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Das und vieles anderes werde ich in letzter Zeit häufig gefragt. Jetzt auch schon von Jogmap, herzlichen Dank der Nachfrage. Ich nehme das als Anlass, mal einen Blogpost in Interview-Form zu posten. Also die wichtigste Frage zuerst:

Läufst du mit?

Ich werd's versuchen, muss es einfach. So viel Zeit und Geld und Herzblut wie ich da investiert habe, um dort in diesem Jahr mitlaufen können, und wie viel Energie ich in mein Training während der Verletzungspause gesteckt habe: Ich kann es nicht einfach akzeptieren, dass da am Ende nur ein 8-Tages-Trip nach New York aber ohne Marathon dabei raus kommt.

Kannst Du auf Zeit trainieren oder wird es ein Sightseeing-Marathon?

Auf Zeit trainieren kann ich nicht, aber das war eigentlich von vornherein als Sightseeing- und Genuss-Lauf geplant, auch schon bevor die Verletzung meine Saison jäh beendet hat. Wenn ich mitlaufen kann, wird das Sightseeing eben jetzt deutlich länger als 3 Stunden brauchen, auch kein Problem. Und ob es trotz alledem ein Genusslauf werden kann, weiß ich noch nicht.

Wie geht's dem Fuß?

Die häufigste und am schwierigsten zu beantwortende Frage. Ich hab mich an den Rat des Arztes gehalten und bin 10 Wochen nach dem Bruch gar nicht gelaufen (einen kleinen Schmerz/Belastungstest ausgenommen) und habe dabei nach dessen Aussage 2 Wochen länger gewartet, als die Medizin-Literatur als Heilungszeit ansieht. Da hat der FUß sogar schon eine 20km-Wanderung mitgemacht. Seitdem ich wieder langsam anfange mit Laufen, merke ich den Fuß mal mehr und mal weniger stark an verschiedenen Stellen. Ich möchte nicht sagen, dass er schmerzt, aber es tut sich was. Dass man lange nach dem Bruch noch was spürt, ist ja normal, zumindest sagen das viele. Vielleicht beschwert sich mein Fuß über die Belastungen, vielleichts ist es Muskelkater, vielleicht sind's Phantomschmerzen, vielleicht ein Warnhinweis: Mach nicht zu viel auf einmal. Woher soll ich das wissen?

Kannst du wieder voll trainieren?

Nein, voll trainieren sicher nicht. Aber ich habe vor genau einer Woche mit einem professionellen, individuellen Trainingsplan angefangen. Der verlangt natürlich noch mehr Investitionen und Form von Training, Zeit und Geld. Aber ich habe absolutes Vertrauen, dass mich die Trainerin in gut 5 Wochen fit für New York machen kann, solange der Fuß den Plan mitmacht. Dafür sind z.B. Tempoeinheiten bis jetzt nur in Form von Aquajogging vorgesehen.

Bist Du noch Freund des Aquajoggings geworden?

Ernsthaft: Da kann man doch kein Freund davon werden. Aquajogging kann begrenzt Sinn machen, vor allem natürlich zur Verletzungsprophylaxe. Vielleicht ist es sogar sinnvoll, die Beine mal so zu bewegen wie Haile Gebreselassie in Zeitlupe. Aber Spaßmachen kann Aquajogging glaub ich nur für sonst stark bewegungseingeschränkte Senioren oder Leute, die das nicht zum Training machen, sondern zum Ratschen (dt.: Plaudern).

Wenn du jetzt nicht so viel trainierst, dann hast du ja jetzt Zeit, deine Steuererklärung zu machen?

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, in dem Fall eines zum Zeitaufwand meines Trainings pro Kalenderwoche von Anfang 2013 bis letzten Sonntag:

KW 25 war der Bruch, KW 33+34 Urlaub (Schnorcheln und Schwimmen habe ich keine Zeit genommmen), KW 37/38 Erkältung. KW 39 Einstieg in 5,5-Wochen-Plan.
Vor allem das Radfahren frisst viel Zeit, auch wenn ich bei schönem Wetter hin und wieder zur Arbeit geradelt bin (Was wieder Zeit einspart).

