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In gut einer Stunde ist es soweit, die Anmeldung für den Boston-Marathon 2014 startet. Der Moment, wo für mich die Spannung steigt. Es wird eine Art Wettrennen um diejenigen Startplätze, die für die Zeit-Qualifikanten vorgesehen sind. Das sind immerhin etwa 29.500 Plätze des auf insgesamt 36.000 Teilnehmer limitierte Feld des Boston-Marathon 2014.

Aber es wird ein langes, spannendes Wettrennen. Nicht so eins a la Berlin-Marathon 2013, wo die insgesamt 40.000 Startplätze nach dem Prinzip First-come-first-serve vergeben und am 25.Oktober vergangenen Jahres nach 3:31 Std. der ganze Spuk schon vorbei war. Oder noch extremer: erst recht nicht so eins a la Challenge Roth 2014, wo nach 50 Sekunden der Anmeldeperiode alle Staffelplätze, nach 2:10 Minuten alle Plätze für deutsche Starter und nach 3:15 Minuten das gesamte Starterkontingent ausgebucht war.

Nein, in Boston geht es nach einer Mischung aus Qualifikationszeit und tatsächlicher Nachfrage. Und weil ohnehin schon die tatsächliche Nachfrage in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist, hat man vor 2 Jahren die Qualifikationskriterien nochmal ordentlich angezogen. Seit der diesjährigen Austragung des Boston-Marathons, sind die Qualifikationszeiten wie folgt:

Altersklasse Männer Frauen
18-34 3:05 Std. 3:35 Std.
35-39 3:10 Std. 3:40 Std.
40-44 3:15 Std. 3:45 Std.
45-49 3:25 Std. 3:55 Std.
50-54 3:30 Std. 4:00 Std.
55-59 3:40 Std. 4:10 Std.
60-64 3:55 Std. 4:25 Std.
65-69 4:10 Std. 4:40 Std.
70-74 4:25 Std. 4:55 Std.
75-79 4:40 Std. 5:10 Std.
80+ 4:55 Std. 5:25 Std.

Da ich bislang jedes meiner Sportjahre unter ein besonderes Ziel gestellt habe, bin ich 1,5 Jahre lang meiner Qualifikationszeit hinterhergerannt. Das übergeordnete Ziel für 2012 war eben diese Quali - in meiner Altersklasse also unter 3:10 Std.. Der Plan war im Dezember 2011 gemacht und zu der Zeit noch total unrealistisch - hatte ich doch gerde erst in meinem ersten Marathonjahr eine Bestzeit von 3:32 Std. auf das Papier gebracht. Aber Ziele sollen ja ambitioniert sein und so scheiterte ich in 2012 sowohl im April in Hamburg mit 3:12, als auch im Oktober in Köln mit 3:13 jeweils denkbar knapp an der Quali. Der eigentliche Angriff auf die sub3:10 sollte am 30.September im Rahmen des Berlin-Marathons erfolgen, dort scheiterte ich aber wenigstens deutlich. Nach einem 1:32-Halbmarathon musste ich anerkennen zu schnell angegangen zu sein und bin ab km37 kräftig vor mich hingestorben und brachte nach ein paar Spaziergangs-km eine 3:19 ins Ziel.

Damit war das Thema Boston-Quali dann auch eigentlich durch, denn zu der Zeit war ich schon für den 2013er Ironman Frankfurt gemeldet und aufgrund der Art der Vorbereitung hätte es niemals klappen dürfen noch eine Marathon-Bestzeit einzubauen. Doch der Berliner Halbmarathon Anfang April gab der Idee von der Boston-Quali neues Futter. Komplett aus dem Training heraus lief ich eine 1:26:59, die wiederum auf Basis der gängigen Umrechnungsfaktoren von Halbmarathon- auf Marathonbestzeiten für eine Zeit sub3:10 reichen sollte. Es kitzelte mich plötzlich wieder diese Zeit auf meinem Lieblingsmarathon in Hamburg anzugreifen. Als dann auch noch eine Woche vor Hamburg die Nachrichten über die Bombenanschläge beim Boston-Marathon 2013 über den Bildschirm liefen, festigte sich meine Meinung. Das Motto für Hamburg sollte kurzfristig in "Boston, jetzt erst recht!" geändert werden.

