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Es war Wettkampftag! Hurra! Saisonfinale!

Ich wollte diese 10 km in Form von 6 Runden um so einen See herum laufen. Ich war reichlich spaet dran, und als ich am Veranstaltungsort ankam war der Lauf bereits im vollen Gange. Der reservierte Parkplatz fuer mein Fahrrad war so derart voll mit dem Geprussel des Nachbarn und seiner Person selber, dass kein Platz fuer mein Radl blieb. “Wie!! Biste etwa schon fertig?” fragte ich ihn unglaeubig und warf ihm ein paar Teile seiner Ausruestung zu, und um Platz fuer mein Fahrrad zu schaffen. Worauf er mir wortreich Antworten auf alle Fragen gab die ich ihm gar nicht gestellt hatte, warum er das Rennen hatte vorzeitig abbrechen muessen “Tschuldigugn, ich muss los” unterbrach ich ihn beim weglaufen. “Oh, Du rennst da jetzt noch mit?” Unglaeubiger Tonfall seinerseits. Was glaubte der denn wo ich gerade mit dem Fahrrad herkam? Direkt vom 10K Lauf? Aaaarrrgh!!!
Den spaeten Start emfpand ich nicht als Drama, schliesslich trug ich einen Chip am Knoechel. Der See lag da, ruhig und starr. Ein schoener Anblick. Weniger schoen war, dass die Strecke unter den Fuessen ein Mittelding zwischen Feldweg und Feld (ohne Weg) war, und entsprechend uneben. Apropos uneben: die Radfahrt zum Lauf war ebenso reichlich uneben gewesen. Nix da mit “recently resurfaced roads with smooth tarmac for an enjoyable ride” wie in der Ausschreibung gestanden hatte. “smooth tarmac” kiss my A^$£!! Uneben, Schlagloecher, und diesen Kies den man hier heutzutage anhand einer duennen Teerdecke auf die Strasse klebt um ihr einen neuen Anstrich zu verleihen. “Glatt” geht anders.
Aber zurueck zum Lauf. Die Beine waren wie Blei, meine Fuesse, wie immer bei solchen Laeufen, zunaechst noch ohne Gefuehl.

Piep, der erste km ist um: Pace 5:30. Kein Wunder dass sich das so grenzwertig anfuehlt, meine Trainingslaeufe in diesem Jahr waren fast ausnahmslos ne Minute pro km langsamer. Mein Mantra: “Immer weiter - einfach weiter – immer weiter und so weiter” und Kombinationen davon zucken mir im Takt zum Laufschritt durchs Hirn. Wenn ich in unter 60 Minuten ins Ziel schlurfe darf ich mir neue Schuhe aussuchen. Das ist mein einziges Ziel. Wir waren gewarnt worden dass die Strecke laenger ist als 10 km, also keine PB moeglich. Ob ich trotzdem 60 Minuten unterbiete? Beim Blick auf das Geroell was auf dem unglaublich unebenen Weg liegt (ob hier mal ein Haus stand?) und hoechste Konzentration erfordert, weiche ich meine Belohnungskriterien auf. Jede Menge Leute ueberholen mich, die einzigen Leute die ICH ueberhole, GEHEN. Aber manche Dinge sind mir derzeit echt und ehrlich total wurscht. Einfach weiter, immer weiter in einem Tempo was ich bei meinem Trainingszustand fuer phaenomenal halte. Dann ist die dritte Runde schon um und in meinen Fuesse haben ihre Taubheit verloren. Die Sonne scheint, wir haben 22 Grad, eine leichte Brise weht, man hoert das Laub auf den Baeumen leise rascheln. Ein Teil der Strecke liegt im Schatten. Der See ruht blau, klar und ruhig links von mir und sieht mit seinen gelben Bojen im dunkeln Wasser vor gruenen Bueschen und Baeumen einfach wunder-wunderschoen aus. Noch lieber als hier um den See herumzulaufen wuerde ich jetzt eine Runde darin schwimmen. Ich mache einen Bodycheck. Es ist noch lange nicht alles so in Ordnung wie ich es mir wuenschen wuerde, aber von den beiden Baustellen der letzten Wochen ist nichts, NICHTS zu spueren, und nur hin und wieder fuehle ich, dass da manchmal an diesen Stellen etwas gerne weh tut.

Auf der sechsten Runde geht es mir immer noch gut. Die Strecke ist nun fast leer, und mich ueberholt niemand mehr. Dafuer bin ich nun auf der Ueberholspur. Etwa 300m vor dem Ziel verringere ich gerade den Abstand zu einer Frau vor mir auf Armeslaenge, als sie mir einen Blick ueber die Schulter zuwirft, meine Nummer scannt, dann beschleunigt und nach etwa 100m wieder langsamer wird, waehrend ich gleichmaessig weiter trabe. Am Ende ist sie zwei Sekunden vor mir im Ziel und damit 5. Meiner Altersklasse geworden. Von Neun. Tolle Leistung, herzlichen Glueckwunsch *sarksm*. Ich Ich empfinde Mitleid mit der Dame.

Ich hatte einen wunderbaren Saisonabschluss, und ich habe die drei Stunden und 17 Minuten meiner ersten ungekuerzten OD (1500-43-10) von Anfang bis Ende genossen. Ich bin 270. Von 308 Finishern geworden und damit etwa im letzten Achtel. :-) Meine beste Platzierung habe ich auf der Schwimmstrecke gehabt. Die meiste Zeit habe ich in der Wechselzone liegen gelassen. Fuer die Laufstrecke die mein Garmin mit 10.8 km gemessen hat, habe ich eine Stunde und 59 ½ Sekunden benoetigt. Neue Schuhe werde ich mir – nach reichlicher Ueberlegung – nicht kaufen. Sondern einen neuen Badeanzug. Zur Belohnung.

Ach ja, und der Nachbar, der hatte, wie ich spaeter an der Nummer auf dem Rack erkannte, an der Sprintdistanz teilgenommen und hatte nach zwei Runden um den See bemerkt dass er die ganze Zeit ueber seinen Chip nicht getragen hatte *facepalm*

Cour-i-euse

3
Gesamtwertung: 3 (2 Wertungen)

Cour-i-euse kann OD

Und wie sie das kann! Riesenglückwunsch zum Genusstria als Saisonfinale! War sehr kurzweilig zu lesen, vielen Dank dafür!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

*kicher!*

Was für ein Laufstart! Kein Wunder, dass du soviel Zeit in der Wechselzone verloren hast, Frau sollte immer Pflaster dabei haben, oder Ohropax in den Ohren, damit sie Leute ohne Chip ertragen kann;-))
Ganz herzlichen Glückwunsch zum tollen Finish! Mensch Cour-i-euse, du bist wieder da!!!

Lieben Gruß
Tame

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