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Eines hatte ich mir läuferisch für 2013 fest vorgenommmen: Eine neue Marathon-Bestzeit, kam mir die bisherige Bestleistung von 2:48:17 aus dem Frühjahr 2012 angesichts der läuferischen Fortschritte im weiteren Verlauf doch ein wenig veraltet vor und erschien mir durchaus einer Auffrischung zu bedürfen.

Weitere Bestzeiten waren angesichts etwas reduzierter Gesamtkilometer nicht geplant, nur auf der Marathon-Distanz, da wollte ich 2013 ein paar Minuten rausholen.

Aber dann lief es in diesem Frühjahr gänzlich seltsam: Die Bestzeit fiel völlig aus heiterem Himmel auf der Halbmarathon-Distanz, vier Wochen später beim Vivawest-Marathon war der Formspuk vorbei, das Formhoch ebenso rasch wieder verschwunden wie es gekommen war und es reichte mit schweren Beinen "nur" zu einer weiteren 2:48er Zeit.

Im Mai/Juni/Juli ließ ich es dann ruhig angehen, nur unterbrochen von einem völlig unvorbereiteten 6-Stundenlauf. Ab August dann stand die Herbstplanung und das neue Ziel: Marathon am 27.10.2013 in Frankfurt. Ich war dort noch nie gelaufen, aber der Termin kam mir mehr gelegen, als der heimische Köln-Marathon zwei Wochen früher. Damit war dann zwar gleichzeitig das Thema Röntgenlauf gestorben, aber der findet ja in 2014 vermutlich wieder statt. Zum Ausgleich belohnte ich mich dann noch mit dem Monschau-Ultra, gleichzeitig der Start in die "seriöse" sprich planmäßige Marathon-Vorbereitung.

Es ging langsam aber stetig aus dem Sommerloch heraus, über Trainingsmarathon und Halbmarathon-Generalprobe wuchsen Form und Zuversicht. Die Bestzeit war auf jeden Fall in Reichweite. Da konnte mich dann auch die Wetter-Prognose für das Marathon-Wochenende nicht großartig schocken.

Durch die späte Startzeit entschied ich mich, erst am Sonntag anzureisen. Vielleicht sind 180 Km Autofahrt am Renntag auch nicht das Optimum, dafür schläft es sich im eigenen Bett jedoch am besten. Die Fahrt gestaltete sich aber problemlos und im Gegensatz zu Gelsenkirchen funktionierte der Pendelverkehr vom Parkplatz zur Messehalle völlig reibungslos. So hatte ich auf einmal massig Zeit für Startunterlagen und Rennvorbereitung. Ich traf Laufmonster Kay-Uwe (bei jogmap kaysa2211, auch im www als lauf-blogger unterwegs) und Vereinskollege Andreas, die beide ebenfalls mit dem Ziel einer neuen Bestzeit angetreten waren. Wir vertrieben uns die Zeit mit Fachsimpelei und WC-Schlange stehen und machten uns dann auf dem Weg zum Startblock.

Leider war es im ASICS-Block schon ziemlich voll, die Zugänge waren absolut unzureichend kontrolliert und ich hatte das Gefühl, etwa 30m hinter der Absperrung zur Top-Elite fast nur von (pardon) Marathon-Touristen umgeben zu sein. Nichts gegen langsamere Läufer, aber es hilft absolut niemandem, wenn die einen drängeln und schubsen müssen, um überhaupt voran zu kommen und die anderen nur in die Hacken getreten und angerempelt werden. Letztlich schaffte ich es, meine Position noch leicht zu verbessern, aber denoch war es nach dem pünktlichen Startschuss ein einziges Gewusel absolut unterschiedlicher Lauftempi. Immerhin schaffte ich es 24 Sekunden nach dem Startschuss über die Startlinie.

