Benutzerbild von mainrenner

Bärlin hat mich positiv geschockt und mich irgendwie ganz schön mitgenommen. Ich brauchte Seelenheil in Form WWW (von Wald, wilder Natur und Wetter) und Einsamkeit. Auf das letzte W hätte ich im Nachhinein sehr gern verzichtet.
Im Pfälzerwald bot sich beim Pfalztrail die Gelegenheit dies alles im Übermaß zu bekommen. Gegenüber des Vorjahrs wurde die Strecke etwas verlängert,von 74km auf 86km und mit ein paar Hm mehr (2300Hm) gespickt. 40% sollten single trails sein, der Rest Waldwege, Wirtschaftswege und ein Minianteil Strasse. Statt der 14h Zeit, hatte man jetzt nur noch 12,5h. Naja, gemütlich ist anders. Notfalls könnte man abkürzen, wurde einem jedenfalls angeboten.
Anreise am Vorabend, passenden Parkplatz fürs Dickschiff gesucht. Nach zahlreichen, erfolglosen Versuchen auf einer sehr stark abfallenden Wiese, die eigentlich eine Aneinanderreihung von Kuhfladen war, gab ich auf und parke in einem angrenzenden Wohngebiet. Startunterlagen geholt, alles vorbereitet für den Lauf und dann traf das Pferdchen kurz durch. Sie hatte Waxl im Schlepptau und wir quatschten noch einige Zeit. Wie es eben so ist. Dann ab in die Koje, begleitet von Regen schlief es sich vorzüglich.
An nächsten Morgen zu briefing geschleppt, Pferdchen und Waxl gabe ihre dropbags ab- ich nicht- pah wozu denn dropbag! Regen macht MIR doch nichts aus. Hatte ich schließlich bis zum Abwinken vor 4 Wochen schon und da war der Regen mystisch. Also keine Wechselsachen, nicht mal die richtige Regenjacke zog ich an, sondern nur das Aldi-Ding vom Frosch (aka herr mainrenner), ich wollte ja keinen Hitzetod sterben, pah. Darunter kurzes Schört, Armlinge und meine kurz CWX KOmpressionshose. Die sollte meine Knie beim Bergabkacheln schonen. Mit buff und Strinlampe war das Ensemble perfekt. Rucksack auf und Garmin an und schon konnte ich starten.
Der Schuß viel und so rollten die Läufer los in die Dunkelheit. Das Plätschern des Regen auf den Jacken der Läufer ersetzte das Rascheln der Bäume.
Trab, trab, trab machte sich die Kolonne auf in den Wald. Der Regen war wirklich lästig und nach 15km fror ich wie ein Schneider. Bis aufs Höschen nass, war es nicht wirklich angenehm. Einige Wege verwandelten sich unter den Wassermassen in Schlammrutschen. Es war mühsam zu laufen, zu rutschen und dabei nicht auf die Schnauze zu segeln. Ich hatte die selbe schon gestrichen voll. Mir war sooo kalt. Statt Mystik, war es einfach nur ekelig. Eigentlich hatte ich meinen Ausstieg schon geplant. Bei 23km ist Schluß! Das sagte ich mir jedenfalls immer wieder. Ich haderte. Nass. Kalt. Erbärmlich.
Irgendwann lief ich aufs Pferdchen auf, deren Nase fast so doll lief wie ihre Beine und die immer wieder herzhaft von Hustenanfällen, der vergangenen Bronchitis geschüttelt wurde. Ihr war auch nicht wirklich knusprig. Während ich so in ihrem Windschatten lief, drehte sich plötzlich meine Laune.
Warum eigentlich wollte ich aufhören? Mir gings doch gut! Zwar war ich nass und mir war so unheimlich kalt, aber körperlich hatte ich nix zu beklagen. Warum also sollte ich aufhören? Ja, warum? Nur weil mir kalt war? Weil der Regen zwischen Niesel und Landregen abwechslte? Weil ich vielleicht krank werden würde?
Pferdchen gings viel schlechter und sie hielt durch, sollte ich mich jetzt selbst bemitleiden und aufhören? Ne,ne,ne. Dafür war das Startgeld zu teuer!
Also weiter. Bei km 23 frisches alkoholfreies in die Flasche gefüllt, eine Kartoffel eingworfen und weiter. Der VP war in der Burg Battenberg aufgebaut, unheimlich tolle Kulisse. Ich hatte doppelt das Vergnügen des Betrachtens, in den Pfützen spiegelte sich alles wider.
Die Pfade wurde netter, schmaler und weniger sumpfig. Zumindest nicht so schlammig, dass man knöcheltief versank. Nur nass wars, von oben und von unten. Kalt war mir immer noch.
Ab und an kamen sehr knackige Hügel, gern auch mal auf Stufen zu erklimmen. Die eine oder andere Burgmauer galt es zu umrunden, ein Nonnenberg wollte erklommen werden, nur um sich gleich wieder steil ins Tal zu stürzen.
Millionen Pilze gabs in den wildesten Farben. Besonders hübsch waren die purpur-lilanen, die aussahen wir samtene Knöpfe. Es regente, die Wolken hingen zwischen den Bergen und irgendwann waren 41km rum. Neues Bier in die Flasche, Kartoffel in den Bauch und weiter. War ja schon fast die Hälfte rum, da wollte ich dann auch nicht mehr aufhören. So kurz vor dem Ziel.
Mein Garmin leistete mir gute Dienste bei der Richtungsfindung. Die Mehlpfeile waren nicht sturzwasserfest und ab und an sah ich die Plastikbänder in den Bäumen nicht. Da half der Blick auf die Uhr. Leider hatte ich beim Start nicht richtig gedrückt, sodass ich keine tatsächlichen Kilometer hatte und auch nicht wusste, wie viel Zeit ich noch habe bis zum Zielschluß, verloren in Raum und Zeit. Aber egal.
Blöd war nur, dass der Garmin deutlich vor der letzten VP bei 76km aus ging. Aber er kommt jetzt auch langsam in die Jahre und mit Senoiren muss man bisschen nachsichtig sein. Das gebietet schon der Respekt vor dem Alter!
Irgendwann, so gefühlte 5km vor dem Ende kam dann eine absolut seltsame Markierung. Rechts waren die Bäume zu einem Pfad rechts und links markiert, geradeaus hing ein Flatterband. Ich wusste nur, dass ich auf gar keinen Fall noch mal in de Wald laufen wollte. Also schaltete ich den Garmin noch mal ein und, oh Wunder, er ging an, fand das Signal und zeigte den Streckenverlauf.
Puh, Glück gehabt. Ich küsste ihn dafür. Jawoll. Und da sagt man immer, dass solche Geräte keine Seele haben- der wusste genau um meinen Gemütszustand und wie wichtig er für mich zu diesem Zeitpunkt war.
Naja, einen Berg gabs dann noch und dann noch den Weg hoch ins Ziel und nach 12:04h blieb die Uhr stehen. Ich war völlig durchgefroren und zu keiner Regung mehr fähig. Duschen suchen- keinen Bock. Statt dessen abwaschen a la Kind 2, dann ab ins Bett. Nach einiger Zeit, Suppe und Salat und wieder ins Bett. Gegen 22:30Uhr war ich dann so weit durchgetoastet, dass mir wieder wohl war und ich machte mich auf den Heimweg.
Und was lernen wir daraus? Vielleicht packt man sich doch besser mal ein dropbag, zieht ne Regenjacke an und lässt ein wenig Blauäugigkeit zu Hause.
Cool wars nach dem Finish natürlich schon- also nach dem ich wieder aufgetaut war jedenfalls.
Ach, und es hilft für ein schnelleres Bewältigen der Strecke vielleicht ohne gerade überstanden Infekt loszulaufen und am Wochenende vorher vielleicht keinen Marathon gemacht zu haben. Nur so nebenbei...

