Es ist eigenartig. Viele, so auch ich, fallen immer wieder auf den Reiz des Teutolaufs herein.
Der Anfang der Strecke verläuft noch relativ flach und verleitet jedes Mal dazu, den Lauf zu schnell anzugehen. Gerade die Mitläufer aus dem flachen Münsterland und die westlichen Nachbarn treiben das Feld. Vor jeder Kurve denkt man, jetzt, danach, geht es endlich hoch in den Teuto. Aber es dauert lange und nach etwa 5 Kilometern ist die erste Erschöpfung zu bemerken. Genau da, geht der Lauf das erste Mal richtig los.
Die nicht enden wollende Steigung fordert seinen Tribut. Einige Läufer müssen bereits nach der ersten Kehre gehen. Die Strecke geht auf eine leichte Kuppe zu. Das wird es dann doch mit der Stei¬gung gewesen sein. Aber falsch, sobald man darüber hinweg sehen kann, ist zu erkennen, dass es noch steiler weiter geht. Die nächsten verfallen ins Gehen. Die Maschine läuft, aber Vorsicht, der Kessel steht unter Hochdruck. Puh, die Steigung ist geschafft, vorerst. Es wird flach und bald kommt der erste Verpflegungsstand. Naja, eigentlich brauche ich noch nichts, aber die Erfahrung zeigt, dass sich rechtzeitiges Trinken bewährt hat - und schließlich hab ich ja dafür bezahlt.
Die Reise geht weiter und führt über einen schmalen Waldweg mit Baumwurzeln und feuchten, rut¬schigen Stellen. Man läuft hintereinander. Nur die, die es im Gegensatz zur letzten Steigung plötzlich wieder eilig haben, überholen.
Der nächste Anstieg windet sich auf passablen Waldwegen ein ganzes Stück oberhalb einer Gast-stätte auf den nächsten Gipfel. Die Gaststätte hat den lateinische Namen "Malepartus" - ein Syno-nym des Teutolaufs. Sobald der Wald die Aussicht rechts auf das weite Münsterland für einen kurzen Augenblick öffnet, beginnt ein Abschnitt für Genießer. Es geht von hier bis Bad Iburg mit einigem auf und ab. Ich nenne so etwas Spazierenlaufen. Bis zu der Stelle, wo es recht steil hinunter zum so ge¬nannten Felsenkeller geht.
Einige Läufer scheinen dies wörtlich zu nehmen und stürzen sich mit der Geschwindigkeit eines Fels¬blocks wie in einem Steinschlag den Weg hinunter. Ich bin immer froh, wenn ich nicht mitgerissen werde. Unten am Felsenkeller gibt es die nächste Verpflegung. Hier ist gefühlt bereits Halbzeit, wenn auch erst knapp 13 Kilometer rum sind.
Dann kommt nach einem kurzen heftigen Buckel der Kurpark von Bad Iburg. Hier will sich aber kein tragfähiger Laufrhythmus einstellen, da der Weg in etlichen kleinen Schlenkern weitergeht. Läufern, denen die Strecke bekannt ist, drückt außerdem bereits der Gedanke an das, was jetzt kommt - die "Iburger Treppen".
Es ist kaum zu sehen, aber man spürt es in den Beinen. Hier muss es schon sehr steil sein. Die ersten beginnen gezwungener Maßen zu gehen. Die, die noch laufen, sind auch nicht viel schneller. Und dann die "Iburger Treppen". Wie heißt es in der Werbung: "Ich liebe es." Auch wenn einem hinterher schlecht ist. Die Treppen täuschen gekonnt an. Es sind nur die ersten Stufen zu sehen und biegen um eine Ecke. Dahinter geht es so steil weiter, dass kaum einer noch so tut, als wenn er läuft. Ich nehme mir immer vor die Stufen zu zählen. Oben angekommen bin ich bis etwa zehn gekommen. Aber ich weiß, es müssen mehr sein. Wer glaubt, jetzt kommt eine entspanntere Phase, der täuscht sich. Ein schmaler Pfad mit Baumwurzeln und Gesteinsbrocken wartet. Es macht Spaß diesen Zickzack-Parcours zu laufen, aber es ist verdammt anstrengend. Zum Glück gibt es eine kurze Unterbrechung über eine asphaltierte Straße zur nächsten Verpflegungsstelle bei Kilometer 16 an der Gaststätte Urberg vorbei. Dort sitzen Zuschauer bei schnödem Kaffee und Kuchen, die die Läufer anfeuern. Die wissen gar nicht, was ihnen entgeht, denn ich bekomme einen Becher leckeren, lauwarmen, zucker¬süßen Zitronentee serviert. Dazu wähle ich aus dem reichhaltigen Angebot ein Stück klebrige Banane aus - perfekt!
Danach geht der Spaß-Parcours weiter und endet nach einem steilen Abgang wieder auf einer Straße. Hier ist der Augenblick gekommen, Füße und Beine auf Zipperlein und Schäden zu prüfen. Noch alles in Ordnung, den Schweiß aus den Augen gewischt und weiter geht es. Jetzt werden langsam die Psychotricks notwendig. Der da vorne, an dem bleibst du dran, sage ich mir und lasse mich über ei¬nige Kilometer ziehen, ohne, dass er es merkt.
Die Strecke wechselt von Straße auf Feld- und Waldwege. Dieses Mal haben sich die Organisatoren etwas Besonderes einfallen lassen. Ein künstliches Hindernis aus Bäumen und Paletten versperrt den Weg. Mancher denkt beim Überwinden, er stehe auf einem Siegerpodest und streckt die Arme in die Höhe. Aber wir sind noch nicht im Ziel, erst Kilometer 21.
Es folgt die exklusivste Verpflegungsstelle. Ja, Dominosteine hat man und auch Kuchen. Aber auf meine Frage nach Pommes-Majo und Bratwurst reagiert man doch sehr zurückhaltend. Egal, ich hab eh keine Zeit.
Was nun ein Stück weiter zu sehen ist, gleicht eher einem Maultiertreck in den Bergen, als einem Sportereignis. Die dritte harte lange Steigung ist erreicht. Also, Zähne zusammenbeißen und sich ein¬reihen. So trotten wir Schritt für Schritt hoch. Oben angekommen geht es vorbei an der ersten, schon bekannten Verpflegungsstelle. Den angebotenen Jägermeister schlage ich aus. Falsche Zeit, falscher Ort. Über ein schon gelaufenes Teilstück geht es dann zurück auf einem breiten Kammweg. Es könnte so schön sein, wenn man nicht schon 25 Kilometer in den Beinen hätte und die mitleidig, freundli¬chen Kommentare Vorbeiziehender nicht wären. Am letzten Verpflegungspunkt kredenzt man erneut den leckeren Tee. Ich kann nicht nein sagen.
Jetzt sind es "nur noch" drei Kilometer. Zunächst befindet man sich quasi im freien Fall. Alle Konzent¬ration ist gefordert, um unbeschadet vom höchsten Punkt der Strecke zurück in das flache Terrain zu kommen. Der Wald endet und der Untergrund ist wieder Asphalt. Der Weg zum Ziel geht gefühlt über wenigsten 5 Kilometer. Real sind es nur 2 Kilometer und der Weg ist für mich in diesem Augen¬blick ganz sicher nicht das Ziel. Es tut weh, aber man hört in der Ferne die Lautsprecheransagen vom Ziel, so dass das letze Stück durch eine Siedlung mit vielen Zuschauern dann doch erreicht ist.
Die letzte Kurve, der Zieleinlauf, ich bin da, fertig!
Fertig? Ja, aber nur für heute und für morgen und vielleicht übermorgen.
Wann ist der nächste Teutolauf ...?

