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Ich war dieses Jahr noch keinen echten 10er allein auf Zeit gelaufen. Immer waren es irgendwelche Vorbereitungsaktionen für andere längere Wettkämpfe gewesen, wo ich in der Regel dann vor dem 10er schon einen 5er gelaufen war.

Aber irgendwie hatte in einigem zeitlichen Abstand zum Berlin-Marathon nun doch noch die Lust, mal bei einem 10er zu sehen, wie schnell ich eigentlich noch so kann. Dabei hatte ich den Bothfelder Waldlauf in sehr guter Erinnerung, da ich dort vor zwei Jahren erstmals meine magische 50min-Grenze unterlaufen war. Also habe ich mich vor einer Woche relativ spontan zu ebendiesem Lauf angemeldet, ohne eine bestimmte Vorbereitung für was Flottes absolviert zu haben: keinerlei Intervalltraining und keine Tempoläufe waren vorausgegangen.

Die Woche war dann arbeitsbedingt sehr laufarm. Nur am Mittwoch schaffte ich ein 10km-Fahrtspiel. Gutes Mini-Tapering also. Gestern beim Vereinsspinning gelang es mir dann nicht so gut, wie vorher vorgenommen, mich etwas beim Krafteinsatz zurückzunehmen. Spinnen in der Gruppe macht einfach so viel Spaß!

Egal, heute war Wettkampftag. Und ich wollte was Neues ausprobieren. Vor gut 6 Wochen lernte ich bei einer Fortbildung die Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht kennen. Und eine Komponente dieser Therapie sind die sogenannten Engpassdehnungen. Schon während der Fortbildung nahm ich erstaunt die beeindruckende Wirkung dieser Dehnungen wahr. Diese spezielle Art der Dehnung hatte ich nie zuvor kennengelernt. Eine LNB-Dehnung besteht aus jeweils 7 Schritten und arbeitet auch immer mit Anspannung und Gegenspannung des Gegenspielers der zu dehnenden Muskel-Sehnen-Gruppe. Und man hat bei jeder Dehnung einen beeindruckenden Soforteffekt.
Was für den Sportler aber besonders interessant sein dürfte: durch die Engpassdehnungen werden muskuläre Dysbalancen, die wie eine Bremse am jeweiligen Gelenk wirken, beseitigt, und die Muskulatur und die Gelenke haben dann ohne "angezogene Handbremse" einen viel höheren Wirkungsgrad. Dies widerum dürfte sich in einer Leistungssteigerung widerspiegeln.

Seit der Fortbildung habe ich nun regelmäßig zu meinem normalen Sportprogramm ein-bis zweimal pro Woche die LNB-Engpassdehnungen für die Hüftgelenke durchgeführt. Und auch heute Vormittag vor dem Lauf habe ich mich noch 30min gedehnt: die GesäßÜbung, die VordereOberschenkelÜbung und die HintereOberschenkelÜbung.
Bislang war mein Wissen, dass man vor einem Wettkampf nicht dehnen solle, weil dass die Leistung mindere. Aber gilt das auch für die LNB-Übungen? Das wollte ich herausfinden.

Guter Dinge fuhr ich dann mit meiner Vereinsfreundin A. (danke für den tollen Fahrservice und für alles drumrum!) nach Hannover-Bothfeld. Wir waren so früh da, dass wir noch unsere Teamkollegen anfeuern konnten, die auf der 5km-Strecke unterwegs waren.
Fernseha sagte dann krankheitsbedingt leider kurzfristig ab. Aber worüber ich mich sehr gefreut habe, war, dass bimi zum Anfeuern gekommen war.
Das Wetter war für November eigentlich klasse: 6°C, bedeckter Himmel, trocken, windstill.

