... heißt es in einer Bauernweisheit. Hiermit möchte ich ganz klar bekannt geben, dass diese weder bei Gewittern noch für Laufveranstaltungen zutrifft und deshalb aus meinem Weisheitenarchiv ins Mythenreich verbannt wird.

Noch 10 km bis zum Ziel, sagt mein Navi im Auto und ich weiß nicht wer unruhiger ist, mein Sohn auf dem Beifahrersitz oder ich am Steuer. 10 km sollen es an diesem Tag auch noch zu Fuß werden. Wo und Wann - ist bekannt! Wie gut und Wie schnell - werden wir bald herausfinden. Warum und Wie oft noch - da bin ich mir selbst noch nicht ganz sicher! Bevor ich aber zum eigentlichen Lauf komme, möchte ich das Kapitel der direkten Vorbereitung nachliefern und die Nachbereitung vorziehen.

Urlaubsläufe sind klasse! Ihr müsst wissen, dass ich auch in dieser schönsten Jahreszeit sehr früh aufwache. Spätestens wenn die ersten Sonnestrahlen durch die Bäume zum Fenster herein blinzel und die Bettdecke wärmen; spätestens wenn das nahe Meer rauscht und die Möwen zu kreischen beginnen und auch wenn alle anderen Familienmitglieder noch friedlich, tief und fest schlummern - Ich kann einfach nicht anders. Ich muss raus!
Raus in den morgendlichen, Ende August bereits kühlen, kieferngespickten Dünenwald; Raus zur über dem Wasser aufgehenden, hellorangen Sonne; Raus zum muschelwarmen Meeresrauschen.
Also kurze Turnhose an, Funktionsshirt drunter, Trainingsjacke drüber und in die Laufschuhe rein. Los geht’s!

Es sind insgesamt 6 Urlaubsläufe an der Ostsee geworden. 3 vor dem Wettkampf und 3 danach. 4 ½ mit neu gewonnener Begleitung und 1 ½ nur für mich! Am 2. Tag nach dem Ankommen gings los. In weiser Voraussicht habe ich den laut Plan anstehenden Tempolauf (8km in 80-90% Wettkampftempo) vorgezogen und schon beim Zwischenstopp auf der Anreise erledigt. 8,3 km in 41:10 min (Pace 4:58) sind es geworden, auch wenn es zwischenzeitlich etwas langsamer über die noch nicht ganz beräumten Hochwasserschäden der Zwickauer Mulde ging. Und obwohl ich schon Angst vorm Umknicken auf dem grobgesetinigen Ausschwemmungen hatte, war der Weg gar nicht schlecht gewählt, denn so war es ein ruhiger Anfang mit kleiner Kletterpartie bei km 2. Danach wurden verschiedene Tempoläufe gemacht und ein Schlussspurt sprang auch noch raus.

Der erste Lauf mit neuem Mitstreiter (sein erster Lauf seit der Bundeswehrzeit überhaupt) ging dann über 7,1km. Eigentlich zu lang für Ihn, aber er ließ sich nicht überreden nach 2,5 km gepflasterter Promenade und Einkaufsstraße umzukehren und so liefen wir von seinem Ferienhaus bis zum Jachthafen in Karlshagen. Immer abwechselnd ca. 1,5 km Laufen, 200m Gehen und Zwischenbelohnung am Wendepunkt – stolze Jachten gucken und Träume spinnen. Ich bin beim Laufen bewußt immer ein paar Schritte hinter ihm geblieben, um zu bremsen, denn zum Schluss stand trotz der Gehpausen eine Pace von 7:57 auf der Habenseite, incl. der 500m von meinem Domizil zu seinem.

Der zweite Urlaubslauf sollten dann laut Plan entspannte 10 km lang werden, um die Wettkampfdistanz nochmals unter die Füße zu bekommen. Da habe ich dann einen zweifachen Wendepunktlauf draus gemacht. Also erst mit Begleitung 2x 3km durch den Wald nach Trassenheide und zurück; anschließend noch 2x 2 km in die andere Richtung bis zur Neubausiedlung in Karlshagen mit wunderschönen, reetgedeckten Einfamilien-Eigenheimen. Pace 7:08, wobei Runtastic sagt, dass die ersten 6 etwas langsamer waren als beim 1. Lauf aber die 4 letzten km dann unter 6:00 durchgingen. Später habe ich auch noch meine Frau gehend bis zum 2. Wendepunkt geführt. Jetzt haben wir einen gemeinsamen Traum!