4.57143
Gesamtwertung: 4.6 (7 Wertungen)

Hey...

... ich hatte jetzt echt das Gefühl dort gelaufen zu sein, mir tut alles weh :0), naja, fast alles...
Ja, wann ist der nächste Teutolauf!?

Super schön beschrieben...

Gruß,
Kaw.

Sorry an alle, die niemals angekommen sind, weil sie mich nach dem Weg gefragt haben...

berg hoch berg runter

Bin auch mitgelaufen :-) und diesmal bei dem Wurzeltrail nicht wie letztes Jahr gestürzt :-D. Muss man doch leider das Tempo drosseln.
Der Lauf war gut vorbereitet, aber leider waren entgegenkommende Wanderer teils im Wege und zwei mal zwei Mountenbiker auf dem engen Trailstück. Wäre schön, wenn sowas nicht wäre!
Lustig fand ich, dass bei km 7/ km 23 eine kleine Truppe Zuschauer Jägermeister den Läufern anbot. Wer hat sich da einen gegönnt ???
Leider sonst kaum Zuschauer,wäre schön wenn für diesen Lauf mehr Werbung gemacht würde. Die Strecke ist top!

Viel Spaß noch beim Regenerieren :-)

Grüße Björn

Ja fischbeamer, genau!!

Den Lauf finde ich mindestens eben so schön, wie den Hermannslauf. Ist halt nur weniger Zuschauerandrang, dafür aber erheblich mehr Platz an der Strecke und noch nicht alle Wurzeln und Trails plattgetrampelt!
Die paar MTB-ler und Wanderer find ich gegenüber dem Hermanngedränge echt harmlos.

Herzlichen Glückwunsch, jffam_jog, zu diesem schönen Laufgenuss, den Du so passend mitreißend beschrieben und erlebt hast! :o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Ich hatte das Gefühl

mitgelaufen zu sein, so schön hast du es beschrieben.
Nun wünsch ich dir ne gute Regeneration und auf zu neuen Zielen. :-)

Für mich selbst ist die Strecke im Verhältnis zur An/Abreise zu kurz. :-)


Laufen formt Körper, Geist und Seele.
Distanz ist, was der Kopf drauß macht.
Hier ist der Start, dort ist das Ziel. Dazwischen musst du laufen.

so schön...

...beschrieben. ich sollte den endlich auch mal...
is schließlich quasi bei mir umme ecke.
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laufend dankt für den stimmungsvollen blog: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

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