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...sagte einst vor sehr vielen jahren die oma zu dat klein-happy, als diese unbedingt mal mit ihr durch das brandenburger tor gehen wollte. letzten sonntag rannte dat inzwischen groß-happy beim berlin marathon da durch und hatte ganz schön viel pippi inne augen.

dieser marathon stand zwar nicht ganz oben auf meiner wunschliste, war aber dennoch als „besonders wertvoll“ eingestuft, schon allein aus dem grund, dass der weg zum zieleinlauf durch's brandenburger tor führt. eben dieses tor hatte für mich seit je her eine besondere bedeutung. als kind und jugendliche hatte ich immer diese luftaufnahme im kopf, welche das brandenburger tor und die dort verlaufende mauer zeigte. und meine großmama löcherte ich immer damit, dass ich wollte, dass die 'olle' mauer doch weg soll, weil ich da mal mir ihr durchspazieren wollte. und ich hab heute noch ihre worte im ohr: „ach kind, das werde ich wohl nicht mehr erleben. du vielleicht, aber ich nicht mehr.“

so kam es. sie starb drei jahre vor dem mauerfall. ganz viele jahre später ging ich dann tatsächlich mal durch das brandenburger tor. seitdem ist es immer der erste anlaufpunkt, wenn ich mal in berlin bin. naja, nun laufe ich seit einigen jahren auch marathons. und letzten sonntag war es soweit. es war berlin-marathon und in diesem jahr war ich dabei. buddy yazi gewährte mir unterschlupf in ihrem wunderbar gemütlichen heim (aber der nachbar-sohn von oben drübber muss noch an seinem musikgeschmack feilen, yazi! *kicher*). und auch sonst nahm sie mich weltstadt-ungewohnte landpomeranze an die hand und führt mich an die strategisch richten orte, um startunterlagen abzuholen und vor allem ins tomasa, um die gaaaanz vielen liebgewonnenen jogmäppis zu treffen. es war ein turbulenter, sehr kurzweiliger abend mit viel essen und trinken.

die nacht war kurz, wie immer vor nem mara, der morgen durchstrukturiert mit den üblichen vorbereitungen und dem üblichen: „mir ist schlecht!“. an der schweizer botschaft das pre-marathon meeting mit den berliner supportern. dann ging´s ab in den startbereich. mein bauch grummelte. ich versuchte es zu ignorieren. eh alles nur aufregung. maaaan, war das alles groß hier und die vielen tausend menschen, die dort über das riesige areal wuselten. ich suchte verloren nach dem richtigen zelt, um den kleiderbeutel abzugeben. mein kopf brummte irgendwie. dann entdeckte ich eher rein zufällig den richtigen zugang zu meinem startbereich. ich orientierte mich nach ganz vorne im startblock, da standen 4-stunden-ballonläufer. denen wollte ich mich anschließen und mitlaufen so lange wie möglich, aber ohne stress. nur drei wochen nach dem mü-ma und bei der menge an mitläufern glaubte ich nicht wirklich daran, schon wieder sub vier zu laufen. war auch irgendwie nich wirklich wichtig.

ich war recht in mich gekehrt, hatte kein gefühl für zeit und raum oder die vielen menschen um mich rum, aber irgendwann setzten sich alle in bewegung. ich sah nach vorn und sah die siegessäule mit der goldelse drauf, die in der sonne glänzte wie´n kupferkessel. pieeeep. die startmatte. es ging los und ich, datt happy, war dabei und bekam hier zum ersten mal pippi inne augen. ich nahm tempo auf, sah auf meinen garmin und versuchte meine geplante pace zu bekommen. schnell merkte ich, dass das zwar möglich war, aber recht anstrengend, denn ich musste dauernd langsamere „umschiffen“. nach rechts, nach links, wieder abbremsen, weil´s zu eng wurde. wieder gas geben, um zu überholen. immer wieder nach unten schauen, nur keinem in die hacken treten, nicht getreten werden. die ersten fünf km war ich fast nur damit beschäftigt, möglichst geschmeidig, zügig und unversehrt andere zu überholen. von der strecke bekam ich wenig mit. so lief es weiter bis km zehn. langsam aber sicher verlor ich die geduld, wurde zusehens genervter. an den vp war´s auch wuselig und eng und ich musste auch den einen oder anderen ellbogencheck über mich ergehen lassen. *grml*

