„Wie eine Maschine“ charakterisiert Uhrli meinen Berlin-Marathon. Und wenn man sich die Pace- und Zwischenzeiten so anschaut (s.u.), wirkt es auch so. Ich bin froh, dass es geklappt hat, diesen Marathon so zu gestalten, und das verdanke ich auch Laufpartner M. Aber es war hart.

Aber der Reihe nach. Als ich mich vor knapp einen Jahr für Berlin anmeldete, war ich mir über eventuelle Ziele für den Lauf weitgehend im Unklaren, außer – „na, Spaß soll´s schon irgendwie machen“. Aber dann erfuhr ich, dass M sich auch angemeldet hatte und dass er sub 4 h angehen will. Mir erschein das für mich zunächst mit einer PB von 4:17 keine sinnvolle Option, andererseits sollte es von meinen HM-Zeiten her drin sein. Der Gedanke reifte in mir, und als mein Frühjahrs-HM mit vergleichsweise wenig Training hervorragend lief, entschloss ich mich, auch sub 4 h als Ziel auszugeben. Die Vorbereitung verlief fast optimal, so gut konnte ich mich noch nie auf einen Lauf vorbereiten – keine Krankheit, keine Verletzung, zu allen langen Läufen durchgerungen und mich für unsere TDL morgens um 7 von M aus dem Bett klingeln lassen… Schließlich wir schlossen das Training mit einer „Taktikbesprechung“ ;-) eine Woche vorher bei einem Bier ab.

Zu lösen war allerdings noch die Schuhfrage. Eigentlich wollte ich mit meinen Saucony Kinvara laufen, aber in denen bekam ich in letzter Zeit immer Probleme mit den Zehen. So stand ich also am Freitagabend beim Packen geschlagene 30 min vor meinem Schuhschrank und überlegte, welche Schuhe ich einpacken soll – das kenn ich so sonst nur von anderen ;-). Die Wahl fiel dann auf die leichten Brooks pure flow, auch wenn ich in denen noch nie mehr als 18 km gelaufen war. Reise nach Berlin, Startnummer abholen, bei Bekannten Quartier nehmen und Abends mit netten Jogmappern im Tomasa Kohlehydrate tanken –alles bestens.

Am nächsten Morgen rechtzeitig im Startbereich, Umziehen, Kleiderbeutel weg, und zum Treffpunkt mit M. M hatte allerdings Verspätung, so dass wir sehr weit hinten (quasi noch auf dem Zubringerweg zum G-Block) feststecken. Aber dann geht es endlich los. Die Taktik-Besprechung hatte ergeben, dass wir die ersten 10 in 5:40 (wegen Gedränge), die zweiten in 5:30 und dann Strich 5:35 laufen wollten. Und wir kommen gut rein ins Rennen, finden unseren Rhythmus, lassen uns nicht davon aus der Ruhe bringen, dass wir vielleicht etwas zu langsam sind. Nach wenigen km hat sich bei mir die Aufregung gelegt, und ich genieße den Lauf, die Atmosphäre, die Musik. Wir haben Getränke für ca. 20 km mit, um an den Getränkestationen zunächst nicht aus dem Takt zu kommen. Ungefähr bei der Halbmarathondistanz merke ich aber zum ersten Mal meine Oberschenkel. „Zu früh“, denke ich, und ich bekomme leichte Zweifel, ob ich das Tempo noch 20 km halten kann. Ich lasse erst mal M machen, laufe nur mit, kümmere mich nicht um den pace, versuche auf die Musik zu achten. Und das hilft. Die Oberschenkel melden sich zwar, aber es wird nicht schlimmer. Irgendwann auf der Strecke (ich denke so um km 25, bin mir aber nicht sicher) für mich ein absoluter Motivationsschub – vom Balkon eines Hauses dröhnt in voller Lautstärker „Immer weiter geh´n“ von den Straßenjungs (Punkband der 70er) – Musik meiner (frühen) Jugend mit zugegeben nicht immer geistreichen Texten (gibt’s auch auf Youtube ein nettes Video). Und dieses Lied begleitet mich den Rest des Laufes. Immer weitergehen (oder besser, laufen), einfach machen. Vorwärts. Bei km 30 fühle ich mich fast besser als bei km 20, kann wieder das Tempo gestalten, was auch gut ist, da es für M auch schwerer wird. Aber die Oberschenkel melden sich jetzt immer stärker, wir müssen kämpfen. Bei km 33 dann meine zwei Supporter, die mich pushen. Das reicht bis km 35. M schwächelt leicht, ich übernehme, M muss mich manchmal bremsen. Nach km 35 wird es dann richtig hart. Ich schalte auf Maschinen-Modus. Immer weiter geh´n, wenns Dir auch schwerfällt…. Es wird mir immer klarer, dass ich es schaffen kann. Aber dafür muss ich weiter, dafür darf ich nicht nachdenken. Wir werden etwas langsamer, aber wir haben Puffer. Ich will beschleunigen, und M sagt, ich soll alleine weiter. Wir hatten abgemacht, dass jeder alleine Laufen darf, wenn es sich ergibt. Ich zögere. Er hat mich schließlich lange gezogen. Aber zwischen km 38 und 39 werden wir so langsam, dass ich Angst habe, meinen Rhythmus zu verlieren. Bei km 39 sagt M zum dritten Mal, dass ich alleine weiter soll, nicht auf ihn warten. Ich mache es, und in dem Moment wo ich davon ziehe weiß ich, ich werde es schaffen. Ganz kurz muss ich mir eine Fliege aus dem Auge reiben, dann ist nur noch Freude. Ein paar Mal noch um die Ecke, dann sieht man das Brandenburger Tor. Wieder kurz Pipi in den Augen, aber die Zuschauer jubeln, ich gebe noch einmal Gas und dann ist es endlich mit 03:58:09 geschafft. Ich drehe mich um, kann M nicht sehen. Später erfahre ich, dass er nur gut 30 s nach mir im Ziel war und die Sub 4 h auch geschafft hat. Dennoch haben wir uns im Ziel leider übersehen, keine Ahnung, wie das passieren konnte. Wir werden das bei einer Nachbereitung genauestens analysieren, aber es war nicht schlimm, da eh jeder seinen eigenen Weg gehen wollte/musste nach dem Lauf.
Sehr gefreut habe ich mich im Ziel noch über den Ordner, der die ganze Zeit rief „Bitte gehen Sie weiter“… recht hat er ;-)