5
Gesamtwertung: 5 (5 Wertungen)

Du Angeber!!

... nur mal so nebenbei ;0))... Hey, dein Lauf erinnert mich an einen, den ich mitten des Jahres mit genau so einem Wetter lief, ich wollte auch ständig aussteigen, obwohl es mir körperlich gut ging!?
Aber du hast es durchgezogen und das alles andere als schlecht!...
Hey du Ultra, schön dich persönlich zu kennen...!

Gruß,
Kaw.

Sorry an alle, die niemals angekommen sind, weil sie mich nach dem Weg gefragt haben...

Hätte mich schwer gewundert

Hätte mich schwer gewundert wenn du aufgegeben hättest. Ist bei dir nicht programmiert :-) Trotzdem HERZLICHSTEN GLÜCKSWUNSCH. Bei schönem Wetter kann jeder laufen. WWW :-) hab ich heute auch schon gebraucht ganz besonders die Kombielösung mit Einsamkeit bewirkt Wunder.

Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu ereichen.
Helden gesucht!

bah, was fürn Wetter

das braucht echt keiner. Glückwunsch zum Durchschwimmen der 86 km und hoffentlich nimmt dein Immunsystem es dir nicht übel...

LG,
Anja

Schätzelein, hat dir noch

Schätzelein, hat dir noch keiner gesagt, das WWW mit Nebenwirkungen verbunden ist?? Bei Wald Wild Wetter musste mit sowas rechnen! Nächstens fragst deinen Laufkumpel oder Dealer deines Vertrauens nach Details, dann brauchste auch nicht mehr über evtl DNF`s nachzudenken ;-)))
Hätte mich jetzt auch sehr gewundert, wenn dein Kopf sich durchgesetzt hätte. Und trockene Klamotten werden bei solch wüsten Unternehmungen eh überbewertet...und ich weiss genau, du willst es doch auch! *kicher*
Nimm mich mal mit zu so einem Seelenheil :-)

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Boah ey!

