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Vorab:
Mit den Bestzeiten hatte ich ja eigentlich schon abgeschlossen. Meine lagen vier Jahre zurück und waren durch regelmäßiges Tempotraining, vorwiegend durch Intervalle, hart erkämpft worden. Nachdem ich im Frühjahr ohne großes Tempotraining aus einer Marathonvorbereitung heraus mehr zufällig doch noch eine neue 10-km-Bestzeit gelaufen war, juckte es mich doch, auf der HM-Strecke noch mal einen draufzusetzen. Mein Versuch im August, natürlich nach ausgiebigen Tempoeinheiten, ging grandios daneben.

Also dachte ich mir: Schluss mit der Hetzerei. 1:37:40 h ist eine gute Zeit. Die kann so für immer stehen bleiben. Jetzt wird nur noch ruhig trainiert, hin und wieder ein TDL oder CL gelaufen weil’s Spaß macht, aber nicht mehr mit Gewalt (= Trainingsplan).

Bremen 2013:
Marathons bin ich dieses Jahr genug gelaufen. Alle beide sehr entspannt. Darum soll es in der Hansestadt zum Saisonabschluss nur über die halbe Strecke gehen. Wer mehr über die Strecke, Orga und Stimmung erfahren möchte, kann meinen Marathon-Bericht aus dem Vorjahr lesen und sich die Hälfte wegdenken.

Wetter: Bedeckt aber trocken, 16° C, windstill, also optimale Bedingungen. Als Zielzeit habe ich mir eine sub 1:40 h gesetzt. Ich komme beim Start schlecht weg, danach pendelt sich meine Pace aber auf 4:40 ein, was ich dann lange Zeit halten kann. Die Strecke ist schön, an diversen Punkten feuern Zuschauer die Läufer an und ich genieße den Tag. Bei Km 11 kommt er dann doch noch: der Gedanke. Der Gedanke „Es läuft gerade so schön. Versuch’s doch noch ein Mal!“

Und ich versuche es. Vielleicht ist ja doch noch eine Bestzeit drin. Und von da an bekommt der Lauf einen ganz anderen Charakter. Habe ich vorher noch nach links und rechts geschaut, um die vielen Eindrücke aufzunehmen, starre ich jetzt stumpf geradeaus, nur darauf bedacht, die Beine ungestört locker weiterlaufen zu lassen. Die Mordsstimmung an der Schlachte, die mir im letzten Jahr eine Gänsehaut über den ganzen Körper zauberte, nehme ich zwar wahr, aber irgendwie nicht so richtig. Im Weserstadion ist eine Kamera aufgebaut. Man kann sich auf dem Stadionbildschirm sehen. Ist mir egal. Ich will nur ins Ziel, und zwar schnell. Die letzten 3 km werden richtig anstrengend. Die Beine sind schwer, die Lockerheit ist weg, jetzt wird nur noch gekämpft. Ich komme auf die Zielgerade. Um mich herum eine Klasse-Stimmung, die ich nicht zu würdigen weiß. Ich renne ins Ziel. 1:37:35 h. Bestzeit um 5 Sekunden unterboten!

Na bitte!

Na und?

Ein innerer Jubel, wie ich ihn nach der 10km-Bestzeit verspürt habe, will sich nicht einstellen. Auch jetzt, drei Tage danach, weiß ich das Ganze noch nicht richtig einzuordnen. Ein gewisser Stolz, es mir selbst noch einmal gezeigt zu haben, ist schon da. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, mich selbst um ein tolles Lauferlebnis gebracht zu haben.

Gruß

Sirius
…der so schnell rennt. (Na und?)

5
Gesamtwertung: 5 (5 Wertungen)

Ha, siehste!! :o))

noch einer, der ohne krampfhaftes Tempokloppen aus der guten Grundlagenausdauer neue PBs aufstellt!

Super! Glückwunsch! :o)

Und ja, das ist der Punkt! Wenn Du nur kämpfst, kriegst Du von allem anderem drumherum fast nix mit, dabei ist es doch wirklich sehens- und erlebenswert!!

Deshalb fühle ich mir mittlerweile auch die meisten Läufe erst mal an und entscheide unterwegs, ob es Sinn und Lust macht, Gas zu geben oder ob nur genossen wird in moderatem oder sogar langsamem Tempo.

Ok, wenn Du vorher fixiert auf eine neue PB trainierst, ist einfach die mentale Einstellung anders als mal eben einen erfolgreichen Versuch gemacht zu haben. Daher ist dann auch die Freude anders oder gar nicht so tief vorhanden.

Macht nix, die PB steht, neue Erfahrung gesammelt und alles ist gut! :o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Ja, ins ziel kommen ...

... und ein "na und?" denken, kenne ich auch.
Manchmal ist es danach einfach nur Leer im Kopf. Aber das ist gar nicht so schlecht. Dann ist wieder Platz für Neues. Auch seehr wichtig. ;-)
Du hast dich um etwas gebracht? Warum? Mal geht der Schalter um und dann is Dembo und mal nicht. Paßt schon. Die Zeiten zum Genießen kommen auch wieder. Sieh es als Bestätigung, dass du das noch kannst.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger!
;-)

also ich finde...

...du hast es genau richtig gemacht: eine hälfte zum genießen, die andere mit richtig schmackes gelaufen und als i-tüpfelchen mit pb ins ziel. cool!
____________________
laufend gratuliert dem sirius, der genießen kann und trotzdem schnell rennt: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Mal Andreas herum gesehen,

wenn du am Anfang gar nicht recht los kamst und dann bis zur Hälfte im Wohlfühlbereich, na dann sind doch auch noch Reserven. Kannst deine Bestzeit bei Bedarf quasi noch toppen - das hat doch auch was.

Mal läuft´s und mal läuft´s besser.

ach komm...

das war doch die perfekte "und"-Lösung !
erst spass haben und dann gas geben
die gewisse leere : sei´s drum
man kann nicht immer jubeln
aber 5 sec sind 5 sec
:)

g,c

Und heute?

Freude angekommen? Stolz da? Verdient hast du dir das alles!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Doch! Nicht zuletzt durch

Doch! Nicht zuletzt durch die netten Kommentare, die mir klar machten, dass ich ja eigentlich beides hatte: Spaß und eine gute Zeit.

Da ham was wieder....

....die PB fällt oft dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. Wahrscheinlich will sich auch deshalb kein triumphierendes Gefühl einstellen. Du hast nicht hart kämpfen müssen. Es ist einfach so, im Vorbeigehen, geschehen. Naja im Vorbeigehen ist wohl mehr als übertrieben, aber du weißt, wie ich es meine:-)
Herzlichen Glückwunsch zur PB, überhaupt zu solch schnellen Beinen und zu der Erkenntnis, dass das alles gar nicht so wichtig ist!!!
Es wird nicht immer höher, schneller, weiter gehen, aber es wird ganz sicher immer wieder jede Menge Grund geben, auf sich stolz zu sein;-)

Lieben Gruß
Tame

Wirklich nicht wichtig!

Einer der am häufigsten zitierten Sätze in JM lautet: "Zeiten werden total überbewertet." Meistens fällt dieser Satz um humorvoll eine kleine Enttäuschung zu überspielen oder um jemand anderen damit zu trösten. Aber dieser Satz ist sowas von wahr! Jedes Tempo, jede Zeit ist doch nur individuell zu betrachten, je nach Person, nach Talent, nach Trainingseifer, Trainingsziel, Wettkampfvorbereitung und und und... Wirklich wichtig ist doch nur, dass man Spaß hat.

Gruß

Sirius
...der nicht so wichtig rennt.

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