"Kannst du noch gut schlafen? Ich hab in der Woche vor meinem ersten Marathon fast gar nicht geschlafen."

Ich kann diese Erfahrung nicht teilen,denn ich wurde ruhiger an den letzten Tagen. Angespannt, ja, aber nicht wirklich nervös. Freitag war schon mal Urlaub, denn meinen Geburtstag, auch wenn es nur der letzte M20 war, verbringe ich nicht im Büro und wenn dieser ausgerechnet auf einen Freitag vor meinem ersten Marathon fällt, schon mal gar nicht! Damit hieß es Freitag ausschlafen und Samstag ausschlafen und auch wenn die Nacht von Samstag auf Sonntag dank Anreise aus Osnabrück doch etwas kürzer war, war ich topfrisch auf dem verregneten Weg zur Startlinie. Am Samstag war ich schlicht ruhig, da brauchte es gar keine mindestens 8h Schlaf mehr!

3h15 waren das Ziel, also sortiert man sich mal in der Nähe des 3:15 Ballons ein, kann ja so falsch nicht sein. 1-2 km hat es gedauert, bis ich im Fluss war (ein schönes Bild, denn es regnete mehr als die Hälfte des Laufs) und mich ein Stück vor der Ballontraube einfach laufen ließ. Das Tempo war eigentlich einen Ticken zu hoch, aber mein Puls aufgrund der externen Kühlung und hoffentlich auch des guten Trainings erschreckend niedrig. Anziehen auf erwarteten Puls wollte ich dann aber aus Respekt vor der Distanz erstmal nicht...das kann man alles auch beim zweiten oder dritten Marathon probieren.

Ich beherzigte einen Tip meines Trainers: Nicht an die verbleibenden Kilometer denken, sondern bis zum nächsten Ziel rechnen.
5km - erste Zeitnahme 22:38
10km - zweite Zeitnahme 22:53
11,8km - erstes Gel, am Versorgungsstand alles super geklappt, gutes Gefühl für die anderen drei

Und so liefen die km:
15km - 22:41
19km - angefeuert werden, die nächsten Gels in Empfang nehmen, die linke Hüfte schmerzt ein wenig...mindestens 5km zu früh, aber solange es nicht schlimmer wird........
20km - 22:44
20,3km - zweites Gel
21,1km - Halbzeit, 1h36min, ungefähr so schnell wie mein erster Halbmarathon vor 2,5 Jahren, wo ich im Ziel noch dachte, dass ich NIEMALS die doppelte Distanz laufen könnte
25km - 22:50
27,5km - drittes Gel, der Magen/Darm macht überhaupt keine Zicken, davor graute es mich im Vorfeld am meisten
29km - die Begleiter wieder am besprochenen Punkt von weitem zu sehen, extrem gutes Gefühl, "nur" noch eine Stunde, die Schmerzen waren strärker und großflächiger geworden, jetzt kann es eigentlich nicht mehr schlimmer werden.........
30km - 22:37
31km - so weit bin ich noch nie gelaufen
34km - die Hüfte schmerzt, auf beiden Seiten...vielleicht schmerzt noch mehr, aber wird von Hüftschmerz überstrahlt, Tempo lässt sich nicht ganz halten
35km - 23:15, die ersten 30 Sekunden "verloren", mit Puls oder Hammermann hat das hier alles gar nix zu tun, das macht immerhin Mut, aber die Hüfte schreit bei jedem Schritt
38km - Schmerz ist Einstellungssache und meine Zeit werde ich schaffen, ich hab genug Polster
40km - 23:38, VIERZIG KILOMETER!!! Noch 22! 22x100m, denn in Kilometern kann ich gar nicht mehr rechnen

Zieleinlauf: Unmengen von Zuschauern, meine Begleiter entdecke ich nicht, mir ist egal, dass ich überholt werde, mir ist auch egal, dass ich keine Endspurt machen kann, ich will durchs Ziel und ich will aufhören zu laufen...die Uhr am Ziel sehe ich gar nicht, anhalten, gehen, SCHMERZEN! Die Hüfte stößt einen Seufzer der Erleichterung aus, Waden und Oberschenkel fangen dafür jetzt erst richtig an zu schreien. Cola, alkoholfreies Weizen und jetzt zur Massage. Der Weg war unendlich lang, die Massage unendlich gut. Ich verlasse das Zelt mit normalen Schmerzen und komme recht gut zum Auto. Rücksitz! Müsliriegel, Banane, Wasser...weiterhin verträgt meine Verdauung alles problemlos und auch Fieber o.ä., wie ich es schon nach HMs hatte, stellt sich nicht ein...vermutlich, weil ich ja Pulstechnisch "zu langsam" gelaufen bin (80-81% MaxHF im Schnitt).

03:13:30 sagt am Ende die Nettozeit und stimmt mit meiner Uhr quasi überein. All die Kilometer haben sich gelohnt und ich weiß auch genau, an welchen Schrauben ich drehen müsste, um mich beim nächsten Mal besser vorzubereiten. Ich bin sicher, die Schmerzen in der Hüfte und auch im restlichen Bereich, lassen sich tatsächlich schlicht auf fehlende Gewöhnung des Körpers an die Distanz zurückführen. Die unterstützende Muskulatur war zu früh erschöpft und daher konnte ich auf den letzten 12km das Tempo schlicht nicht mehr halten...aber das versaut mir jetzt natürlich rein gar nix. Das Ziel ist erreicht, die 1,5 Minuten hinten raus, interessieren doch keine Sau und nach ersten Marathon muss doch auch noch Optimierungspotential vorhanden sein!!! ALLES andere ist schließlich super gelaufen, wo ich auch die Organisation und den Ablauf der Veranstaltung mit einschließen kann...gut möglich, dass ich mich hier im Laufe der nächsten Jahre noch einmal wiederfinde.

