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Meine Laufkarriere ist ja noch jung und so kommt es immer mal wieder vor, dass der eigene Erfahrungshorizont erweitert wird. Es fängt meistens damit an, dass mir eine Idee nicht mehr aus dem Kopf geht und ich irgendwann auf so einen "JETZT ANMELDEN"-Knopf klicke.
Vor zwei Monaten traf ich bei meinem Versuch eine schnelle 5000m-Zeit zu ergattern auf einen Läufer, dessen Verein Ausrichter eines kleinen aber sehr feinen 6h-Laufes ist. Kurze Zeit später war es wieder soweit, dass ich diesen Knopf drückte und die Anmeldung ausfüllte.
Der Termin passte meiner Meinung nach noch prima als Saisonabschluss in meinen Kalender, da er nur vier Wochen nach dem Herbstmarathon lag und ich somit genügend Grundlagen geschaffen haben dürfte. Ich hatte mir zur Vorbereitung noch vorgenommen an zwei Wochenenden Doubletten zu laufen, was mir so leidlich gelang: einmal 18 und 24 km und einmal 29 und 11 km stehen in der Laufliste. Die Wochenumfänge betrugen 55 bis 65 km mit dem Fokus eher das angepeilte Renntempo zu verinnerlichen.
Was nimmt man sich vor, wenn man auf keine Erfahrungen zurückgreifen kann? Was schlägt man auf das bisherige Marathontempo (5:11er pace in Lübeck) auf? Ich beschloss, dass eine Minute Aufschlag reichen müsste, da 6:10 bis 6:15 meinem Wohlfühltempo für die langen Läufe entspricht. Kurz überschlagen: diese Pace sollte außerdem reichen, um dem Untertitel des Laufes ("60km von Ellerdorf") knapp gerecht zu werden. Rein rechnerisch müßte man ja genau 6:00er Pace laufen, doch die Ausschreibung verriet, dass 6h+X gelaufen werden, d.h. die letzte Runde darf gelaufen werden, soweit man bei 5:59:59 noch über die Ziellinie rutscht.
Soweit der Plan.
Ein gutes Indiz für eine vielversprechende Laufveranstaltung ist auch, dass sich Bekannte aus der JM-Gemeinde angemeldet haben und tatsächlich: die neongelbe Fraktion war gut aufgestellt: Haderlomp, jeke, beeker, Sonneschein2010, Schokorose, barto und makesIT wollten sich das Kreiseln auf dem 2000m langen Rundkurs ebenfalls antun.
Dass etwas Begleitung gut tun würde, um die auf Dauer etwas eintönige Runde abwechslungsreich zu gestallten, war mir auch klar und so konnte ich noch meinen neuen Laufkumpel divine für diese Vorhaben begeistern. Ein wahrer Glückgriff, wie sich herausstellte, denn a) kannte ich ihn noch aus anderen (Hobby-)Zeiten als jemanden, der Herausforderungen erst für beendet erklärt, wenn sie auch beendet sind und b) ich auf einigen Läufen seinen gleichmäßigen Lauf-Rhythmus zu schätzen gelernt hatte.
So ging es also an den Start, nicht ohne vorher noch eine Berühmtheit des Vereins zu würdigen: Thorsten Themm lief an diesem Tag seinen 400. Marathon/Ultra! So führte er uns Punkt 9:00 Uhr auf eine kurze 200m lange Einführungsrunde, damit diejenigen die bei Runde 21 aussteigen wollten einen kompletten Marathon auf der Uhr hätten. Schlau schlau...
Wie sonst bei Ultra-Berichten üblich wäre jetzt der Zeitpunkt für herausragende Landschafts- oder Streckenbeschreibungen: wie gesagt -- wäre. Aber die kleine Runde durchs Dorf war nicht wirklich gespickt mit Highlights: ein Teilstück durch Nebenstraßen im Dorf, eins durch ein kleines Wäldchen (aufpassen: Baumwurzeln, zum Glück gut markiert) und als "Hallo-Wach"-Element eine vier Meter lange Schräge zum Sportplatz. Das war's dann mit der Streckenbeschreibung.
Ich war ja aber auch nicht wegen der Landschaft gekommen, sondern um zu erfahren, wie es sich anfühlen wird, länger als Marathon zu laufen. Die Gewissheit alle zwei Kilometer aussteigen zu können nahm mir etwas den Respekt vor der Strecke.
Was ich erleben durfte, war aber die große Gelassenheit und Unverkrampftheit, die bei Ultra-Veranstaltungen zu herrschen scheint: die ersten zwei Stunden vergingen tatsächlich wie im Flug, da wir immer wieder mit Leuten liefen, die etwas zu erzählen hatten. Und alle zwei Kilometer lachte uns das sehr üppige, liebevoll angerichtete Büffet an und es fiel schwer, sich nicht jede Runde an den Leckereien zu vergreifen.
10km-Durchgangszeit mit 0:59:00, 20km bei 1:58:00 -- also leicht unter 6er Schnitt aber gleichmäßig wie ein Pacemaker!
Ich hatte mich für etwas mehr gedämpfte Schuhe entschieden, doch befürchtete ich durch ein leichtes Ziehen im Zeh, dass sich dieses Ziehen ausbreiten würde. ich kündigte einen Boxenstopp an und wechselte bei km 26 das Schuhwerk. Gleichzeitig ließ ich meine Jacke in der Sporthalle (superpraktisch: gleich bei Start/Ziel), denn die Sonne versüßte uns diesen Lauftag!
Drei Minuten kostete die Aktion und divine war so freundlich diese Zeit wartend am Büffett zu nutzen. So gingen wir neu motiviert wieder auf die Strecke, mit dem Plan, die bisherige Pace "einfach" durchzuziehen um weiter auf Kurs 60km zu bleiben.
30km Durchgangszeit lag dann schon wieder bei 2:58 -- vielleicht ein Ticken schnell, denn es war ja erst Halbzeit. An dieser Stelle wurde mir bewusst, dass ich auf dem Weg war (unbequemes) Neuland zu betreten.
Die schnellen Ultra-Platzhirsche überrundeten uns stoisch nun schon zum zweiten oder dritten mal.
Unsere 40km Durchgangszeit lag erfreulicherweise bei 3:56 und es ging ins "letzte Drittel". Wir wurden zunehmend ruhiger und auch auf der Strecke schien es ruhiger zu werden. Dafür wurde es am Buffet voller: da hatten schon einige Leute ihr Pensum erreicht. Nach 22 Runden hieß es: "Willkommen im Ultra-Land!", die Endorphine sparten sich aber ihre Ausschüttung und von nun an hatte ich mit der Distanz zu kämpfen. Gedacht wurde von Runde zu Runde: die 50km waren das nächste Ziel. Sehr hilfreich dabei die Anfeuerung eines Ultra-Urgesteins, der die vollen 6 Stunden jedesmal ein aufmunterndes Wort und Beifall spendete sowie die anderen Noengelben, mit denen wir unterwegs abklatschten oder uns kurz anfeuerten.
Die 50km-Marke überquerten wir bei 4:57 -- ja, das war immernoch auf den Punkt gleichmäßig, obwohl es sich in keinster Weise so anfühlte.
divine und mir ging es nun ähnlich: nur mit voller Konzentration darauf die Pace beizubehalten ging es Runde um Runde weiter und nun machten wir auch jedes mal Trink- und 100m-Gehpause an der Verpflegungsstation.
Die Option Abbruch (Teufelchen sagte mir: "hey, 54km sind doch auch cool!") wurde gnadenlos verworfen, obwohl die Pace auf 6:30 sank. Es ging nun allerdings darum, rechtzeitig die 29. Runde (=58km) vor dem Zielschluss zu erreichen, damit wir die 60km vollmachen konnten. Wirklich Rechnen konnten wir beide nicht mehr, doch irgendwann war klar: es wird reichen! Bei 5:53 gingen wir auf die letzte 2km-Runde und es ist schon erstaunlich: die Pace sprang beflügelt durch ein absehbares Ende auf 5:43.
Die letzten 500m, ein letzte Mal abbiegen und ein letzes Mal an den Rundenzählern vorbei! Nach 6 Stunden und 5 Minuten vollendeten wir die 60km!

