Hallo,

ich bin etwas ratlos, ob ich es wagen soll, mich für den Marathon Köln in 5 Wochen anzumelden.
Hier meine Geschichte:
ich habe in 2006 und 2007 insgesamt drei Marathons gelaufen, und bin danach einige aus beruflichen Gründen nicht mehr dazu gekommen. Ursprünglich wollte ich mir für 2013 vornehmen, entweder in Berlin oder in Köln meinen 4. Marathon zu laufen, aber als meine Frau mir drei Tage vor Sylvester gesagt hat, dass sie schwanger ist, habe ich die Herbst-Marathonsaison zunächst abgesagt.
Leider kam unsere Tochter vor drei Wochen tot zur Welt, und seitdem ist vieles anders. Es ist schwer, Trost zu finden, aber ich habe bislang die Erfahrung gemacht, dass mir Laufen hilft, mit dem Schmerz fertig zu werden.
Daher habe ich auch das Ziel Marathon wieder ins Auge gefasst, hier ist die grobe Idee für die Roadmap zum Marathon in Köln (oder Essen?) am 13.10. (Einheiten für unter der Woche habe ich noch nicht ausgearbeitet, aber ich brauchte eine grobe Perspektive):
1.9.: 17,5 km
8.9.: 20 km
15.9.: 23 km
22.9.: 26,5 km
29.9.: 29,5-30 km
6.10.: ca. 33 km
13.10: 42,195 km,
jeweils in Tempo von knapp unter 6 Minuten.
Nachdem ich die ersten beiden Läufe davon hinter mich gebracht habe, muss ich sagen, dass ich beide Male mit Motivationsproblemen zu kämpfen hatte, heute schon auf den ersten 10 km an Abbruch gedacht habe (erstaunlicher Weise ging es auf den zweiten 10 km besser). Auch wenn es mir physisch ansonsten gut geht, denke ich manchmal, dass ich mir mit dem Plan etwas zu viel aufgehalst habe.
Andererseits habe ich Angst, dass wenn ich dieses Mal kneife, dass ich mich dann nie wieder zu einem Marathon aufraffen, und ich will eigentlich Köln, Berlin und eines schönen Tages auch New York auf jeden Fall laufen.

Da ich in meiner Familie und meinem Freundeskreis niemand anders habe, der so verrückt, Marathon zu laufen, wollte ich Euch um Euren Rat bitten. Was meint ihr, soll ich tun? Mein Plan B ist, einfach nächsten Sonntag die 23 km zu laufen, und dann weiterzusehen, aber das ist ja auch keine finale Antwort.

Schöne Grüße
T.

Motivationsprobleme

sind kein Grund, das kann sich wieder ändern. Ob dein Trainingszustand reicht kann ich aus deinen knappen Angaben nicht beurteilen, das weißt du auch selbst am besten. Da es dir offenbar nicht um eine Zielzeit geht würde ich mich fragen: will ich einen Marathon laufen? Und dann entscheiden. Köln ist durch den Schleifenkurs abbrechbar (zur Not), Essen will ich dieses Jahr das erste Mal laufen.
Ich würde deine langen Läufe am Ende drehen: drei und zwei Wochen vor dem Marathon einen langen, aber am Wochenende vor dem Marathon nur noch 20km. Sonst bist du platt trainiert.
Laufen hilft auch mir bei der Trauerbewältigung. Aber nicht auf Zeit.
Tut mir sehr leid für euch, ein wenig kann ich es nachfühlen. Euch alles Gute!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Auf den Körper hören

Lieber Toggi,

als ich Deine Zeilen gelesen habe, kamen mir einige Erinnerungen. Ich kenne Deine private Situation mehr als genug. Erst beim siebten Anlauf kam unser Sohn zur Welt (inzwischen 16 Jahre).

Mir hat das Laufen immer geholfen, auf andere Gedanken zu kommen, zu entspannen und danach mit mehr Kraft die Aufgaben / Trauer zu bewältigen. Deshalb: gibt das Laufen auf keinen Fall auf.

