... einige weinige Sportplatzrunden, ein bisschen Lauf-ABC, kurze Sprints, die kleine Treppe hoch und runter gesprungen, ein kurzes Andehnen der Muskeln – eine für mich gefühlt kurze Erwärmung und trotzdem war die Zeit von der Anmeldung bis zur Eröffnungsrede schnell vergangen (incl. 15min Englischvokabeln lernen mit Sohnemann). Ich wundere mich ein wenig, da einige andere Mitstreiter sich scheinbar gar nicht warmliefen. Anders gesagt die Warmläufer waren in der Minderheit?! Beim Volleyball hätte ich aber schon gern mitgemacht, wenn ich’s nur könnte! Eine gute Willkommensrede mit allen wichtigen Informationen und dem Hinweis auf 150 Jahre sportverein Stavenhagen später war es dann soweit. Raus aus dem Stadion zum Start.
Da ich bisher keine Qualizeit vorzuweisen hatte, reihte ich mich in der Startaufstellung ganz hinten ein. „In 4 Minuten!“ sagte der Starter und in mir keimte der Wunsch, nochmal ein paar Schritte zu machen.
Merke: Am Ende des Feldes ist das ganz einfach!

Pünktlich um 10:00 Uhr fiel der Startschuss, stilecht aus einer historischen Handfeuerwaffe von der Größe eines Mörsers. Ich trabte los, schneller ging nicht was ganz gut war denn so konnte ich schon nicht zu schnell starten. Das Feld lichtete sich aber bereits nach ca. 1km, als die 3km-Läufer nach rechts abbogen und schon ging es hinein in den Ivenacker Wald. Bereits bei km 2 hatte ich einen Läufer ausgemacht, der mir vom Tempo her als Hase dienen könnte, nur seine Schrittfrequenz war gewöhnungsbedürftig lang und ich verfiel immer wieder darin, mich ihm anzupassen. Als ich bemerkte,dass mir seine Fußstapfen einfach zu groß waren, hielt ich mich eher an einen weiteren Läufer, der inzwischen neben mir aufgetaucht war. Von da an bildeten wir bis etwa km 6 ein Trio. Also die beiden vornweg und ich mit Respektsabstand hinterher.
Merke: Den Kindern mal wieder von Hase und Igel erzählen!

Ich lag irgendwo zwischen einer 4-er und 3-er Atmung und stellte schließlich fest, dass es am besten mit - 4 Schritten Ausatmen und 3 Schritten Einatmen - ging. Vielleicht ungewöhnlich, fühlte sich aber einfach richtig an. Ich hielt mich also kontinuierlich 3-10 Schritte hinter meinen beiden auserkorenen Hasen und hatte so viel Zeit mir den Wald und dann die mächtigen, schon etwas mitgenommenen 1000-jährigen Eichen anzusehen. Sehr beeindruckend muss ich schon sagen, auch wenn diese schnell hinter mir aus dem Blickfeld verschwunden waren. Immer wieder liefen wir auf weitere Teilnehmer auf und vorbei, so dass ich mir keine Sorgen ob des Tempos machte. Es lief und ich war locker!
Merke: Landschaftsläufe sind was fürs Auge und genau das Richtige für mich!

Bei km 4,5 in Ivenack gab es dann den versprochenen Getränkestand und ich nahm mir ein Becher Wasser. Ich weiß nicht genau, wie andere das machen, aber nach 2 Trinkversuchen, bei denen mehr im Bart und auf der Brust landete, gab ich auf und schüttete mir das kühlende Nass über die Birne. Ich möchte gar nicht daran denken, wie ich ausgesehen und wie das geklebt hätte, wäre da Cola oder Iso drin gewesen! Merke: Trinken üben!