Die dritte, ursprünglich nicht geplante, wieder mit Begleitung gelaufene Morgenrunde war dann am Tag vor dem Wettkampf und ging über 4km, barfuß am Strand entlang. Pace 8:19, immer wieder im Wechsel anfersend durch den weichen, hohen Sand, neben meinem Mitläufer in den härteren ,wassernahe Bereichen und Kniehebelauf durch die Brandung. Ich kam aus dem Träumen gar nicht mehr raus.

Dann der Wettkampf am Sonntag. Hierzu aber später mehr.

Am Dienstag danach sagte der Plan dann 4km zur Regeneration. Mein Kollege wieder an meiner Seite und diesmal nur noch mit einer Gehpause, also einer deutlichen Steigerung zu seinem ersten Versuch. Ich wieder ein paar Schritte hinter ihm. Diesmal aber nicht, weil ich ihn bremsen wollte, sondern weil ich mich nicht wirklich laufbereit fühlte und es einfach nicht schneller ging! Und wenn sich sonst meine Verspannungen nach wenigen Kilometern lösen, wurde es diesmla nicht besser – eher schwand meine Lust von Meter zu Meter. Über die Gehpause war ich dann auch ganz froh und so standen am Ende 4,5km mit Pace 8:00 und ich war bedient für diesen Tag.

Zinnowitz, einmal im Urlaub muss das sein und 2 Tage später, also am Donnerstag, ging es meinen Beinen auch wieder gut. Meine Begleitung wollte allerdings die geplanten 12 km nicht laufen und so trennten sich unsere Wege in Trassenheide. Für mich nach 3km langsamen, gutem Einlaufen – LaufABC inklusive - und für Ihn nach 3km durchgehendem Stapfen – am Laufstil müssen wir noch arbeiten!
Bis zur Seebrücke nach Zinnowitz lief auch alles sehr locker weiter und da war er, der nächste Traum. Hinter mir gefühlte 500 m Seebrücke, unter meinen Füßen nur ein Paar Holzbohlen und vor mir eine Reling, Sonne, Möwen und Meer. Kennt Ihr den Film Titanic? – Mehr sag ich nicht!
Möwenschreie begleiteten meinen Rückweg über die Seebrücke. Eigenartige Geräusche machen die heute! Im Wald dann ein später Kauz. Klingt fast ein wenig menschlich! Aber wieso schreit der jetzt Hallo? Schon wieder Haaaaaallo! Diesmal deutlich aus Richtung Meer. Dann eine Sirene, kurze Zeit später Martinshorn vor mir und wieder kurz danach brecht eine Feuerwehr den sonst Läufern und Radlern vorbehaltenen Waldweg entlang.
Zurück am Trassenheider Strand wurde ich dann Zeuge einer Rettungsaktion. Notarzt, Rettungswaagen, Schlauchboot mit Taucher, Baywatch life! Echt schnell die Jungs, da kann ich was lernen!
Da ich kein Gaffer sondern Läufer bin, habe ich nach kurzer „Dehnpause“ und einem größeren Schluck aus meiner Trinkflasche meinen Weg fortgesetzt! Die letzten KM dann natürlich am Strand, mit Lauf ABC ... Das Rückwärtslaufen und –hopsen kann ich jetzt jedenfalls!

Am Abreisetag musste ich dann nochmals los! Unbedingt wollte ich nochmals die Morgensonne spüren, das Meer rauschen hören und Möwen schreien. Leider war der Freitagabend eher trüb und wolkenverhangen, übrigens der einzige Abend der ganzen 2 Wochen. Der Morgen sollte nicht besser werden. Trotzdem stellte ich mir meinen Wecker auf 6:30 Uhr und wurde belohnt. Pünktlich beim Loslaufen, einfach nochmals am Strand entlang, kam die Sonne durch. Das Meer machte mir zwar einen Strich durch die Rechnung und lag aalglatt und still hinter dem Sandstrand aber dafür wurde ich Zeuge des unglaublich vollen Rauschens, wenn hunderte Vögel auf einmal vom Meer aufsteigen und die Flügel erst laut und später nur noch flüsternd das Wasser streifen. Gänsehaut pur, selbst jetzt beim bloßen Aufschreiben.

