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Na, dann bin ich doch man unverhofft noch einen 10er gelaufen. Eigentlich habe ich nach meiner 10km-Bestzeit am 22.September sofort meine Laufschuhe dem temporären Einstauben preis gegeben. Nach einem langen Lauf- und Triathlonjahr war Off-Season angesagt. 2 Wochen lang gar kein Sport, danach ganz langsam wieder einsteigen. Seither habe ich nur noch Grundlagen-Läufe absolviert und das längste, was ich "schnell" gelaufen bin waren 30 Meter im Rahmen von Sprints beim Lauf-ABC oder kurzen Steigerungsläufen.

So spielte mir der Aufruf vom Tria-Laufcoach nicht unbedingt in die Karten, dass möglichst viele aus dem Verein am 10.November beim Lönsparklauf in Hannover an den Start gehen sollten. Aber getreu dem Motto "Für-jeden-Scheiss-zu-haben" habe ich dann letztlich doch nicht lange überlegt und über 10km gemeldet. Es hätte auch noch einen 5km-Lauf gegeben, aber wäre ja noch transparenter geworden, dass ich gerade nicht schnell kann. Am Ende waren wir leider dann doch nur zu Viert, was aber immerhin dazu gereicht hat, dass wir über 10km auch an der Teamwertung teilnehmen konnten.

Da mich mein Sohn am Sonntag morgen bereits um 5:40 Uhr aus dem Bett geworfen hatte, bestand keine Gefahr, dass ich in übertriebenen Zeitstress in der unmittelbaren Vorbereitung und Anreise geraten sollte. So war ich ca. eine Stunde vor meinem Start vor Ort, konnte meine Startnummer abholen und unsere 5km-Teilnehmerin noch beim Zieleinlauf zujubeln (19:59,5 Minuten...das nenne ich mal optimale Renneinteilung für sub20). Was für mich üppiger zeitlicher Vorlauf war, wurde von meinen Teamkameraden anders gesehen und sie sammelten mich gleich zu einer Runde einlaufen ein.

Nach Selbsteinschätzung meines Trainingszustandes und der Tatsache, dass ich mich Mitte November auch im Kopf nicht gerade bereit für Bestzeitenjagd bin, hatte ich mir bei der Anreise als Ziel gesetzt irgendwas unter 42 Minuten zu laufen. Die 7 Wochen alte Bestzeit (38:56) war völlig unrealistisch und auch die Schallmauer von 40 Minuten erschien mir für den Tag nicht angemessen. Beim Einlaufen klagte dann jeder so sein Leid - fehlendes Schnelligkeits-Training, Motivationsproblem etc.. Es fielen dann auch bei meinen beiden Mitstreitern - die beide deutlich schneller unterwegs sind, als ich - die Worte "Laufen wir mal eine gemütliche 4:10er-Pace". Der Satz gefiel mir ganz gut und so beschloss ich selbige Renntaktik anzugehen und mich an die beiden ranzuhängen.

Um Punkt 11:00 Uhr fiel der Startschuss und ich hing mich an die beiden dran. Es fühlte sich recht flott an, aber das wunderte mich auch nicht, da ich ja seit Wochen nicht in vergleichbaren Tempodimensionen unterwegs bin. Als der erste km dann aber in 3:27 Minuten rausging, setzte bei mir spontane Schnappatmung ein. Das Tempo würde ich nie im Leben durchstehen, also habe ich die beiden Jungs laufen lassen und Pace rausgenommen. Der zweite km ging dann schon in 3:49 vorbei und ab dann war ich so in meinem Tempo knapp über 4 Minuten unterwegs.

Der Lauf hat Spaß gemacht. Erstmals lief ich quasi mit Coach-Betreuung. Ich weiß nicht genau wie er (und unsere 5km-Teilnehmerin) an so vielen Stellen der Strecke sein konnte - aber beide haben es logistisch auf die Reihe bekommen. So wurde ich auf jeder der beiden 5km-Runden bestimmt 4mal angefeuert ("Schneller Daniel, sieht gut aus"), erhielt taktische Anweisungen ("häng die an die Gruppe dran") oder technische Tipps ("nimm mehr die Arme mit"). Das hat echt Laune gemacht, allerdings konnte ich nur einen Bruchteil der Anweisungen umsetzen.

Durch mein schnelles Anfangstempo wurde ich nur noch überholt und musste auch eine Gruppe nach der anderen ziehen lassen. Technische Laufstiloptimierungen halten bei mir erfahrungsgemäß sowieso immer nur 200 bis 300 Meter, dann verfalle ich in meinen Trott wieder zurück. Immerhin fand ich positiv, dass ich mein Tempo dann halten konnte. Vor allem vorletztes Jahr hatte ich zwei 10er, die ich ähnlich zu schnell angegangen bin, dann total eingebrochen und am Ende irgendwo über 42 Minuten rausgekommen. Diesmal blieben die km-Zeiten recht konstant zwischen 4:02 und 4:09.

Und plötzlich war ich dann auch schon auf dem letzten km und der Ziellinien-Moderator zu hören. Jetzt musste ich doch nochmal zeigen, dass ich ein wenig Grundlagen habe und hinten raus nochmal zulegen kann. Nachdem ich seit dem Startbereich keinen Läufer mehr überholt hatte, rückten nun wieder zwei Läufer näher, die mich schon vor einigen km überholt hatten. Als es auf die Stadionrunde zum Zieleinlauf ging sagte ich mir, dass ich wenigstens noch einmal überholen möchte. Außerdem wollte ich wenigstens eine der taktischen Anweisungen auch in der Praxis umsetzen ("Endspurt Daniel, da kommst Du nochmal dran"). Es reichte zu genau einem Überholmanover und ich konnte den versuchten Konter 50m vor dem Ziel standhalten, in dem ich selbst nochmal beschleunigte. Der letzte km ging so auch in 3:59 raus und als Zielzeit ist in der Ergebnisliste eine 40:31 Minuten notiert.

Das reicht zu Rang 35 in der Gesamtwertung (bei 352 Finishern), vor allem aber zu Rang 3 in der Altersklasse. Auch im Team reichte es zu Rang 3 - meine beiden Teamkollegen waren in 38:32 und 38:36 jeweils fast 2 Minuten schneller als ich. So viel zum Thema "lockere 4:10-Pace" - aber es freut mich, dass sie die Leistung abrufen konnten. Das Tempo hätte ich aber garantiert nicht mitgehen können.

Eine Team-Siegerehrung gab es nur für das Siegerteam und abwarten, ob es eine AK-Siegerehrung gibt, wollte ich dann doch nicht. Schließlich war doch der eigentliche Plan für den Tag eine gemütliche MTB-Ausfahrt im Harz zu machen. Der Plan stand immer noch und es wurden tatsächlich auch noch ca. 35km mit saftigen 1.251hm.

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

Für mit Kinderwagen gelaufen kein schlechtes Ergebnis ;)

Hihhi, das nenn ich gemütliche 4:10er Pace - die möchte ich auch mal können. Tolle Sache und noch mit Mannschaftsplatz. Schade, dass es dafür keine Siegerehrung gab, aber bei so einem kleinen Lauf dann auch verständlich. Vielleicht haben sie sich auch die AK-Siegerehrungen gespart. Das kenn ich auch von dem kleinen Silvesterläufchen, wo ich schon mal mitgejoggt bin - nur die ersten drei, sonst nichts.

Deine Kollegin hat das mit der sub 20 punktgenau hingekriegt - tolle Leistung!

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