauerte etwas, aber es war ja Ultra, kein Wettkampf, daher nahm ich mir die Zeit, die ich brauchte, genoss noch eine Schüssel Suppe am VP und wurde mit zwei weiteren Nachzüglern um kurz vor 17:00 Uhr wieder auf die Reise geschickt. Sicher, ich hatte alles dabei, Handy, mit Outdoornavi drauf, den Track gespeichert, alles mit Netz und doppeltem Boden. Ich wollte aber so lange wie möglich völlig autark laufen und das Navi schon aus Stromgründen nur im Zweifelsfall nutzen. Die zwei mit denen ich ausgekehrt wurde hatten so tolle Garmin Dinger dabei und aufgrund der Waldbaustelle war ich froh, dass die zwei zielstrebig quer durch den Wald auf den richtigen Track zuliefen. Ich konnte eine Weile mitlaufen, musste die zwei aber auch ziehen lassen. Dass die hinter mir waren, hatte ich auch nur einem weiteren Verlaufer der zwei zu verdanken. Dieses Schicksal teilten Sie mit nicht wenigen schon auf den ersten 38 km ;-) es war bereits um 17:00 Uhr im Wald stockfinster, die Stirnlampe war an und ich war allein auf der Strecke. Es wurde ruhig um mich und ich immer langsamer… es war kein Druck mehr in den Beinen. Ich konnte immer weniger laufen. Die mitgebrachten Stöcke leisteten ganze arbeit und ich marschierte strammen Schrittes durch den Wald. Das Gelände war wellig aber beherrschbar. Stetiges auf und ab wechselte sich ab mit seichten Hochplateaus, wo der Wind schon empfindlich kalt wurde. Der Weg war wirklich einfach zu finden. Ich ließ mich von Markierung zu Markierung treiben und machte Meter um Meter. Plötzlich hörte ich Stimmen hinter mir. Lichtkegel arbeiteten sich durch den Wald in meine Richtung vor … und dann kamen zwei, die ich schon kannte… und eigentlich weit vor mir wähnte … Thom und Achim hatten sich wieder verlaufen und nahmen die Bonusmeilen mit Humor. So schnell sie da waren waren sie auch wieder weg … und ich wieder allein mit mir und der Strecke. Es war ein Gedankenspiel das langsam aber stetig einsetzte. Ich verfluchte meine undisziplinierte Lebensweise, meine Zuckersucht und Süßkram, den ich mir immer noch Pfundweise in den Rachen werfe… ich merkte, wie mein Körper nach Zucker und kurzen schnellen KH hechelte … Merkte wie langsam aber sicher die Speicher leer gebrannt werden. Bei den Verpflegungsintensiven Stadt- und Landläufen merkste das nicht, da kommt alle 5 – 7 km son VP… ordentlich nachladen ist die Devise und der Körper kann wie ein Durchlauferhitzer KH oben rein werfen und gleichzeitig verbrennen als gäbs kein morgen… hier war es anders. Der nächste VP war von hier noch 20 km entfernt… ich hatte noch 95 km vor mir… was wird das hier… hast du 100 km Wandertag gebucht? Wenn du jetzt schon so unterwegs bist? Was soll das werden? Ist das dein Anspruch an einen Lauf? An ein finish…? Wie war die Taktik noch gleich? Ich hatte gehofft, ähnlich wie beim Röntgen oder auch anderen Läufen ähnlicher Kategorie, so 70 bis 80 km „relativ“ locker zu schaffen und dann mit Wandern und Leidenschaft mich wenigstens bis km 90 zu bringen. Danach schaun mer mal… Das Gelände wurde anspruchsvoller, der Rhein war direkt neben mir den Hang runter. Die Aussichten Phantastisch! Das Rheintal herrlich beleuchtet, die Sicht in der Nacht unglaublich. Plötzlich wieder Lampen in der Nähe