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Was habe ich hin und her überlegt, Wettkampftermine recherchiert und analysiert, Planungszeiträume hin und her geschoben und alle Varianten durchgedacht. Ich könnte das wahrscheinlich auch noch wochenlang weiter tun, aber irgendwann kommt ja der Punkt, wo man Nägel mit Köpfen macht, zumindest habe ich mir das so gedacht.

Hintergrund, warum ich mir selbst einen gewissen Druck in der Frühjahrs-Wettkampfplanung gemacht habe, war die Nachricht, dass ich die Qualifikation für den Boston-Marathon 2014 um 19 Sekunden verpasst habe. Da ich parallel, in der Wartezeit auf die Auswertung der getätigten Anmeldungen total vernarrt in den Marathon wurde, stellte sich die Frage, wie ich nun mit der Absage umgehe. Es stellte sich einerseits die Frage, wie ich mit dem Marathon 2014 umgehe - laufe ich doch über einen Charity-Startplatz? Laufe ich als bandit? Stelle ich mich als Zuschauer an die Strecke oder bewerbe ich mich als Volunteer? Und gehe ich die Qualifikation für 2015 an, obwohl meine Ziele doch eigentlich eher im Triathlon liegen und ein Frühjahrsmarathon eigentlich nicht in die Jahresplanung passte.

Aber in der Überlegung wurde mir sehr schnell klar, dass ich doch voll auf einen Frühjahrsmarathon trainiere und die definitive Quali für Boston 2015 erreichen möchte. Das Problem ist, dass man nicht genau weiß, welche Zeit man braucht. Das entscheidet sich im September 2014, wenn die Summe aller Anmeldungen ausgewertet wird. Aber aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre sollte in meiner Altersklasse eine 3:04h auf jeden Fall reichen um 2015 dabei zu sein.

Die nächste Frage war also in welchem Rennen ich die Quali anstrebe. Da parallel dazu der Gedanke reifte, dass ich wohl auf jeden Fall beim Boston-Marathon 2014 vor Ort sein möchte - dazu dann gleich mehr - sollte es dann ein Marathon vor Boston, also am 13.April oder früher werden. Ich habe die Vision mit der erreichten Qualifikation für 2015 bei der 2014er-Ausgabe des Rennen in irgendeiner Weise Teil zu werden. 13.April oder früher bedeutete dann nach etwas Recherche und Festlegung meiner Kriterien für ein optimales Qualifikationsrennen eine Auswahl aus folgenden Rennen: Paris 6.April oder Rotterdam oder Wien jeweils am 13.April. Der erste Trend ging zu Wien, doch dort gibt es doch einige Höhenmeter. Dann sollte es Paris werden, aber der ist einerseits eine Woche früher und ich habe geteilte Meinungen gehört, ob die Strecke wirklich schnell ist.

Letzte Woche habe ich also für Rotterdam gemeldet. Der muss brettflach sein, es gibt 3h-Pacemaker, die mir je nach Qualität der Vorbereitung in der Renntaktik wichtig werden könnten, die Stimmung an der Strecke muss toll sein und nach erster Skepsis scheint die Stadt drumherum auch interessant zu sein. Es scheint gute und günstige Bahnverbindungen für eine bequeme Anreise zu geben und es wird mich ein guter Freund auf der Reise begleiten, der mir emotionalen Beistand leisten kann. Also lautet ein Hauptziel für 2014 nicht mehr und nicht weniger am 13.April in Rotterdam den Marathon in 3:04 oder schneller zu laufen.

Jetzt weiter in der Gedankenwelt. Erst sagte mir die Vernunft, dass ich beim Boston-Marathon am 21.April 2014 nicht vor Ort sein sollte, wenn ich nicht schon als offizieller Starter mitlaufe. Doch es kribbelte in mir und das Teufelchen auf meiner linken Schulter redete immer lauter auf das Vernunft-Engelchen auf der rechten Schulter ein. Dann kam auch noch die eMail von AirBerlin, dass am 30.09. noch Flugmeilen aus alten Beratertagen verfallen werden. In einer hektischen Nacht habe ich dann um 23:49 Uhr gebucht, bevor die Meilen dann um 0:00 Uhr verfallen wären. Am 17.April geht es nach New York und für den 2.Mai ist der Rückflug gebucht. Mit Eingang der Buchungsbestätigung wurde mir erst heiß und kalt - "was habe ich denn da bitte angestellt?". Aber ich legte mich ins Bett und wollte die Antwort am nächsten Tag für mich finden.

