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Im British Medical Journal wurde eine spannende Meta-Analyse vorgestellt:
Wie wirkt Sport/körperliche Aktivität im Vergleich zu Standard-Medikamenten auf die Sterblichkeit bei koronarer Herzerkrankung (KHK), bei Herzversagen, bei Schlaganfall und bei beginnendem Diabetes mellitus Typ-2 ("Alters-Diabetes").

Hier eine leicht lesbare Zusammenfassung von Spiegel-Online:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/praevention-gezielte-bewegung-koennte-medikamente-ueberfluessig-machen-a-925566.html
"Sport statt Pillen: Bewegung kann bei manchen Krankheiten so gut vor dem Tod schützen wie gängige Medikamente. Das zeigt jetzt eine weltweite Studie. Forscher bemängeln, dass dieses Potential zu wenig ausgenutzt wird."

Hier der Link zur Original-Publikation im BMJ:
http://www.bmj.com/content/347/bmj.f5577
http://www.bmj.com/content/347/bmj.f5577

Huseyin NaciJohn, P A Ioannidis, director
Comparative effectiveness of exercise and drug interventions on mortality outcomes: metaepidemiological study
BMJ 2013; 347 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f5577 (Published 1 October 2013)
Cite this as: BMJ 2013;347:f5577

Herzliche Grüße,
waldboden

5
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Schade.

Lieber waldboden,

ich finde es sehr freundlich von dir und wirklich interessant, dass du uns immer wieder mal relevante Studien hier vorstellst.

Im Grunde ist das Ergebnis dieser Studie ja nicht überraschend, oder?
Schließlich spricht man ja auch von Zivilationskrankheiten, die durch Bewegungsmangel entstehen. Bis zu einem gewissen Grade sind diese eben reversibel, wenn die Ursache abgestellt wird.
Leider ist es einfacher vor der Glotze zu sitzen und ein Medikament (zum Bier?) einzuwerfen, als sich zu regelmäßiger Bewegung aufzuraffen.
(Durchschnittliche Sehdauer in Deutschland 2012: 220min pro Kopf und Tag !!)

Deshalb bin ich pessimistisch, was die Volksgesundheit angeht. Aber vielleicht höhlt steter Tropfen ja auch hier den Stein.

Gruß
Uhrli

Japp,

kann ich bestätigen, ich habe durch Bewegung und am Anfang auch durch Nahrungsumstellung insgesamt 32kg abgenommen, ich schnarche nicht mehr, brauche nachts kein Beatmungsgerät mehr,das Herzrasen ist weg und die Medikamente gegen Bluthochdruck konnte ich nach Rücksprache mit meinem Doc auch absetzten.

Eulen nach Athen tragen ...

Lieber Uhrli,
wahrscheinlich trage ich hier gerade im Jogmap-Forum mit dem Posten solcher Studien "Eulen nach Athen", vor allem bezogen auf die Viel-LäuferInnen.

Vor nicht langer Zeit war ich ebenfalls Laufanfänger und mich hätte so was damals zusätzlich motiviert (auch heute noch) und die Viel-Läufer hier haben wenigstens eine "wissenschaftlich abgesicherte Gesundheits-Präventions-Bestätigung" ;-)

Ich fand es schon spannend und überraschend, dass körperliche Aktivität bei manchen Erkrankungen gleichziehen kann mit der Wirkung von Standard-Medikation (die immer Nebenwirkungen hat).

Da ich im Gesundheitsbereich aktiv bin, darf ich auch beruflich nicht die Hoffnung aufgeben, dass der/die eine oder andere es (mit Unterstützung und Motivation) schafft, sich mehr regelmäßig zu bewegen, weniger vor der "Glotze" zu hocken.

Wenn es auch nicht die "Volksgesundheit" ändern wird, ich freue mich über alle, die sich anstecken lassen.

Herzliche Grüße,
waldboden

@Luetjeholt

Hallo Luetjeholt,
Deinen Zeilen kann man nichts hinzufügen.

Dicken Respekt und große Gratulation zu Deinen knapp 400 Lauf-Kilometern/Monat und Deinen enormen Gesundheits-Erfolgen!