und Stimmen… Ich hatte die nächsten Verlaufer gefunden … Wir gingen ein Stück zusammen und dann waren sie weg… nur um 20 Minuten später aus einem Seitenweg wieder aufzutauchen… na die vier waren großartig unterwegs… wenn das so weitergeht, gibt’s ne Sonderwertung für den längsten KoBoLT … Ich lief oben über die Höhe Richtung Leutersbrunn und durch die Weinberge… Steile Steintreppen rauf und noch steilere wieder runter. Der Trail war nicht breiter als meine Hokas. Das Erlebnis unglaublich intensiv. Ich hatte ja bereits einige Nachtläufe gemacht, es fasziniert mich immer wieder. Ich mag das. Der Weg war gut zu finden im Schein meiner Flutlichtlampe. Und doch täuscht diese friedliche Stille nicht über meine derzeitigen Defizite hinweg. Und während ich mit mir hadere und vor mich hin schimpfe, passiert es. Im feinen Nieselregen bin ich auf einigen großen Steinen beim Bergablaufen weggerutscht. Etwas was mir normal nichts ausmacht, Bergab geht eigentlich gut. So habe ich vermutlich nicht gut genug hingeschaut und bin mit dem linken Bein ein weiteres Mal empfindlich weggerutscht. Nun war die Sache mit dem Knie nicht mehr so leicht zu ignorieren… Im Rucksack fand sich noch ein weiterer Riegel und eine Flasche Malzbier. Ich wollte mir ein paar Minuten Gedanken machen wie das hier weitergeht.
Am Ende des Riegels war auch das Malzbier weg und eine Entscheidung gefallen. Mein Supporterteam war noch in der Nähe und wartete am VP 2 auf mich.
Mir war Sonnenklar, dass ich das Ding nicht werde zu Ende laufen können…
warum jetzt noch was riskieren?
Warum mir selbst beweisen, dass ich mich bis km 90 schleppen kann?
Warum wieder gegen meinen Körper argumentieren und wieder eine Verletzung riskieren?
Das Gummi in den Beinen wird nicht weniger, die Passagen immer technischer, das wirklich harte Stück kommt noch… Die Entscheidung war vom Kopf im Bauch angekommen und meldete Vollzug an die Beine. Ich ging aus den Weinbergen den steilen Abstieg runter und erreichte gegen 21:30 Uhr den Ort Hammerstein. Mein Supporterteam hatte ich bereits verständigt und wenige Minuten nach dem der Weinberg mich auf die Strasse gespuckt hatte waren sie da und sammelten mich ein. Beim Race Director meldete ich mich selbstverständlich ordnungsgemäß ab. Beruhigte ihn ob meiner Verletzung, dass es sich hier um eine reine Vernunftentscheidung handelt und ich nicht denke, dass ich ernsthaft verletzt bin. Am VP3 (Erpeler Ley) sammelten wir noch mein offizielles Dropbag ein und dann ging es gen Heimat. Heiß geduscht, meine Mörderblasen verarztet war ich um 0:30 Uhr zuhause.
Fazit: Ich bin nicht böse, hadere auch nicht mit mir, sondern sehe das als gute und sehr lehrreiche Erfahrung. Ich habe wieder Dinge gelernt, die ich schon wusste…. ;-) aber auch etliche neue Dinge über mein Hobby gelernt. Rucksacklaufen, Rucksack packen gehört dringend zu meinen Trainingseinheiten im nächsten Jahr… Ernährung umstellen !! existenzielle Ultralaufvorraussetzung…!! Und die Gewissheit, ich werde es nächstes Jahr noch mal versuchen. Das ist definitiv ein Lauf, mit dem ich noch ne Rechnung offen habe.
Jetzt ist es doch ultralang geworden … bin mal gespannt ob es überhaupt noch jemand bis zum Ende schafft ohne einzuschlafen … ;-)
Thorsten