Am nächsten Tag fühlte es sich auch gleich viel besser an, erst recht, als ich dann günstige Unterkünfte für die ersten 5 Nächte fand. Die ersten zwei Nächte werde ich in New York verbringen, am 19.April geht es nach Boston und dann folgen drei Nächte in der Stadt meines Traummarathon. Ich buchte einfach blind die jeweiligen offiziellen Jugendherbergen (Hostelling International), die durchgängig super gute Bewertungen erhalten. Zu meinem Glück fand ich nach der Buchung dann heraus, dass die 2012 neu eröffnete in Boston nur 2 Blocks von der Ziellinie auf der Boylston Street entfernt liegt.

Nach der Hostelbuchung vollendete ich dann die Planung des Rahmengerüsts, in dem ich einen Inlandsflug von New York nach Boston buchte. Die Entfernung beider Städte schreit zwar eigentlich nicht nach Flug, aber der Zug ist deutlich teurer, der Bus wohl unkomfortabel und unzuverlässig und Mietwagen in Städten wie New York und Bosteon eher ein Hindernis, als eine Erleichterung. Außerdem konnte ich bei der Flugbuchung den offiziellen Discount der BAA, der Organisationsgesellschaft des Marathon nutzen, der natürlich eigentlich für die Teilnehmer gedacht ist. So fühlte ich mich aber schon ein wenig mehr als "Teil" des Events.

Aber was mache ich konkret am 21.April in Boston? Wie wird mein Tag aussehen? So ganz genau weiß ich es immer noch nicht, aber die meisten Optionen stehen mir noch lange zur Verfügung. Falls ich mir doch einen Startplatz über eine Charity organisieren will, müsste ich es allerdings kurzfristig angehen. Erstens laufen bei den lizensierten Organisationen bereits die Bewerbungsfristen und zweitens brauche ich dann auch maximale Zeit um im Umfeld von Freunden, Verwandten und Bekannten die erforderliche Mindestsumme von 4000 USD einzusammeln. Auch wenn ich ein paar gute Ideen hatte, wie ich es angehen würde, ist der Gedanke mittlerweile recht weit entfernt. Falls ich die 4000 USD nicht zusammen bekomme, bin ich verpflichtet den Differenzbetrag aus eigener Tasche zu leisten. Da ist mir das Risiko zu hoch, denn das Laufen für Charity ist in Deutschland nicht wirklich weit verbreitet.

Also bleiben noch die Varianten Volunteer, Zuschauer oder bandit. Als Volunteer würde ich mich sicher noch mehr als "Teil" des Boston-Marathon fühlen, hätte eine gute Tat getan und würde noch ein super Outfit als Dankeschön erhalten. Aber ich möchte doch die Stimmung des Marathon erleben und da bekommt man meines Erachtens als Volunteer nur einen ganz kleinen Ausschnitt von mit. Die Stimmung noch mehr aufgreifen würde man wohl als Zuschauer an einem der vielen Stimmungsnester. Aber mein Trend geht derzeit ganz klar dahin als bandit, also nicht offizieller Teilnehmer die Strecke hinter dem eigentlichen Teilnehmerfeld mitzulaufen. Bandits werden in Boston geduldet, also nicht aktiv verfolgt. Nicht zuletzt auch, weil es einen Kodex unter ihnen gibt, dass keinerlei Ressourcen des Events (Getränke, Finishermedaille, Massage etc.) genutzt und/oder ein offizieller Teilnehmer gestört wird. Insgesamt 2.000 bandits laufen wohl Jahr für Jahr auf diese Weise mit und es wird erwartet, dass es wegen der Anschläge vom letzten Jahr noch mehr werden.

Nach dem Boston-Marathon bleiben mir dann jetzt noch 10 Tage, die ich Urlaub im Nordosten der USA und oder dem Osten Kanadas verbringen kann. Die Planung steht noch nicht konkret, aber es sieht so aus, als ob ich mir einen Mietwagen schnappe und eine Tour über Philadelphia, Washington DC, die Niagarafälle, Toronto und Montreal mache. Aber auch da habe ich in der weiteren Planung noch ganz viel Zeit.

