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Nach der im Rahmen meines CologneTriathlonHalf extreme+ absolvierten Sprintdistanz war nun also Power-Regeneration gefragt. Nach dem Rennen erst noch schnell das in Köln sehr gute Finisher-Buffet plündern, Massage ("wenn ich an meinen Beinen gestreichelt werden will, gehe ich lieber zu meiner Freundin") und ab zurück in die Wechselzone um Rad und sonstigem Kram auszuchecken. Es wurde perfektes Timing, denn kaum waren Fahrrad, Sohnemann, Mutter und Schwester im Auto untergebracht, kam auch der große Regen.

Gleichzeitig passierte aber auch schon die erste Panne des Wochenendes. Es ging nämlich an diesem Wochenende nicht nur um mein Rennen, sondern auch mit starkem Fokus um das Rennen von Britta. Beide haben wir aus dem Laufen heraus in 2012 ganz vorsichtig erste Triathlon-Gehversuche gestartet und daran zunehmend mehr und mehr Spaß gewonnen. Ich war vielleicht noch verrückter, indem ich in diesem Jahr gleich eine Langdistanz ausprobierte. Für Britta war die Mitteldistanz in Köln die erste wirklich große Triathlon-Herausforderung. Als wir vor etwa einem halben Jahr gemeinsam beschlossen für das Rennen zu melden und das Wochenende gemeinsam anzugehen, wussten wir noch lange nicht, was uns wenige Monate später dann in Köln tatsächlich erwarten wird. Es stellten sich noch so Fragestellungen wie "Werde ich es schaffen 1900m im Freiwasser zu schwimmen?". Aber jetzt rückblickend sollte es bei uns beiden ganz anders kommen. Die Panne war aber, dass wir uns am Samstag mittag am Fühlinger See verpassten, da mein Handyakku leer war und wir separat anreisten. Da auch die im Internet lang und breit angekündigte Hüpfburg für die kleinen Fans vor Ort gar nicht existierte, gab es auch den von uns als Notfalltreffpunkt vereinbarten Ort nicht. So musste das erste Treffen des Wochenendes in Köln auf später verschoben werden.

Ich fuhr heim und war erstmal platt. Die Anreise Freitag nach von Braunschweig nach Köln, die kurze Nacht mit meinem Sohn und den in aller Hektik im Vorbeigehen absolvierte Sprint hatte ordentlich geschlaucht, aber jetzt war ja endlich der Moment da um in Köln "anzukommen". Ich weiß gar nicht wer kurz nach Ankuft zuerst eingeschlafen ist - mein Sohn oder ich. Jedenfalls haben wir beide Jungs erstmal einen erfrischenden Mittagsschlaf gemacht. Nach knapp 2 Stunden wieder wach war erstmal der Kreislauf im Keller...sofern man von Kreislauf überhaupt sprechen konnte. Es wurde jetzt aber Zeit endlich Britta und ihren Freund zu kontaktieren und die Planung für den Rest des Wochenendes zu konkretisieren. Spannend war halt die Frage, wie die beiden rund 13km voneinander entfernten Wechselzonen bestückt werden sollten und wann/wo wir das ausgemachte Hibbel-Carboloading-Dinner einnehmen sollten. Britta war schon unterwegs um die Vorbereitung ihrer ersten Mitteldistanz so früh wie möglich abzuschließen. Und ich erinnerte mich auch, dass ich es beim Ironman Frankfurt sehr genossen hatte, dass die Wechselzonen schon am Vortag fertig eingerichtet waren und ich mich in aller Ruhe wirklich auf das Rennen konzentrieren konnte. Außerdem war da ja auch noch meine wackelnde Zahnradkassette am Hinterrad und ich wollte lieber am Samstag, als hektisch am Sonntag noch den Bikeservice in Anspruch nehmen.

Also präparierte ich meine Laufschuhe, stopfte sie mit einem paar Socken in den zweiten Wechselbeutel und brachte ihn in Deutz in die Wechselzone. Nachdem ich dann noch kurz die Wege des Disziplinenwechsels einmal abgelaufen bin, ging es dann gleich weiter zum Fühlinger See um dort auch noch das Rad loszuwerden. Dort war auch Britta und Freund schon vor Ort und wir sind uns endlich erfolgreich über den Weg gelaufen.