4.733335
Gesamtwertung: 4.7 (15 Wertungen)

Super Ding

Ja, ich habe es zu Ende gelesen, obwohl ich so lange Blogs gar nicht immer lese.

Bewunderung! Gute Entscheidung.

Nächstes Jahr, neue Chance.

lg us de Schwiiz
Laufen berührt die Sinne, verwöhnt unsere Seele und macht uns stark, das Leben in allen Situationen anzunehmen.

gut, das du den KoBoLT nicht zu Ende gelaufen bist,

ich weiss nicht, ob ich deinen Bericht dann zu Ende gelesen hätte. Sehr spannend geschrieben und ich bin mir sicher, eines Tages, wenn alles passt, wirst du dein Ziel erreichen.



manchen bei youtube

lieber thor...

...das ist ein sehr offener und ehrlicher bericht und das find ich klasse.
du hast wirklich überhaupt keinen grund, unzufrieden zu sein, im gegenteil: du solltest hochzufrieden mit dir sein, denn du hast eine vollkommen richtige entschiedung getroffen sowohl für dein fahrgstell als auch für deinen kopf!

fehler sind dazu da, gemacht zu werden! jaja, denn daraus lernt man einfach am effektivsten und nachhaltigsten! du weiß jetzt, was du noch ändern musst und wirst es tun, da bin ich sicher...
____________________
laufend wünscht fröhliches regenerieren, aber ohne schnökerkram ;-) : happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Wenns nicht mehr läuft, geh!

Ein sehr beeindruckender Bericht, der mich zugleich wieder nachdenklich macht. Wir sind trotz Entschlossenheit und eisernem Willen nicht unverletzlich und bekommen hin und wieder die Grenzen gezeigt. Aber wir sind ja zumeist so erfahren, dass wir das als naturgegeben abhaken, unsere Lehren draus ziehen und weiterlaufen...
Du hast eine vernünftige Entscheidung getroffen. Meinen Respekt dafür!

Hofpoet

vielleicht mal reinsehen: Siebengebirgsrun.de meine Laufseite

nicht eingeschlafen

und gerne bis zum Ende gelesen.
Lieber Thor, danke für´s aufschreiben Deiner Erlebnisse und Gedanken!!
Erhol´Dich gut von allem.
Hast alles richtig gemacht.
LG auch an Dein Supporterchen, KS

Ganz und gar

nicht zum einschlafen.
Es ist spannend zu lesen.
Und die Leistung bis VP 2 ist ein riesen Ding.
Ich musste feststellen ich bin nicht der Einzige, der zuviel dabei hat :-)
Es gibt welche die haben noch mehr in ihren Rucksack.

Es ist kein leichtes Ding, du hast jetzt eine Rechnung offen so wie ich letztes Jahr.

LG
Fraggle

voller Respekt

habe ich deinen Blog gelesen! Fühlte mich in vielem an meinen ZST erinnert, und ich bin vor der Nacht ausgestiegen... Gut gekämpft, klug entschieden. Rechnung offen ist ok, aber am Kobolt zu scheitern ist weiß Gott keine Schande. Ganz liebe Grüße!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Respekt

Ich bin sowas noch nicht gelaufen und ich weiß auch nicht, ob ich jemals so etwas laufen kann und werde. Du hast den Mut aufgebracht es zu versuchen. Da bist du schon einen Schritt weiter gegangen als ich und du hast dich wacker geschlagen. Die Entscheidung es dann doch abzubrechen war genau richtig. Letztlich geht es ja auch nicht darum dich aus dem Urwald zurück in die Zivilsation zu kämpfen, sondern um Sport und um Spaß am laufen zu haben. - PS: Habe auch noch mit einem Lauf eine Rechnung offen. Ein paar Ziele muß man ja noch haben. ;-)


nordisch by nature

Danke

für deinen Bericht über die "etwas andere Seite" des Ultralaufens !
So wird man wenigstens mal darauf hingewiesen, dass es nicht immer problemlos bis zum Ende laufen kann.
Ich habe keine Ahnung, wie ich an deiner Stelle gehandelt hätte ... deshalb hab ich auch noch kein so Hammerdingens angepackt. Ich glaube, für sowas muss ich echt noch sehr viel lernen und da bist du ein exzellenter Lehrmeister !
Allen Respekt vor deiner Leistung und deiner Entscheidung !!!
Erhol dich gut und pass weiterhin auf deine Knochen auf !
VG
Uwe

Diese epischen Dinger ...

