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Um es gleich mal vorweg zu sagen, lieber Markus, Läufe gibt es leider nicht nachzutragen - mehr als die 3 kleinen waren nicht drin. Aber das macht gaar nichts!
Es war eine unglaublich eindrucksvolle, aufregende, anstrengende Reise, die so manches, was uns selbstverständlich erscheint, relativiert und - hoffentlich - auch Spuren im eigenen Leben zu Hause hinterläßt.
Da wir viele persönliche Kontakte hatten, blieben wir nicht ganz so an der Oberfläche wie vielleicht sonst die Touris. Wir, der kleine Kirchen-Kammerchor, wurden überaus herzlich begrüßt und umjubelt, wurden viel eingeladen, mußten aber auch viel leisten: proben, singen, mit anderen spontan zusammen musizieren (plötzlich sollten wir den Halleluja-Chor von Händel auswendig singen und unser C. ihn auswendig auf der Orgel begleiten), Reden anhören... wir wurden umarmt und mit Geschenken überhäuft.
In Dar es Salaam mischt sich Altes und Neues, zwischen Häusern mit abblätternden Fassaden finden sich zunehmend Glasbauten der Banken (natürlich!) und neuer Firmenansiedlungen. Aber wie viel Elend gibt es andererseits! Wellblechhütten, Schmutz, Staub und Plastikmüll überall.
An den Straßenrändern Händler, die eine Handvoll Fische oder Maiskolben braten, Schuhputzer und sogar noch Schreiber.
Man kann zum Thema "Mission" stehen wie man will, "unseren" Christen scheint es ganz gut zu gehen, sie haben Schulbildung und können häufig etwas Englisch.
Während der Überlandfahrten - wir schwelgen in Ocker- und Rottönen der Erde - dasselbe Bild, nur noch ärmer. Ebenso am Meer, die Fischer. Wir sehen wunderbare Bilder von Menschen, die ihrer Arbeit nachgehen - für sie ist es der Kampf ums tägliche Brot! Daß man an solchen Menschen ungern joggend vorbeizieht, läßt sich wohl verstehen.
Und dann das Maasai-Dorf! Schöne Menschen, süße Kinder, aber noch immer werden die Frauen verprügelt, haben die Maasai mehrere Frauen, die alle beschnitten sind! Die christlichen Maasai (Was ist das? Ihre Lieder sind immer noch sehr kriegerisch, nur mit religiösen Texten unterlegt)beginnen, gemeinsam mit ihren Frauen zu essen...
Da stehe ich einer Gruppe von Kindern gegenüber. Sie sehen mich an, ich sie. Was macht man da? Einmal teacher, immer teacher. Ich singe mit ihnen ein Fingerspiel (Where is thumbkin...) und habe die völlige Aufmerksamkeit. Alle machen mit!! Das war wirklich sehr, sehr schön, genau wie meine Wettlauf mit den kleinen Jungs!
Eindrucksvoll und fürs Laufen völlig ungeeignet: die Safari! Im Tarangire-Park, in dem die Tiere wild herumlaufen, übernachteten wir in Zelten mit Sanitärzone. Im Dunkeln völliges Ausgehverbot, weil es zu gefährlich gewesen wäre, die Löwen waren sehr nahe! Morgens befanden sich dann drei Elefanten hinter unserem Zelt, die sich damit vergnügten, einen Baum zu zerlegen.
Auch toll: Singen am Lagerfeuer! Damit wir unseren Dirigenten im Dunkeln sehen konnten, hat er uns mit glühendem Knüppel dirigiert, wir dazu auswendig nen Mendelssohn!
Vor dem Abflug vom Kilimanjaro-Flughafen hat sich der Kili sogar noch gezeigt, einfach Glück!
Sonntag haben wir dann eine Menge gesungen, abends etwas geruht (Gästehaus mit Lochklo), um 1:30 Uhr wurden wir dann zum Flughafen gefahren, Montag abend um 12h zu Hause. Erkältet und müde.
Die ersten Tage konnte ich nur spazierengehen und mußte viel schlafen, jetzt versuche ich, schnell wieder in Form zu kommen, lasse das Auto stehen und dusche nur kalt. Jawoll!
Ganz hier angekommen bin ich noch immer nicht.

