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Nun war es wieder mal soweit. Mein 8. Frankfurt Marathon steht vor der Tür, ich gar nicht fit, viel zu schwer und gar nicht auf einen Marathon vorbereitet.

Wie kam’s? Hauptsächlich eine Spätfolge des (idiotischen) Ziels über ein Jahr lang mindestens einmal im Monat einen Marathon oder einen Ultra zu finishen, Und so bin ich vom Oktober 2011 bis zum Dezember 2013 stur wie ein Esel an den Start – manchmal waren es dann auch gleich 3 Läufe im Monat (im April 1012 war ich in Rotterdam, Bonn und Düsseldorf am Start) und bin dabei dann tatsächlich meinen PB in Düsseldorf gelaufen (3:30:04), aber das ganze ging ann die Substanz und so war dann Anfang 2013 erst mal die Luft raus.

Nach dem für mich richtig schlechten Düsseldorf-Marathon bin ich dann erst mal (urlaubsbedingt) 3 Wochen gar nicht gelaufen und habe dann im Frühjahr meine alte Liebe zum Rennradfahren wieder entdeckt. So kam der Frankfurt Marathon immer näher und näher und ich musste mich richtig aufraffen um wenigsten ein wenig vorbereitet zu sein – sprich letzten Sonntag habe ich einen langen Lauf über 34km zurechtgeschummelt, ansonsten waren die wenigen „langen“ Läufe mal grade so um die 20-25 Kilometer lang.

Zurück zum Thema – mit wirklich mangelhafter Vorbereitung fuhr ich am Samstag nach Frankfurt, hole meine Startunterlagen – Nudelessen in der Frankfurter Festhalle und weiter zu meinen Eltern zum Übernachten.

Recht früh ins Bett, genossen, dass zum Frankfurt Marathon immer die Uhr zurückgestellt wird und so eine Stunde länger Nacht und so auch Schlaf geschenkt wird. Um 7:00h aufgestanden, Duschen, Laufsachen anziehen und an den gedeckten Tisch gesetzt und mit meinen Eltern gefrühstückt.

Um 8:30h dann gen Frankfurt, Parken im Messe-Parkhaus und mit dem Busshuttle zur Messe gefahren. Spontan entschieden, dass es warm genug ist um nur mit Shirt und kurzer Hose zu laufen und so gebe ich um 9:10h meinen Startbeutel ab und chille bis zum Start um 10:30h rum.

Frankfurt ist kein kleiner Marathon und so dauert es eine ganze Ecke bis es bei heftigem Wind über die Startlinie geht. Gemütlich trabe ich los und gehe die ganze Sache mit großem Respekt und einen recht gemütlichen Tempo an. Ich laufe an „Frau Schmitt“ vorbei, die wie jedes Jahr in der Mainzer Landstraße steht und ihren pinken Puschel schwingt und anfeuert. Das gebremste Laufen halte ich beim Cruisen durch die Frankfurter Innenstadt und Laufen am Senkenbergmuseum usw. durch bis dann bei Kilometer 10 die (um 2km) verschobene erste geplante Gehpause beim Anstieg an der Bremer Straße (ja es gibt auch beim Frankfurt Marathon „Anstiege“ – hier und beim Hochlaufen zur Schwanheimer Brücke über den Main sind zwei davon).

Ich versorge mich an der Verpflegungsstation mit drei Bechern Wasser und trinke ganz gemütlich im Gehen – das kostet zwar 1 Minute aber rentiert ungemein, wie sich hinten raus herausstellen wird. Beim „Abstieg“ an der Eschersheimer Landstraße fängt es an zu Tröpfeln und das Tröpfeln wandelt sich in strömenden Regen und so geht’s ziemlich nass über die „Alte Brücke“ über den Main und am Schaumainkai entlang Richtung Westen. Der starke Gegenwind macht mir seltsamerweise wenig aus und ich fühle mich ab Kilometer 15 richtig gut. Trotz des Regens und des Windes stehen sehr viele Zuschauer an der Strecke, Sambatruppen und andere Musikgruppen geben ihr Bestes die Marathonis anzufeuern. Es geht durch Niederrad nach Schwanheim und bei Kilometer 20 nehme ich mir die zweite geplante Gehpause (kostet wieder nur 1 Minute). Die Schwanheimer Brücke trabe ich ganz gemütlich hoch und schon geht’s gen Frankfurt Hoechst.

In Hoechst gibt es auch einen kurzen Anstieg, der mach mir aber wenig aus und dann geht’s nach ein wenig gecruise durch Hoechst auf die Mainzer Landstraße die Kilometer weit von West nach Ost läuft. Und hier kommt die große Stunde des starken Westwindes, der schiebt mich richtig an und so werde ich (leider) ein wenig unvernünftig und nehm‘ die Bremse raus und gebe ein Gas beim Laufen. Aber – das macht trotz der Anstrengung (immerhin sind schon über 30 Kilometer bewältigt) richtig Spaß und so fang ich das wilde Überhohlen an. Naja – so wild war‘s nicht, aber es hat sich für mich bei einem(in diesem Jahr) ungewohnten 5:20er Schnitt so angefühlt)
Die Eskapade rächt sich dann bei Kilometer 36, denn hier muss ich nach der Verpflegungsstation erst mal dem Tempo Tribut zollen und erst gehen um dann wirklich ganz langsam durch die Menschenmassen an der Mainzer Landstraße zu traben. Frau Schmitt schwingt (trotz des starken Windes) immer noch ihren pinken Puschel und ich brauche 2 Kilometer um meinen Puls wieder im Griff zu haben und wieder ein wenig mehr Speed aufzunehmen. Der Wind ist nun richtig stark und verstärkt durch die Häuserschluchten läuft es sich ab und zu als würde man gegen einen Wand laufen so stark ist er. Ich muss aufpassen, dass es mir nicht die Mütze vom Kopf weht und nehm‘ sie sicherheitshalber in die Hand.

Die Mädels am Kaiserplatz tanzen immer noch Samba - ein motivierender Augenschmaus bei Kilometer 38,5 und weiter und weiter geht’s durch die Innenstadt an der Alten Oper vorbei, das letzte Mal die Mainzer Landstraße entlang und einbiegen bei Kilometer 41 in die Zielgrade der Friedrich-Ebert-Anlage. Bei Kilometer 42 biegt es ab Richtung Festhalle und dann die letzten Meter in der Festhalle auf rotem Teppich ins Ziel nach 4 Stunden 3 Minuten und 52 Sekunden.

Ich bin sehr, sehr glücklich es geschafft zu haben und ein wenig stolz, dass ich es tatsächlich geschafft habe die geplanten Gehpausen eingehalten zu haben aber irgendwie ist es mir fast ein wenig peinlich, dass ich das mit so einer lausigen Vorbereitung geschafft zu haben.

Nichts desto trotz – Frankfurt 2014 ruft und ich bin schon wieder angemeldet.

4.75
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