... mit Teilautonomie, dazu durchs Gelände mit reichlich Höhenmetern und technischen Trailabschnitten sind einfach was völlig anderes als Landschaftsläufe wie Rennsteigsupermarathon, Schwäbisch Alb oder Röntgenlauf. Du hast völlig Recht, dass du dafür eine ganz andere Vorbereitung brauchst, vor allem, was Equipment und Verpflegung angeht und das Laufen üben mit Rucksack. Ich habe ein Jahr (!) vor dem UTMB angefangen, eine Mindmap für den Lauf zu erstellen, mit allen erdenklichen Aspekten, die im Rennen und davor irgendwie wichtig werden könnten und die ich immer wieder aktualisierte und modifizierte. Training, Ausrüstung, Taktik, Streckenverlauf, mentale Vorbereitung und, und, und. Wenn ich das Ding heute lese, denke ich, eine Mars-Expedition ist nix dagegen ;-).

Mit Blick auf deine Zukunftspläne und die durch deine Beschwerden und Verletzungen alles andere als optimale Vorbereitung war es völlig richtig auszusteigen, finde ich. Das Hadern unterwegs kenne ich übrigens gut, aber den UTMB habe ich nicht zuletzt deshalb finishen können, weil ich in der mentalen Vorbereitung über die letzten eineinhalb Jahre eingeübt habe, jeden Anflug von Hadern während des Rennens sofort zu unterbinden und mich auf das Jetzt zu konzentrieren. Analyse und Selbstkritik kann man nach dem Lauf machen. Die Erfahrung ist echt irre. Auch am Sonntag in Olne klappte das wieder gut, wo ich mich mal wieder mit reichlich Wadenkrämpfen herumplagen musste. Schlechte Gedanken schwächen dich, gute Gedanken stärken dich. Klingt zwar ein bisschen nach Glückskeksphilosophie, aber hilft ;-).

Ich denke, Thor, du packst das schon richtig an. Jetzt in Ruhe analysieren und dann mit Plan und Sensibilität weitermachen. Aber immer bereit sein, den Plan in die Tonne zu treten, wenn Beschwerden oder andere Unwägbarkeiten auftreten. Und dann einen neuen, angepassten, machen.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Danke für eure zahlreichen Antworten

Ja Klada, genauso ist das mit den Gedanken. Beißen kann ich aber ich muss wissen wofür und warum. Wenn ich feststelle, dass ich in der Vorbereitung eklatante Fehler gemacht habe, dann muss ich der Realität ins Auge sehen und entsprechend handeln.
Ich lerne daraus und weiß genau was ich anders machen muss. Ultralaufen ist eben nicht nur ultralange Laufen... Sondern viel mehr! Es wird gerade zu einer Gesamteinstellung und nicht zuletzt zu einer Philosophie, die man als bewusste Entscheidung leben kann ;-)

If you see me collapse,
pause my Garmin...

Glückwunsch zum Lauf und zum vernünftigen Ausstieg!

Ich finde es immer wieder spannend Ultraberichte zu lesen, auch wenn ich sicher nie einen eigenen Ultra laufen werde.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Roman-Alternative

..dein ausführlicher, ehrlicher Bericht war eine echte Alternative zum Kluftinger-Krimi, den ich im Moment lese.
Danke für die Einblicke und meiner gewonnenen Einsicht, so etwas nie und nimmer versuchen zu wollen. Dann laufe ich doch lieber Hermann, Röntgen oder Ähnliches und verbringe die restliche Zeit mit dem Lesen von tollen Laufberichten.