Die Gänse flogen schon an jedem Morgen der letzten Ferienwoche über unser Ferienhaus hinweg in Richtung Süden und auch wir sind wieder zurück in Mittelfranken. Der Urlaub ist vorbei und meine melankolische Stimmung reichte aus, um gemeinsam mit meiner Frau am Sonntagabend Dirty Dancing zu sehen und einen Schoppen Wein zu trinken. Der Sommer neigt sich auch bei uns dem Ende Ende entgegen, genau wie im Film, das passte perfekt.

Aber eins weiß ich, die nächsten Urlaubsläufe werden kommen. Ich bleibe dran –ganz sicher!

aNGUS SchAn

Nachbemerkung:
Das häufige, längere Rückwärtslaufen auf den letzten KM des Zinnowitz-Run tat mir wohl nicht so gut, denn seither schmerzt mein linkes Schienbein ein wenig, wenn ich schräg auftrete (beim gehen) oder über die Ferse abrolle (beim laufen). Das habe ich schon beim letzten Urlaubslauf gemerkt; passte aber absolut nicht in meine Stimmung beim Schreiben rein. Deshalb sei es hier kurz erwähnt. Da ich im Forum etwas von Schienbeinsyndrom und 5 Wochen Laufpause gelesen habe und ich eher Feigling bin, habe ich den Lauf heute früh ausfallen lassen!
Ja genau ersatzlos gestrichen, das erste Mal seit Beginn meiner jetzt 10-wöchigen Lauferei nach Trainingsplan. Und mein Dogma der 3-Läufe-Woche gerät vielleicht auch in Gefahr, wenn es morgen immer noch spürbar ist! Sorry Gazelle, aber lieber 1 Woche Feigling als 5 Wochen gar nicht laufen können!

4
Gesamtwertung: 4 (1 Bewertung)

Ich sag nix!

Entscheiden musst allein Du, wann Du wieder läufst, aber manchmal hilft eine Pause auch nicht. Dann ist es besser, zu versuchen die Schmerzen wegzulaufen.
Den Fall mit dem Schienbeinkantensyndrom habe ich auch gelesen und mein erster Gedanke war: "Es sind die Schuhe"
Nach 5 Wochen Pause und dann 3 Läufen das gleiche Problem wieder zu haben, da liegt der Hund woanders begraben.

Übrigens an der Ostsee war ich auch... in Zingst... allerdings konnte ich mich nicht so oft um 6 Uhr zum Laufen aufraffen. Meistens bin ich erst nach dem Frühstück um halbelf losgelaufen.
Meine Serien haben alle noch Bestand, trotz 800 km für Anfahrt und Rückfahrt... habe unter der Woche ein paar Kilometer gebunkert ;-)

@ Gazelle 123

Danke fürs Lesen und den Kommentar. Die Schuhsache ist mir auch in den Sinn gekommen. Ich habe auch ein paar Neue und bin von leicht gestützt auf Neutralschu umgestiegen. Nur laufe ich meine neuen Schuhe schon einige Wochen und hatte bisher nie beschwerden. Im Gegenteil die neuen fühlen sich besser an als die Alten, das Gefühl jederzeit nach Außen umknicken zu können ist weg (war zwar nie der Fall gewesen. hat sich bei den gestützten aber so angefühlt)!

Ich werd sehen, wie es Morgen so geht. Vielleicht wirds ja trotzdem nen kürzerer, langer Lauf ;)!


Aller Anfang sollte leicht sein, schwerer mach ich's mir ganz von allein!

noch was vergessen ...

Da wär mir ja fast die Quintessenz des Baywatch-Einsatzes durch die Lappen gegangen! Am nächsten Tag war nämlich in der Ostsee-Zeitung und auch in der mit den 4 Buschstaben zu lesen, dass 2 Männer im Vollrausch ein Boot gekapert hatten und kurz nach dem auslaufen in Seenot gerieten. Die Rufe wurden dann von Passanten am Strand aufgefangen und führten zum Großaufgebot an Rettungskräften. Einer der Ganoven ist wohl auch noch stifften gegangen, denn den ganzen Vormittag suchten Boote der Küstenwache und ein Hubschrauber der Polizei mit Wärmebildkamera das Meer ab. Vor allem für die Kinder war das ganze aufregender als jede Fernsehserie. In der Zeit vom Beobachten des Hubschraubers und der Boote bis zur Erkenntnis aus der Zeitung war hochinterresant. Was Kindern da so alles einfällt!

Ich sags immer wieder: " Wenn Einer eine Reise tut ..."


Aller Anfang sollte leicht sein, schwerer mach ich's mir ganz von allein!

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