Dies geschah aber erst, nachdem ich besagten Bikeservice aufgesucht hatte. Hier gilt es großes Lob auszusprechen. Er wusste sofort, was das Problem war - ich hatte einen Zwischenring vergessen vom alten auf das neue Rad zu übertragen. Schwuppdiwupp war der Ring eingebaut und schon überflogen seine Blicke mein Fahrrad nach weiteren Mängeln. Er entdeckte einen fehlenden Lenkerendstopfen, ein ungeschütztes Ende eines Schaltungszugdrahtes und wenn er schon mal dabei ist, dann stellt er mir noch die Schaltung korrekt ein. Der Rest des Rades entsprach seinem Qualitätsanspruch...so ein wenig achte ich ja selber auch auf meinen Drahtesel. Auf die Frage hin, was er denn jetzt für den umfangreichen Rundumcheck bekomme, bekam ich als Antwort "gib mir einen Euro für das Kleinmaterial". Yippiieh ich hatte ein generalüberholtes Fahrrad für einen Euro. Die 90km durften kommen.

Für das ausgemachte Hibbel-Dinner wurde dann der Vapiano in Köln-Deutz ausgemacht. Zwar sicher nicht das Ambiente-Dinner, dafür aber um die Ecke von Brittas Hotel, Garant für schnelles leckeres Essen und es gab Pizza und Pasta - genau das Richtige für den Vorabend einer Mitteldistanz. Parallel zur Pizza wurde nochmal die grobe Zeitmarschroute für den nächsten Tag besprochen. Britta hielt an ihrem sub6Std.-Plan fest, ich rechnete durch, wie ich die 5Std.-Marke knacken könnte, wenn alles aber auch wirklich perfekt läuft.

Der Einsatz am Samstag nachmittag sollte sich lohnen, denn so wurde der Sonntag vormittag erheblich entspannter. Mein Sohn freute sich über eine lange, ausgiebige Spieleinheit mit seinem Papa und Britta und ich trafen mittags ziemlich entspannt an der Wechselzone ein. Ihr Start war 12:30, meiner 12:40 Uhr.

Nach dem Start der Elite um 12:20 Uhr ging dann um 12:30 Uhr die größte Startgruppe ins Rennen. Beim Anblick erinnerte ich mich an Samstag vormittag, wo ich ernsthafte Schwimmprobleme beim Sprint hatte, da ich viel zu viel im Hauen und Stechen anderer Schwimmer war. Britta war am Sonntag mittendrin. Zum Glück registrierte ich, dass meine Startgruppe wesentlich kleiner sein sollte und reihte mich etwas abseits vom kürzesten Weg ein. Nach dem Startschuss registrierte ich sehr schnell, dass das Schwimmen völlig anders als im Vergleich zum Vortag ablaufen sollte. Ich hatte nur minimal Feindkontakt und schwamm auf den breiten Regattabahnen ganz gemütlich meine 1.900m ab. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich nach 41:50 Minuten aus dem Wasser stieg, mit ein paar Metern laufen zur Zeitnahme wurde es in der offiziellen Ergebnisliste eine 42:03 Minuten. Das war mit 2:13 Minuten pro 100m zwar sicher nicht mein optimales Tempo, aber nach allen Befürchtungen aus den Ereignissen vom Vortag war ich froh total entspannt aus dem Wasser zu kommen. Es sollten ja noch 111,1km Wettkampfkilometer kommen, und zwar in den beiden Disziplinen, die mir am meisten Spaß machten. Zu diesem Zeitpunkt war ich 541ter aller 651 gestarten Männer der Mitteldistanz.

Nach 2:16 Minuten Wechselzeit für Neo ausziehen und in den Wechselbeutel stopfen, Helm, Brille und Startnummer anziehen, Rad rausschieben und aufspringen, hatte ich allein hier wieder 65 Teilnehmer überholt. Jetzt saß ich auf meinem generalüberholten Alu-Drahtesel. Da konnte ja nichts mehr schiefgehen. Ich ging davon aus, dass die Radstrecke in Köln schnell sein würde. Einerseits wusste ich, dass es überhaupt keine ernst zu nehmende Höhenmeter gab. Aber die Woche zuvor in Stockholm habe ich gelernt, dass auch eine flache Strecke zu langsamen km-Durchschnittswerten führen kann, wenn sie nämlich technisch sehr anspruchsvoll ist. Aber auch das konnte ich für Köln ausschließen - lange, breite Straßen, die kaum Kurven hatten. So blieb schon auf dem ersten Teilstück vom Fühlinger See rein in die Kölner City nach Deutz, viel Zeit zum nachdenken und -rechnen. Wo würde ich wohl Britta überholen? Sie war 10 Minuten vor mir gestartet, würde wohl 2 Minuten schneller schwimmen, die ich aber in der Wechselzone schon wieder gut machen sollte. Also startete sie 10 Minuten vor mir auf die Radstrecken. Nach ihrem 6 Stunden-Plan würde ich meinen Radsplit etwa 30 Minuten schneller als sie absolvieren, also sollte ich nach etwa einem Drittel, so bei km30 Britta überholen.