Und hier noch die harten Fakten:
SPLIT ZEIT DIFF MIN/KM KM/H
5 km 00:28:29 28:29 05:42 10.53
10 km 00:57:14 28:45 05:45 10.44
15 km 01:25:24 28:10 05:39 10.65
20 km 01:53:20 27:56 05:36 10.74
Half 01:59:24 06:04 05:32 10.86
25 km 02:21:19 21:55 05:38 10.68
30 km 02:49:25 28:06 05:38 10.67
35 km 03:17:28 28:03 05:37 10.70
40 km 03:46:03 28:35 05:44 10.49
Finish 03:58:09 12:06 05:31 10.88

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

Super!

Herzlichen Glückwunsch zu einem nicht geschenkten Spitzenergebnis. Es war mir eine Freude, Dich in echt kennen zu lernen. Ja, der Balkon - als ich vorbei kam, gab's auch Punk, aber was mit "Renn!...", muss mal das Lied recherchieren. Habe sowieso überlegt, ob ich denen nicht eine Kleinigkeit vorbei bringe, weil ich sie so toll finde.

Herzliche Grüße
yazi

Pacemaker-qualität!

super gelaufen, sehr konstant und konsequent sub4h durchgezogen: sehr stark!
Dicke Gratulation!

Gruß, Dominik
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"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Wahnsinn, du hast es geschafft!

Riesenglückwunsch zum Kampf! Das hast du ganz stark durchgezogen! Jetzt genieße und erhol dich gut!
War sehr nett, dich im Tomasa persönlich kennenzulernen.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Herzlichen Glückwunsch

Herzlichen Glückwunsch zu deinem großartigen Wettkampf.

Ein realistisches Ziel gesetzt, konsequent vorbereitet, fehlerlos und ohne Schwächen gelaufen mit einer perfekten Renneinteilung, die auf der härteren Hälfte sogar noch ein bisschen Platz für einen negativen Split hatte.

Besser geht es eigentlich nicht.

Gruß
Uhrli

da haste ja...

...nen gepflegten negativ-split hingelegt! hut ab, klasse gemacht und das bei dem gewusel.
ein perfekter lauf! und ist es nicht ein tolles gefühl, so eins mit sich und den beinen und all dem drumherum zu sein? einfach zu wissen: es läuft und alles wird gut?
ich hatte das ja grad in münster und kann es nachfühlen...
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laufend hat sich gefreut, den firlefanzus - wenn auch nur kurz - mal kennenzulernen: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Das hört sich nach einen...

.....ganz tollen Erlebnis an! Super gemacht! Ganz herzlichen Glückwunsch!!! Dann hör auf den Ordner und geh weiter, denn nach dem Mara ist vor dem Mara ;-))))

Lieben Gruß
Tame

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