Hmm, da bin ich anderer Ansicht als brihoha. Ich vermute, es war der Kopf, der dich hat weiterlaufen lassen, nicht der Rest. Der Rest hatte nämlich allen Grund, die Angelegenheit höchst unkommod zu finden. Den Kopf bewundere ich sehr und den Rest auch - dafür dass er so einen Willenskraftakt mitspielt.

Beeindruckte Grüße aus Berlin von
yazi


"Cooler Lauf" -

in jeder Hinsicht. Aber dass Du aufhören wolltest, kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen ;-) Herzlichen Glückwunsch zum Ankommen!

Ey sachma....:o)))

wieso schreibst Du so einfach MEINEN Blog??? ;o))

GENAUSO ging es mir auch...die Gedanken bei Km 10 schon ans Aufhören, zum Glück den lieben waxl neben mir gehabt...dann warst Du plötzlich bei mir und nachher noch mal und das tat echt gut, wie die Tortelini!!:o)...15-40 waren die schwersten Km für den Kopf....dann begleitet mich ein Stück der liebe Buddy Fraggle und es lief wieder wie geschnitten Brot...an dieser seltsamen Markierung zum Schluss hab ich auch irritiert angehalten und meine Uhr gab auch 8 Minuten vor dem Ziel auf und der Cut drückte gewaltig, so dass ich noch mal richtig laufen musste, ums mit Ach und Krach zu schaffen...zum Glück! :o)

Das Ding was schwer, vor allem für den Kopf.
Da sieht man mal, dass Sturköppe auch zu was nütze sind! ;o)

Fetten Glückwunsch zum frozzelschlammigen Finish und mentalem Sieg und noch viel mehr Danke für Deine klasse fürsorgliche Energieversorgung!! :o)

Lieben Gruß Pferdchen
P.S. ähm...näää, ne Bronchitis wars nu wirklich nicht, nur ne harmlose völlig unblutige fieberfreie Erkältung, Rotznase halt....kann ja mal vorkommen...alles gut, nur tatsächlich etwas Muskelkater! ;o)
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

frau...

...du bist nen höllenweib! eine woche nach der asphaltschlacht in börlin hauste so'n ding raus! cool!
____________________
laufend findet mainrenner krass coole type: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Ähem, habe ich das richtig verstanden,

die Strecke wurde verlängert, Höhenmeter zusätzlich draufgepackt und zum Ausgleich die Cutzeit verkürzt??? Hmmmm... Ja, so ein Seelenheil hat was 0:))) Spontan muss Frau eben sein;-) Aber nächstesmal machst das Ganze durchdacht und mit Ruhe, dann brauchst nicht so lange, um aufzutauen. Du bist echt ne Marke, *lach!* Ich gratuliere dir ganz herzlich zu diesem verrückten, schweren und nassen Ultra und wünsche dir jetzt ENDLICH eine schöne REGENERATIONSZEIT!!!


Lieben Gruß
Tame

Das ist doch ganz normal, Tame.

... Die Läufer werden von Jahr zu Jahr besser, also kann man die cut-off zeiten auch verkürzen.
Is doch logisch. Ich bin auch dafür, dass bei einem ganz normalen City-M nach 3:30h die Straßen wieder freigegeben werden. Das reicht doch für den normalen Läufer vollkommen aus. Trainngsläufe kann man im Gelände machen. Da stört man schließlich keinen. Auch die Läufer müssen mal wieder ein bisschen mehr an die anderen denken. Nich immer nur an sich.
Du hast das bravourös gemeistert, Mainrnnerin. Keine Klamotten unnötig zu viel eingesaut und schön gekämpft. Heißt ja Wettkampf! Die Laufzeit maximal ausgenutz. Also alles fürs Geld eingesackt. Inklusive Regen. Sehr gut.
Jezz weiß ich endlich auch warum das Pferdchen so knapp am cut off vorbeigeschrammt ist.
Dnake für die Info.
;-)
PS: Läufst du als Ultranachbereitung am Samstag den Brocken-M? ;-))

Bekloppte gibt es immer -

und wenn alles wie geplant gelaufen wäre hätte ich genau DEN Lauf auch auf dem Ticker gehabt. So mach ich nur Luschentraining und Regeneration - die Dir ja wohl vollkommen fremd ist.

Hut ab - der Kopf hat gesiegt!

Schnell...

warst du unterwegs bei dem Sauwetter.
Ich habe zeitweise gedacht etwas von den Pilzen zu naschen. Das hätte mental einiges einfacher gemacht.

Glückwunsch:-)

Fraggle

@ all

Dnake und Fraggle: Die Pilze! Das wäre ne gute Lösung gewesen. Don't run, take mushrooms and fly home. Das merke ich mir fürn Röntgenlauf!!! DNAKE...to infinity and beyond...

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