Jetzt habe ich also erstmal meinen Trainingsplan aufgesetzt. Es wird der Steffny-Trainingsplan für 2:59h und der wird konsequenter denn je durchgezogen. Ich habe bereits in der zweiten Jahreshälfte 2012 nach dem Plan trainiert, aber in meinen Anfängen im Triathlon einige Einheiten durch vergleichbare auf dem Rad oder im Schwimmbad ersetzt. Heute bilde ich mir ein besser zu wissen, wo Fahrradfahren als Ergänzung Sinn macht, vor allem aber auch wo nicht. Es gibt aber auch einfach eine Menge Einheiten, die muss ich auch wirklich laufen. Rund um die Steffny-Planung herum baue ich mir mit Hilfe des Joe Friel (Die Triathlon-Trainingsbibel) eine Jahresplanung mit Mikro- und Makro-Periodisierung. Nachdem ich am 22.September meine 10km-Bestzeit gelaufen war, war damit auch die Saison 2013 offiziell abgeschlossen und ich bin zwei Wochen in die Offseason gegangen, d.h. ich habe absolut gar keinen Sport gemacht. Vorgestern war ich dann das erste Mal wieder ganz locker 12km laufen, was gleichzeitig der Kickoff für die Saison 2014 war. Solche Läufe kommen jetzt ganz viel, Dembo wird im Winter völlig überbewertet. Und am 3.2. startet dann der 10-Wochen-Plan nach Steffny - alles nach dem Motto "Boston 2015".

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (2 Wertungen)

Träume leben

Gratulation zu der Entscheidung!
Ich finde es klasse, dass Du Deine Teilnahme nicht am Geld festmachst (auch wenn es für einen guten Zweck ist), sondern auf sportlichem Weg dorthin kommen möchtest.
Die Entscheidung trotzdem 2014 in irgendeiner Form dabei sein zu wollen kann ich sehr gut nachvollziehen (siehe Überschrift) und "begeide"* dich um deine Reise! =)
Sie wird sicherlich dazu beitragen, dass du im kommenden Jahr schon auf Boston 2015 eingestimmt bist.
Für den Trainingsplan (und alles drumrum) viel Erfolg!

Gruß, Dominik

*sowohl "gönnen" als auch "beneiden"
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"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Ach was schön...

... nicht den Kopf in den Sand stecken und vorwärts...

Viel Erfolg, meine Daumen sind gedrückt!

LG Caia

Ich übe noch!

wow, ein mann...

...der tat. nich lange der verhinderten chance nachtrauern, sondern plan machen und durchführen! das find ich klasse.

wobei, ein wermutströpfchen hat die ganze planung, finde ich: überhaupt nicht nachvollziehbar bleibt für mich, warum du so unbedingt in boston als bandit mitlaufen willst, wenn du doch im folgejahr ganz offiziell mit quali an den start gehen möchtest? auch wenn es dort gebilligt wird und es angeblich so viele machen, muss das wirklich sein? bringst du dich da nicht um das einmalige erlebnis, dort "richtig" zu laufen?

du argumentiertest schon in deinen vorherigen blogs, dass es etwas ganz besonderes sein wird, "im jahr eins nach den anschlägen" dort zu laufen. aber was, frage ich mich, macht den unterschied zwischen jahr eins und jahr zwei oder drei oder 13? es wird IMMER nach dem feigen anschlag sein...
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laufend findet, dass es einen hauch von sensationslust hat, "im jahr eins nach..." unbedingt in boston laufen zu wollen: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Boah, wie durchstrukturiert!

Happys Gedanken sind mir auch schon so ähnlich durch den Kopf gegangen. Für mich wär die Volunteer-Variante die passendste. Dabeisein als Helfer und im Jahr drauf als qualifizierter Läufer und somit den Traummarathon von beiden Seiten kennenlernen.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Habs jetzt erst gelesen. ...

... Zwei Sachen gingen mir durch den Kopf.
Meine Große hat öfter als Volunteer beim Berlin-M mitgemacht. Sie stand immer am Infopoint im Start-Zielbereich. Ja, manches kannst du als Platte auflegen, mußt es andauernd immer neuen Leuten sagen. Aber die Emotionen der Läufer bekommst du hautnah mit! Das ist ein Erlebnis! Vielleicht könnte das eine Option zum Bandit sein.
Als Zuschauer sauge ich die Emotionen beim Berlin-M immer sehr intensiv auf, da ich mittlerweile viele Jogmaper kenne. Wenn ich die an der Strecke treffe, ein Stück mitlaufe, motiviere - Das ist schon richtig stark, auch wenn man nicht mitläuft.
So viel zu meinen Gedanken zu Boston 2014.
Zu Rotterdam 2014 fällt mir spontan janz provokant der Vergleich Kuschelplan zu richtig Leistungsdruck - Steffny zu Greiff ein.
Du willst etwas definitiv schaffen. Da ist ein Polster ganz gut. Die 3:04h sollen auch bei Gegenwind stehen. Ein Versuch. Ein Treffer. Schon mal in den 8-Wochen Countdown von Greiff geschaut? Klar, eine Garantie ist das auch nicht. Aber Greiff ist schon anspruchsvoller und doch machbar.
Nur so als Gedanke vor allem in Bezug auf deinen vorletzten Blog...
Viel Spaß beim Vorbereiten!
;-)

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