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Eigentlich hatte ich nach der Triathlon-Mitteldistanz in Köln ja meine lange Saison für beendet erklärt und die Off-Season ausgerufen. Neue Bestzeiten im Halbmarathon und Marathon, bei letzterem sogar unter der erhofften Qualifikationszeit für Boston. Allem voran aber die Langdistanzpremiere beim Ironman Frankfurt und die schnelle Mitteldistanz in Köln reichten schon locker aus um zufrieden mit meinem Jahr zu sein.

Wenn überhaupt, dann gab es noch ein letztes Element um das Jahr perfekt zu machen. Nach Halbmarathon und Marathon fehlt mir in 2013 noch eine neue Bestzeit über die 10km. Es war ein ständiges Auf und Ab in meinem Kopf, ob ich diese Mission auch noch angehen sollte. Nach einem sehr schnellen Wettbewerb über knapp 5km im August war ich erst hochmotiviert den 10er noch anzugehen. Aber nach drei Triathlons an dreo Wochenenden bis zum 1.September war ich dann auch wieder ganz weit weg vom Gedanken jetzt nochmal Temporeize im Hinblick auf die 10er-Bestzeit zu setzen. Und dann kam die aktuelle Ausgabe der "Triathlon-Training" mit drei Trainingsplan-Varianten für den Einstieg in die Saisonpause. Der Trainingsplan für Halbmarathon/Marathon scheidete konsequent aus. Eigentlich war ich ja schon sicher sofort in den Off-Season-Modus zu gehen. Aber dann gab es da noch den 4 Wochen-Plan für einen 10km-Lauf. Nach intensivem Kampf zwischen Engelchen und Teufelchen war dann der Plan gemacht. 4 Wochen gehen nochmal und die Umfänge schrumpfen ja schon stark zurück. Kaum noch radeln, lockeres technikorientiertes Schwimmen und ein wenig Kraft-/Athletiktraining. Da sollten doch noch ein paar Temporeize im Laufschuh möglich sein.

Dienstag, 10.September ging es dann los mit 6x1000m in 3:52-Pace. Ich war von der Einheit begeistert - war zwar anstrengend, aber der Puls blieb überragend weit unten. Ähnlich verlief ein 8km-Tempodauerlauf in 4:15-Pace in der gleichen Woche. Mit einer gewissen Grundeuphorie ging ich dann in die zweite Woche des Plans. Dieser sah an Tempoeinheiten wieder Intervalle vor, diesmal 8x1000m und wieder einen Tempodauerlauf. Da am Sonntag der Woche quasi bei mir vor der Haustür der Sportscheck-Lauf über 10km stattfand, habe ich kurzerhand gemeldet und diesen als meinen Tempodauerlauf definiert. Der eigentliche Bestzeiten-Lauf soll am 6.Oktober in Bremen im Rahmen des Bremen-Marathon stattfinden. Es war gar nicht so einfach einen geeigneten 10er zu finden. Also einen, der flach ist und echte 10km lang, also nicht 10,6 oder 9,5 oder so.

Ab Anmeldung für den Sportschecklauf lief aber plötzlich gar nichts mehr nach Plan. Am ehesten noch am Montag ein abendlicher GA1-Lauf über 12km. Dienstag sollten dann die Intervalle folgen, aber ich hing den ganzen Tag schon mit Kopfschmerzen und nicht stattfindendem Kreislauf in der Arbeit. Resultat: eine Stunde Athletiktraining und Intervalle auf Mittwoch verschieben. Nach langem Kampf mit dem inneren Schweinehund bin ich die dann auch angegangen, aber nichts war von der Leichtigkeit der Vorwoche geblieben. Bereits beim dritten Intervall musste ich arg kämpfen und als ich während des vierten dann schon der HFmax-Grenze immer näher kam und es sich im linken Oberschenkel hinten verhärtet bis gezerrt anfühlte, habe ich danach kurzerhand abgebrochen. Donnerstag eine Stunde Schwimmen, Freitag Ruhetag, Samstag 6km lockeres joggen mit 3 Steigerungsläufen und dann war auch schon Wettkampfsonntag.

Auch hier setzte sich die Stimmung der Woche fort. Schon beim Aufwachen fühlte ich mich, als ob ich wenige Minuten zuvor eine Wahnsinnseinheit absolviert hatte, dabei lag die letzte Sporteinheit schon über 24 Stunden zurück und war alles andere als intensiv. Auch wählen gehen und ein kurzer Spaziergang half nicht. 2 Stunden vor dem Start bin ich auf dem Sofa sogar nochmal eingenickt, zum Glück aber auch rechtzeitig wieder wach geworden.