Und nach kurzem Einlaufen ging es dann endlich auf die Strecke. Ich war schon ganz schön aufgeregt.
Nach einer Stadionrunde durften wir den Weg Richtung Bothfelder Wald nehmen, dort waren dann 4 Runden zu absolvieren, dann den Weg zurück zum Sportplatz, noch eine 3/4 Stadionrunde und ab ins Ziel.
Ich hatte zwar die Garmine am Handgelenk, wollte aber nach Gefühl laufen. Mein limitierender Faktor ist bei so flotten Sachen ja in der Regel meine Atmung. Und ich weiß genau, wie sich mein Atemrhythmus anfühlen und mein Atemgeräusch anhören muss, wenn ich am Limit laufe. Und so war ich ganz eins mit mir und meiner Atmung und meinen Beinen. Ich lief gefühlt ganz gleichmäßig immer kurz vor Einsetzen der Schnappatmung. Mein Optimal-Ziel für heute war 49:59min zu laufen. Und 51:59min wollte ich mindestens erreichen. Im Wald zeigten die km-Schilder immer an, wie weit man schon war, und ich lag den kompletten Lauf immer ca. 30sec vor der nächsten 5min-Marke: 14:30min, 19:30min, 24:30min, 29:30min usw.
Klar, war es anstrengend! Und nach zwei Runden kam in mir kurz die Frage auf, warum ich heute eigentlich keinen 5er gelaufen bin. Aber das schob ich beiseite. Ich lief durch den Wald und zwischendurch war ich fast in Trance, hatte wieder das tolle Gefühl, es lief mich. Ja, ich war im Schnell-Lauf-Flow! Schneller ließ die Atmung nicht zu, das war deutlich zu spüren. Langsamer musste auch nicht sein, denn die Muskeln hatten Power. Herrlich!
Und ich freute mich auf jeder Runde neu über bimis Anfeuerungsrufe :-)

Dann war die vierte Runde geschafft und der letzte Kilometer Richtung Ziel stand an. Garmine zeigte 44:30min an. Heute würde ich meine magische Grenze zum dritten Mal knacken, das war mir nun klar. Und innerlich kam schon Freude auf. Aber ein Lächeln im Gesicht klappte nun nicht mehr, denn nun hieß es, Tempo zu halten. Und das war verdammt hart.
Auf zur Stadionrunde. Beschleunigen ging nicht mehr wirklich, jetzt nur noch das Ding ins Ziel laufen. Mit einem Freudenschrei und in die Höhe gestreckten Armen überlief ich die Ziellinie. Ja, ich hatte es geschafft: 49:25min stehen auf der Urkunde. Und 2. der W40 war ich damit geworden :-))))))))))))))

Schön, dass bimi dann auch im Ziel stand, denn mit ihr konnte ich gleich meine Siegerfreude teilen :-)

Fazit: Ich kann tatsächlich noch schnell. Eine PB war es zwar nicht. Aber eine Jahresbestzeit. Und die LNB-Engpassdehnungen werde ich weitermachen.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

4.8
Gesamtwertung: 4.8 (5 Wertungen)

Na? War das nicht wieder Beweis genug?

Man muss nicht unbedingt Intervalle und Tempoeinheiten in Massen kloppen, um an seine Bestzeiten heran zu laufen.
Wichtiger ist, dieses mit einer gewissen Entspanntheit und Einstellung anzugehen und auch mit lockerem unverkrampftem Körper und Geist und eben guten Grundlagen.
Klar, wenn man wirklich das letzte aus sich rausholen wollte, braucht es einfach Training mit Tempo und am Limit, aber muss das für uns "Freizeitsportler" immer sein oder werden wir auch mal so für unser regelmäßiges Training ohne Tempodruck aber mit Grundlagen belohnt?! :o)

Klasse, Sonnenblume!!!

Ich gratuliere Dir ganz herzlich und das mit dieser LNB-Engpassdehnung interessiert mich sehr. Würde gern mal sehen, wie solche Übungen aussehen.
Gibts da Youtube-Videos oder so zu?

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Warum kein 5er?

Na ganz klar: den hättest Du noch schneller laufen "müssen"!
Glückwunsch zur SB und der neuen Dehn-Erfahrung!