Jetzt waren wir auf einem engen Trampelpfad direkt am See und weiterhin zu dritt unterwegs. Bei km 5 waren dann 2 weitere Läufer eingeholt, aber wegen der beengten Wege wollte wohl keiner das Risiko eingehen und überholen. So bildete sich jetzt eine Perlenkette mit mir als Schlussglied. Ich weiß nicht mehr genau, was mich dann geritten hat, war es die Unerfahrenheit, Übermut oder Eingebung aber an der gefühlt engsten Stelle scherte ich neben den Trampelpfad aus und setzte mich an die Spitze des Quintetts. Ich hatte mich bis dato eher zurückgehalten und zuletzt sogar ein bisschen bremsen müssen. Immer wieder ermahnte ich mich ruhig zu bleiben und erst ab KM 6 leicht zu beschleunigen. Aber plötzlich war da der Drang schneller zu laufen.
Merke: Bleib bei deinem Plan, solange bis er dich nervt!

Das nächste Schild, was ich wahrnahm war das bei km 7. Meine Mitläufer hatte ich hinter mir gelassen und war an 2 weiteren Läufern vorbeigezogen. Jetzt tauchten die ersten 3km-Walker vor mir auf und eine junge Mama ermahnte Ihre Tochter den schnellen Läufern Platz zu machen! Beide waren mit dem Rad unterwegs! Irgendwie lief es zu diesem Zeitpunkt, wie im Tunnel. Im Tischtennis sagt man „flow“, beim Laufen ist es glaube ich das „runners high“. Nur fliegen ist schöner!
Merke: Höre auf dein Gefühl und lass Laufen!

Immer wieder tauchten vor mir Läufer auf, an die ich mich heran saugte und problemlos überholen konnte. Besonders energisch wehrte sich eine Läuferin, die ihre Schrittfrequenz hörbar erhöhte, als ich bei km 8,5 auf sie auflief. Später stellte sich heraus, dass es die Erste der Damenkonkurenz war. Der letzte Kilometer war dann wirklich toll. In einer Art Steigerungslauf konnte ich gefühlt immer noch das Tempo erhöhen und noch weitere 3 oder 4 Läufer überholen, um dann im Schluuspurt ums Eck ins Stavenhagener Stadion einzubiegen und über die Ziellinie zu sprinten. Genauso hatte ich mir das vorgestellt!

Schnell war mein Sohnemann bei mir. Ein kurzes Abklatschen, die Frage warum ich erst jetzt käme, die Ersten wären schon seit einer Viertelstunde da und dann wollte er die Zeit wissen, so dass ich registrierte wieder einmal meine Stopptaste am Handy nicht gedrückt zu haben! Wie schon beim Autobahn-Staffellauf hatte ich im Endspurt keinen Gedanken mehr daran verschwendet, ich war schließlich mit Fliegen beschäftigt. Somit kann ich keine Nettozeit zum Lauf benennen, sondern habe nur die Angabe des Veranstalters vorzuweisen!
Zu Atem gekommen bin ich dann übrigens deutlich schneller als bei meiner Wettkampfpremiere in der Staffel und der Verpflegungsstand mit Apfelstückchen, halben Bananen und reichlich zu trinken lernte mich auch gleich mehrmals kennen! Einzige Enttäuschung – kein alkfreies Weizen! Ich dachte das gehört immer dazu?!
Merke: Bring zur Not eine Flasche und ein Glas mit!

Die Auswertung der Ergebnisse hielt dann noch eine Überraschung parat. Etwas iritiert über die Aussage „39“ der Zeitnehmerin (per Stoppuhr) beim Überqueren der Ziellinie stellte ich mich schon auf eine eher ernüchternde Platzierung ein. In der Liste stand dann aber folgendes:

Zeit: 46:39 – Gesamtplatz: 16 (von 72) – Platz AK Herren bis 1996: 15 (von 55)

Ich denke, dass kann sich sehen lassen für den ersten 10km Wettkampf! Angesichts meines eigentlichen Zieles „einfach mal ankommen“ und „sehen wo ich stehe“, kann man da wohl zufrieden sein! Auf Grund meiner Zeitverlorenheit und der vielen Nebenbeschäftigungen bei so einem Lauf kann ich nicht sagen, ob ich den negativen Splitt gelaufen bin. Das und die 45 Minutenmarke bleiben mir also als Ziel für den Herbstlauf in Glauchau!
Nächste Woche geht das Training wieder los!