Machst du jetzt was für die Knochen?

Ja, ich hab mir diverse Nahrungsergänzungsmittelchen gekauft. Eines was mir der Arzt empfohlen hat, das eigentlich zur Behandlung von arthrotischen Gelenkveränderungen ist, mit Fischöl, Vitaminen (K1, D3 etc.), Mineralstoffen (Calcium, Zink etc.) und anderem. Eines was ich aus dem Supermarkt hab mit Magnesium+Calcium+D3 und dann hab ich mir noch eines bestellt, was ganz toll sein soll mit Vitamin K2+D3.
Außerdem versuche ich mit sanfter Diät (weniger Schokolade, weniger Bier!) wieder Richtung Kampfgewicht zu kommen und den den Apparat so zu entlasten. Seit dem Bruch habe ich mit konstanter Steigung über 4 Kilo zugenommen.
Aber vor allem habe ich meinen Knochen zwei neue Dämpfungen spendiert, weil meine alten schon alle mehr oder weniger stark runtergelaufen sind:

Das ist einmal der Adidas Energy Boost und der Brooks Pure Flow 2. Die sollen die alten Dämpfungskissen Asics Gel Nimbus 14 (mit denen ich nicht so zufrieden war) und New Balance M890 V2 (die mir zuletzt Blasen machten) ersetzen. Neue Schuhe - neuer Spaß (*toitoitoi*).

Abschließende Worte

An der Stelle möcht ich mich auch noch bei allen bedanken, die Anteil an meiner Situation nehmen.
Bin mal gespannt wie es weiter läuft und kann nur hoffen, dass bis zum 3. November alles gut wird. Anscheinend hat sich ja auch noch die amerikanische Politik gegen mich verschworen und schon mal den Geldhahn zugedreht, bevor ich nach New York komme. Aber ich bin ja mittlerweile schon einiges an Rückschlägen gewohnt. Darf ich dann die Freiheitsstatue wenigstens von der Fähre aus anschaun, ja? Oder kommt sicherheitshalber wieder ein Hurrikan rein?

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Ein Leidensgenosse

Leider spricht mir das aus dem Herzen (und den Knochen).

Ich habe mich letztes Jahr in Frankfurt mit perfekter verletzungsfreier Vorbereitung als time-qualifier für NYC angemeldet und bin angenommen worden. Dieses Jahr war aber bisher ein Seuchenjahr. Mein 6 Jahre alter Kreuzbandriss mit Knorpel und Meniskusschaden meldet sich wieder laut zu Wort. Immerhin kann ich laufen, wenn ich die ersten 500m hinter mich gebracht habe, sogar einigermaßen schmerzfrei. Neue Schuhe, Salben und Nahrungsergänzung sind auch meine Hoffnung.

Ich fahre nach NYC, werde an Rahmenprogramm mitnehmen was geht und im Zweifel ist das "am Start stehen" ein größerer Erfolg als alles andere. Kopf hoch, auch das ist Marathon....

PS: Schau Dir mal auf der offiziellen Seite das Video von der Fahrt mit der Fähre beim Marathon an, das hilft (mir zumindest)

