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Nachdem nun beinahe drei Wochen ins Land gezogen sind, habe ich tatsächlich so langsam realisiert, was da in Berlin so alles passiert ist und auch die notwendige Lust gefunden, dies niederzuschreiben.

Am Freitag reisten meine Freundin und ich per Flieger in die Bundeshauptstadt und bezogen ein Hotel in perfekter Nähe zum Brandenburger Tor. Dies sollten wir allerdings erst am nächsten Morgen feststellen, denn am Abend der Ankunft waren wir ziemlich erschlagen.
Nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet, dass so ziemlich das Schlaraffenland aller Läufer darstellen dürfte, machten wir uns zunächst in Richtung Straße des 17. Juni auf und nahmen das Brandenburger Tor und den Start-Ziel-Bereich in Augenschein. Vorbei am Reichstag ging es dann weiter zum Hauptbahnhof und per Bahn ab in die Stadt. Leider war die Zeit für einen ausgiebigen Besuch der Hauptstadt zu knapp bemessen und wir fassten schnell den Entschluss, dass wir bald wiederkommen müssten, um Berlin ausgiebig zu erkunden. Ich sollte meine Sightseeing-Tour aber ja sowieso noch erhalten. Aus der Stadt ging es dann auf direktem Weg zur Messe. Wir wurden von Freunden darüber informiert, genügend Zeit für die Abholung meiner Startunterlagen einzuplanen, allerdings hatte sich die Situation in den Abendstunden schon weitestgehend entzerrt und alles lief wie geschmiert. Zur Sicherheit wurden noch zwei Gels erstanden und dann machten wir uns auch schon auf den Rückweg zum Hotel. Von dort aus ging es dann auch direkt zum Abendessen mit unseren „Informanten“. Das Ziel war Friedrichshain und ein dort ansässiges veganes Restaurant. Waren wir zunächst skeptisch, so entpuppte sich das Lokal schnell als wahrer Glücksgriff. Eine große Menge gesundes und leicht verdauliches Essen, dazu frische Smoothies und das alles noch zu einem großartigen Verhältnis von Leistung zu Preis. An Ort und Stelle besprachen ein Kumpel und ich den Treffpunkt und die Taktik für den kommenden Renntag. Ziel war es die 42195 Meter durch Berlin gemeinsam in einem Schnitt von 3:47min/km, also einer Endzeit von unter 2:40 Stunden zu bewältigen. Der Abend endete leider zu früh, denn die Vernunft rief uns zeitig in unsere Unterkünfte zurück, wo noch die Kleiderbeutel gepackt werden mussten.
Die Nacht verlief verblüffend ruhig und ich schlief hervorragend. Der Speisesaal öffnete um 6 Uhr seine Pforten und ich war keineswegs der erste Läufer, der bereits wenige Minuten zuvor unruhig davor wartete. Zwei Brötchen mit Marmelade und Honig später lief ich einen lockeren Kilometer um das Hotel herum und erledigte anschließend die restlichen Vorstartaufgaben. Ich verabschiedete mich von meiner Freundin, die ich erst an der Strecke wiedersehen sollte, bevor ich in Richtung Treffpunkt mit meinem Kollegen aufbrach. Nach Abgabe der Kleiderbeutel und dem Marsch zum Startblock A setzte dann auch endlich die Vorstartnervosität ein, die ich beinahe schon vermisst hatte.

Die Zeit verflog und wie immer, wenn der Countdown zum Startschuss einsetzt, fragte ich mich, was ich hier eigentlich grade wieder treibe. Und dann ging es los. Mit dem schönsten Start, den ich in meiner Läuferkarriere je erlebt habe und der mir noch heute eine Gänsehaut beschert und ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Bei schönstem Sonnenschein auf die Siegessäule zuzulaufen, ist einfach traumhaft!
Die ersten Kilometer rasten nun einfach an uns vorbei, gezogen von der tollen Stimmung und der Euphorie des Tages lagen wir deutlich vor unserem Zieltempo. Immer wieder drosselten wir uns. Und dennoch sank der Schnitt nur langsam ab. Immerhin. Ich hatte meiner Freundin vorab eine Marschtabelle ausgehändigt und bis zur Halbmarathonmarke hatten wir es tatsächlich geschafft, diese auf die Sekunde einzuhalten. Was danach passierte überraschte mich jedoch sehr. Mein Laufkumpane, in Duisburg beim Halbmarathon waren wir noch zusammen zu einer neuen Bestzeit gestürmt, begann einzufordern, dass ich alleine weiterlaufen sollte. Er ging hoch. Ich versuchte ihn noch einen oder zwei Kilometer lang zu motivieren, nachdem er mich aber förmlich davonbrüllte, fasste ich den Entschluss, seiner Aufforderung zu folgen. Problematisch war nur, dass ich die langsamer werdende Gruppe anführte und zum nächsten Trupp bereits eine beachtliche Lücke klaffte. In der Nachbetrachtung kann ich sagen, dass ich während der letzten Kilometer einen taktischen Fehler begangen hatte, indem ich diese Gruppe davonziehen ließ und ich den Abstand während der nächsten Kilometer zulaufen musste, wollte ich nicht während des gesamten restlichen Rennens alleine dem Wind ausgesetzt sein. Vermutlich waren die folgenden Kilometer auch diejenigen, die mich die wichtigen Körner für den Schlussakkord kosteten. Als nämlich ungefähr bei Kilometer 33 meine Freundin und ein weiterer Kollege zum wiederholten Male am Straßenrand auf mich warteten und letzterer sogar ein paar Meter neben der Strecke mitlief, spürte ich förmlich, wie die Kraft - nach einem kurzen Euphoriehoch - meinen Körper verließ. Es war nicht der Mann mit dem Hammer, aber dennoch fiel es mir ab diesem Zeitpunkt zunehmend schwerer das angestrebte Tempo zu halten. Bis Kilometer 36 lag ich zwar noch grob im Plan, dann allerdings folgten zwei schwache Kilometer, die mich vor allem mental erlahmten. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt, dass ich definitiv eine starke neue Bestzeit laufen würde und vielleicht war dies auch der Grund, warum letzten Endes der restliche Biss fehlte. Dennoch genoss ich den Lauf durchs Brandenburger Tor, sog die Stimmung auf der Zielgeraden auf und jubelte mich über die Ziellinie. In einer Zeit von 2:41:13. Mein Kollege finishte in immer noch beachtlichen 2:50:59, verpasste sein Ziel und seine eigene persönliche Bestzeit jedoch eindeutig. Hierüber war ich deutlich trauriger als über das Verpassen meines eigenen – wenn auch hochgesteckten – Zieles. Denn insgesamt bin ich hochzufrieden und strotze nur so vor Motivation für 2014.
Die nächsten Stunden verbrachten wir (nach dem „tollen“ Gang ins Duschzelt) noch mit einem gemeinsamen italienischen Mittagessen, bevor sich die Wege trennten. Anschließend trafen meine Dame und ich uns noch zum Kaffee mit Freunden aus Berlin und ließen uns zum Abendessen frische Burger schmecken, bevor es nach diesem gelungenen Wochenende schlussendlich zum Flughafen und zurück in den Alltag ging.