Nach dem ersten Wendepunkt in Deutz ging es wieder aus Köln Richtung Norden raus und sogar über den Fühlinger See hinaus, wo uns ein Stück im flachen Land mit wirklich bösem Gegenwind erwartete. Ich war heilfroh dann auch endlich dort den Wendepunkt zu erreichen, denn dann sollte ja aus dem starken Gegen- als Belohnung nun Rückenwind geben. Der Punkt war nur, dass der Wendepunkt bei km42,5 war und von Britta war weit und breit nichts zu sehen. Hatte ich sie verpasst? Aber in ihrem auffällig roten Outfit sollte ich sie doch nicht übersehen. Hatte sie einen Defekt? Es sollte schließlich bis km48 dauern, bis ich sie inmitten einer Gruppe sportlich aussehenden Jungs entdeckte. Ich fuhr auf sie auf, fragte sie nach ihrem Befinden und bekam als Antwort "bestens". Als ich dann wieder mein Tempo aufnahm musste ich erstmal nachdenken: "bestens?". Sowas sagt man doch irgendwie nicht, das Maximum was ich erwartet hatte war "ganz gut" oder etwas vergleichbares. Aber es freute mich und so konzentrierte ich mich wieder auf mein Rennen.

Nach einer erneuten Wende in der Nähe des Ziel und nochmal gut 10km raus und wieder rein nach Köln waren die 90km der Radstrecke auch geschafft. Offen gestanden fiel es mir zum Ende hin schwer Druck auf den Pedalen zu halten. Mein Puls war mit durchschnittlich 137 weit unter GA1, aber im Kopf hatte ich das Gefühl erschöpft von der langen Triathlonsaison zu sein. Ich war dann heilfroh, als ich wieder mein optimiertes Wechseltraining ausüben durfte und redete mir ein, dass es jetzt nur noch ein Halbmarathon bis zum Ende meiner Saison sein würde. Den Bikesplit absolvierte ich in 2:36:08 Stunden, einem 34,6km/h-Schnitt. Mittlerweile war ich auf Rang 296, hatte also 331 Teilnehmer auf der Radstrecke überholt. Um meinen Traum von der sub5Std. zu erfüllen, war die Marschroute auf dem Rad eine 2:30 Std. Und da ich nicht das Gefühlt hatte besonders gute Beine zu haben, war mir hier schon klar, dass ich einfach mein Rennen zu Ende laufe und die sub5 auf 2014 verschiebe, wo es ggf. um mehr als in Köln geht.

Die Laufstrecke bestand aus zwei Wendepunktstücken auf beiden Rheinseiten, nördlich der Deutzer Brücke. Der erste Wendepunkt rechtsrheinisch kam bereits nach knapp 1,7km und es ging zurück Richtung Ziel. Kaum gewendet riss mich Britta aus meiner Konzentration und hielt mir ihre Hand zum Abklatschen entgegen. Konnte das sein? Sie hatte seit unserer Begegnung auf der Radstrecke nur weitere knapp 10 Minuten verloren. Der Eindruck bestätigte sich dann auf dem linksrheinischen Wendepunkt, wo sie mir auch schon freudestrahlend entgegen kam. Es war ein wirklich herrlicher Anblick. Jetzt, da sie schon fast ein Drittel der Laufstrecke schon hinter sich hatte, schien sie sich sicher, dass sie auch das hohe Lauftempo beibehalten konnte. Es war toll einen Menschen so fröhlich zu sehen.