Es funktionierte und in einem harten, aber insgesamt gut eingeteilten Rennen lief ich meine 3:08:41 Std. und brüllte beim Überqueren der Ziellinie meine Freude über die erfolgreiche Qualifikation lautstark heraus. So sehr meine Freude über die Bestzeit weiter anhielt, begann die Unsicherheit, ob die Zeit denn auch tatsächlich für die Teilnahme in Boston reichen wird. Denn das ich teilnehmen möchte, war mittlerweile auch klar. Wenn ich in 2012 die Quali gelaufen wäre, wäre ich gar nicht so sicher gewesen, ob ich auch wirklich gemeldet hätte. Aber die Perspektive im "Jahr 1" nach den Anschlägen dabei zu sein und dabei mitwirken zu können, dass die 2014er Ausgabe noch bunter und fröhlicher werden wird, als jede zuvor, ist Anreiz genug die Anmeldung tatsächlich auszufüllen.

Seither ist die Zeit des Wartens, denn die Anmeldung für das Folgejahr startet traditionell Anfang September. Zwischenzeitlich erhielt ich aber schon einige Dämpfer, denn so wurde anhand von Analysen in Internet-Suchmaschinen ermittelt, dass die Nachfrage nach Startplätzen für Boston im Vergleich zu Vorjahren um etwa das 15fache (!) gestiegen war. Für 2013 hat es noch gereicht die Qualizeit einfach unterboten zu haben. Innerhalb der eigentlichen Anmeldeperiode gingen sogar weniger Anmeldungen als vorhandene Startplätze ein, weshalb man sogar danach noch melden konnte - natürlich vorausgesetzt, dass man innerhalb der Qualifikationsperiode die geforderte Zeit unterboten hatte.

Am 30.August wurde dann das offizielle Anmeldeprozedere für 2014 angegeben. Erfreulich für mich dabei, dass aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage das Teilnehmerfeld von 27.000 auf 36.000 erhöht wurde. Diese Erweiterung um 9.000 Startplätze ist allerdings sehr relativ zu sehen, denn als weitere Besonderheit wurde allen 5.624 Startern, denen in 2013 wegen der Bombenexplosionen verwehrt wurde die Ziellinie zu überqueren, angeboten einen garantierten Startplatz für 2014 zu erhalten. Aus dieser Gruppe machten auch tatsächlich 4.722 Teilnehmer von ihrem Recht gebrauch.

Jetzt - in mittlerweile nur noch 14 Minuten - startet also die Anmeldung für die verbleibenden Startplätze. Das Prozedere ist wie in den Vorjahren. Heute und morgen dürfen sich alle anmelden, die ihre Qualifikationszeit um mindestens 20 Minuten unterboten haben. Mittwoch und Donnerstag ist die Anmeldung dann denjenigen vorbehalten, die mindestens 10 Minuten schneller waren und Freitag/Samstag dürfen dann slle melden, die mehr als 5 Minuten das Qualifikationskriterium unterboten haben. Sonntag wird dann konsolidiert und analysiert, ob ab dem nächsten Montag, also den 16.September die Anmeldung für jedermann geöffnet wird...jedermann im Sinne von schneller als die ambitionierten Qualifikationskriterien. Dann wird es für mich spannend, schließlich bin ich ja "nur" 1:19 Minuten unter den geforderten 3:10 Std. geblieben. Wenn dann die Anzahl der Meldungen die zur Verfügung stehenden Startplätze übertrifft, wird ein relatives Zeitkriterium angewendet. D.h. diejenigen, die ihre Quali-Norm am meisten unterboten haben, erhalten die verbleibenden Startplätze.