Der erste Kilometer war dann Slalomlauf mit Tempowechsel, danach ging es halbwegs. Km 1 stoppte ich mit 3:58 Min, von der Zeit her schön langsam, vom Krafteinsatz her aber eher schon zu schnell. Dann pendelte ich mich auf etwa 3:48 Min/Km ein und erreichte Km 5 nach netto 19:06 Minuten. Eigentlich wollte ich es bis Km 15 bei diesem Tempo belassen, aber ich fühlte mich gut und ging in einer sich bildenden und gut roulierenden Gruppe mit. Es lief rund, der Wind war in den Häuserschluchten zwar stellenweise spürbar, aber längst nicht so schlimm wie in den Medien ausgemalt. Auch der kurze Regenschauer unterwegs war eher erfrischend. Km 5-10 in 18:53 Min, Km 10-15 gar in 18:36...

Unversehens befand ich mich auf Kurs 2:39 Std., die Traumzeit, die ich ich gerne irgendwann einmal erreichen möchte. Sollte es an diesem Tag klappen können? Die äußeren Bedingungen vielleicht nicht optimal, aber doch annehmbar und vor allem besser deutlich als in den Untergangsszenarien der Wetter-Frösche prophezeit. Und solange man Kraft hat, spürt man auch den Wind nicht. Dennoch wusste ich, dass es mit der Traumzeit ein schwieriges Unterfangen werden würde. Der Weg war lang.

Die Halbmarathon-Marke passierte ich in netto 1:19:30 und bis Km 30 blieb ich absolut auf Kurs. Dann wurden die Beine etwas schwerer, unsere Gruppe war in sich zusammengefallen und ich verlor leicht an Tempo. Dennoch stand hier der Wind gut und ich konnte das Tempo noch deutlich unterhalb der 4:00er Pace halten. 3:54 im Schnitt für die Km 30-35. Auch überholte ich immer noch fleißig Läufer, die bereits deutlich mehr zu kämpfen hatten. Nun aber kamen wir zurück in den City-Bereich und hier hatte der Wind deutlich aufgefrischt und in den kurvigen letzten fünf Kilometern empfand ich zum ersten Mal an diesem Tag den Wind als einen ernsthaften Gegner für meine müder werdenden Beine.

Die Traumzeit geriet dann in der Folge schnell außer Reichweite, aber dennoch konnte ich weiterhin halbwegs flott laufen und war zu diesem Zeitpunkt eigentlich sicher, eine "vorzeigbare" neue Bestzeit nach Hause laufen zu können. Zwar kam ich mir mittlerweile verdammt langsam vor, aber die überholen und überholt-werden Bilanz fiel immer noch positiv aus. Im Nachhinein betrachtet lief ich die Kilometer 35 bis 40 in 4:04er Pace, ich fühlte mich aber mindestens 10-15 Sekunden langsamer. Auf die Uhr schaute ich überhaupt nicht mehr, meine Zeit-Hochrechnungen erfolgten allesamt allein mit dem Wissen der 35-Km Zwischenzeit. Es war für mich erstaunlich, auch bei einem so stark besetzten Marathon waren alle Läufer in meinem Zeitbereich zu Einzelkämpfern geworden, funktionierende Gruppen oder auch nur Duos gab es nicht mehr. Jeder für sich alleine. Teilweise mit wechselseitigem mehrfachen überholen, weil kaum einer mehr gleichmäßig lief. Immer wieder wurden die letzten und "allerletzten" Kraftreserven aktiviert.

"Unter 2:45 hast Du sicher" schoss es mir durch den Kopf, während ich mich so durch die Innenstadt kämpfte. "Es wird zumindest eine 2:43 stehen", war ich mir dann nach einem weiteren überstandenen Kilometer sicher. Wohlgemerkt, alles ohne jeglichen Blick auf die Uhr.