Das Gefühl? Sitzen, einfach mal anhalten. Etwa ungläubiges inneres Kopfschütteln... mehr nicht. Leergedacht und gelaufen.
Wir wurden beglückwünscht und ich war auch ein bisschen stolz, dem kleinen Abbruch-Teufelchen nicht nachgegeben zu haben.

Heute (beim Schreiben dieses Blogs) hält sich der Muskelkater in Grenzen, die Zufriedenheit ist dafür beträchtlich gewaschen! =)
...aber ich bin auch froh, die nächsten Wochen deutlich der Regeneration widmen zu können und die Laufsaison 2013 für beendet zu erklären.

Ultra ist sicherlich nicht das maß der Dinge -- als persönliche Erfahrung und Herausforderung werde ich es schätzen lernen!

Special-Thanks an die Organisation des VfL Bokel und den ultimativen Pacemaker an meiner Seite...

[Edit]: die Ergebnisse sind da: Liste! ...das ist doch für ein Debüt auch von der Platzierung sehr hübsch! =) *freu*

4.555555
Gesamtwertung: 4.6 (9 Wertungen)

Du hast vergessen, zu

Du hast vergessen, zu schreiben, dass Ihr die ganze Zeit ausgesehen habt, als ob Ihr gerade erst gestartet seid...
Glückwunsch
barto

Du Renntier

Gut geplant, konsequent gelaufen und wohlverdient belohnt worden! Was schaffst du als nächstes???

Glückwunsch!!! (Die Sonne hätte ich auch mal gerne wieder...)

