Benutzerbild von --Thomas--

Liebe Jogmapper,

das Dauergrinsen hält diesmal länger an als der Muskelkater. Am liebsten würde ich gleich jetzt nochmal durch Berlin laufen... aber von Anfang an.

In Berlin angekommen bin ich Samstag gegen Mittag. Im Hotel eingecheckt und dann erstmal mit der S-Bahn zum Brandenburger Tor. Da würde ich am nächsten Tag durchlaufen... wie majestätisch. Danach zur Messe. Ich habe sofort meine Unterlagen bekommen und hatte noch Zeit für einen Messebummel.

Leider war das Tomasa für meinen Geschmack viel zu voll. Ich bin normalerweise nicht der klaustrophobische Typ, aber da ging für mich gar nichts. Daher bin ich gleich wieder los. Schade... es war aber schön, ein paar Worte mit beeker wechseln zu können (Frankfurt lässt grüßen).

So bin ich anschlieend noch zu einem Abend-Spaziergang zum Potsdamer Platz aufgebrochen. Wow, im Dunkeln ist der noch beeindruckender als bei Tageslicht...

Dann morgens zum Start. Natürlich aus Block H (wie Hinten). Eine Zielzeit hatte ich nicht, ich wollte einfach nur schmerzfrei und mit einem Grinsen im Gesicht durch das Tor laufen, genussvoll diesen Lauf zelebrieren. Ich habe mich mit Dieter unterhalten, der sein Marathondebüt gab. Wir wollten zusammen laufen, solange es ging.

Startschuss... Luftballons... warten... warten... warten... nach 30 Min. durfte ich auch über die Startlinie. Doch erst die Warterei und dann das plötzliche Loslaufen schlugen mir auf die Blase. Ich ging wie viele vor und wenige hinter mir in den Tiergarten und habe so Dieter verloren.

Ich lief eine Pae von 6:30 bis 6:50, schneller ging es nicht. Auch wenn man an der Verpflegung in der Mitte lief, musste man dank kreuzender Läufer z.T gehen.

Dann das erste Highlight an der Schweizer Botschaft. So viele Schweizer, die die Läufer mit Kuhglocken angefeuert haben. Wie geil war das denn... Das kannte ich bisher nur von Ski-Übertragungen im TV. Da kamen mir bereits das erste mal die Tränen und ich hatte einen dicken Kloß im Hals (War ich in einem früherern Leben mal Alm-Öhi?). Ich wusste aber auch: Wenn nicht höhere Gewalt eintritt, werde ich den Lauf finishen!!!

Ich fand meinen Rhythmus und lief konstant meinen Stiefel. Die Zuschauer waren phantastisch, die verkleideten Läufer wie die Gallier, ein Feuerwehrmann in voller Montour usw. Die Bands peitschten ein und machten das Rennen kurzweilig. Ich genoss einfach nur, nahm so viel wie möglich auf. Die Zuschauer, die mich und andere Läufer persönlich anfeuerten, die vielen Bands: Die rockband mit e-Gitarren, der Schlagzeug-Junge, die Blues Brothers, die Trommler unter der Brücke, die Lautsprecher auf dem Balkon, die Jazzer, der Kirchen- und Posaunenchor, die Südamerikaner, das Hupen-Duo, und dann waren wir schon bei km 28.

Und ich traf Dieter wieder. Er hatte etwas "Fuß", hat seine Wunsch-Zielzeit nach oben korrigiert, und war aber bester Dinge, den Mara zu Ende zu laufen, was er denn auch geschafft hat. Dann am wilden Eber die Superstimmung. Der DJ spielte gerade eines meiner Lieblings-Motivationslieder, das Fliegerlied. "Und ich flieg wie ein Flieger und bin stark wie ein Tiger und schwimm zu dir rüber, la la la la la..." Ich sang und tanzte während des Laufens aus vollem Hals mit, unterhielt so die Zuschauer. Die wiederum gaben alles hundertfach zurück... boah, geil:-)
Und ich flog nun allen davon. Die Endorphine taten ihr übriges. Ich lief wie im Tunnel, und auf einmal waren wir schon auf dem Kurfürstendamm, an der Gedächtniskirche, am Potsdamer Platz. Jetzt nur noch ein kleines bisschen... Und dann die letzte Kurve. Das Brandenburger Tor tauchte vor mir auf. Ich heulte und schrie meine Mitläufer an, dass da das Tor ist, wie toll es doch aussieht und das wir es gleich geschafft haben. Meine vielen Arzt- und Therapiebesuche und sämtliche Untersuchungen über den Sommer schrie ich heraus. Der Lauf durch das Tor ließ sich mit nichts vergleichen und die Zielgerade war ein einziges Defilee.

Im Ziel habe ich alles umarmt, was nicht schnell genug weg war, und dann habe ich mich mit der Medaille um den Hals über die Bande gebeugt und habe geheult wie ein kleines Kind. Wie hätte ich den Sanitätern sagen können, das es Freudentränen waren???

Dann erstmal meine Frau angerufen. Die hat alles online verfogt und genauso geheult wie ich, dass ich das alles so schnell (4:32:01) und so konstant bewältigt habe. Und vor allem: SCHMERZFREI!!!

Fazit:
Zum nächsten Marathon fahren wir wieder als Familie, es wird wieder ein Genusslauf und das Training dafür soll Freude bereiten und nicht in Verbissenheit enden.

Das Berlin-Wochenende endete dann am Montag. Es war sehr schön und ich genoss es in vollen Zügen, wenn auch introvertiert und in mich gekehrt.

Und Wörter wie ISG, Piriformis, Hüfte, Lendenwirbel, Ischias, MRT, Szintigramm, Arthrose sind aus meinem Wortschatz gestrichen und möchte ich nie wieder hören.

Vielen Dank, dass ihr bis zum Schluss durchgehalten habt,

Thomas

3.5
Gesamtwertung: 3.5 (4 Wertungen)

Gratuliere Dir zu dieser

Gratuliere Dir zu dieser tollen Zeit. Ich bin auch von H-Block aus gestartet und habe eine Zielzeit von 04:32:22 - sind fast gleich ins Ziel gelaufen. Es war wirklich toll. Wünsche Dir noch eine gute Regeneration. Für mich geht es in zweieinhalb Wochen wieder an den Start - TUI Marathon Palma.

glückwunsch, thomas...

...ein perfekter lauf, würd ich sagen. hast alles richtg gemacht, dich quasi wieder geschmeidig gelaufen. das macht ne menge aus und ich bin sicher, dass du zukünftig weniger malaisen haben wirst.
naja, und vielleicht laufen wir uns mal wieder über den weg und haben dann büschen mehr zeit zum klönen über meine alte heimat...
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laufend freut sich für thomas: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Ich sach ja Berlin Mara ohne Emotionen gibt's nich

Du hast den Berlin Marathon nicht nur erlebt, sondern auch intensiv gelebt und gefinished.
... und das "schmerzfrei", GLÜCKWUNSCH dazu !!!

Nun übeertreibe bitte nicht in deiner Euphorie und höre gut auf deinen Körper,
denn ich würde mich sehr darüber freuen, wenn du in 2014 in Hamburg eine "offene Rechnung" ...,
Du dort mit breitem Grinsen über die Zielline läufst.

Bis dahin viel Spass und Freude beim Laufen

Gruss Markus - een neongelbe Löper ut´n Norden

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