Der Tag danach: Nochmal Urlaub, ich hätte auch die Treppen auf der Arbeit nicht gepackt! :) Keine "falschen" Schmerzen, es zwickt hier und da in der Mechanik, aber eigentlich sind nur die Muskeln völliger Brei und der Rest ist ok. Massage, Sauna, vollwertiges Essen und die Erinnerung genießen!!!

Der Rest des Laufjahres: Ja, natürlich hab ich darüber schon nachgedacht! Der Halbmarathon in meiner 5,5Jahre Wahlheimat Braunschweig wird wohl auch dieses Jahr wieder gelaufen. 3 Wochen Regenerieren, 1 Woche Urlaub mit Strandläufe, 2 Wochen trainieren, 1 Wettkampfwoche...ich hab keine Ahnung, was ich da erwarten kann, aber das find ich mit 1-2 gezielten Einheiten in den 2 Trainingswochen heraus. Das ist wieder pünktlich zur Zeitumstellung und dann wartet die dunkle Jahreszeit. Ich will Grundlage schaffen, die Wochenkilometer konstant hoch halten, damit mögliches Training für einen Frühjahrsmarathon auf einem starken Fundament steht. Zusätzlicher Ansporn: Silvesterlauf 10km bei vertretbaren Bedinungen in PB absolvieren!

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

Wow! Gratuliere!!

Schicke Zeit! Ich würde sagen, so ziemlich auf den Punkt getroffen mit der 13 in der Mitte! ;o)
Münster hat echt was besonderes!

Ne, auch Dein Lauf war für den ersten Mara schon ziemlich perfekt eingeteilt und ja, Dein Körper ist diese Distanz unter vollem Tempo noch nicht gewöhnt und dann tut es auch schon mal so extrem weh.
Mir tun wegen eben der Gewöhnung die Knochen danach überhaupt nicht mehr weh, allerdings weil ich kaum Tempotraining gemacht habe, spüre ich deutlich die Tempomuskeln außen an den Beinen, was aber völlig harmlos ist. So gibt es halt immer Verbesserungspotential und ohne dieses hätte man ja auch kein Ziel mehr zu erreichen. ;o)
Die Regeneration von 3 Wochen wird Dein Körper sicherlich eben wegen dieser ungewohnten Belastung auf jeden Fall brauchen, aber wenn die Knochen das jetzt gut gehalten haben, wird der HM bestimmt mit richtig guter Zeit möglich!
Wenn das Fundament steht und alles passt, ist bestimmt auch sub3 bei Dir drin!
Viel Spaß im Urlaub und beim weiteren Training.

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Danke euch beiden! Ja, ich

Danke euch beiden!

Ja, ich komme eben aus der Richtung "kürzer und schneller" und brauchte auch nie sooo viele Trainingskilometer für 10er in 40 oder HM in 1h30. Die gängigen Pläne haben da wesentlich mehr.

Aber das 42km ne andere Hausnummer sind als 21 habe ich im Vorfeld vermutet und ich wurde deutlich bestätigt. Wenn ich im Training jetzt angefangen hätte 90 Wochenkilometer zu laufen, wäre das auch unsinnig gewesen, aber mir bleibt wohl garnix anderes übrig als sub3 als Ziel für spätestens nächsten Herbst anzuvisieren, zumal ich Puls/Energie-technisch ja jetzt schon vom Gefühl her deutlich unter 3h10 hätte laufen können und meine Unterdistanzzeiten erstens überhaupt nicht zur gestrigen M-Zeit passen und zweitens mein aktuelles Leistungsvermögen auf diesen eventuell sogar nochmal ein Stück niedriger liegt..vielleicht gibt es ja sogar noch zwei Bestzeiten dieses Jahr, die dann auch sub3 Ambitionen unterstreichen! ;)

Das war doch ein tolles Debüt mit einer schicken Zeit!

Und im Laufe der Zeit sammelst Du ein wenig mehr Grundlage und es tut vielleicht weniger weh. Erhol Dich gut, feiere den Erfolg und dann "auf ein Neues".

Hammerzeit!

Siehe da: ein fehlender (von 7 "notwendigen") 30ern spielt also weniger für die Zeit, als eher für Schmerzen eine Rolle...
Eine klasse Zeit -- langfristig ist die sub3h sicher ein erstrebenswertes und erreichbares Ziel für dich!
... und beim Halben wirst Du sicherlich auch eine feine Zeit raushauen! Bin gespannt...

Gruß, Dominik
_____________________
"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

glückwunsch...

...fetten! grandios...diese zeit!!
____________________
laufend freut sich, dass es für biketime so toll gelaufen ist in 'ihrem' geliebten münster: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Ganz lieben Dank! So richtig

Ganz lieben Dank! So richtig angekommen ist es bei mir aber irgendwie noch nicht bzw. denk ich genauso an nächste Ziele wie nach jedem anderen Lauf auch! :)

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links