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

kann dich so gut verstehen

Ich war 1990 in Kenia - mitten im Busch an der Grenze zu Uganda, sechs Wochen Leben mit den Einheimischen. Wunderbare Dinge erlebt (Mutmachgeschichten, selbstbewusst handelnde Frauen, tiefe Religiösität), schreckliche Sachen mitbekommen (AIDS; misshandelte Kinder, die allgegenwärtige Armut und dumpfe Verzweiflung), eine faszinierende Landschaft. Viele Menschen, die zum ersten Mal in ihrem Leben weiße Haut aus der Nähe sahen - und anfassen mussten, so wie ich als Kind meinen ersten farbigen Gast bei meinen Eltern erlebte ;-) Ganz viele Diskussionen mit gleichaltrigen Massaikriegern, die noch nicht 20 Jahre alt Familienväter und hoch angesehene Mitglieder ihrer Gruppe waren und nicht verstehen konnten, dass wir Studentinnen ohne männliche Überwachung ins Ausland reisten, und uns bemitleideten, weil wir im gleichen Alter noch keine Kinder vorweisen konnten ;-)) Gelaufen bin ich damals noch nicht.

Komm wieder gut an!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Liebe Jutta,

da vermag ich gar nichts drauf antworten, außer, *schluck*.... Deine Worte machen mich sehr sehr nachdenklich. Ein wunderbares Erlebnis in einem wunderbaren Land, das viel Elend kennt. Ich lese Staunen und Schrecken, Anerkennung und Demut in deinen Zeilen. Ich glaube, ich weiß gar nicht, wie gut es mir geht... Aber es ist großartig, dass solche Reisen möglich sind. Großartig für eurem Chor UND euren Gastgebern. Eine Zeit lang gemeinsam (er)leben dürfen, ist ein großes Geschenk. Du wirst ganz sicher noch lange brauchen, um hier wieder völlig anzukommen, musst das Erlebte erstmal richtig verarbeiten, doch die weniger schönen Erinnerungen werden alle verblassen, das Wunderbare bleibt.
Willkommen zurück!!! Isch freue mich auf Foddos!!! Jetzt müssen wir aber unbedingt einen Termin für unsere Weiberrunde festmachen;-)))

Lieben Gruß
Tame

Toller Bericht, bekommt man

Toller Bericht, bekommt man ja Fernweh! Aber das Leid der Menschen geht einem nahe, das glaube ich gerne. Da würde ich auch nicht vorbeijoggen wollen

:0) Ahhaa...

... die Rici ;0)... So als Austauschlehrer erlebt man schon die interessantesten Dinge, es ist schwer für uns Europäer, sich in solch eine exotische Welt zu versetzten und es sind immer die ärmsten (wie auch in unserem Lande), die sich am wenigsten beschweren und am meisten geben...
Schön das du wieder da bist ;0), warst ja lange weg!?!?!!

Gruß,
Kaw.

Sorry an alle, die niemals angekommen sind, weil sie mich nach dem Weg gefragt haben...

Nö, war gar nicht lange weg..

... nur 3 Wochen, aber gefühlt 1/2 Jahr. Ich könnte über jeden Tag seitenlang schreiben!

Randvoll mit Emotionen kommt man aus Afrika zurück

da brauchts keinen Lauf, um auf dem schmalen Grat der Gefühle zu wandeln. Jeden Tag Unfassbares vor Augen, konfrontiert mit dem eigenen Glück aus dieser Welt wieder aussteigen zu können und doch saugt man alles in sich auf- ich glaube es dauert noch eine ganze Weile, bis Du wieder hier angekommen bist und der Kopf wieder geordnet ist. (Ich würde mich jetzt gern so ein klitzekleines bisschen in deinen Kopf einklinken- fürn feely:))
Trotzdem welcome back und keep on running...to infinity and beyond...

Danke

für deine Gedanken und Gefühle! Bin gerade ganz gerührt zu lesen, was du erlebt hast. Willkommen zurück!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

ja, afrika...

...erdet irgendwie. ich war zwei mal in namibia. weniger als touristin, sondern auf privatbesuch auf einer farm, auf der meine jüngste tochter für eineinhalb jahre lebte und mitarbeitete und hab dort kurze zeit miter- und gelebt. es war faszinierend und befremdlich und doch irgendwie heimelig zugleich.
und dieser unglaubliche sternenhimmel...
liebe ricamara, ganz großes dankeschön für diesen ehrlichen und wunderbaren bericht. er hat wieder meine sehnsucht geweckt...
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laufend findet, dass afrika, wie laufen, auch süchtig macht: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

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