Schmerzen im Bruch

Ich kann deine Angst und deinen Frust verstehen, habe mir im Mai 2009 das linke Sprunggelenk gebrochen. Nach 6 Wochen wurde mir vom Orthopäden bescheinigt, dass alles verheilt sei und ich wieder laufen könne. Als ich mich nochmal bei ihm meldete und über diffuse Schmerzen klagte (eher ein Brennen in der Bruchstelle als akute Schmerzen) meinte er lachend, ich bräuchte mir keine Gedanken zu machen, da spielten einfach die Nerven noch verrückt, brechen könnte da nix mehr. Das gab mir die nötige Sicherheit zu laufen.
Allerdings bin ich noch lange Zeit einseitig gelaufen, was sich dann immer mit Beschwerden im rechten Sprunggelenk äußerte. Da half dann schließlich nur noch eine längere physiotherapeutische Behandlung um das Problem wieder los zu werden.
Was ich sagen wollte: auf deinen Körper hören ist gut. Ob das "nur" Phantomschmerzen sind kann dir höchstens ein Arzt sagen, aber eigentlich ist es egal, Schmerz ist Schmerz und 42km damit machen keinen Spaß.

Was mir geholfen hat waren psychologische Tricks: ein Tape an der verletzten Stelle gab zumindest kopfmäßig "Halt" und Vertrauen, aber wirklich hilfreich war einfach der Gedanke, "da kann nichts mehr passieren, das ist jetzt dein Kopf, der das Problem macht". Von meinem 100km Lauf drei Monate nach dem Bruch habe ich dem Orthopäden eine Postkarte geschickt ;-)))

Ich wünsche dir in New York 42 schmerzfreie Kilometer und ganz viel tolle Eindrücke!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Hey -

schön, dass es bei Dir wieder los geht, wenn auch mit vielen Unsicherheiten...Ich drücke Dir die Daumen für NYC. Damit meine ich eine schmerzfreie 42,2km Sightseeing und -feeling Tour ohne wie auch immer merkliche Schmerzen.
Hast Du eigentlich Ursachenforschung betrieben?
Schicke neue Schuhe sind ja schon mal was feines!
ICh wünsche Dir viel Freude mit den nun wieder steigenden Laufkilometern :-)

cheetah

Du bist auf dem richtigen Weg!

Im Nachhinein wirst Du feststellen, dass diese Pause nicht nur negative Seiten hatte. Du hast gelernt, was fieser Knochenschmerz und harmloser Muskelschmerz ist.
Du weißt es besser zu schätzen, schmerzfrei laufen zu können/dürfen und Du weißt auch, die schmerzhafte Zeit hat auch ein Ende.
Um dieses komische Gefühl momentan mach Dir nicht zu viele Gedanken...etwas Vorsicht ist nicht verkehrt und hartes Tempo würd ich auch noch etwas lassen.

Nach meinem Bruch bin ich an der Stelle manchmal extrem wetterfühlig, da brennt regelrecht das ganze Gewebe da drumherum. Allerding bescheinigte man mir seinerzeit eine extreme Knochenhautentzündung, die man noch ein halbes Jahr später wie eine Art mehrschichtige Zwiebelschale an der Knochenhaut auf dem MRT sehen würde. Sowas irritiert die Nerven und das Gewebe drumherum ganz sicher, ist aber harmlos. Kinesiotape hilft mir da auch sehr.
Diese Wetterfühligkeit hab ich auch noch ab und zu an meinem vor zwei Jahren gebrochenen Handgelenk, da kannste einfach nix machen.
Sind Kriegsverletzungen mit unsichtbaren Narben, die uns immer wieder daran erinnern, dass wir doch nur Menschen sind! ;o)

New York wird gut für Dich, da bin ich sicher! :o)
Lass die Systeme sich in Ruhe wieder einrollen, dann klappts!
Und nächstes Jahr schlägste wieder zu, was Tempo anbelangt!
Komm gut rein und rüber! ;o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Auch von meiner Seite

...alles Gute für NY. Ich kann mir zum Glück nur vorstellen wie es ist so lange "auf dem Trockenen" zu sitzen.
Bei Deiner Erfahrung wird es sicherlich reichen wenn Du die letzten knapp 5 Wochen gut nutzen kannst.

Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit das man sich in NY über den Weg läuft, auch wenn Du einiges vor mir sein wirst.

Bis dahin alles Gute und viel Gesundheit.

Gruß
Olaf

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