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Hallo, das Lob kann ich

Hallo,

das Lob kann ich wirklich nur zurückgeben, es war sehr nett und Kurzweilig (inkl. unser Schweigeminuten zwischendrin :))

Und in der Tat sieht dein Laufstil auch nach 5 Stunden immer noch so leicht aus wie zu Beginn!

Da werde ich dich doch im kommenden Jahr bestimmt mal zu einem Ultra mit mehr Höhenmeter verhaften können, so als psychologischer Coach quasi :)

Gruß
Karsten

Ein Laufjahr voller Highlights

...und nun bist du sogar schon ultra!
Sehr beeindruckend! Riesenglückwünsche!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Herzlichen Glückwunsch!

Wahrscheinlich wirst Du die ganze nächste Zeit immer leise in Dich hineinlachen, einfach aus innerer Freude. Genieße dieses einmalige Erlebnis nach allen Krãften!!

Super gemacht!

Riesenglückwunsch zu euer Leistung! Ihr habt die ganze Zeit locker ausgesehen und seid sichtlich vergnügt gelaufen. Es ist mir immer wieder eine Freude, Dich bei einer Veranstaltung zu treffen.
Höchst anerkennende Grüße vom Sofa
von der Schokorose.


Jogmap-Schleswig-Holstein - de neongelen Löper ut´n Norden

Was soll man da noch schreiben?

Mit großem Respekt und auch ein wenig neidig schreibe ich einfach: Glückwunsch, toll gemacht und schön beschrieben!

aNGUS SchuAn.


Aller Anfang sollte leicht sein, schwerer mach ich's mir ganz von allein!

Dicken Glückwunsch... es

Dicken Glückwunsch... es ist immer wieder eine Freude dir zu zu sehen .. locker leicht sieht es bei dir immer aus und wie kann man nur die ganze Zeit so strahlen :-) ...

sehen wir uns...

...dann am rennsteich? brauchst nur auf "jetzt anmelden" klicken! *kicher*
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laufend winkt mit dem zaunpfahl: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Stark !

Starke Leistung. Fünfzig Kilometer wie ein Uhrwerk und dann noch "ein wenig" gekämpft. Liest sich sehr leicht, aber 60km sind doch so verdammt weit. Und nebenbei noch den AK-1. Platz abgeräumt - beim Ultradebüt.

Wo soll das noch hinführen, Junge?

Schöne Grüße
Uli

Ultra - stimmt, da war doch

Ultra - stimmt, da war doch noch ein Debüt, das dir dieses Jahr fehlte :)) Und auch das locker und leicht geschafft, 60km sind ja auch nicht "so gerade" ultra, das ist ja schon ein eineinhalbfacher Marathon... wow! Respekt, wie du das dieses Jahr alles so aus den Laufschuhen schüttelst.

LG Britta

Ganz fetten Glückwunsch...

....zum Debüt und natürlich auch zum 1. Platz in deiner AK!!! Wow, musst du denn alles immer so krass angehen??? Was hast du jetzt für Pläne in 2014??? Gibts da überhaupt noch Träume??? ;-)

Lieben Gruß
Tame

Vielen Dank für die lieben

Vielen Dank für die lieben Glückwünsche!
Es ist tatsächlich so, dass ich mich in diesen (lauffreien) Tagen sehr über dieses Erlebnis freue.
Frei nach dem "A-Team": "ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!"
So passiert die nächsten 14 Tage mal gar nichts, außer Pläne schmieden:

Ein Umzug steht an, mit Renovierung und allem drum und dran. Damit verbunden ein neuer Job für meine bessere Hälfte, vornehmlich am WE. Da werden leider ein paar Events (im Sommer) ausfallen müssen. Ich werde also hauptsächlich an Trainingseffizienz arbeiten. Ob so eine 3:30 in HH zu erreichen ist? Es ist ein Versuch wert...
Schnell wollte ich auch nochmal versuchen - es gab da noch so eine sub20 Idee für die 5000m...
Tja, und bei so einem Vorschlag meines Laufkumpels divine könnte ich mir durchaus vorstellen wieder so einen Anmeldeknopf zu drücken, um im Spätherbst/Winter distanzmässig noch eine Schippe draufzulegen...
Bin mal gespannt, ob für diese Vorhaben genug Zeit bleibt!

Gruß, Dominik
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"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Das klingt doch....

alles sehr rund und gut!
Gratuliere zu Deinem hervorragenden Saisonabschluss und dem top Ergebnis!!
Ja, genau, frei nach dem A-Team schmiedet man unaufhörlich neu und flexibel und darf dann genießen, wenn das Ergebnis passt und der Verlauf gut war.
Das muss nicht immer ein akribisch abgearbeiteter Trainingsplan sein, manchmal reicht einfach nur gute Basis und Grundbedingung, etwas Werkzeug und eine Vorstellung, um sich auf den Weg zu machen. ;o)
Sehr gut gemacht und ich wünsche fröhliches Restregenerieren und tolle Laufideen für 2014! :o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

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