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27.10. 12:00 Uhr ... nach gut zwei Stunden befinde ich mich in einem Pulk von Halbmarathon-Läufer_innen ... es geht auf die 21 km zu. Auf der zweiten Runde bin ich dann plötzlich allein, vor und hinter mir niemand. 2:03 h ... super ... genau im Plan. Nun heißt es Zähne zusammenbeißen und durchhalten.

Die letzten zwei Wochen im Training ... die lang ersehnte Erholung setzte endlich ein ... ich konnte sogar ein paar Fartleks und Steigerungen machen. Prima! Die letzen Tage waren vom Warten her eine Qual ... die Nächte vorher waren unruhig. Schienbeinkante und Ischias waren fast schmerzfrei.

27.10. ... die letzten 21 km sind ein einsamer Job. Ich werde langsamer über 6 min pro km - fast 7 min pro km. Ich komme an die 32 km Marke ... meine Gedanken sind auf 2011 gerichtet ... was passiert jetzt.

Ich werde noch langsamer ... Jack Daniels (Laufformel) hat doch Recht .... eine subtilere Art der Ermüdung und das genau geschieht. Doch ich bleibe im Rhythmus ... laufe weiter und weiter bis zu Kilometer 35 ... ein heftiger Regenschauer, komplett nass und das auf dem schwierigsten Teil der Strecke bei böigem Gegenwind.

Ein Streckenposten muntert mich auf ... gleich gibt es Rückenwind. Doch ich werde von letzten Marathon-Staffeln und drei weiteren Teilnehmern überholt. Wo ist der Pacemaker für 4:30 h? Es sind noch 3 Kilometer ... die Ermüdung in den Oberschenkeln wird schlimmer. Jetzt ist er da ... der Moment ... ich werde langsamer als 4:30 h laufen. 3 bis 4 Minuten geschätzt beim momentanen Tempo. Ich behalte mein zweites und drittes Ziel im Auge. Besser als in Bremen und vor allem durchhalten und weiterlaufen.

In Zielnähe komme ich in einen Pulk von 5km-Läufer_innen. So macht es wieder Spaß, das Ziel ist nah und ich komme tatsächlich knapp unter 4:35 h ins Ziel mit einem Lachen im Gesicht. Totale Freude ... dann kommen mir mehrfach fast die Tränen. Nach den ganzen Hindernissen, die ich überwinden musste, um dort wieder hinzukommen.

Drei Tage später ... immer noch totale Freude und Motivation weiterzulaufen. Der erste ganz kurze Lauf ging erstaunlich gut ... rhythmisch und ohne Schmerzen. :))))

Jetzt muss ich noch bedanken, bei meiner Familie, den treuesten Fans, die mich in der Vorbereitung unterstützt haben und auch beim Marathon zugeschaut haben.

Bei den Veranstaltern, den Organisatoren und Helfern des OL-Marathons. Klasse! Den Zuschauern an der Strecke für den Beifall und die Motivation an der Strecke. Für die zahlreichen Tipps in den letzten Jahren im Blog und im Web! Danke Jogmap!

Und ein Dankeschön an die Organisatoren der Vorbereitungsläufe in Bremen!

The end ... Nein, das war nicht das Ende.

PS Dieser Beitrag ist allen gewidment, den es mal nicht so gut geht. Es gibt einen Weg zurück ... auch wenn mal Hindernisse im Weg sind. Keep on running!

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Oldenburg Marathon

Hi. Gut geschriebener Beitrag.
Ist eher selten dass ich hier etwas von mir gebe. Seit deinem Ersten Teil sehe ich starke Gemeinsamkeiten.
Ich war auch am Start. Große Erwartungen nach 2 Jahren Pause.
Guter Start, guter erste Runde, 2:01. Und ab Km 25 immer langsamer.
Denke der zunehmende Wind mit Bohne und Starkregen bremst ganz schön aus.
Bei so solchen Bedingungen ist die Zeit zweitrangig, da muss man schon richtig Beißen.
Du bist ins Ziel, viele nicht. Auch ich dachte ich würde Stehen. 7min im Schnitt, zum Heulen. Gut hätte man bei diesem Wetter. Die Kilometer wurden immer länger. Selbst auf den letzten 1000 Metern konnte ich nicht mehr drauflegen. Alle Körner verbraucht und doch ins Ziel gekommen.
Vieleicht kreuzen sich unsere Wege ja mal wieder und ich erkenne mich in Deinen Beiträgen ein Stück weit darin wieder ;-)

Und sehr bald schnüren wir wieder unser Schuhe gehen raus. Trainieren.

Du bist doch ein Held!

Ich bin in Oldenburg nur den Halbmarathon gelaufen - und das hatte mir an dem Tag total gereicht. Als ich im strömenden Regen Richtung Bahnhof ging, musste ich noch an die armen Marathonis denken, die noch nicht im Ziel waren. Mir waren in der Fußgängerzone noch ein paar von den 5-km-Läufern entgegengekommen, die sich auch gerade fragten, was um Himmels willen sie jetzt zum Laufen treibt.

Aber die Zeit ist bei solchen Bedingungen doch wirklich nebensächlich. Ich musste meinen Halbmarathon ca. ab Kilometer 10 schon über weite Strecken allein laufen - ob da die Lust und Kraft für weitere 32 Kilometer gereicht hätte?


Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Saffti bloggt:
http://nichtnocheinlaufblog.wordpress.com/

gekämpft und alles gewonnen

Deinen Bericht habe ich mit viel Bewunderung gelesen .Respekt vor dieser Leistung !

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