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Die Bedingungen des 40. Berlin Marathons sind laut den Vorhersagen ideal. Die Temperaturen pendeln so zwischen acht und 14 Grad, es soll trocken bleiben und sonnig - mit ein paar Wolken vielleicht.

Die Vorbereitung auf meinen diesjährigen Saisonhöhepunkt ist gelungen. Ich spule Woche für Woche mehr als 100km ab. Laufe 35er, mal progressiv, mal in 5km-Blöcken, trainiere auch hier das Renntempo. Jede Woche einen Tempolauf über 10 oder 15km und immer Dienstags gehe ich auf die Bahn mit schön Techniktraining davor, gefolgt von einer Auswahl an Wiederholungsläufen. Die restlichen Tage fülle ich geschmeidig auf mit Dauerläufen zwischen 15 und 25km. Mitte August verabschieden wir uns in den Urlaub nach Frankreich und gleichzeitig verabschiede ich mich von meiner gewohnten Trainigsroutine. Ein paar Tage in den Bergen, wie schön. Dann laufe ich die Intervalle halt mit Steigung und zurück mit entsprechend Gefälle. Ein großer Vorteil - male ich mir aus - ist sicher im Urlaub auch mal zwei Einheiten an einem Tag machen zu können. Natürlich alles familienverträglich z. B. vor dem Frühstück Einheit 1, auf dem Rückweg die Baguettes und die Croissants erlegt, dann ein wunderbarer Urlaubstag und am Abend dann - Einheit 2. Bald sind wir dann am Meer, dort ist es flach und ich finde optimale Trainingsbedingungen...

Abrupt reißt es mich aus den Wolken und ich lande auf dem harten Asphalt. Mitten auf der Fahrbahn liegen wir - mein Hund, völlig schockiert, ich sehe das Auto, dass uns hätte erwischen müssen, gerade an uns vorbeifahren - geistesgegenwärtig, blitzschnell reagiert der Fahrer, als er mich vom Gehweg mit dem Fahrrad und dem Hund auf die Straße fallen sieht.
Puh. Glück gehabt. Ich versuche sofort auf den Bürgersteig zurück zu kommen, mich verlassen die guten Geister - ich setze mich. Versuche wieder aufzustehen, gehe ein paar Meter...und muss mich wieder setzen. Ich soll trinken sagt meine bessere Hälfte und gibt mir eine Flasche Wasser.

Es dauert ein paar Minuten bis ich realisiere, dass ich mit meinem Knie gebremst hab. Das linke Bein sieht gar nicht gut aus. Es geht los am Fuß (FlipFlops) zieht sich über das Schienbein und endet auf der Kniescheibe mit einer großen Schürfwunde und Prellung.

Ich bin erst sauer. Kann es nicht fassen. Dann füge ich mich in mein Schicksal. Ich kann es ja eh nicht ändern. Zum Campingplatz humpeln. Und fortan meine Wunde gut versorgen lassen mit Tegaderm und Co. - dank meiner ganz persönlichen Altenpflegerin. An dieser Stelle ändert sich unser geplanter Abenteuer-Aktiv-Urlaub schlagartig in einen "Lass uns ans Meer fahren und entspannen". Ich habe Glück im Unglück. Eine Woche laufe ich nicht. Mache auch garnichts anderes. Trinke guten Rotwein, esse gut und schlafe auf dem Rücken (grrrrr...).

Nach einer Woche versuche ich es, das Laufen - wird es gehen? Radeln geht - zumindest gemütlich mit den Kindern zum Strand fahren, zum Markt und zurück.
Ich laufe acht Kilometer, ich merke das Knie - natürlich - es sind keine Schmerzen, es fühlt sich eher nach einem abheilenden Schlag auf die Scheibe an. Ich glaube ich habe auch hier wirklich Glück gehabt, dass der Schlag frontal auf die Scheibe ging. Nichts verrutscht. Nichts überdehnt.
Am zweiten Tag sind es 12km. Ruhig. Am dritten laufe ich 15. Dann ist Sonntag. Da bin ich bisher immer 35km gelaufen. Ich splitte die Einheit und laufe mittags 15km zum Strand und abends wieder zurück. Hurra. Ich merke zwar die Muskulatur, das Knie aber hält.

In der zweiten Woche nach dem Unfall kann ich wieder voll in meinen selbst gebastelten Trainingsplan einsteigen. Ich sehe die Vorbereitung jetzt endgültig entspannt, da ich nicht einschätzen kann, wieviel ich verloren habe. Angemeldet bin ja schon lange (Wir erinnern uns an die vier Stunden irgendwann im Herbst letzen Jahres!) und laufen möchte ich ihn auch, den Berlin Marathon - so schnell wie es mir möglich sein wird.

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Spannend...

... hoffentlich ist das ein Fortsetzungsroman - bin schon total gespannt auf den nächsten Teil. Aber auch zuversichtlich, sonst wäre die Überschrift ja etwas irreführend (bloß gut, dass das Ende schon bekannt ist).

Vorab schonmal herzlichen Glückwunsch zum Spitzenergebnis
yazi

Na da haste

wohl ganz viel Glück gehabt. Ich kenn da jemanden bei dem "der Schlag frontal auf die Scheibe" zu viel mehr Schaden geführt hat. Glatter Bruch zwar aber nichtsdestotrotz 9-10Wochen Pause....

LG

"Das Leben geschieht einem, während man damit beschäftigt ist, andere Pläne zu schmieden", John Lennon
Wir sind BORN.Verstand ist zwecklos. Sie werden bekloppt

puh...

...lass uns nich so lange schmoren... ;-)
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laufend will wissen, wie´s weiter geht: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

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