Ich habe mich zum Start gequält, 2,3km lang war eine schöne Laufstrecke von der Haustür zum Start, in die ich auch 2 Steigerungen mit einbaute. Dabei merkte ich auch prompt wieder meine linke Oberschenkel-Rückseite. Wenn ich bei Wettkämpfen nicht so stur wäre, dann hätte ich wahrscheinlich einfach abgebrochen - aber DNS erschien mir auch nicht wirklich als eine Lösung. Es war ja auch nur ein Trainingslauf, ein schöner Tempodauerlauf unter Wettkampfbedingungen.

Gerade rechtzeitig, in den 15 Minuten vor dem Start, besserte sich meine Laune etwas auf. Ich traf im Startbereich zwei bekannte Gesichter, die kurz zuvor den 5km-Lauf gerannt sind. Was mir wiederum nicht gefiel war die obligatorische Frage: "Was willste denn laufen, die Strecke ist schnell, unter 40 Minuten machst Du locker, oder?" Meine Bestzeit datiert aus dem April 2012 - 39:35 Minuten, gleichzeitig mein einziger Lauf unter der 40-Minuten-Grenze. Und jetzt war mal gleich die Erwartungshaltung nochmal unter 40. OK, seither habe ich viel trainiert und die Zeiten über 5km, aber auch aus dem Halbmarathon lassen über die gängigen Umrechnungstabellen zu, dass ich besser als die 39:35 Laufen können müsste. Aber es ist doch ein Trainingslauf. Das entlockte dann aus mir den Satz "ich schau auf der ersten 2,5km-Runde mal was geht, dann sehen wir weiter".

In der Startaufstellung entdeckte ich dann einen Läufer, der mir ein Jahr zuvor auf einem Halbmarathon 4 Minuten abgenommen hatte. Somit war die Taktik dann noch weiter ausgefeilt - solange ich in respektablem Abstand hinter ihm laufe, bin ich in einer guten Pace unterwegs und dann kam auch der Startschuss. Es ging gleich um die erste Kurve und es stellte sich raus, dass die Strecke zwar flach, aber arg verwinkelt und voller Kopfsteinpflaster war. Ich ordnete mich so etwa auf dem zehnten/zwölften Platz ein und da es keinen absoluten Überläufer im Feld gab, hatte ich sogar bis etwa km 5 auch das Führungsfahrzeug noch immer im Blick. Meine Taktik ging erstmal auf und ich folgte dem mir bekannten Läufer. Ich verpasste aber das erste km-Schild, sodass ich bis km2 warten musste um eine Pace-Indikation zu erhalten.

Die Stoppuhr bleibt nach 2km bei 7:12 Minuten stehen - puh, 3:36-Pace, das ist mal eine Ansage. Ich weiß, dass ich die Geschwindigkeit nicht halten kann und nehme etwas raus. Der Klassiker - wieder mal zu schnell angegangen. Aber mein Pacemaker scheint es noch schlimmer gemacht zu haben. Zu Beginn der zweiten 2,5km-Runde überhole ich ihn relativ mühelos und muss ab nun zusehen mein eigenes Tempo zu laufen. km 3 und 4 gehen jeweils in 3:56 raus und ich beschließe das Rennen auf Tempo zu Ende zu laufen. km 5 wieder in 3:56, das macht exakt 19:00 Minuten auf 5km - da könnte mit der sub40 doch was gehen.

Jetzt kommt der schwerste Teil des Rennens. Die Kräfte schwinden, aber ich muss mich quälen um die Lorbeeren des schnellen Beginns auch ernten zu können. Ich verliere noch etwas an Tempo und die nächsten 4km gehen in durchschnittlich 4:00-Pace raus. Dabei werde ich auch von ein paar Läufern überholt, aber ich breche nicht komplett ein. Nach 35:00 Minuten für 9km geht mir schon fast ein Lächeln ins Gesicht - das sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn ich jetzt noch meine Bestzeit verpasse. Ganz konkret stellt sich mir eher die Frage, ob es zu einer 38:xx reicht. Ich müsste noch eine leichte Endbeschleunigung schaffen, andererseits wartete die lange Münzstraße auf dem letzten Kilometer und da habe ich schon dreimal kräftigen Gegenwind gehabt. Aber so ein letzter km geht immer und so halte ich nochmal das Tempo. Nach der Münzstr. geht es um eine enge Rechtskurve, von wo man schon den Zielsprecher hören kann. Jetzt ist es Zeit für einen Endspurt. Jetzt zählt jede Sekunde - und als ich dann das Ziel auch sehe ruft mir erst einer meiner Bekannten zu "deutlich unter 40 Minuten, halt das Tempo"...ok, vielen Dank für das Gespräch - soweit war ich auch schon. Dann wird es noch konkreter - die Uhr unter dem Zielbogen zeigt 38:40 und es sind noch ca. 100m. Ich nehme die Beine in die Hand und laufe genau bei 39:00 über die Ziellinie. Meine kurze Enttäuschung über die verpasste 38:xx vergeht schnell, als mir einfällt, dass ich natürlich nicht aus der ersten Reihe gestartet bin und hier eine Nettozeit gemessen wird.