4.333335
Gesamtwertung: 4.3 (15 Wertungen)

Unglaublich ...

... Diese Geschwindigkeit auf 42km zu laufen!
Hut ab, riesen Reschbeggd und Herzlichen Glückwunsch zu dieser grandiosen Zeit.
;-)

Einfach grandios -

und mit einem Schuss Wehmut ob des verpassten "Zuges". Am Ende wird's immer hart - das kommt einem gefühlt wie ein Endspurt vor, aber die Uhr zeigt maximal ein gehaltenes Tempo.

Jedenfalls eine obergexle Zeit und viel Erfolg für 2014!

Riesenglückwunsch ...

... zu einer Wahnsinnszeit! Sehr, sehr beeindruckend, und ich freu mich, dass es Dir so gut gefallen hat.

yazi

Großen Respekt,

gibt ja nicht viele, die in diese Dimensionen vordringen, da gehört schon die Mischung aus großem Talent und langer, harter Arbeit dazu. Wünsche eine gute Erholung und dass Du das ein oder andere Körnchen noch nachlegen kannst im nächsten Jahr. Solche PB's über 4 Strecken ist natürlich schon eine Hausnummer und nicht so eben zu toppen.

granreserva
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Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten.
(Johannes Kepler)

Hammer!!

Du läufst in zeitlichen Dimensionen, da träumen über 95% der Marathonis von.
Grandios!!
Herzlichen Glückwunsch und ich bin sicher, wenn alles gesund bleibt,
knackst Du auch noch die 02:40h! :o)
Pass auf Dich auf und lass uns weiter teilhaben, ja?!!

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Glückwunsch zur PB ...

... (war doch eine, oder ? )

Ein jede/r Läufer/in hat bestimmte Wunsch-Ziel-Zeiten ...
sehr, sehr viele würden sich eine solche WK-Pace wünschen ...
doch auch dein Wunsch wird irgendwann in Erfüllung gehen, ganz bestimmt.

Hast ne'n schönen "ironischen" Nick-Namen ;-))

Glückwunsch zu dieser Zielzeit !

Gruss Markus - een neongelbe Löper ut´n Norden

Ja!

Ja, es war eine neue Bestzeit (3:01 Minuten flotter) und natürlich lasse ich euch weiter an meinem Läuferleben teilhaben. Bis hierhin schon einmal vielen Dank für die lieben Glückwünsche! :-)

schöner Bericht zur schönen Bestzeit!

Nochmals herzlichen Glückwunsch!

Regenerations-HM hast Du dir in Köln je schon gegönnt, wie ich gesehen habe...
Habe dich aber nur in der Ergebnisliste gesehen, war erst während des Marathons an der Strecke.

@ Moritz79

Hey Moritz, du alter Spion!

Ja, habe ne Freundin während ihres ersten Halbmarathons begleitet ;-)

KannNix, du Laufsüchtiger...

... ich persönlich bin ja so was von begeistert was deine Sucht angeht, bleib ruhig weiter so süchtig ;0)...!

Nää du, Hammer Leistung und super Blog!!

Gruß,
Kaw.

Sorry an alle, die niemals angekommen sind, weil sie mich nach dem Weg gefragt haben...

Jou.

Sehr schicke Zeit. Eine Pace von 3'47" ist auch mein Ziel. Auf 10km.

Schöner Bericht, der mir Lust macht, mal wieder die Königsdistanz in maximal möglichem Tempo zu versuchen. Es ist so spannend, was nach Kilometer 25 passiert und es ist so unmöglich, das vorherzusagen oder auch nur zu ahnen. Umso schöner, dass Du die PB geknackt hast und nicht weit von Deinem Ziel entfernt gelandet bist.

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"What day is it?" asked Pooh.
"It's today" squeaked Piglet.
"My favorite day" said Pooh.

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