Als ich bei Km 42 von einer Windböe vor der Festhalle gefühlt zum stehen gebracht wurde, da hoffte ich auf eine 2:42er Endzeit, bevor ich von der warmen stickigen Luft der Festhalle eingesogen wurde und mich auf dem roten Teppich wiederfand. In diesem Moment sah ich die Uhr bei 2:42:0X und ich versuchte noch mal, meine Beine auf Tempo zu bringen, um meine persönliche Nettozeit um jede mögliche Sekunde zu drücken und es gelang mir, bei 2:42:14 über die Ziellinie zu laufen, was mir netto eine neue persönliche Bestleistung von 2:41:50 bescherte, eine Zeit, die ich in meinem einsamen Kampf auf den letzten Kilometern völlig außer Reichweite wähnte.

Es war geschafft und ich war auch geschafft. Ich nahm die Medaille in Empfang und tappte vorsichtig die Stufen herunter aus der Halle heraus in die Verpflegungszone. Aber an diesem Tag blieb ich von allen Krämpfen verschont, nur eine fette Blutblase am Zeh hatte mir das Frankfurter Pflaster als Andenken hinterlassen, was ich aber erst unter der Dusche feststellte.

Meine Mitstreiter habe ich auch noch wiedergetroffen: Andreas erzielte die erhoffte Bestzeit von 2:48:42 und wurde starker 7. in der M50, Kay-Uwe dagegen konnte musste dagegen mit Kreislauf-Problemen dagegen nach Km 27 die Segel streichen, unterschiedlicher konnten die Gefühle kaum sein, aber Kay-Uwe war auf der Rückfahrt schon wieder optimistisch und wird sicher in 2014 einen neuen Bestzeit-Versuch starten.

Ich selbst bin super zufrieden mit dem Rennen und der neuen Bestzeit. Ich hatte voll riskiert, und auch wenn die Rechnung nicht gänzlich aufgegangen ist konnte ich eine sehr zufriedenstellende Bestzeit herauslaufen. Am heutigen Mittwoch ist der leichte Muskelkater so gut wie verschwunden. Jetzt könnte ich eigentlich in die wohlverdiente Regeneration starten. Ich muss nur noch die Flausen aus meinem Hinterkopf verbannen...

4.8
Gesamtwertung: 4.8 (10 Wertungen)

Junge! Ich hab ja selten Gänsehaut

Beim lesen von Bestzeitenblogs...
Marathonbestzeit auf dem Niveau um rund 6 Minuten verbessert ... Da ich die anderen Blogs das Jahr über auch verfolgt hatte, war ich in der Tat gespannt.
Ganz ehrlich? Krasse Zeit... Und das als "Freizeitläufer"
Unterhalb von 2:30 musste in der Regel schon Profi oder zumindest Semi-Profi sein um das Training überhaupt noch in den Tagesablauf zu bekommen...
Sensationell! Herzlichen Glückwunsch!

Was haste denn für Flausen? Hä?
In Bottrop noch nen schnellen 50er in sagen wir mal ... 3:17-3:20 Stunden raushauen...?!

Da wäre auch eine ansehnliche Gruppe an Jogmäppis zum begrüßen und anfeuern... ;o)

Gruß Thorsten

If you see me collapse,
pause my Garmin...

Flausen? Haaaaa....:o))

Da bin ich auch neugierig!
Mensch, Du bist echt ein richtiges Talent.
Rechnung nicht gänzlich aufgegangen? Okaaaay, was kommt denn noch???:o))
Jedenfalls freu ich mich drauf, auf die Flausen und was noch kommt!
Das ist soooo spannend!
Flausen wird man nur los, indem man sie aktiv umsetzt!

Herzlichen Glückwunsch und tiefsten Respekt!

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Rakete !

aber DAS ist hier ja schon länger bekannt :-)
Riesige Gratulation zu dieser famosen Marathon-PB
Freu mich auch schon drauf, zu lesen, wo das bei dir noch hinführt ...
Flausen, Hinterkopf, Risiko und dann noch diese Beine ... Mannomann :-)
VG

Glückwunsch!