LG
Many

Beeindruckend!!!

Ich wünsche dir eine angenehme Regenerationszeit.

Gruß

Sirius

Hey Thor,

Wenn jemand bei solch einem Lauf aussteigt hat er seine Gründe und muss sich dafür nicht rechtfertigen.
Dass man hinterher auch grübelt ob das richtig war ist normal.
Trotzdem glaube ich, dass man eher aussteigt wenn man das Supperterteam in der Nähe weiss und es eigentlich sehr einfach ist von der Quälerei in die kuschelige Obhut der Betreuer zu wechseln.
Ich hoffe Du verstehst mich nicht falsch.
Aber immer nur schreiben "toll dass Du ausgestiegen bist" finde ich auch nicht richtig.
Der Weg kann das Ziel sein,dein Freund aber auch dein Lehrmeister (Feind wäre zu hart).
Uns allen noch viele schöne Läufe in der Natur.
Uwe

Hey...

... ein sehr Aufschlussreicher und sehr guter Bericht!
Ich bin mir echt jetzt am überlegen, ob ich diesen KoBoLt wirklich mal laufen soll ;0)!? Ich hasse verlaufen ;0)))...

Ich finde auch, dass der Rheinsteig, mit unter einer der Anspruchsvollsten Strecken zählt( habe natürlich noch nicht die breite Palette aller Ultraläufe genossen ;0)...), die man im Ultrabereich erfahren kann...

Deine Entscheidung war bestimmt die beste(bis auf den Rucksack) und wer wegen deinem DNF nur schmunzelt, nehme ich gerne mal mit zu einer Teilstrecke-Rheinsteig, zum kennenlernen ;0)!?

UTMB, Zut.. wie auch immer Sie alle heißen, sind harte Läufe, nur eines gibt es bei diesen Läufen überhaupt nicht!
Man läuft nie alleine, es ist immer irgendwer vor oder hinter einem :0)...
Beim Rheinsteig(KoBoLt), da bist du viele, viele Stunden alleine unterwegs, dass macht Kopfmässig schon einiges her!

Erhole dich gut und nächstes Jahr machste einfach den goßen und kleinen zusammen ;0)...

Gruß,
Kawi

Sorry an alle, die niemals angekommen sind, weil sie mich nach dem Weg gefragt haben...

Danke!

Auf keinen Fall ist der Bericht zu lang geworden! Vielen Dank für den ehrlichen, selbstkritischen, guten Bericht, fürs Teilhabenlassen am Lernen und Laufen! Erhol Dich gut! LG vom Schlumpf aus Hamburg

Ja das alleine laufen hat was...

Aber gerade die Stunden in der Nacht sind für mich sehr angenehm gewesen. Zuerst echt komisch, mulmig sogar so ganz allein im Wald ... Das muss man tatsächlich erst mal ab können ... Überall sind Wege, Gabelungen, stockfinster ist es bis auf den Schein deiner Lanpe... Unsichtbare Geräusche... Dann dreht sich diese innere Unruhe plötzlich und du beruhigst dich. Konzentrierst dich auf den Weg und fängst an den Wald und die Stille zu genießen. Herrlich!

If you see me collapse,
pause my Garmin...

Hmm ... Wollte nicht den Eindruck

Vermitteln, dass ich mich rechtfertigen wollte. Ich bin schon der Ansicht, dass man sich quälen kann und soll beim Ultra... Trotz allem ist es Sport, der irgendwo auch Spaß machen soll. Und ich bestimme den Sport, nicht der Sport mich... Und den eigenen Status quo zu überdenken kann nicht schaden. Ich hab bei km 30 bereits angefangen überwiegend zu wandern, ab km 45 quasi ausschließlich. Das ist einfach sinnloses Risiko, bewusst und sehenden Auges in eine weitere Verletzung rein laufen... Nur um bei 90 oder 100 km auszusteigen? Ne... Dann lieber ein schnelles Ende und wenn die Füße wieder ok sind kann ich morgen schon wieder ne kleine Runde drehen ;-)

If you see me collapse,
pause my Garmin...