Ob Du stark genung für einen Marathon bist, kannst nur Du (und Dein Körper) entscheiden. Und wenn's nicht reicht: dann musst Du halt aufhören. Ich habe auch einmal meine persönliche Ziellinie bei 28km gehabt, und habe danach intensiver auf meinen Körper gehört.

Seitdem kann ich beim Laufen sehen, ob ich Stress / Trauer habe oder nicht.

Fazit: Wenn Du Dich fit fühlst, starte. Schlimmstenfalls kommst Du nicht an. Meldet der Körper Zweifel, laufe den HM - oder lasse es ganz. Gesundheit geht vor Ankommen.

Und: Kopf hoch, auch Du wirst wieder eine neue Perspektive finden.

Köln-kannst Du versuchen

Das Laufen zur Bewältigung von Problemen hilft habe ich auch erlebt. Zwar nicht so
schlimm wie Du aber es hat auf die dauer geholfen. Auch bei beruflichen Belastungen
habe ich oft beim Laufen lösungen gefunden.
Zu Köln soviel-die Strecke ist so ausgelegt das bei Problemen Aussteigen ohne
weiteres möglch ist-mir ist es auch schon passiert.Nimmt di den Streckenplan
und dann den U-bahn Netzplan-ob Nippes oder Südstadt eine Verbindung per U-Bahn
zum Dom gibts immer.Du kannst dich auch bei der KVB erkundigen dort kann man Dir
bestimmt weiterhelfen.
Aber-daran solltest Du nicht Denken-Wenn Du kein Zielzeit hast darfst du ruhing mal gehen-Auch über 6Std. sind noch viele Unterwegs. Mach den Kopf frei-und versuchs-Ich drücke Dir die Daumen(leider darf ich nicht mehr Laufen(Bandscheiben
OP's) habe aber köln 7x gelaufen.Toi toi toi
Runnermanni

Vom Trainingstechnischen

Vom Trainingstechnischen sehe ich keinen Grund es nicht zu tun. Vorausgestetzt das du vor dem 1.9. einigermaßen Regelmässig gelaufen bist, und du keine Zielzeit hast. Meine minimalste Vorrbereitung auf einen Marathon waren zwei lange Läufe mit 25km. Natürlich davor regelmäsig so um die 10Km gelaufen. Für mehr Training hat es damals einfach nicht gereicht. Am 6.10 würde ich dir Vorschlagen einen kürzen Lauf mit etwa 20km zu machen, damit du ich noch eine Woche gut erholen kannst. Dann dürfte aus Trainingssicht meiner Meinung nach nichts im wegestehen. Vielmehr ist die Frage: Willst du ihn laufen? Oder ist nur ein Soll erfüllen?
Bei Angst,Trauer, Verzweiflung, und Prolemen giebt es ohne Zweifel nichts besseres als laufen, mußte ich leider auch schon erfahren. Aber du solltest dich jetzt nicht noch zuzätzlich Stressen. Und wenn es in Köln nicht mehr geht, dann einfach gehen oder abbrechen.
Vielleicht hielfst es dir, dich zu Mutivieren wenn du aus Köln einen Gedenklauf machst, und diesen Lauf deiner Tochter wiedmest.
Vielleich giebt es auch einen Verein in deiner Nähe, bei dem du ab und zu mitlaufen kannst. Und der dich beim Laufen auch zeitweiße ablenkt, und auf andere Gedanken bringt.

Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu ereichen.
Helden gesucht!

Warum nicht langsamer steigern?

Und beispielsweise einen Halben im Herbst anvisieren?

Z.B. den Blumensaatlauf am 23.11. in Essen.

Da bliebe ausreichend Zeit, eine gründliche Vorbereitung zu machen, Du könntest in Ruhe und ohne Zusatzstress einen für Dich passenden Laufplan zurechtlegen und läufst nicht Gefahr, dich zu überlasten und dann im schlimmsten Fall gar nicht mehr laufen zu können, was der Verarbeitung Deines Schicksalsschlages ja auch nicht zuträglich wäre.

Dir und Deiner Frau an dieser Stelle jedenfalls alles Gute und viel Kraft für die nächsten Wochen und Monate,

granreserva
_________________________________________________________________________________
Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten.
(Johannes Kepler)

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links