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Nachdem der Jahreshöhepunkt (IM Frankfurt) mittlerweile 8 Wochen und mein jährliches Sightseeing-Event (Stockholm-Triathlon) nun eine Woche vorbei ist, sollte am vergangenen Wochenende mit meinem Heimatrennen die Saison ausklingen. Die letzten beiden Jahre bestand mein "Heimatrennen" jeweils aus dem Kölnmarathon, da dieses Jahr verstärkt aus Triathlon statt Marathon bestand, sollte es stilecht 2013 dann das Cologne Triathlon Weekend werden, wo ich nochmal Freunde und Bekannte an der Wettkampfstrecke sehen wollte.

Als ich Mitte des Jahres meldete, stellte sich dann die Frage nach der geeigneten Distanz. Zur Auswahl standen ein verlängerter Sprint, die olympische Distanz, eine Halb- oder Langdistanz. Eine zweite Langdistanz innerhalb von 8 Wochen wollte ich mir nicht antun, die halbe sollte es aber schon sein. Und dann gab es da noch die Kombinationswertungen aus Sprint am Samstag und einer der beiden längeren am Sonntag. Also hatte ich nicht lange rumüberlegt und für den sogenannten Cologne226half-extreme gemeldet.

Das Wochenende startete dann im Prinzip am Freitag abend mit der Anreise aus Braunschweig und dem "Check-in" gemeinsam mit meinem Sohn bei Mutter und Schwester. Da meine Startzeit am Samstag um 10:00 Uhr war, gab es also keine große Zeit für Aklimatisieren, geschweige denn den üblichen Samstag als gedanklicher Übergang von der Arbeitswoche hin zum Wettkampf.

So wurde es dann am Samstag auch gleich hektisch. Bis 8:15 Uhr galt es Sohnemann, Mutter und Schwester einzupacken und die gut 15 Minuten zum Fühlinger See zu fahren. Der Sprint sollte ja nur die Vorbelastung für den Sonntag werden, also hatte ich auch keinen großen Anspruch daran, dort schon mit Ruhe und Muße am Start zu stehen. Ziel war vielmehr das Ding solide zu finishen, zu wissen wie sich das Schwimmen im Fühlinger See anfühlt und die Laufwege in der Wechselzone kennenzulernen.

Aber a propos hektisch - das begann eigentlich schon am Tag zuvor. Nach meinem Sturz in Stockholm vergangenen Sonntag habe ich dann bei der ersten Radausfahrt danach gemerkt, dass mein Rad doch mehr Schaden als gehofft genommen hatte. Ich hatte im Hinterrad ein dickes Ei und es stellte sich die Frage, wie ich bis zum Wochenende damit umgehen soll. Ich hatte zwar noch einen Plan B, nämlich die Laufräder, die mir ein Freund für den Ironman ausgeliehen hatte und die ich immer noch nicht zurück gebracht hatte. Aber auch die hätten einen kleinen Bastelworkshop erfordert, weil sie eine 9er-Kassette Zahnräder montiert hatten, die wiederum eine andere Kette verlangten, als die für meine 10er-Kassette.

Zum Glück fand ich im Internet exakt meine Laufräder bei einem Versender und dieser lieferte auch sehr schnell, sodass ich am Freitag nachmittag schon basteln konnte. Es galt also Schlauch, Mantel und die Kassette auf die neuen Laufräder umzumontieren. Letzteres war eine Premiere für mich. Im Nachhinein, natürlich habe ich es falsch gemacht - es gab noch zwei Distanzringe zwischen Felge und Zahnrädern. Die habe ich beim Umbau übersehen. Effekt war, dass meine Zahnräder Spiel hatten. Ob ich damit einen Triathlon absolvieren konnte, wusste ich nicht. Zeit für einen erneuten Umbau war nicht mehr. Aber es war ja zum Glück der Sprint, d.h. sofern der in die Hose geht und ich abbrechen muss, hätte ich ja immer noch die Mitteldistanz.

Es blieb mir mal wieder nicht viel Zeit um mich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass ich gleich bei einem Triathlon starte. Und dann war ich auch schon im Wasser, paddelte zur Startlinie und dann wurden die Sekunden zum Start runtergezählt.