Aber auch bei mir lief es gut. Ich hatte so ein Tempo knapp unter 5:00-Pace gefunden, welches ich den kompletten Halbmarathon entspannt durchlaufen konnte. Mein Puls war auch beim Laufen deutlich unter GA1-Tempo, aber mir fehlte einfach die Kraft um nochmal in Richtung sub5 anzugreifen. Britta kam mir auf der zweiten Laufrunde noch noch zweimal entgegen. Und auch wenn ich nicht dachte, dass es geht - ihr Grinsen wurde jedesmal noch breiter. Sie machte sogar noch Scherze, während ich ihr aufmunternde Worte zurief, dass sie das Tempo beibehalten und nicht auf den letzten km noch einbrechen solle. Genau bei km20 musste ich dann zum zweiten Mal die unangenehme Wendeltreppe zur Deutzer Brücke hoch. Aber da ich seit Kindheitsjahren Treppen gerne hochsprinte und am anderen Ende der Brücke das Ende meiner Triathlonsaison wartete, gab es einfach nur die Option hochsprinten. Der Rest war Schaulaufen. Gleich hinter der Deutzer Brücke warteten schon meine Mutter und mein Sohn auf mich, jubelten mir ein letztes Mal zu und dann kam der Zielkanal. Es war weit weg vom Gefühl des Frankfurter Ironman-Zielkanal, dann aber doch ein überraschend emotionaler Moment, als ich auf den Teppich einbog und letztlich in 5:05:25 Stunden die Ziellinie überquerte. Den Halbmarathon war ich in 1:43:29 Std. gelaufen und hatte dabei nochmal 81 Plätze gewonnen. Im Ziel als 215ter war ich zwar unter ferner liefen. Aber dafür belegte ich in der CologneHalfExtreme+ Wertung den vierten Gesamtplatz. Nach dem Sprint war ich noch auf Platz 6, aber meine Stärken liegen halt immer noch auf den langen Dingern.

Britta folge dann nach weiteren 27 Minuten in 5:32:48 Stunden, entspannten 27 Minuten besser als die eigene Marschroute vom Vortag. Und...unglaublich...ihr Grinsen war noch breiter geworden.

5
Gesamtwertung: 5 (5 Wertungen)

Ich kann zwar nicht wirklich schwimmen....

...und werde von daher wohl nie einen Triathlon absolvieren, aber wenn ich deine Berichte lese, dann könnte selbst ich den Eindruck gewinnen, dass das Spaß macht!
Glückwunsch zum Doppel-Erfolg!
War spannend zu lesen!

sehr schönes Saisonfinale!

Was es nicht alles gibt: "TriathlonHalf extreme+"... ganz schön anspruchsvoll!
Aber umso besser zu lesen, wie routiniert Du so ein Wochenende schon absolvierst -- ich hätte nie gedacht, dass Du erst "so kurz" dabei bist!
Auf dem Foto hab ich cocobolo sofort erkannt, bei Dir musste ich doch wegen den aerodynamischen Defiziten etwas genauer hinsehen! =)
Danke für die Berichte -- sie machen mir richtig Laune für mein kommendes Jahr!

Gruß, Dominik
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"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Ich bin schon wieder am

Ich bin schon wieder am Grinsen. Ganz breit, das hast Du echt schön geschrieben. Wo ist hier eigentlich der Teilen-Button...?

Von meiner Seite: Ja, ich habe beim Radfahren auf dich gewartet. Auf diesen Luftzug von hinten... und als du auch für mich etwas später als erwartet an mir vorbeifuhrst, hat mich letztendlic das zu dem "bestens" motiviert, denn du warst ja nicht langsam, sondern ich schneller als erwartet unterwegs :)

Zu deinen T1-Zeiten habe ich im Bericht zur SD ja schon was geschrieben... wenn ich meinen schon arg geschrumpften Schwimm+T1-Vorsprung vor dir halten will, muß ich wohl diesen Winter unbedingt Wechseltraining machen, du wirst eindeutig im Schwimmen schneller.

Insgesamt noch einmal ganz viele Glückwünsche zur zweiten MD und im Vergleich höchst gelungenen Revanche für die schleifenden Bremsen der ersten. Du wirst deine sub5 im nächsten Frühjahr locker schaffen, und das an geeigneter Stelle für einen WM-Slot.

Für alles andere auch noch einmal großen Dank. Für Idee-Anstoß "MD", für DEN Plan, für viel unterwegs-Motivation und für ganz viel Gemeinsames an unserem Köln-Wochenende. Ich habe auf der Laufstrecke auch immer auf dein Auftauchen gewartet, und dein etwas ungläubiges Gucken war weitere Motivation für mein Grinsen.

War ein echt cooles Kölsches Wochenende mit dir, ich werde lange daran zurückdenken. Und mir deinen Bericht hier auf jedem Fall als super ergänzendes Gegenstück zu meinem abheften!

LG Britta

Was für ein gelungener Saisonabschluss!

Und dann noch fast aufs Treppchen, Riesenglückwunsch und Respekt! Sehr schön geschrieben. Und das mit der fehlenden Aerodynamik war mir bei Brittas Bericht schon aufgefallen ;-)

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Du bist bekloppt!

Eindeutig - und absolut unterfordert! Was eine Hammerleistung - ich gratuliere Dir ganz herzlich. Nur den Schwimmtrick, den MUSST Du mir verraten - bitte!!!!

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