Herzliche Grüße,
waldboden

Vielläufer

haben wieder ein höheres Risiko bei bestimmten Erkrankungen, beispielsweise Herzinfarktrisiko. Habe hier leider die Studie(n) nicht zur Hand, es ist aber so, dass bei einem Laufumfang von etwa 50 km / Woche oder entsprechend anderem Ausdauertraining das Herzinfarktrisiko am geringsten ist, wer dauerhaft mehr als dies läuft, bei dem steigt dieses Risiko (statistisch) wieder an.

Grüße,

granreserva
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Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten.
(Johannes Kepler)

Anreiz fehlt

Den Blutdrucksenker bezahlt die Krankenkasse. Die Laufschuhe / Nordic-Walking-Stöcke / das Fahrrad / die Muckibude / den Schwimmbadeintritt zahlt man selbst. Der Mensch ist i.d.R. bequem.

Im alten China wurde der Arzt nur dann bezahlt, wenn sein Patient gesund blieb. Wir bezahlen ihn, wenn wir krank werden.

Verkehrte Welt.

@ granreserva

Die Studie würde mich echt mal interessieren, hat man da das Herzinfarktrisiko von Vielläufern mit Nichtläufern verglichen??? Halte ich für ein Gerücht oder mal wieder so einen Aufreißer über Tote beim Marathonlauf (wie viele vor dem Fernseher sterben steht da natürlich nie...).

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Sport ist ein super Antidepressivum

Ich habe da noch einen guten Grund, der auch mit Gesundheit zu hat. Laufen ist super wirksam gegen Depris. Habe da eigene Erfahrungen gemacht: Antidepressiva waren wirkungslos, Laufen hat geholfen. Ich will es nie mehr missen müssen und kann es jedem nur empfehlen.

Darum auch mein Motto:

Laufen macht glücklich!

@strider

Es wurde in den Studie, die ich vor Augen habe das Infarktrisiko in Abhängigkeit von der durchschnittlichen Trainingsleistung abgebildet . Habe noch keine Zeit für eine ausführliche Suche gehabt, werde dies am Wochenende versuchen. War auch keine Panikmache sondern ein Hinweis, dass sehr gruße Belastungsumfänge eben auch ein Gesundheitsrisiko bedeuten und das Optumum an Laufumfängen auf Herz infarkt Risiko bezogen bei ca 50 km pro Woche zu liegen scheint.

granreserva
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Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten.
(Johannes Kepler)

Die Studie interessiert mich auch.

Allerdings behaupte ich jetzt einfach mal, dass die Risikohöhe sehr viel mit aufbauendem bzw. gehaltenem Training zutun hat.
Jemand, der schon viele Jahre z. B. 100 km in der Woche abreisst, nicht unter Vollbelastung, sondern nach dem Schema 80% Rekom/GA1, 20% GA2, der wird sicherlich ein weniger hohes Risiko haben, als jemand, der 50 km/Woche unter größtenteils Vollgas läuft.

Und die, die mehr machen, sind halt weniger.
Die Trainingsqualität vielleicht aus zeitlichen Gründen schlechter?!?
Jedenfalls ist die Gruppe der "Mehrläufer" erheblich kleiner, als die der "50-Km-Wochenläufer".

Das Problem, welches auftauchen kann, ist, dass diese Vielläufer nicht so einfach wieder runterschrauben können, auf keinen Fall plötzlich, ohne Nebenwirkungen, weil der Körper sich lange Jahre angepasst hat, Risiko minimiert hat eben. Das rückgängig zu machen ist größtenteils möglich, aber braucht eben auch Zeit. Genauso kann man nicht von Null auf Hundert hochfahren.

Wenn man langsam aufgebaut hat, lange und gut drin ist, im Training, für welche Distanzen auch immer pro Woche, ist glaube ich das Risiko im Schnitt am geringsten.

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Herzinfarktrisiko bei Ausdauersport

Hallo Carla-Santana, hallo granreserva, hallo strider,

die Wissenschaft bestätigt die Einschätzung von carla-santana, " dass die Risikohöhe sehr viel mit aufbauendem bzw. gehaltenem Training zutun hat." Und sie bestätigt strider, dass das Herzinfarktrisiko von Ausdauersportlern nicht nur weit niedriger im Vergleich zu NIcht-Sportlern, sondern auch im Vergleich zu anderen Sportlern (nicht Ausdauersport) ist.