Die Schwimmstrecke war im Prinzip sehr einfach, ca. 340 auf der Regattabahn des Fühlinger See geradeaus, zweimal links um die Ecke und gleiches wieder zurück. Das Schwimmen dort wurde mir im Vorfeld als sehr einfach schmackhaft gemacht, weil es unter Wasser Leinen gab, die die Ruderbahnen markierten und somit eine tolle Orientierungshilfe bildeten. Was aber auch die Unterwasserleinen nicht verhindern konnten war, dass es auf der Strecke sehr voll wurde und ich massig Prügel bezog. So kam es erstmals in diesem Jahr, also inkl. zweimal Ironman-Distanz schwimmen etc., dass ich ernsthaft überlegte, ob ich die Schwimmstrecke schaffe. Es war immer was los, entweder ich bekam was auf die Brille oder jemand zog mir die Füße unter Wasser oder ich hatte Schnappatmung und Panik nicht genügend Luft zu bekommen. Die 700m waren eine Qual, die aber immerhin nach 14:04 Minuten schon zu Ende waren. Das war wiederum schnell und beruhigte mich wenigstens etwas, warum ich so schlecht atmen konnte...ich war einfach - für meine Verhältnisse - schnell geschwommen.

Dann kam meine neue Lieblingsdisziplin, der Wechsel. Die paar Laufmeter vom Schwimmausstieg zum Rad, Neo, Brille, Kappe aus, Helm, Brille und Startnummernband an, Rad schnappen und raus vergingen in 1:47 Minuten. Jetzt stellte sich die zentrale Frage: hält die falsch zusammengebaute Konstruktion meiner Zahnräder hinten?

Vorweg, sie hielten - aber es war teilweise schon etwas nervig, dass die Kette immer wieder gern ungefragt in einen anderen Gang gesprungen ist. Die Radstrecke war brettflach und ich konnte wieder ordentlich Boden im Teilnehmerfeld gut machen. Der 26km-Radsplit dauerte 41:34 Minuten - 37,5km/h-Schnitt. Sehr zufrieden. Der zweite Wechsel dauerte noch kürzer und so war ich nach nur 58 Sekunden mein Rad wieder am Ständer losgeworden, Helm und Brille aus, Laufschuhe an und raus auf die Laufstrecke. Es geht auch auf der Laufstrecke mit munterem Überholen weiter. So bei km3 spüre ich den lauten Atem eines anderen Teilnehmers im Nacken. Er überholt auch, ist aber so wenig schneller, dass ich ihm folgen kann. Er animiert mich, dass wir im weiteren Lauf zusammen arbeiten können. Bis dahin war ich in voll zufriedenstellender 4:10- bis 4:15-Pace unterwegs. Plötzlich gingen die km ziemlich genau in 4:00 Minuten raus. Wir unterhalten uns gut beim Lauf und aktualisieren ständig unsere Erwartungshaltung, welche Läufer vor uns noch unserer Zusammenarbeit zum Opfer fallen sollen. Es werden noch einige und am Ende reicht es im Schlussspurt sogar noch zeitgleich mit der ersten Frau über die Ziellinie zu gehen.

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In der Ergebnisliste wird es eine 1:30:52 Std., Platz 22 von 796 gestarteten Teilnehmern.

Jetzt begann die Power-Regeneration im Hinblick auf die Halbdistanz am nächsten Nachmittag...[Fortsetzung folgt]

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Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

1:47 für T1... hui, ich

1:47 für T1... hui, ich habe ja nie das Gefühl, zu trödeln, aber vergleichsweise brauche ich wohl doch zuviel Zeit, um die nassen Haare zu kämmen, die Zehen trockenzureiben und den Lidstrich nachzuziehen... hast Du eigentlich einen Schnellausstieg aus deinem Neo, oder mußt du da nicht auch eine Weile drauf rumtrampeln? Respekt!

Deinen Bericht vom ersten Tag kannte ich ja schon mündlich, aber die Beschreibung deines Schwimmens liest sich noch um einiges haariger. Da bin ich ja froh, bei meinen letzten SD-Starts immer in Frauengruppen gelandet zu sein! Und: Mit dem Rad hätte ich mich nicht losgetraut... aber du hast mal wieder minimalistisch alles gut hinbekommen und so ganz nebenbei neben deinen beiden startekn Disziplinen auch noch eine super Schwimmzeit erzielt. Notgedrungen wahrscheinlich, aber ist ja egal, was einen über die Strecke hetzt ;)

Ein super Ergebnis und eine tolle Platzierung unter den Umständen, nochmal Glückwünsche!

LG Britta

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