Wie schon per PN: Herzlichen Glückwunsch zu deiner traumhaften Bestzeit!
Irgendwann müssen wir mal zusammen laufen. Vom Niveau her passt das ja perfekt.

Näää jetzt...

... muss ich in der M50 so Gas geben, das ich unter die ersten 10 der AK komme!?.... Scheixxe, tut das weh!

Dir einen fetten Glückwunsch zur PB, da kommt noch was in den nächsten Jahren von dir ;0)...

Gruß,
Kaw.

Sorry an alle, die niemals angekommen sind, weil sie mich nach dem Weg gefragt haben...

Komisch ... Genau das hab ich heute

Morgen auch schon mal gedacht ... Ihr zwei auf der Strecke ;-)

If you see me collapse,
pause my Garmin...

Ohne auf die Uhr zu gucken...

...seine Endzeit zu wissen, das zeugt schon von erstaunlicher Kenntnis Deines Könnens und Laufgefühls.
Die < 02:40 werden fallen!

Fetter Glückwunsch

Hey,
na da nenn ich mal ein Brett! Good Job!Würde sagen das nennt man jammern auf hohem Nivau, oder? ;-)
Mir ging es ähnlich, doch wollte ich bewusst weiter zurück, denke wir standen dicht zusammen. Hatte im Juni voller Optimismus gemeldet, war super drauf. Dann schwere familiäre und ein berufliche Rückschläge, Training nach Plan, vergiss es, war 6 Wochen in Vietnam zum arbeiten. Meine Target war allerdings die 3:14h zu schaffen.
Nun habe ich mich durchgewurschtelt, gegen den Verkehr und den Sturm.
Am Ende in immer noch "ordentlichen" 3:25 h durchmarschiert, aber zufrieden geht anders. Haken drann und Fokus auf 2014, mal schauen w es losgeht. Auf jeden Fall Ostern in Paderborn, da soll mal die 1:30 fallen , grins.
Aber toller Bericht, genial geschrieben.
Happy Running weiterhin

Marcello aus Nordhessen

Fetter Glückwunsch

Hey,
na da nenn ich mal ein Brett! Good Job!Würde sagen das nennt man jammern auf hohem Nivau, oder? ;-)
Mir ging es ähnlich, doch wollte ich bewusst weiter zurück, denke wir standen dicht zusammen. Hatte im Juni voller Optimismus gemeldet, war super drauf. Dann schwere familiäre und ein berufliche Rückschläge, Training nach Plan, vergiss es, war 6 Wochen in Vietnam zum arbeiten. Meine Target war allerdings die 3:14h zu schaffen.
Nun habe ich mich durchgewurschtelt, gegen den Verkehr und den Sturm.
Am Ende in immer noch "ordentlichen" 3:25 h durchmarschiert, aber zufrieden geht anders. Haken drann und Fokus auf 2014, mal schauen w es losgeht. Auf jeden Fall Ostern in Paderborn, da soll mal die 1:30 fallen , grins.
Aber toller Bericht, genial geschrieben.
Happy Running weiterhin

Marcello aus Nordhessen

Stimmt. Das könnte passen. :)

Mal schauen, was 2014 bringt...

Bestzeit mit Stil

Glückwunsch zu der gelungenen neuen PB. Mehr noch als die sehr imposante Zeit beeindruckt mich die Art und Weise, wie Du sie erlaufen zu haben scheinst, mit klarem Fokus und zielgerichtet aber nicht verbissen, ohne Scheuklappen und scheinbar großer Gelassenheit und,Dietzrun sagte es schon, perfektem Laufgefühl.

Weiter so!

granreserva
_________________________________________________________________________________
Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten.
(Johannes Kepler)

Flausen?

Die will ich auch wissen!

Was für eine Riesenverbesserung auf dem Niveau! Der Rest kütt wenn et kütt - wie man so schön sagt. Du bist auf dem besten Weg zu Traumzeiten, die kaum ein Hobbysportler erreicht!

Erhol Dich gut!

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