Gruß, Dominik
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"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Hallo Carla,

nein, ich habe leider keinerlei Übungen zum Zeigen gefunden. Aber auf www.liebscher-bracht.de gibt es eine tolle Zusammenfassung darüber, wie LNB bei Sportlern wirkt.
Und man kann die DVDs zu den Engpassdehnungen natürlich kaufen (leider verdien ich nichts am Verkauf ;-)) Für die Beinübungen wäre die DVD 4 zu empfehlen.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Das war sie, also ;-)

Das hast du super gemacht, und sowas von deutlich unter 50, alle Achtung!!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Herzlichen Glückwunsch!

klasse! :-)

Und direkt noch eine Frage: Würdest du sagen, dass die DVD, ohne Vorkenntnisse zu haben, etwas für zu Hause ist?

Eindeutig ja, yakimas.

Die Anleitungen sind exzellent in Wort und Vorturnen nachzuvollziehen und mitzuturnen.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

das war...

...mal wieder ein perfekter sonnenblumen-lauf! herzlichen glückwunsch!
ich find das große klasse, diese leistung und ich frag mich immer wieder, warum es mir so schwer fällt, die sub 50 zu knacken.
ok, ich hab schon lange nicht mehr ernsthaft auf nen 10er probiert, die letzten immer nur so aus dem lameng gelaufen und immer nur kurz über meiner pb von 51:30 (de noch aus 2011!!! is) geblieben.
aber "aus´m lameng" das war bei dir in diesem fall ja auch so... *grübel*
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laufend hat anscheinend das letzte fitzelchen quälkonsequenz nich für kaggenzehner: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Wie du neulich schon sagtest....

......du müssest noch deine Zielzeit überdenken. Das hast du wohl getan, nur in die andere Richtung, Hammer!!! Ganz fetten Glückwunsch!!!

Lieben Gruß
Tame

Gratulation

von einem der seit ein paar Wochen weiss, wie sich 49:21 anfühlen.

29.12. Eulenkopflauf HM ???

na da hat doch alles

zusammen gepasst.
Prima gedehnt, klasse gelaufen, großartig gefinisht!
Glückwunsch liebe schnelle Sonnenblume
LG, KS

Starke Nummer

aus dem laufmedizinischen Testlabor @ jogmap;-).

Zu den Dehnübungen: Die Meisten Dehnübungen der sog. Engpassdehnung sind Positionen, in denen Teile des Nervensystems auf hohe mechanische Spannung gebracht werden. Diese werden gewöhnlich im Rahmen der neuralen Mobilisation nach Butler teils als neurale Schmerzprovokationstests verwendet und als sehr intensive, bei bestimmten Befunden im peripheren Nervensystem indizierte Behandlungstechnik beschrieben, die sog Tensioner. Der physiologische Reiz ist also in erster Linie mechanische Spannung der Nervenscheiden, weniger eine muskuläre mobilisation. Dies kann reaktiv zu einer intensiven Mehrdurchblutung des gezogenen Nerven führen. Dass hierdurch eine verbesserung der muskulären Koordination erreicht wird ist denkbar, da gut durchblutete Nerven besser arbeiten, experimentell jedoch m.W. nicht nagewiesen.

granreserva
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Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten.
(Johannes Kepler)

Wow!

Das ist doch mal 'ne Ansage! Klasse - Gratulation. Ob mit oder ohne Dehnung erreicht - Saisonbestleistung! Perfekt gelaufen.

Glückwunsch zur sub 50! Wer

Glückwunsch zur sub 50! Wer weiß, was ohne diese Spinning-Einheit am Vortag noch für dich drin gewesen wäre? Aber egal, Hauptsache es hat Spaß gemacht.

Gruß

Sirius
...der rennend spinnt.

super gelaufen, das sollte

super gelaufen, das sollte viel gute Motivation für den Winter geben: Auch lange Saisons können am Ende noch ungeanhte Höhepunkte in Form von PBs bieten, wenn man sie bedacht gestaltet und zwischendurch gut auf sich selbst hört. Und das machst du immer ganz super!
LG Britta

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