In der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin gab es 2011 dazu einen gemeinsamen Übersichtsartikel von Kardiologen und Sportmedizinern zu " Schadet Marathonlaufen dem Herz? Ein Update"

Dieser Übersichtsartikel berücksichtigt unterschiedliche Studien an Sportlern, Leistungssportlern, Ausdauersportlern.

Das klare Fazit der Wissenschaftler:
Es "... finden sich in den bisherigen Untersuchungen keine Anhaltspunkte für eine akute oder chronische Schädigung des Herzmuskels bei herzgesunden Sportlern durch Marathonlaufen, wenngleich insbesondere bei älteren Marathonläufern Herzerkrankungen wie eine unbekannte koronare Herzkrankheit oder Herzmuskelnekrosen oder -fibrosen vorliegen können.

Schlussfolgernd ist anhand der vorliegenden Studien derzeit nicht von einer Schädigung eines gesunden und durch regelmäßiges Training an erschöpfende Ausdauerbelastungen angepassten Herzens auszugehen.

Da ein Marathonlauf dennoch eine hohe kardiale Belastung darstellt, sind eine ausreichende Vorbereitungszeit sowie eine vorherige bzw. regelmäßige Gesundheitsuntersuchung zum Ausschluss relevanter angeborener oder erworbener Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus sportkardiologischer Sicht zu empfehlen.
...
Darüber hinaus ist in diesem Kontext wichtig zu betonen, dass in epidemiologischen Studien Ausdauersportler nicht früher sterben als andere Sportler, sondern die kardiovaskuläre Mortalität von Ausdauersportlern insbesondere im mittleren Alter im Vergleich zu anderen Sportlern oder Nicht-Sportlern geringer ist."

Herzliche Grüße,
waldboden

Quelle, online unter:
http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/fileadmin/externe_websites/ext.dzsm/content/archiv2011/heft09/spomed_9_11_pdfe/293_uebersicht_scharhag.pdf

Scharhag J (1, 2), Knebel F (3), Mayer F (2), Kindermann W (4)
Schadet Marathonlaufen dem Herz? Ein Update
Jahrgang 62, Nr. 9 (2011) Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin

1 Innere Medizin III – Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Universitätsklinikum Heidelberg,
2 Hochschulambulanz, Zentrum für Sportmedizin, Freizeit-, Gesundheits- und Leistungssport, Universität Potsdam,
3 Klinik für Kardiologie und Angiologie, Campus Mitte, Charité-Universitätsmedizin Berlin,
4 Institut für Sport- und Präventivmedizin, Universität des Saarlandes

Laufen und Depression

Hallo pallas athene,
ja, das ist auch ziemlich beeindruckend, dass es - wie Du beschreibst - therapieresistente Depressionen gibt, bei denen Ausdauersport die einzige Hilfe sein kann.

Es gibt eine Reihe von Studien, die belegen, dass Ausdauersport bei Depression stark helfen kann, manchmal gleich wie oder mehr als Medikamente.

Aber es scheint auch Menschen zu geben, bei denen Ausdauersport nicht die Lösung/Hilfe bei Depression ist.

Einige gute Links:
http://www.psyche-und-bewegung.de/pics/repraesentative-studien.pdf

Sport und Depression, Dr. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin
http://www.neuro24.de/sport_und_depression.htm

Sehr gutes Buch des Psychotherapeuten Prof. Dr. Ulrich Bartmann:
http://www.antipsychiatrieverlag.de/versand/titel/bartmann.htm
"Seit 1978 (Greist et al.) gibt es eine Vielzahl von Studien, die die antidepressive Wirkung durch den langsamen Dauerlauf belegen. Wer zudem selbst einmal Lauftherapie bei depressiven Patienten durchgeführt hat, kennt diese Wirkungen."

Fairerweise muss ich erwähnen, dass es auch kritische Stimmen von großen Übersichtsstudien-Autoren gibt, die keine Belege für die statistisch belegbaren Effekte von Ausdauer-Sport auf Depression finden konnten. Aber hier kann ich nur sagen: Jede/r möge es für sich individuell ausprobieren, da ja körperliche Aktivität keine schädlichen Nebenwirkungen hat, sondern unabhängig von der Frage der Stimmungsaufhellung oder gar dauerhaften Hilfe gegen Depression auch eine Fülle von anderen positiven Aspekten hat.

Herzliche Grüße,
waldboden

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