zwischen km 12 und 13 fing mein gedärm – diesmal unignorierbar – an zu grummeln. kurz vor der 15er zeitmatte enterte ich ein dixi, versuchte den boxenstopp so kurz wie möglich zu halten. dennoch zeigte mir der garmin unbarmherzig an, dass ich einiges an zeit verloren hatte. ich machte tempo und umschiffte wieder jede menge langsamere. aber irgendwie fühlte sich das alles nicht mehr gut an. es fehlte etwas: der genuss. ich wollte berlin bewusst laufen und genießen. und was machte ich? ich hetzte und ließ mich nerven! bin ich denn bescheuert? „so, liebe happy, gezz nimmste ma gepflegt gas raus und guggst ma büschen links und rechts, mensch. du bist hier in berlin, du rennst durch diese stadt mit diesem ganz speziellen flair und du willst mit nem lächeln durch´s brandenburger tor!“ sagte ich zu mir. und von da ab ließ ich rollen und schwamm in der menge mit. die totale entspannung stellte sich zwar nicht so ein, wie ich gehofft hatte, dafür war es um mich herum einfach zu wuselig, aber ich nahm das rechts und links, die stimmung, die zuschauer, die häuser viel bewusster auf. das galt allerdings auch für die dixis, die alle 5 km bei den vp standen und die ich dann bis km 40 regelmäßig entern musste. mein gedärm ließ sich nämlich nicht beruhigen. eifrig füllte ich tee und banane oben rein, um wenigstens meinen „tank“ nicht ganz leer werden zu lassen. die durchgangszeit der verpflegung blieb bis zum schluss jedoch im rhythmus von 5 km. *brüll* wenigstens etwas, das im rhythmus bleib.

mein lauf ganz und gar nicht. aber es war mir egal. ich wollte durch´s tor, durch´s brandenburger. je näher ich dem rückte, desto mehr nahm ich auch die stimmung von rande der strecke auf. und zwischen km 38 und 39 am potsdamer platz sah ich auf einmal bekannte und liebgewonnene gesichter an der seite: die berliner jogmap-buddies! schnell wurde geknuddelt, soviel zeit musste sein. das war wie ne extradosis adrenalin, echtgezzma! ich danke euch! danach flogen meine füße nur so über den asphalt. nur noch drei km, nur noch zwei, nur noch einer und dann bog ich "unter den linden" ein und sah im sonnenlicht „mein“ brandenburger tor. da war es! ich fing an zu weinen, kriegte kaum noch luft. lief und lief, wäre am liebsten aber gegangen, um diesen moment herauszuzögern, zu verlängern. „oma, du hast recht gehabt, ich darf es erleben! schau, ich laufe durch das brandenburger tor!“
das ziel kam wenige meter danach. ich stoppte die uhr. aber das alles war gar nicht mehr wichtig...
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laufend wird der berlin marathon einmalig bleiben für dat: happy™

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

hrmmhrm...muss mich mal

hrmmhrm...muss mich mal räuspern, ähm ja, oh Gott, ich muss schon wieder heulen...
genauso war es. Wen um alles in der Welt interessiert es, wie schnell oder langsam wer läuft, wenn man die Möglichkeit hat, hier zu laufen und gelebte Geschichte mitzuerleben??
Auch über zwanzig Jahre nach dem Mauerfall sind noch sooo viele Menschen unendlich berührt, wenn sie durch dieses Tor laufen. Das ist etwas ganz besonderes und ich finde, wir sollten uns dessen immer wieder mal bewusst werden!
Ich denke, liebe Happy, du und ich sind nicht die einzigen, die mit dem Gedanken an Menschen aus unserer Familie da durchgelaufen sind....
Und der Gedanke an unsere Lieben ist wichtiger als irgendwelche Zielzeiten, die man in diesem Chaos eh nicht schaffen kann. Wer hat eigendlich behauptet, Berlin sei ne schnelle Strecke??
Auch für mich wird Berlin einmalig bleiben, in jeder Beziehung!
Und jetzt freue ich mich wie blöd auf einen entspannten Landschaftsmara ohne Zuschauer, Krach und Kommerz mit Happyline durch den Wald!!

