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Einen Marathon bekommt man nicht geschenkt. Diese Weisheit habe ich bei meinem zweiten Anlauf auch am eigenen Leib erfahren.

Die Vorbereitung lief eigentlich ganz gut. Dann, vor 3 Wochen passierte es. Bei einem Tempolauf auf einem Bergabstück mit Schotter bin ich ins Straucheln gekommen und landete mit Gesicht voran im Schotter. Schock! Neben einem geschürften Knie hatte ich mir eine Platzwunde an der Oberlippe zugezogen nebst weiteren Schrammen. War das das Ende der Marathonvorbereitung?

Nein. Ein Klammerpflaster und 10 Tage später war die Wunde ausreichend verheilt. Zum Gück haben die Gelenke nichts abbekommen. Also weiterlaufen.

Dann kam der letzte lange Lauf über 33 km an die Reihe. Kurz vorher noch Nägel geschnitten. Am Ende des Laufs zeigte sich, dass das keine gute Idee war. Das Nagelbett hatte sich entzündet und der Zeh pochte vor sich hin. Bald darauf war der Nagel auch blau unterlaufen. Die Entzündung hielt sich hartnäckig trotz Jod-Wickel.

Dann stellte sich 1 Woche vor dem Marathon ein Kratzen im Hals ein. Wieder eine Rachenentzündung. Wenn daraus nun eine satte Erkältung wird, war es das. Also kräftig Halsschmerztabletten gelutscht und das Training ein paar Tage aussetzen.

Noch nie hatte ich so viele Zweifel, ob ich wirklich einen Lauf laufen soll oder nicht. Jetzt hatte ich so viel trainiert, mich über lange Läufe gequält, den Sturz verarbeitet, der mir eine kleine bleibende Erinnerung unter der Nase beschert hat. Stand der Marathon nicht unter einem guten Ohmen?

Doch am Freitag Nachmittag kippte die Waage innerlich Richtung "Laufen". Die Erkältung ist nicht durchgekommen und das Wetter war kalt aber trocken angesagt. Also ging die Fahrt heute nach Bräunlingen.

Dort war es kalt. 4° bei Ankunft am Parkplatz. Die Sonne bahnte sich ihren Weg durch die Wolken und versprach etwas höhere Temperaturen. Und so ging es gut gelaunt auf die Strecke. Diese führte durch herrliche Herbstwaldlandschaften. Der eisige Wind war das einzige Störende beim Lauf. Sonst wäre es perfekt gewesen. Über 20 km flach nur bergauf. Ab km 10 gesellte sich ein netter Franzose zu mir und bot mir Schokolade an. Wir kamen ins Gespräch (meine verschütteten Französisch-Kenntnisse hervorkramend) und so verging die Zeit wie im Flug.

Auf den letzten 15 km wurde lautstark jedes Kilometerschild begrüßt. Die Beine liefen gut und das Tempo konnten wir auf den letzten Kilometern noch gut anziehen. So schaffte ich sogar meine Wunschzeit knapp unter 4:30h.

So wurde es doch noch ein gelungener Marathon. Mein zweiter ist vollendet. Ich bin froh, dass ich doch noch gestartet bin. Es hat am Ende ja doch alles gerade noch so gepasst und die Medaille hängt um meinen Hals. Geschenkt war dieser Lauf aber wirklich nicht.

Ende gut, alles Gut!

5
Gesamtwertung: 5 (9 Wertungen)

Glückwunsch

zum zweiten, von einem der gerade den ersten sortiert. Ich darf meinen heutigen Coach zitieren: Haben wir nicht das gxxxte Hobby der Welt?

Frohes regenerieren,

granreserva
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Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten.
(Johannes Kepler)

Der zweite

läuft bei mir nie, aber wie läuft man flach bergauf???

Glückwunsch zum Durchbeißen!

@ granreserva: besagter Coach hat sowas von Recht ;-)

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Flach bergauf

@ strider
Flach bergauf heisst, an die 400 Höhenmeter auf 23 km Länge, stetig aufwärts, aber nie steil. Man hat immer nur das Gefühl, schwere Beine zu haben, ohne tatsächlich den erklommenen Berg wahrzunehmen.

Hast dich

Hast dich also doch getraut, und das mit Erfolg. Super! War nach der Vorgeschichte ja nicht ganz klar, das es so gut läuft. Freut mich riesig. Jetzt aber mal alles gut verheilen lassen und abwarten, bis ich in der km Wertung wieder vor dir liege.

Genesende Grüße
good news

Verstehen kann man das Leben nur rückwärts,
leben muss man es vorwärts.
Sören Kierkegaard

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