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Heute eine interessante Publikation von französischen Forschern:

http://www.springermedizin.at/artikel/36648-ploetzlicher-herztod-ist-maennersache

Für ihre Studie hat das Forscherteam um Dr. Eloi Marijon aus Paris zwischen 2005 und 2010 Daten zum Auftreten des plötzlichen Herztodes beim Sport in Frankreich gesammelt.

Zielgruppe: sportlich aktive Personen im Alter zwischen 15 und 76 Jahren.

Im fünfjährigen Studienzeitraum erfassten die Forscher insgesamt 775 beim Sport plötzlich eingetretene Todesfälle. Unter den unerwartet Verstorbenen waren 42 Frauen (5%). Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt des Todes betrug bei Männern 46 Jahre und bei Frauen 44 Jahre.

Bei ihrer Analyse berücksichtigten die Untersucher auch die Gesamtzahl der landesweit im Sport sowie in einzelnen Sportarten aktiven Teilnehmer. Die entsprechenden Daten lieferte eine nationale Erhebung zu Sporttätigkeiten in Frankreich aus dem Jahr 2000.

Das Risiko für sportlichen Herztod liegt bei Männern um Faktor 20 höher als bei Frauen.

Wichtig bei der Bewertung dieser Risiken ist aber: die absoluten Zahlen bezüglich der Risikos für einen plötzlichen Herztodes sind sehr sehr niedrig: bei Sportlerinnen liegt es bei 0,51 Todesfällen pro eine Million Sportteilnehmerinnen; Bei männlichen Sportlern liegt das Risiko bei 10,1 pro einer Million Sportteilnehmern pro Jahr. Das ist zwar signifikant um den Faktor 20 höher, aber absolut betrachtet sind das erfreulicherweise keine häufigen Ereignisse.

Originalpublikation:

Marijon E et al.: Incidence of Sports-Related Sudden Death in France by Specific Sports and Sex; JAMA 2013; 310 (6): 642-643

Herzliche Grüße,
waldboden

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

wie gut,

dass ich erst nächstes Jahr 46 werde!

Gruß, Dominik
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"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

obwohl ich älter bin

mache ich mir da keine Sorgen, bei den Zahlen ;-)
Grüße,
waldboden

ratlos ...

Wenn man davon ausgeht, das die meisten Menschen die irgendwann sterben regelmäßig geduscht haben. Kann man daraus ableiten, das duschen schädlich ist? ... Das einzige was ich der Studie entnehmen kann ist die Aussage, dass mehr sporttreibende Männer eines plötzlichen Herztodes gestorben sind. Aber lag die Ursache dafür beim Sport oder hatte Sport wohlmöglich damit gar nichts zu tun und sind vieleicht weniger Menschen eines plötzlichen Herztodes gestorben, weil sie Sport getrieben haben? ...

Vergleichend zu dieser Statistik wäre also interessant zu sehen, wieviele Nichtsportler eines plötzlichen Herztodes gestorben sind oder ob es die gestorbenen Sportler der Studie auch ohne Sport erwischt hätte. Denn das ein herzgesunder Mensch durch laufen herzkrank wird, ist wohl noch seltener. Eher wird es so sein, das ein Mensch der das laufen anfängt etwas für seine Gesundheit tut, den Cholesterinspiegel senkt, die Pumpe trainiert ...

Im übrigen scheint es sich mit dem Herzrisiko wohl auch anders zu verhalten, wenn man nicht nur Sportler betrachtet:

Zitat "Stiftung Schlaganfall"
"In der westlichen Welt lässt etwa jede dritte Frau ihr Leben aufgrund einer Herzerkrankung, warnt die American Heart Association (AHA) auf ihrer Webseite (www.americanheart.org). Mehr als doppelt so viele Frauen sterben an kranken Herzen als an Krebs. Außerdem sind es insgesamt mehr Frauen als Männer: Wie das Statistische Bundesamt im Jahr 2005 berichtet, starben knapp 139.000 Frauen und rund 94.000 Männer an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Herzschwäche oder koronarer Herzkrankheit (KHK).
(...)
Überraschend sind die scharfen Risikokriterien der AHA, denn sie betreffen fast jede Frau. Rauchen, Übergewicht, mangelnde Bewegung, erhöhter Blutdruck oder Herzinfarkt in der Familie erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen so weit, dass vorbeugende Maßnahmen notwendig sind. "Selbst ein einziger Risikofaktor führt zu einem deutlich erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko und einer verkürzten Lebenserwartung", so die Autoren. Frauen, die gleich mehrere Risikofaktoren auf sich vereinen, gelten als Hochrisikopatienten. Diabetikerinnen zählen beispielsweise automatisch zur Hochrisikogruppe."
Quelle: http://stiftung-schlaganfall.de/2010/03/11/mehr-frauen-als-manner-sterben-an-herzerkrankungen/

Also, achtet auf euch und eure Gesundheit.

Gruß
makesIT

;-)

Hallo makesIT,

Du hast völlig recht, dass diese Studie überhaupt nicht vergleicht, wie viele Menschen, die nicht sporteln, eines plötzlichen Herztods gestorben sind.

Und klar: Viel mehr Menschen, die keinen Sport betreiben, sterben an den Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Körperliche Aktivität ist selbstverständlich schützend vor Arteriosklerose, Bluthochdruck, Diabetes, Blutfett-Werte ... und allen möglichen anderen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Diese Studie hat sich nur mit einem Dauerthema/Vorurteil für Läufer wissenschaftlich befasst: "Wenn Du so viel läufst, musst Dich nicht wundern, wenn mal Dein Herz nicht mehr mitmacht", "Mit (Marathon-)Laufen gefährdest Du Dein Herz" etc.

Die absoluten Zahlen an zu erwartenden Todesfällen durch plötzlichen Herztod fand ich beeindruckend niedrig.

Grüße,
waldboden

erstaunlich ...

... was es manchmal für Vorurteile gibt. ;-)

Ich frage mich bei Studien immer, von wem sind sie beauftragt und was sollen sie herausfinden ... Denn um einen Zusammenhang mit dem Nutzen von Sport zu belegen, müßte es eine unsportliche Kontrollgruppe geben. ... und wer weiß was die Studie belegen würde, wenn sich alle Studienteilnehmer vorher cardiologisch untersuchen lassen würden ... Aber du hast recht, die Zahlen sind beeindruckend niedrig und passen so gar nicht zu manchen Schlagzeilen, bei denen zwischen den Zeilen zu lesen ist, "siehste das mußte ja passieren, wenn man sich so anstrengt bei einem Marathon. Das kann doch gar nicht gesund sein ..."

Marathon ist bestimmt ...

... ja auch völlig ungesund. Viel zu schnell diese Kurzstrecke. Das muß ja auf die Knochen gehen.
Deshalb laufe ich lieber weiter. Man weiß ja nie...
;-)

auf die Knochen

wie gut, dass sie nur den Herztod und nicht Knochenschwund untersucht haben!
=)
Gruß, Dominik
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"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

" liegt das Risiko bei 10,1

" liegt das Risiko bei 10,1 pro einer Million Sportteilnehmern pro Jahr. Das ist zwar signifikant um den Faktor 20 höher, aber absolut betrachtet sind das erfreulicherweise keine häufigen Ereignisse."......
Das heißt einer auf 100 000 stirbt beim Sport - das ist mehr als ich dachte.

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