Wenn ich der US-Ausgabe der Runnersworld glauben darf, dann brauche ich mir gar keine großen Hoffnungen zu machen. Auf Basis von Analysen und Befragungen meinen sie, dass man irgendwas über 4:00 oder sogar 4:30 Minuten unter individueller Quelifikationsnorm geblieben sein muss, um einen Startplatz zu bekommen. Dabei haben sie schon die Vergrößerung des Startfeldes berücksichtigt, vorher waren sich die Redakteure sicher, dass schon nach der Anmeldeperiode für die "über-5-Minuten-besser"-Läufer keine weitere Öffnung mehr erfolgen wird. Also kann ich nur hoffen, dass die Statistik zu meinen Gunsten lügt. Wie gesagt, große Hoffnung mache ich mir nicht, dennoch habe ich mir den Patriots Day 2014, den 21. April 2014 noch virtuell im Kalender geblockt um an dem Tag den Boston-Marathon zu laufen. Denn wie bekannt - "die Hoffnung stirbt zuletzt".

Derweil werde ich mir versuchen die Wartezeit zu verkürzen. Dieser Blog war eine Methode, parallel habe ich gestern angefangen das eBook "4:09:43" von Hal Higdon zu lesen. Dies ist eine tolle Dokumentation zum 2013er Boston-Marathon, welche der Author anhand von 75 unterschiedlichen Blogeinträgen zum Rennen zusammengetragen hat. Es geht natürlich viel um die Anschläge, aber darüber hinaus beschreibt er auch toll die gesamte Stimmung dieses ältesten, kontinuierlich ausgetragenen Marathons der Welt. Ich bin mir nicht sicher, ob es gut ist das Buch zu lesen, denn die Motivation tatsächlich dort zu starten wird definitiv weiter erhöht - die Enttäuschung würde sicher noch größer sein, wenn ich keinen Startplatz erhalte. Aber auch das würde ich wohl überstehen - und dann hätte ich immerhin noch ein tolles Buch gelesen.

So, 16:01 Uhr - die Anmeldung ist offen. Ich werde mich mal durchklicken - aber tatsächlich registrieren kann ich mich ja heute noch nicht. Dann hätte ich in Hamburg eine sub2:50 laufen müssen...da muss ich noch ein paar km für trainieren.

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Daumen sind gedrückt!

Ich hoffe sehr, dass sich wider aller Erwartung für dich die Tür nach Boston öffnet!

Gruß, Dominik
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"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Viel Glück!!

Letztes Jahr hätte Deine Zeit ohne Probleme gereicht, aber nach dem zu erwartenden Andrang hilft nur Daumen drücken und Hoffen.
Meine beiden Daumen sind auf alle Fälle gedrückt.

Viel Erfolg!!!

Markus

Ja, Markus. Du bist ja mein

Ja, Markus. Du bist ja mein großer Hoffnungsschimmer. Du hast mir ja gesagt, dass die Anmeldung im letzten Jahr noch nach der eigentlichen Meldeperiode noch offen war. Runnerstworld.com schreibt, dass im letzten Jahr "nur" 53% der Startplätze an die "5-Minuten-oder-mehr-besser"-Anmelder vergeben wurden, also von den ca. 25.000 Time-Qualifier-Plätzen rund 13.250. Für dieses Jahr prognostiziert man, dass zum gleichen Zeitpunkt der Meldephase über 27.000 Teilnehmer gemeldet haben sollen. Ich hoffe, dass die Prognosen hier ein wenig übertrieben sind...aber alles nur Spekulation. Wir werden sehen...

Die Zahlen hast du wie immer

Die Zahlen hast du wie immer gut im Griff, d.h. ich muß einfach nur Daumen drücken. Mach' ich, und vielleicht wird es genauso unverhofft etwas wie deine Quali dieses Jahr in Hamburg!
LG Britta

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