aNGUS SchuAn

Anmerkung:
Meine Laufapp in Verbindung mit meinem älteren Touchscreen-Handy taucht wirklich nicht viel. Die erste Ansage kam deutlich nach der 1km Marke und bei der 2. hatte ich gefühlt das 3km Schild schon fast in Sichtweite! Am Ende waren weniger als 9,5km eingetragen. Spätestens zu Weihnachten wird wohl eine neue Uhr unter dem Baum liegen!
Die folgenden KM-Durchgangszeiten sind also mit etwas vorsicht zu bewerten.
5:15 – Los geht’s!
5:48 – Ich kämpfe mit dem Rhythmus!
5:00 – Jetzt läufts!
4:35 – Die Eichen liegen hinter uns.
5:47 – Trinken und Perlenkettenlauf
4:17 – Endlich freie Bahn
4:47 – Die Walker kommen!
5:11 – Radfahrer und Spaziergänger aus dem Weg!
4:01 – Steigerungslauf und Überholen, was das Zeug hält!
4:29 – Der letzte KM war nur noch 400m lang und ich habe erst viel zu spät auf die Stopptaste gedrückt!

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (2 Wertungen)

Sehr schön geschrieben!

Wobei der Anfang fällt ja wohl klar unter Tiefstapelei - wie tiefenentspannt Du ins Rennen gegangen bist, um dann in einer Hammerzeit zu finishen, ist ja unerhört.

Glückwunsch!
yazi

@yazi

Erwischt! Das Hibbeln war schon da, zwar nicht so stark wie beim Autobahnlauf, aber schon mehr als deutlich spürbar. Und das Vokabeltraining sollte mir auch die Zeit verkürzen, Ablenkung schaffen, um die Nervosität nicht offen am Revers zu tragen. Das kurze Einlaufen am Feldende hat aber tatsächlich so stattgefunden und ich war nicht der Einzige, ein weiterer Läufer war auch noch hinter dem Feld unterwegs und machte dort seine Übungen!

Das Ergebnis lässt sich übrigens durchaus relativieren, wenn man bedenkt, dass es sich nur um einen sehr kleinen Lauf handelte, an dem hauptsächlich reine Hobbyläufer und sicher auch viele Einmal-Läufer teilnahmen! Die Siegerzeit von 38:09 spricht da sicherlich auch Bände!

Wie schon in einem anderen Kommentar geschrieben: Ich bin da nicht so mutig, um gleich die größeren Läufe mit stärkerer Konkurrenz anzugehen! Aber schon Glauchau wird da eine ganz andere Hausnummer werden mit weit über 10-mal so vielen Teilnehmern.

Gruß aNGUS SchuAn


Aller Anfang sollte leicht sein, schwerer mach ich's mir ganz von allein!

Hättest Du...

... nicht gezählt nach wieviel Schritten Du atmen musst (geht bei mir automatisch),
... vorne gestanden,
... nicht so viel an Deinem alten Handy herumgespielt,
... keine Trinkgelage gemacht,
... ein gleichmäßiges Tempo gehalten,
dann wärst Du jetzt schon deutlich unter 45 Minuten geblieben ;-)

Beim nächsten Mal klappts mit Sicherheit :-)

@ gazelle 123

danke für die vielen absolut hilfreichen Tips, die, bis auf einen, ihre volle Berechtigung haben!

zum Schritte zählen:
So kontrolliere ich derzeit meine Anstrengungen, um nicht zu schnell loszulegen. Fällt vielleicht mit zunehmender Erfahrung weg!

zum Vorn stehen:
War ich schlicht zu feige dazu, auch weil ich nicht wusste was am Ende raus springt. Zudem wollte ich doch den ein oder anderem überholen können;)!