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Mit der Omma durchs Tor

Da hat auch sie sich gefreut!

Mit der kürzlich erreichten deutlichen sub4h

standen dir die Tore von Berlin ja weiiiiit offen;-) Ich kann mir gut vorstellen, dass man anfangs versucht, die Zeit zu bestätigen, sich aber nach wenigen Kilometern durch das wuselige Läuferfeld fragt, warum tue ich mir das an? Also Tempo raus und genießen. Und du hast genossen! Du bist wunderbar gelaufen!!! Ganz fetten Glückwunsch!!! Und deine Oma hat das gesehen, ganz sicher ;-)

Lieben Gruß
Tame

schon wieder gerührt

zum zweiten Mal heute morgen...
Menno, so als Zonenrandgebietskind und Historikerin muss ich da wohl auch noch durch, oder??? Aber eure Berichte von Gewusel und Gedärm lassen in mir Erinnerungen an meine beiden Halbmarathons in Berlin aufkommen, und das muss nicht noch mal sein.

He, datt Groß-Happy hat das souverän richtig gemacht und ich finde auch, sub 4 biste in Münster gelaufen, und so und jetzt war es gut und passte. Lass dich mal aus der Ferne umarmen, ihr seid zwei Granaten, brihoha und du! Und irgendwann laufen wir mal wieder zu dritt und quasseln ganz viel, nehmt ihr mich noch mal mit???

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Und wieder ein ganz besonderer Marathon...

auf Deiner Liste!
Gratuliere ganz herzlich! :o)
Alles genau richtig gemacht!
Man sollte sich dem Lauf anpassen, so kann man AUCH das Beste da rausholen!!
Und das sind eben nicht immer nur Zeiten! ;o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

so jetzt muß ich mir aber

so jetzt muß ich mir aber erstmal schnell das pipi aus den Augen wischen. Dat hat dat happy richtisch fein gemacht. dat happys Oma wäre sicher ganz Stolz auf dat happy. Besonders Stolz wäre sie, das dat happy den Fuß vom Gas genommen hat und den Lauf genossen hat.

Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu ereichen.
Helden gesucht!

Mit Oma im Herzen...

...durch Berlin. Da darf man auch mal paar Tränchen verdrücken.
Liebe Grüße, Conny

schön

Sehr schön geschrieben und Gratulation zum Finish. Es war wirklich ein tolles Lauferlebnis und vor allem auch super, viele (auch dich) mal in echt getroffen zu haben.

Auch wenn die

Auch wenn die Begleiterscheinungen suboptimal waren, so hast Du das Beste aus denem Lauf "mit Oma" gemacht! Sehr besonders, sehr schön!

Gruß, Dominik
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"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Ach happy,

das hast du so schön geschrieben! Da bin ich in Gedanken ganz bei dir. Es war schön dort beim Mara in Berlin - und jede und jeder hat ihre oder seine eigene Geschichte. Und die Geschichten sind viel faszinierender als irgendwelche Zielzeiten, finde ich. Glückwunsch zum starken Finish trotz all der Dixi-Besuche!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Ü50er

Interessieren keine Zeiten mehr.! Wir sind die Geniessergeneration!
Ich wünsche dir noch viele solcher Läufe und den ein oder anderen werden wir auch noch gemeinsam machen!
LG Many

Glückwunsch der "Stups-Köningin"

... sehr schön wie du Berlin voll ausgekostet hast, wie auch immer die Umstände waren,
DU hast den Berlin-Marathon gefinished, wobei dein "wirkliches Ziel" einige Meter vor
dem Marathon-Ziel-Strich war. Dieses wird immer bleiben !!!

Ich hoffe doch sehr, das dich der (Motivations-Leinwand) "STUPSER"
auf der Strecke nicht zu sehr aus deinem Rhythmus gebracht hat ;-)

Gruss Markus - een neongelbe Löper ut´n Norden
... der immer für'ne Überraschung gut ist ;-P

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