Die Ergebnisliste bestätigt dies und gibt mir eine 38:56 Minuten - persönliche Bestzeit. Platz 16 von 410 in der Gesamtwertung und Platz 3 in der Altersklasse. Gleich im Ziel treffe ich ein weiteres Mitglied aus dem Triathlonverein. Er wurde Vierter in einer 37er-Zeit und sagt mir gleich, dass laut seiner Garmin die Strecke auch zu lang war. Auch eine ziemlich liebevoll genaue Ausmessung der Strecke in google-maps ergibt auf die 10km insgesamt gut 100m zu viel. Ich bin total glücklich und schon in den nächsten Stunden fällt die sehr einfache Entscheidung. Das war dann endgültig die Saison 2013. Wenn ich die verbleibenden 2 Wochen noch weiter buckele, dann komme ich vielleicht auf eine 38:30 oder so - mehr geht aktuell nicht. Aber ich finde keine Motivation mehr - jetzt habe ich endgültig alles erreicht, was in 2013 möglich war. Halbmarathon-Bestzeit, Marathon-Bestzeit, Olympische Distanz-Premiere, Mitteldistanz-Premiere, Langdistanz-Premiere, eine weitere schnelle Mitteldistanz in Köln und jetzt die 10km-Bestzeit.

Das sind genug Herausforderungen für nächstes Jahr, also gehe ich sofort in die Off-Season. Nachdem ich noch aus dem Zielbereich wieder gemütlich zurück nach Hause gejoggt bin, werde ich jetzt 2 Wochen gar keinen Sport machen und dann ganz gemütlich in eine Übergangsphase mit viel Alternativtraining und lockeren GA1-Einheiten starten. Ab 4.11. startet dann die Vorbereitung auf die Saison 2014, dank der Zeit von Sonntag 2 Wochen länger, als eigentlich geplant.

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Das war wohl DEIN Jahr

meine Güte, da blieb mir ja beim Lesen die Luft weg! Super, ich bin zutiefst beeindruckt!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Heidewitzka!

Was für ein starkes Finish!
Nicht nur für den Lauf sondern für das ganze Jahr!!!
Besser hätte es wohl für dich nicht laufen können und die Laufpause ist mehr als gerechtfertigt!!!
Ganz fette Gratulation zu allem! =)

Gruß, Dominik
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"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Was wärest du denn gelaufen,

wenn du einen GUTEN Tag erwischt hättest? Hammer, was du dieses Jahr alles geschafft hast! Respektvolle Glückwünsche!
Viel Spaß in der Off-Season! Und gibt es schon was Neues aus Boston?

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Was es von dir in diesem Jahr zu lesen gibt,

ist schon sehr beeindruckend und haut einen glatt vom Hocker!!! Hätte ich das vor einem Jahr gewusst, hätte ich mir in BS auf der Pastaparty ein Autogramm von dir geben lassen, *lach!*
Ganz herzlichen Glückwunsch zum grandiosen 10ner und zum sensationen Erfolgsjahr 2013!!! Und nun darfst du dich aber wirklich verdient ganz gechillt zurücklehnen;-)

Lieben Gruß
Tame
PS: habe mich übrigens für Boston qualifiziert. Hat auch Vorteile, wenn Frau älter wird;-)

Glückwunsch!

Die Strecke in BS ist zwar flach, aber auch ziemlich voll wegen der 4 Runden. Da ist die Zeit erst recht absolut super.

Gruß Nicole

Off-Season

mal eben eine Bestzeit raushauen hat was. Da hast Du Dir die "richtige" Off-Season absolut verdient. Nur: wo bleibt die Qual beim Lauf?

Das war DEIN Jahr. Alles super gelaufen. Angefangen von den Bestzeiten über die Premieren - ein Highlight jagte das andere.

Ich wünsche Dir für die Off-Season ein fröhliches Pläne-Schmieden für 2014! Und ein paar schöne Alternativ-Sporteinheiten im goldenen Herbst.

Noch einmal ganz herzliche

Noch einmal ganz herzliche Glückwünsche! Zur neuen 10er-PB, aber auch noch einmal zum Erreichen all deiner Ziele in einem vollgepackten Jahr, zum verletzungsfreien Durchkommen über eine echt lange Zeit und Distanz, zum Erfüllen all deiner (nie auf easy getrickten) Pläne - Hut ab, du hast wirklich was geleistet!

Jetzt aber wirklich ab ins Off mit dir, genieße das alternative und vielleicht auch mal planlose Leben, LG Britta

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