Einspruch beim Handy:
Den Punkt muss ich entschieden zurückweisen!!!! Das Handy hatte ich nicht einmal in der Hand während des Laufens! Nach 1km und 2km bringt es eine automatische Ansage der Zeit und Geschwindigkeit; nur deshalb konnte ich die abweichende KM-Angabe zuordnen! Ich habe sogar vergessen am Ende Stopp zu drücken!

zum Trinken:
Normal brauch ich auf 10km nichts, aber ich wollte es halt mal probieren!

zum gleichmäßigen Tempo:
Da hapert es noch gewaltig bei mir. Ich kann es einfach noch nicht einschätzen, wie schnell ich unterwegs bin, wie schnell ich loslaufen kann (siehe Punkt 1), wie schnell schnell ist! Da fehlen mir wahrscheinlich einfach die Erfahrungswerte und das Tempotraining, auf welches ich bisher weitgehend verzichtet habe. Da ich nicht auf der Bahn laufe und auch keine GPS-Uhr mein Eigen nennnen kann (noch nicht) wüßte ich momentan auch nicht, wie ich die Geschwindigkeit kontrollieren sollte. Wie bereits gesagt, mein Handy eignet sich nicht dazu!

Gruß aNGUS SchuAn.


Aller Anfang sollte leicht sein, schwerer mach ich's mir ganz von allein!

46 minus 38 ...

... is also ne Viertelstunde, schau an.
Ich finde, du hast den besten Lauf hingelegt, den du zu Beginn machen konntest. Voneraus erst mal sehn und hintenraus dann Gas. Die optimale Laufeinteilung, um dann auch Bestzeiten gemessen am Potential laufen zu können, kommt später. Völlig richtig.
Mit nem 4:30er Potential darf man sich übrigens durchaus bei kleinen Läufen in die erste und bei größeren Läufen in die zweite Reihe stellen. Nur ist es da schwerer es zu Beginn nicht zu übertreiben. Das braucht dann bissl Erfahrung hinten nicht einzubrechen. Andererseits mußt du auch das einmal erlebt haben, um das Maximum rausholen zu können.
Trinken sollte man in Wettkampfpace üben. Es trinkt sich ganz gut, wenn du den Becher mittig zusammendrückst und dann wie eine Trinkschnäpfe hast. Spritzt zwar die obere Hälfte raus, aber dafür hast du wenigstens die Untere im Mund und nicht auf dem Latz. Ich kippe mir übrigens auch gern bei nem 10er auf der Hälfte einfach nen Schluck in den Hals, um die Tockenheit weg zu bekommen. Klar geht auch ohne. Als Laufapp eignet sich Endomondo ganz gut. Die liegt. Noch am nächsten an Garmin und Co.
Viel Spaß in Glauchau.
;-)

@ Schalk

Viellen Dank für den Trink-Tip. Das werde ich beim nächsten Mal probieren. Das hinten raus einbrechen würde ich mir gern ersparen. Im Training habe ich es schon erlebt, wenn man plötzlich nur noch heimjoggen kann, obwohl noch 2-3 Steigerungen vorgesehen waren!

Gespannt bin ich, was bis Glauchau noch passiert. Morgen gehts mit dem Training wieder los, nachdem sich, Stand heute, mein Schienbein wieder besser anfühlt! Ich denke es war richtig die letzte Woche eine Pause einzulegen!

Für den Lauf ist dann vorgesehen, bereits ab der Hälfte das Tempo zu steigern und möglichst nicht mehr bremsen zu müssen. Da ich die Strecke dort halbwegs kenne, müsste die Wegbreite ausreichen, um nicht auf irgendjemanden aufzulaufen oder ausweichen zu müssen! Auch den Schlussspurt werde ich versuchen noch etwas eher anziehen! Mal sehen wie's laufen wird.

Gruß aNGUS SchuAn


Aller Anfang sollte leicht sein, schwerer mach ich's mir ganz von allein!

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links