Sehr schöner und ehrlicher Bericht -

keine Silbe zu lang. Trotz oder gerade wegen des DNF eine mehr als respektable Leistung - tiefe Verbeugung.

LG,
Anja

Alles richtig gemacht!!!

Toller Lauf, toller Bericht und tolle Leistung!!! Zum Einschlafen war er nun wahrlich nicht, aber für einen schönen Start in den Tag;-)

Lieben Gruß
Tame

tja, mhhhh, also

manchmal dauerts eben einfach länger, bis man sich in einen Lauf reingefunden hat. Machmal geht man mehr, als man läuft, der Kopf spielt einem übel mit und der Körper zieht alle nur erdenklichen Register, um nicht mehr laufen zu müssen. Es schmerzt hier und da. Wann macht man was kaputt, oder verläuft es sich? Die Grenze zwischen Kaputtmachen und finishen gilt es zu finden und bei passender Gemütslage zu verschieben. Machs nochmal Thor:)...to infinity and beyond...

Bissl kurz, der Bericht. ...

... fehlen da paar km? ;-)
Nein! Da fehlen keine.
Thor, ich hab mich und meine Ultras da so oft wiedergefunden. Ja, das ist Ultra.
Es ist das Zweifeln. Es ist das weitermachen. Es ist das Aufhören. Es ist so wie es ist. Alles richtig.
Es ist die Vorbereitung!
Essen. Ja, das habe ich grad erst beim UTMB selbst auch festgestellt. Wenn die Versorgung nicht stimmt, oder der MNagen rebelliert, hast du verloren. Ein Auto fährt ohne Sprit auch nich. Warum sollte es bei uns anders sein? Warme Suppe. Die belebt den ganzen Körper. Zucker hilft nur dem Kopf. Freitagabend 30 oder 40km laufen. Daheim ankommen. Duschen, Essen (Stulle mit Brot), umziehen - Lauflupen wieder an, Rucksack auf und wieder los - auf die nächsten 30 oder 40km. Nein, du wirst keine Lust haben. Aber da sind die Speicher leer. Und im Rucksack ist nur Wasser. Das hilft!
Alternativ kannst du auch Abends das Essen ausfallen lassen und Früh ohne Frühstück los. In beiden Fällen sind die KH-Speicher leer.
Und ja, Uwe hat auch recht. Wenn der Support in der Nähe ist, isses schön und trotzdem scheiße! Es erleichtert den Ausstieg ungemein.
Aber welche Rolle spielt das alles? Nur für den nächsten Lauf!
Basierend auf der schlechten Vorbereitung hats du alles richtig gemacht. Glückwunsch zu der Entscheidung!
;-)

Zu lang war er nicht,

der ehrliche Status-Bericht. Es fehlten ein paar Absätze.

Aber nun genug gemäkelt, denn bei solchen Läufen kann ich als Schönwetter-Waldautobahn-Läuferin gar nicht mitreden.

Darum lese ich auch gern solche Berichte. Was kann schief gehen, was kann man wegstecken, was sollte man mithaben, wie sich vorbereiten. Bin ja noch in der Lernphase - genau wie Du ;).

@klada: ich hab schon den Rennsteig ähnlich vorbereitet - was sollte ich erst beim UTMB (der definitiv viel zu anspruchsvoll für mich ist) tun? Strecke ansehen, Höhenprofil einprägen, Verpflegung an den VPs planen, 1/2 Jahr Vorbereitung war da schnell um! Und das ist "Waldautobahn" mit "Vollverpflegung" - nix Trail mit Autonomie!

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